Frage zum Bremsverhalten der Ptb-Wagen

  • Hallo,


    Ich habe bereits versucht im Forum gegebenenfalls die Antwort auf meine Frage zu suchen, aber scheinbar hat diese noch niemand zuvor gestellt.


    Als ich heute auf einen Zug der Linie U6 gewartet habe, habe ich mich gefragt, woher eigentlich der ganze Sand in den Gleisen kommt. An manchen Stellen sieht es fast so aus, als wären die Gleise in Kies und nicht in Schotter gebettet.


    Meines Erachtens kann es sich dabei aber nur um Bremssand handeln, insbesondere, da dieser gehäuft im Haltestellenbereich auftritt.


    Nun frage ich mich aber, wieso es überhaupt zu diesem gehäuften Auftreten von Sand kommt. Wird bei der Bremsung eines Ptb-Wagens immer automatisch gesandet?


    Mir ist dies bisher - außer in Frankfurt - noch bei keinem anderen Stadtbahnsystem aufgefallen.


    Der Ptb-Wagen hat doch auch acht Mg. Werden diese nicht genutzt? Dies kann aber eigentlich auch nicht sein, denn insbesondere auf der Linie U5 habe ich es schon oftmals erlebt, dass diese infolge unvernünftiger Fußgänger und Autofahrer dringend erforderlich wurde...


    Für mich sah es dabei aber so aus, dass die Mg automatisch zugeschaltet wurde, ohne das der Fahrer diese hätte explizit aktivieren können, so schnell wie das geht.


    Wer kann mir die Antworten geben?


    Viele Grüße,


    Lars

  • Ob der P-Wagen (in egal welcher Umbauvariante) automatisch sandet, weiß ich nicht. Auf jeden Fall kann der Fahrer den Sandstreuer aktivieren.
    Die Mg-Bremsen fallen automatisch, wenn der Befehlsgeber bis zum Anschlag nach hinten gezogen wird. Am Ende des normalen Bremsbereichs ist eine kleine Raste, wird diese überschritten, wird maximal gebremst.
    Alternativ kann auch über das Sifa-Pedal die Mg-Bremse ausgelöst werden.

    Dank Petra werde ich zum Kunstkenner. Je öfter ich das Gebrabbel höre, desto mehr verstehe ich van Gogh.

  • Der Frankfurter P(tb)-Wagen ist das erste Fahrzeug mit elektronischem Schleuder- und Gleitschutz. Während damals noch mit Hilfe der Schwerkraft Sand auf den Schienenkopf gestreut wurde, wird heutzutage mit Hilfe von Druckluft eine viel feinere und damit verbundene, sparsamere Dosierung erreicht.


    Magnetschienenbremsen werden, wie bereits erwähnt, nur bei einer Gefahrenbremsung automatisch betätigt.

    X
    X
    X

  • Wie groß ist eigentlich der Sandvorrat (in kg oder Litern) bei den Stadtbahnwagen?


    ...und was mir auch einfällt: Sind im BOStrab-Bereich auch (fahrzeugmontierte) Spurkranzschmiervorrichtungen üblich?

    Fág an Bealach!

  • Die P-Wagen (und die technisch weitgehend identischen U2-Wagen) sanden beim Gleiten automatisch, dazu werden die Achsdrehzahlen des jeweils vorderen Triedrehgestells mit denen des nicht angetriebenen und auch ungebremsten B-C-Laufdrehgestells verglichen. Bei zu großen Unterschieden wird gesandet. Manchmal ist der Fahrer jedoch schneller als die Elektronik und sandet manuell mit dem Sandtaster.


    Auf den Tunnelstrecken ist das Sanden verboten (Signal So1), allerdings läßt es sich nicht immer wegen der automatischen Sandungsfunktion vermeiden, da sie sich nicht abschalten läßt. Da die Gleise im Tunnel aber in der Regel sehr sauber sind, kommt das nur seeehr selten vor. Ich nehme mal an, zip-drive , du hast im oberirdischen Bereich der U6 gewartet.


    Die Magnetschienenbremsen sind eine reine Notbremse und werden nicht zum normalen Bremsen genutzt. Sie können über die Notbremsstellung des Befehlsgebers oder aber über das kombinierte SiFa-/Schienenbremspedal aktiviert werden. Eine "Schienenbremsen-Automatik" gibt es nicht.


    DenshaOtaku :


    Eine Angabe, wieviel Sand mitgeführt wird, gibt es, soweit ich weiß, nicht. Bei den P-Wagen kann man es vielleicht schätzen, die Sandkästen sind u. a. unter den Einzelsitzen an den Wagenenden.


    Die S-Wagen melden es automatisch im Diagnoseterminal, wenn in irgendeinem Sandbehälter weniger als 3 kg Sand sind.

  • Zitat

    Original von tampererIch nehme mal an, zip-drive , du hast im oberirdischen Bereich der U6 gewartet.


    Ja, ich habe oberirdisch gewartet.


    Im Tunnelbereich sind mir solche "Sandvorkommen" auch noch nicht aufgefallen. Man findet höchstens winzige Ansammlungen an den Kleineisen am Oberbau, sonst nichts.


    Mit dem weiter fortschreitenden Einsatz der U5-Wagen wird dann wohl auch das massive Sanden nachlassen, habe ich dies richtig den bisherigen Beiträgen entnommen?

  • Das ist vollkommen richtig.


    Während bei den P-Wagen einfach ein Schieber unter den Sandkästen aufgeht und der Sand dann der Schwerkraft folgt, sanden die R-/S-/U4- und U5-Wagen dosiert mittels Druckluft.


    Bei den S- und U5-Wagen läuft die Druckluft sogar noch einige Sekunden nach dem Sanden weiter, um evtl. Feuchtigkeit aus den Sandrohren zu entfernen, die ein Verklumpen des Sandes bewirken könnte.

  • Zitat

    Original von DenshaOtaku
    Wie groß ist eigentlich der Sandvorrat (in kg oder Litern) bei den Stadtbahnwagen?


    ...und was mir auch einfällt: Sind im BOStrab-Bereich auch (fahrzeugmontierte) Spurkranzschmiervorrichtungen üblich?


    Ich meine bei der Vollbahn ist die Sandmenge in einer Zeit angegeben. Der Sand muss reichen um mindestens 8 Minuten durchzusanden, wenn ich mich jetzt richtig erinnere. Ob da sowas in der BOStrab steht müsste mal ein BOStrab-Kundiger nachliefern.


    Aber...(doofe) Frage: Was sind denn Spurkranzschmierungen?

  • Zitat

    Original von DenshaOtaku
    Sind im BOStrab-Bereich auch (fahrzeugmontierte) Spurkranzschmiervorrichtungen üblich?


    Ja, das gibt es auch im BOStrab-Bereich. Beispielsweise verfügt der Combino über eine fahrzeugseitige Spurkranzschmierung! ;)


    FipsSchneider


    Bei Spurkranzschmierungen wird der Spurkranz des Rades mit einem Schmiermittel besprüht. Das kann den Verschleiß in besonders engen Kurven verringert, das Kurvenquietschen ebenso. ;)


    Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Spurkranzschmierung

    X
    X
    X

  • gerade entlang des oberirdischen abschnittes der U5 fallen einem die sanddünen zwischen den gleisen deutlich auf. auch bei gutem wetter wird dort reichlich gesandet scheint mir, mehrfach hat sich dort schon trotz sonnenschein bei der einfahrt der bahn ein sandsturm über mich ergossen. ;)

    Einmal editiert, zuletzt von ryosuke ()

  • Zitat

    Original von ryosuke
    gerade entlang des oberirdischen abschnittes der U5 fallen einem die sanddünen zwischen den gleisen deutlich auf. auch bei gutem wetter wird dort reichlich gesandet scheint mir, mehrfach hat sich dort schon trotz sonnenschein bei der einfahrt der bahn ein sandsturm über mich ergossen. ;)


    Vielleicht will man als Enschädigung für den Lärm einen Sandstrand herrichten :D

  • Zitat

    Original von FipsSchneider
    Vielleicht will man als Enschädigung für den Lärm einen Sandstrand herrichten :D


    Nee, man will ein Peeling spendieren... :D

    Fág an Bealach!

  • Zitat

    Original von ryosuke
    gerade entlang des oberirdischen abschnittes der U5 fallen einem die sanddünen zwischen den gleisen deutlich auf. auch bei gutem wetter wird dort reichlich gesandet scheint mir, mehrfach hat sich dort schon trotz sonnenschein bei der einfahrt der bahn ein sandsturm über mich ergossen. ;)


    Genau dies war der Grund, weshalb ich den Beitrag in das Forum geschrieben habe. Ob die Linie nun U5 oder U6 heißt, dürfte dabei unerheblich sein.


    Ich habe manchmal einfach den Eindruck, dass die Züge bei Einfahrt in eine Station noch viel zu schnell sind. Scheinbar wird dies durch massives Sanden oder Einsatz der Mg versucht "abzumildern".


    Leider weiß ich nicht, ob dies bei den alten Fahrzeugen auch anders geht. Eventuell gibt es nicht genügend Bremsstufen um die ganze Sache etwas sanfter angehen zu können.


    Ich sehe nur beispielsweise, dass bei der Ausfahrt aus einer Station der Sollwertgeber ganz nach vorne gedrückt wird und beim Halten bis fast ganz nach hinten gezogen wird. Das Ruckeln ist dabei aber schon sehr massiv im Fahrzeug.


    Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass dieses Bedieninstrument "digital" sein soll, also nur 100 % oder nichts kennt...

  • Zitat

    Original von zip-drive
    Ich sehe nur beispielsweise, dass bei der Ausfahrt aus einer Station der Sollwertgeber ganz nach vorne gedrückt wird und beim Halten bis fast ganz nach hinten gezogen wird. Das Ruckeln ist dabei aber schon sehr massiv im Fahrzeug.


    Ja, das sind die einzelnen Stufen, die von der SIMATIC durchgeschaltet werden. Da spürt man wirklich jede einzelne Stufe...


    Zum Thema Sollwertgeber: In Anbetracht der Tatsache, dass Fahrpläne generell sehr eng gestrickt sind und die Streckenhöchstgeschwindigkeit ohnehin in keinem Fall überschritten werden darf, sind Beschleunigung und Bremsen die einzigen beiden Möglichkeiten, um ein paar Sekunden wieder gut zu machen.

    X
    X
    X

  • Zitat

    Original von Combino
    Zum Thema Sollwertgeber: In Anbetracht der Tatsache, dass Fahrpläne generell sehr eng gestrickt sind und die Streckenhöchstgeschwindigkeit ohnehin in keinem Fall überschritten werden darf, sind Beschleunigung und Bremsen die einzigen beiden Möglichkeiten, um ein paar Sekunden wieder gut zu machen.


    Ich bin wirklich schon fast davon ausgegangen, dass - wieder einmal - eine so unschöne Ursache Grund dieser Fahrweise ist. Das hieße ja dann, dass eigentlich die Fahrplanmacher dafür verantwortlich sind.


    Wobei: Gestern fuhr ich mit der Linie U7. An der Station "Große Nelkenstraße" stand der Zug eine gefühlte Minute lang bis endlich Fahrt signalisiert wurde. So etwas ist doch eigentlich unnötig und sorgt nur dafür, dass es ohnehin noch "enger" im Fahrplan wird.


    Gibt es da keine Vorrangschaltung?


    Bei der U5 sieht es aber auch nicht besser aus. Der Zug steht an der Station "Marbachweg / Sozialzentrum" und fährt gerade einmal zwanzig Meter weiter, um dann wieder gefühlte Ewigkeiten lang zu warten.


    In meiner Naivität würde ich sagen, dass der Zug bei Einfahrt in die Station an die Vorrangschaltung angemeldet werden könnte, damit bei der Ausfahrt bereits Fahrt signalisiert wird. Da dies ja aber auch anderen Menschen einfallen müsste, die wirklich mit der Materie beruflich vertraut sind, denke ich, dass dies gar nicht erst erwünscht ist. Scheinbar hat der IV Vorfahrt.


    In Darmstadt klappt beispielsweise so etwas wunderbar. Aber vielleicht liegt es daran, dass Darmstadt keine Stadtbahn bzw. "U-Bahn" besitzt.

    Einmal editiert, zuletzt von zip-drive ()

  • zip-drive:

    Zitat

    Wobei: Gestern fuhr ich mit der Linie U7. An der Station "Große Nelkenstraße" stand der Zug eine gefühlte Minute lang bis endlich Fahrt signalisiert wurde.


    In Richtung Hausen?


    Tja, da muss gewartet werden bis die Fahrstraße in die Station Hausen steht.
    Vom Bus sieht man dann die Rücklichter :rolleyes:
    Gleiches Schicksal wiederfährt der U6 bevor sie in die Station Heerstraße einfahren darf.
    Ich verstehe es auch nicht, warum man dies nicht beschleunigen kann.


    Apropos Sand,- der größte "Sandstrand" ist doch an der Station "Friedhof-Westhausen" stadteinwärts. :D

  • Zitat

    Original von zip-drive
    Ich sehe nur beispielsweise, dass bei der Ausfahrt aus einer Station der Sollwertgeber ganz nach vorne gedrückt wird und beim Halten bis fast ganz nach hinten gezogen wird. Das Ruckeln ist dabei aber schon sehr massiv im Fahrzeug. Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass dieses Bedieninstrument "digital" sein soll, also nur 100 % oder nichts kennt...


    Das Ruckeln liegt aber daran, daß die einzelnen Wagen eines Zugverbandes nicht optimal "zusammenarbeiten". Bei einer elekto-mechanischen Steuerung wie der Simatic ist es einfach nicht machbar, daß alle Fahrzeuge eine identische Fahr-/Bremskurve erreichen. Da bremst dann der erste Wagen ein klein wenig stärker als der zweite, dieser läuft auf den ersten auf und schiebt. Ergebnis: Starkes Rucken. Oder beim Anfahren lösen die Federspeicher eines Wagens einen kleinen Ticken später als die anderen, die dann schon anziehen und den noch gebremsten Wagen "mitschleifen". Löst dann endlich auch der letzte Wagen die Federspeicher gibt es wieder einen Ruck.


    Bei rein elektronisch gesteuerten Wagen gibt es diese Probleme natürlich nicht. Die Software der ersten Wagens wird auf alle anderen aufgespielt und schon haben wir wunderbare, identische Fahr-/Bremswertkurven.

  • Das ist natürlich richtig. Habe ich vergessen, zu erwähnen. :(


    Grundlage hierfür ist natürlich die schon von Natur aus ruckhafte SIMATIC, die solche Schwingungen, bzw. dieses Ruckeln, erst möglich macht.

    X
    X
    X