Diverses aus Darmstadt


  • Die Bilder aus diesem Thema sind bereits eine ganze Weile nicht mehr online und daher nicht mehr zu sehen. Eine Wiederbelebung dieses Themas ist kurzfristig nicht vorgesehen. Aber es wird in Sachen Darmstadt sicher nicht das letzte Wort sein. ;)



    SD

  • Der Betriebsinspektor der Main-Neckar-Bahn Ferdinand Scheyrer verfaßte 1894 in den Neuen Hessischen Volksblättern eine Artikelserie, wie er sich den Aufbau eines elektrischen Straßenbahnnetzes in Darmstadt vorstellt. Es scheint ein Bedürfnis vor allem für das Bürgertum gegeben haben, mit der Tram zum Bahnhof oder ins Grüne gefahren zu werden. Tatsächlich bediente die 1897 eröffnete elektrische Straßenbahn genau dieses Bedürfnis. Die Arbeiterinnen und Arbeiter hingegen konnten ruhig zu Fuß gehen, um an ihre Arbeitsplätze zu gelangen. Offenbar trug sich dieses auf das Bürgertum ausgerichtete Konzept bis zum Ersten Weltkrieg. Immerhin sah Scheyrers Idee eine spätere Anbindung des Fabrikviertels im Westen der Stadt vor. Diese Anbindung wurde nie verwirklicht, obwohl dort später mit Rodberg, Röhm und Schenck einige größere Fabriken errichtet wurden.


    Einigen von den hier Mitlesenden dürfte der Plan bekannt sein.


    Ferdinand Scheyrer gab seine Denkschrift in erweiterter Fassung in einer kleinen Broschüre mit 31 Seiten und einem großen Lageplan heraus. Die vollständige Denkschrift steht nun auf meiner Webseite zur Verfügung.


    Zur Dokumentation der Denkschrift mit Lageplan.


    Als Appetithappen stelle ich hier einen Planausschnitt von Scheyrers Idee ein, der die Innenstadt ungenordet zeigt (Norden ist links).


  • Zitat

    Original von Pallaswiese
    ...
    Ferdinand Scheyrer gab seine Denkschrift in erweiterter Fassung in einer kleinen Broschüre mit 31 Seiten und einem großen Lageplan heraus. Die vollständige Denkschrift steht nun auf meiner Webseite zur Verfügung.


    Zur Dokumentation der Denkschrift mit Lageplan.


    "Ey echt fett Alter!"


    Da platz einen fast das Auge wenn man solche Schmankerl vorgesetzt bekommt. Danke!

    "Bitte beachten Sie folgenden Hinweis. Auf Grund von Verzögerungen im Betriebsablauf verkehrt dieses Posting ohne Signatur mit Tiefgang... Vielen Dank."
    Ich passe mich nur dem RMV an :-)

    Einmal editiert, zuletzt von Re465 ()

  • Es ging ja auch mehrere Jahre hin und her zwischen der Stadt Darmstadt und dem Koinsortium/SEG. Ohne den "Zirkus" um die Nutzungdrechte der Straßen wäre die elektrische Straßenbahn wesenrlich früher gekomme (eben um um 1894).

    Viele Grüße aus Darmstadt - Jörg "Baertram" D.
    RMV senkt die Preise? - Eher fährt unser Tw 37 aus eigener Kraft von Wixhausen nach Leimen.
    Der Bergstraße gibt man 4 Minuten - der Heimstättensiedlung werden sie genommen. Waren das noch Zeiten, als der "H-Bus" von der (Fach-)Hochschule zur Berliner Allee nur 2 Minuten brauchte.

  • Ich habe meine Darstellung zum Postgleis in der Grafenstraße erweitert. Im Staatsarchiv Darmstadt bin ich auf eine Akte gestoßen, die eine ganze Menge Material über die Einrichtung un den Betrieb dieser Paketpostbeförderung per Tram liefert. Jedoch ist mir weiterhin nicht klar, wann selbiger Postdienst per Straßenbahn wieder eingestellt wurde. Hier der Link zur Darstellung.


    Und wer die Geschichte noch nicht kennt, bekommt auch hier einen Appetithappen:



    Links geht das Gleis in die Grafenstraße …

  • Die Einstellung dürfte wohl im zweiten Weltkrieg zu finden sein. Genauer würde ich 1943/44 tippen. Denn nach dem Bürnheim/Burmeister ist ja aus dem Post-Triebwagen 97 (1918 ex Tw 17 aus der Ursprungsserie) der Bw 156 (später SB 4) entstanden. Das Umbaujahr wird mit 1944 angegeben. Der zweite Post-Triebwagen 98 (1918 ex Tw 18 aus der Ursprungsserie) wurde allerdings 1944 zum Hilfsgeräte- und Rangier-Triebwagen 98, und versah so seinen Dienst bis zum Jahr 1962, wo er dann von einen der neuen Hilsgeräte- und Rangier-Triebwagen 6" (ex ST-3-Tw 66) oder 7" (ex ST-3-Tw 67 - vermutlich letzterer) abgelöst wurde.
    Bürnheim/Burmeister gibt an, das die beiden Tw nach Einstellung des Post-Dienstes 1944 weiterverwendet wurden. Es ist auch nicht bekannt, was genau 1918 für die Herrichtung zum Post-Tw von Nöten war.

    Viele Grüße aus Darmstadt - Jörg "Baertram" D.
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  • 1918 wurde nach Aktenlage nur der 18 hergerichtet. Der mußte dann rund 95% des gesamten Paketaufkommens befördern. Daß ein weiterer Wagen nach Ende des 1. Weltkriegs hergerichtet wurde, habe ich in den Akten (der Oberpostdirektion Darmstadt) nicht finden können. Die enden aber 1920. Geplant waren ursprünglich drei, gelaufen sind zwei, wovon nur einer umgebaut wurde und der andere aus dem laufenden Betrieb stundenweise abgezweigt wurde. Später, unter anderen Verhältnissen, mag sich das geändert haben. Der Umbau wird in einem Schreiben recht genau beschrieben.

  • Ich habe Deine Seite gelesen. Das würde auch den Umbau des Tw 97 (ex 17) zum Bw 156 mit relativ geringen Mitteln im Krieg erklären. Das da aber Postbeamte als Fahrer ihren Dienst verrichteten, war mir neu.
    Gibt es vielleicht die Möglichkeit über die Post und über deren Geschichte Daten zu erfahren?

    Viele Grüße aus Darmstadt - Jörg "Baertram" D.
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  • Zitat

    Gibt es vielleicht die Möglichkeit über die Post und über deren Geschichte Daten zu erfahren?


    Da kann ich, glaube ich, nur an das Staatsarchiv verweisen. Straßenbahnmäßig dürfte das aber der einzige Aktenbestand sein. Doch noch tiefschürfender habe ich mir das jetzt nicht angeschaut. Die Akte hat die Sigle J 21 (Oberpostdirektion Darmstadt) Nr. 30. Da läßt sich - vielleicht - noch mehr rausholen. Die handschriftlichen Kurrentschriftteile habe ich eher überflogen und den Vertragsentwurf nicht auch noch abgeschrieben. Kopieren war schwierig, weil der Aktenband derart zusammengeheftet ist, daß beim Kopieren die Ränder recht unleserlich werden. (Teuer ist der Spaß ohnehin, 50 Cent pro Kopie.) Die meisten dieser Akten dürften jedoch 1944 verbrannt sein.

  • Ein Hefrfahrschein aus dem Zweiten Weltkrieg zeigt nicht nur das damalige Liniennetz der HEAG, sondern lädt zudem zum Raten ein, was die einzelnen Abkürzungen bedeuten. Die Nazis hatten nämlich Ende der 30er Jahre einige Straßennamen (und den des Louisenplatzes) geändert.


    Hier der Link zur Darstellung.


    Auch hier ein Appetithappen:


  • Willst Du jetzt wissen, welche Haltestellennamen hinter den Abkürzungen (Waldfriede z.B.) steckt?
    Interesant ist der Fahrschein schon: Die Linie 8 nach Alsbach z.B. (nach anderen Quellen wurde angeblich von gedruckten Fahrplänen bis Zwingenberg geschrieben), das die Linie M zur Markthalle fuhr oder die zusätzlichen Haltestellen zwischen Böllenfalltor und Trautheim der Linie O, wobei auch die Linie N zu erkennen ist. Auf jeden Fall müste das Ticket aus den späteren Kriegsjahren stammen, da die HEAG hier schon Hessische Elektrizitäts Aktiengesellschaft heißt (was seit 1941 der Fall ist).

    Viele Grüße aus Darmstadt - Jörg "Baertram" D.
    RMV senkt die Preise? - Eher fährt unser Tw 37 aus eigener Kraft von Wixhausen nach Leimen.
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  • Das ist ja wirklich ein interessantes historisches Stück!
    Die Zahlen auf dem Linienzweig Rtg. Alsbach sind Tarifgrenzen ohne Haltestellen.
    Interessant ist vor allem, daß die Haltestelle Schloß als zentraler Umstieg hervorgehoben ist mit Direktverbindung (!) aus Richtung Arheilgen, ohne Weg über A-H/Lui, während der eigentliche (-heutige-) Zentralpunkt A-H - Adolf-Hitler-Platz/Name Luisenplatz während der Nazizeit nur als Neben-Stichstrecke angedeutet ist.
    Diese Direktverbindung von der Frankfurter Str. durch die heutige Zeughausstr. gab es doch nicht? Mir bekannt ist das "Theatergleis" zum heutigen Staatsarchiv, das wohl von der Schloßschleife abzweigte, aber ohne Verbindung Rtg. Arheilgen. Oder betraf das nur die damalige Buslinie R?


    fmm_de

    Avatar: Relikt! Remember Linie 5 Liebfrauenstraße!

  • Das ist ja wirklich ein interessantes historisches Stück!
    Die Zahlen auf dem Linienzweig Rtg. Alsbach sind Tarifgrenzen ohne Haltestellen.
    Interessant ist vor allem, daß die Haltestelle Schloß als zentraler Umstieg hervorgehoben ist mit Direktverbindung (!) aus Richtung Arheilgen, ohne Weg über A-H/Lui, während der eigentliche (-heutige-) Zentralpunkt A-H - Adolf-Hitler-Platz/Name Luisenplatz während der Nazizeit nur als Neben-Stichstrecke angedeutet ist.
    Diese Direktverbindung von der Frankfurter Str. durch die heutige Zeughausstr. gab es doch nicht? Mir bekannt ist das "Theatergleis" zum heutigen Staatsarchiv, das wohl von der Schloßschleife abzweigte, aber ohne Verbindung Rtg. Arheilgen. Oder betraf das nur die damalige Buslinie R?


    fmm_de


    Ich weiß nicht, wo Du eine Linie durch die Zeughausstraße siehst. Ich denke eher, das der Tarifpunkt "Adolf-Hitler-Platz" für die Linie 8 ist, für die hier verkehrenden Linien 1-7 und 9 ist der Platz mit einer einfachen Haltestelle versehen (Welche hier aber nicht auf Grund der Anzahl solcher Punkte nicht dargestellt ist). Der nächste Tarifpunkt ist ja die zentrale Umstiegshaltestelle Schloß.
    Noch in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts waren Luisenplatz und Schloß als EIN Tarifpunkt im Netzplan eingezeichnet. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte der Luisenplatz inzwischen an Bedeutung gewonnen, aber Schloß wollte man als Tarifpunkt nicht aufgeben (So meine Vermutung).
    Oder die Haltestelle Chausseehaus in Nieder-Ramstadt: Für die Buslinien M (Endstation) und N war es ein Tarifpunkt mit Haltstelle (Die Haltestelle Kilianstr. wurde da noch mit hineingenommen), für die Buslinie O eine einfache Haltestelle. diesem folgte ein Tarifpunkt (ohne Haltstelle) und dann die Haltestelle "Wacker & Doerr".
    Trotz des relativ komplizierten Systems war die Tarifberechnung damals wesentlich gerechter.

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    Einmal editiert, zuletzt von Baertram ()

  • Der Winkel ist richtig. Aber offenbar ist die Qualität des Bildes hier besser als in dem Buch bzw. Es wurden verschiedene Bilder vom dem selben Aufnahmestandort gemacht.
    ST4 : Kannst Du mal in dem Buch mit den alten Ansichten von Darmstadt mal nachschauen?
    Ein weiteres Zeugnis:
    Hier wurde die Weiche ausgebaut. -> Wiederaufbau, das dritte Bild. Ist leider nur eine Nachtaufnahme. Aber nach der Bildbeschreibung handelt es sich hier um eine der Weichen, die nach Pfungstadt führen sollte. Leider muß ich hier bekunden, das die Bildbeschreibungen bei dieser HEAG Chronik zum Teil sehr haarsträubend sind (z. B. wurde aus den Tw 1 - 18 die Serie ST 0 gemacht - oder eine Zeichung wurde als Zeichnug des ersten Tw präsentiert, obwohl eindeutig ein Dampfbahnbeiwagen zu erkennen ist. So, jetzt könnt Ihr beim Weichenausbau grübeln, ob die Bildbeschreibung passt oder nicht.

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  • Bei der Pallaswiesenstraße ergibt das Sinn. Aber beim Chausseehaus will mir das nicht in den Kopf. Da endete doch die Grüne Linie vor den Gleisen der Dampfbahn. Die Straßenbahn mußten doch aufpassen, das sie nicht über das Ziel Heidelberger Straße hinausschiesen, ähnlich dem Ausziehgleis der Dampfbahn in der östlichen Rheinstraße (bei der Blauen bzw. Grünen Linie von/zur Taunustra0e/Fasanerie).

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    Der Bergstraße gibt man 4 Minuten - der Heimstättensiedlung werden sie genommen. Waren das noch Zeiten, als der "H-Bus" von der (Fach-)Hochschule zur Berliner Allee nur 2 Minuten brauchte.