Sicherheit an der Eschersheimer Landstraße (war: 23.08.2010 - Unfall )

  • Manche Tote werden nicht geschaut haben. Aber ich weiß nicht, ob man das verallgemeinern kann. Was war mit dem alten Mann am Dornbusch, der die Kreuzung gerade da überqueren wollte, wo keine Ampel ist? (Drei Seiten haben Ampeln, eine Seite ist "verboten".) Oder die letzte Tote, die 91-jährige Frau auf dem Überweg? War die vielleicht so schlecht zu Fuß, dass sie bei grün losging, und bei rot noch mitten auf dem Weg war - wie gefangen? Ganz allgemein weiß ich nicht, wie jemand über die Strecke kommt, wenn man nur noch sehr langsam gehen kann. Vielleicht kommt man dann gar nicht rüber.

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  • In der Gegend, in der ich momentan noch Urlaub mache, reichen zwei rote Ampellichter bzw. zwei gelbe, wechselblinkende Lichter aus, um die Fußgänge bei herannahenden Bahnen am Überqueren des Gleiskörpers zu hindern. Allerdings verhalten sich hier auch alle Verkehrsteilnehmer um einiges diziplinierter, als ich es aus Frankfurt kenne ....

    Gruß, 420 281-8
    Jeder Mensch hat ein zweites Gesicht ...

  • Jörg L: Die 91jährige war am Vortag mit ihrer Tochter wandern und wollte, da sie in Kürze in Urlaub fahren wollte, noch schnell zum Augenarzt - so die Tochter (näherer Bekanntenkreis).


    Das ist zwar tragisch aber auch typisch für die Ecke.


    Die bisherige Ampelschaltung mit "viel Rot" diente nicht zuletzt auch dazu, eine lange Sicherheitszeit zu schaffen, in der jemand der die Gleise bei Grün betreten hat sie sicher wieder verlassen kann. Wenn bei gleichem Verkehrsaufkommen die Rotphase kürzer wird heißt das auch, dass die Zeitreserve zum Räumen nach Grün kürzer wird.


    Die neuen kürzeren Rotphasen markieren dann also gefährlichere Zeiträume als zuvor - die Chance auf den nächsten überfahrenen Rotlatscher, der sich auf die ihm bekannte risikoarme Rotphase verlässt, ist damit auch gegeben.


    Die Geschwindigkeitsreduzierung der Bahn führt dabei noch dazu, dass es einen längeren Zeitraum gibt, in dem sich tatsächlich eine Bahn dem Übergang nähert und insgesamt einen kürzeren Zeitraum, in dem das Überqueren der Gleise sicher ist.


    Vermutlich - aber das riskiert ja keiner - hätte ein Abschalten der Ampel eher eine positive Wirkung, da dann jeder weiß, dass er schauen muss, dass keine Bahn kommt.


    Und wer die E'heimer kennt, weiß auch, wie viele Fußgänger da nur deshalb nicht überfahren werden, weil Autos wesentlich besser bremsen als die U-Bahn und vor allem auch ausweichen können. Wenn ich dort jedesmal ausschließlich die Bremse zur Verfügung gehabt hätte, wenn mir einer vors Auto gelaufen ist oder einfach rübertrödelte - ich hätte vermutlich schon ein halbes Dutzend schwarze Kreuzchen auf dem Lack.

  • Ja, die langen Rotzeiten wirken erzieherisch verheerend. Auch ich gehe hier in Frankfurt bei rot über Ampeln. Das habe ich wirklich erst hier gelernt. Anderswo ist es bei rot gefährlich. In Frankfurt ist rot der Grundzustand vieler Ampeln, und Bedarfsampeln brauchen selbst bei leerer Straße eine Minute, bis sie grün werden. Die Absurdität lehrt einen, bei rot zu gehen.


    Übergroße Sicherheitsvorkehrungen führen anscheinend zum Gegenteil des gewünschten Effektes.

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