PM:Liegengebliebener ICE beschäftigt Bahnvorstand

  • Deutsche Bahn: Liegengebliebener ICE beschäftigt Bahnvorstand
    Das vierstündige Einsperren von rund 600 Fahrgästen in einem ICE der Bahn in Berlin beschäftigt nach Angaben des Tagesspiegels nun den Bahnvorstand. Es geht um die Frage, wie die Bahn ihr Krisenmanagement verbessern kann, um den Reisenden Unannehmlichkeiten zu ersparen, falls Züge auf freier Strecke liegenbleiben.
    Im vorliegenden Fall blieb ein ICE am Abend des 30.04.04 kurz vor dem Bahnhof Berlin-Spandau stehen, nachdem die Bremsen blockiert hatten. Die Fahrgäste konnten ihn erst nach vier Stunden verlassen, nachdem eine Diesellok aus Grunewald geholt und der Zug bis Spandau geschleppt worden war. Im Zug kam es zu unangenehmen Situationen, rund zwei Stunden lang war der ICE stromlos, Klimaanlage und Toiletten funktionierten nicht.
    Während die Bahn zunächst erklärte, der Bundesgrenzschutz habe es aus Sicherheitsgründen untersagt, die Fahrgäste auf freier Strecke aussteigen zu lassen, war der BGS nach eigenen Aussagen jedoch gar nicht im Einsatz und Bahnmitarbeiter hätten die Entscheidung, die Fahrgäste im Zug festzuhalten, selbst getroffen. Ein Aussteigen in der Nähe der S-Bahn-Gleise sei wegen der Stromschienen zu gefährlich gewesen (Pressemeldung Deutsche Bahn, 04.05.04).


    Quelle: Lokreport.de
    mfg Martin13

  • Vier Stunden eingesperrt: Fahrgäste klagen


    ICE war zwischen Zoo und Spandau liegen geblieben. Bahnvorstand will heute Konsequenzen beraten


    Von Klaus Kurpjuweit


    Das vierstündige Einsperren von rund 600 Fahrgästen in einem ICE der Bahn, der nach einem Defekt liegen geblieben war, beschäftigt jetzt auch dìe Staatsanwaltschaft. Mehrere Fahrgäste haben eine Strafanzeige erstattet – wegen des Verdachts der Körperverletzung, der Freiheitsberaubung und wegen unterlassener Hilfeleistung.


    Der ICE war, wie berichtet, am 30. April kurz nach 20 Uhr nahe dem S-Bahnhof Heerstraße wegen einer defekten Bremsanlage liegen geblieben. Das Abschleppen des Zuges zog sich über vier Stunden hin. Erst gegen Mitternacht konnten die Fahrgäste in Spandau mit einem Ersatzzug weiterfahren. Die Bahn ließ die Fahrgäste nicht auf freier Strecke aussteigen, weil sie nach Ansicht der Verantwortlichen durch die benachbarten Stromschienen der S-Bahn gefährdet worden wären. Zudem bestehe beim Laufen über die Schottersteine der Gleise eine Stolper- und damit eine Verletzungsgefahr.


    Seine Mandanten, die sportlich seien, hätten den Zug verlassen, wenn die Bahn dies ermöglicht hätte, sagt Anwalt Heinrich Weber. So aber mussten sie wie alle anderen im Zug ausharren, in dem nach Abschalten des Stroms auch die Klimaanlage sowie die Toiletten ausgefallen waren. Fenster lassen sich im modernen ICE nicht öffnen. Seine Mandanten hätten Beklemmungsgefühle bekommen, so der Anwalt weiter. Zudem habe es in Teilen des Zuges stark gestunken, weil die Toiletten benutzt worden seien, obwohl sie nicht funktioniert hätten. Dies habe das körperliche Unwohlsein der Fahrgäste verstärkt. Hinzu gekommen seien Angstgefühle, weil völlig unklar gewesen sei, wie lange die „Gefangennahme“ im Zug dauere.


    Die Bahn hat aus dem Einsperren der Fahrgäste noch keine Konsequenzen gezogen. Heute will sich nach Informationen des Tagesspiegels der Vorstand damit beschäftigen. In dem Zug sollen auch Politiker gesessen haben, die auf der Heimreise ins Wochenende waren. Auch zu der Ursache des Bremsdefekts gibt es keine Angaben. Die Prüfungen seien noch nicht abgeschlossen, sagte Bahnsprecher Gisbert Gahler.


    Nach bisherigen Vermutungen, zu denen Gahler sich gestern noch nicht äußern wollte, haben die Bahnmitarbeiter im Zug versucht, eine verstopfte Toilette zu reparieren. Dabei sei Abwasser in den Wagenkasten geflossen, wo es zu einem Kurzschluss gekommen sein soll. Deshalb habe man die Bremsen nicht mehr lösen können. Toiletten im ICE 2 seien im Übrigen häufig verstopft, weil das Abwasserrohr einen zu kleinen Durchmesser habe.
    Quelle:http://www.tagesspiegel.de/ber…iv/11.05.2004/1116158.asp
    mfg Martin13