Ginnheimer Kurve

  • Als Zuwendungsgeber würde ich fragen, warum baut ihr nicht die Variante mit dem höheren Nutzen Kosten Indikator. Und warum wollt ihr die Variante mit den deutlich höheren Baukosten?


    Als Zuwendungsgeber würdest du eine abgewogene Begründung zu lesen bekommen, worin der Auswahlprozess und die Entscheidungsfindung für die Vorzugsvariante dargelegt und begründet ist; darin würdest du allerlei Argumente lesen, die sich aus dem als Zahlenwert dargestellten NKV nicht ablesen lassen, alle Argumente halt, die den Magistrat veranlassen werden, die eine und nicht eine andere Variante zu bauen, fein säuberlich ausgearbeitet.

  • Condor
    Ich lese aus den Zahlen der Untersuchung wie U2-303 heraus, dass rein zahlenmäßig keine so große Zahl an zusätzlichen Benutzern durch den Uni-Schlenker zu erwarten sein wird, es handelt sich bestenfalls um eine Klientelverschiebung.
    Ich würde schon erwarten, dass manche Leute sehr genau auf jede Minute kalkulieren, vor allem, wenn sie an Start und Ziel über einen Parkplatz verfügen. Hier kann man nur durch Vergrämung (City-Maut u.a.m.) nachhelfen, wenn man das möchte.

    Aus Sicht der Stadtentwicklung ist es umgekehrt aber attraktiv, die eigentlich verlorene Campus-U-Bahn gerettet zu haben. Dies kann ein Argument sein, dass hoch veranlagte Forschende und Studierende nach Frankfurt kommen und nicht an einen anderen Ort. Die indirekten Effekte guter Standortpolitik sieht man zurzeit bspw. in Mainz (Biontech lässt grüßen), aber auch Frankfurt scheint regelmäßig Erfolge in dieser Zielgruppe zu erzielen.
    Dass eine Anbindung der Uni-Klinik an die D-Strecke den Erfolg abrunden würde, ist eine Träumerei für ein anderes Jahrzehnt, kann aber auch ein Argument für diese und gegen die andere direkte Streckenführung sein.
    Das "Spatz in der Hand-Argument" spräche wohl ebenfalls für die Uni-Kurve, sofern man darauf achtet, dass auch die Grünen diese Variante mittragen (können), sonst steht man 2026 nach der nächsten Wahl möglicherweise (mal wieder) vor einem Scherbenhaufen.

  • Und da geht es darum, dass Studierende wie Beschäftigte nicht "irgendwie", sondern möglichst zügig zum und vom Campus gelangen wollen.

    Die Aussage von Ost-West-Express lässt sich mit einem Blick auf die Ecke Hansaallee/Holzhausenstr. nachvollziehen. Die Mitarbeiter und Studierenden haben es durch konsequentes Missachten der Ampel an der Kreuzung Bremerstr. einen praktischen Fußgängerüberweg geschaffen, der sogar von auswärtigen Autofahrern akzeptiert wird. Selbst die Stadt ist eingelenkt und hat den Bereich rot makiert.

  • Wie weit Klientelverschiebung im Bewertungsverfahren berücksichtigt wurde, kann ich nicht beurteilen. Ja, es sind bereits ÖPNV Nutzer, es gäbe bei einer Nichtanbindung keine Verschlechterung.

    Andererseits erzeugt die aktuelle Situation einen enormen Fahrgastdruck auf die A-Strecke, die so ziemlich am Anschlag ist. Zusätzlich sind Erweiterungen an Uni und Schulen im Planung bzw Bau. Angenommen, wir hätten heute schon am Campus Anbindung: Würden die zusätzlichen U-Fahrzeuge benötigt, wäre die Linie 75 noch nötig...?



    Ja, die Fahrzeit ist ein Punkt. Lange und unbequeme Wege zu Haltestellen zählen aber auch zu den negativen Einflüssen.

    Positiv dagegen kurze Taktfolgen. OT: Diese sollten aber gerade morgens verdichtet werden. Ettliche Beschäftigte mit Fahrtrouten über Saalburg, A5 oder A3 kommen bzw. gehen gerne vor den HVZ Zeiten. Aktuell bietet TraffiQ da noch den Früh-Takt an (war mal besser).

    Einmal editiert, zuletzt von Condor ()

  • Wie weit Klientelverschiebung im Bewertungsverfahren berücksichtigt wurde, kann ich nicht beurteilen. Ja, es sind bereits ÖPNV Nutzer, es gäbe bei einer Nichtanbindung keine Verschlechterung.

    Andererseits erzeugt die aktuelle Situation einen enormen Fahrgastdruck auf die A-Strecke, die so ziemlich am Anschlag ist. Zusätzlich sind Erweiterungen an Uni und Schulen im Planung bzw Bau. Angenommen, wir hätten heute schon am Campus Anbindung: Würden die zusätzlichen U-Fahrzeuge benötigt, wäre die Linie 75 noch nötig...?



    Ja, die Fahrzeit ist ein Punkt. Lange und unbequeme Wege zu Haltestellen zählen aber auch zu den negativen Einflüssen.

    Positiv dagegen kurze Taktfolgen. OT: Diese sollten aber gerade morgens verdichtet werden. Ettliche Beschäftigte mit Fahrtrouten über Saalburg, A5 oder A3 kommen bzw. gehen gerne vor den HVZ Zeiten. Aktuell bietet TraffiQ da noch den Früh-Takt an (war mal besser).

    Ganz ehrlich: Wir machen eine neue Buslinie, nennen sie MU4 und lassen die zwischen Westbahnhof und Ginnheim über die Platensiedlung fahren. Fertig. Großer Erfolg! :D:D:D:D


    Die Ironie und der Sarkasmus in dem Beitrag sind beabsichtigt :P

  • Als Zuwendungsgeber würde ich fragen, warum baut ihr nicht die Variante mit dem höheren Nutzen Kosten Indikator. Und warum wollt ihr die Variante mit den deutlich höheren Baukosten? Hinzu kommt, dass der Fahrgastgewinn durch die Campus Anbindung nicht so deutlich ausfällt, wie man das vielleicht hätte erwarten können.

    Diese Frage kann auch der Zuwendungsgeber mittlerweile sehr gut beantworten. Die NKU ist eine mathematische Bewertung die nur einige Kriterien berücksichtigt. Ein Hochschulstandort kann nicht richtig berücksichtigt werden, da die Parameter dafür fehlen. Die zukünftige Unibibliothek auf dem Campus (mit heute 2.000 Besuchern pro Tag) ist beispielsweise in der NKU gar nicht berücksichtigt. Deswegen hat der Verkehrsminister schon frühzeitig klargemacht, dass die Höhe des Indikators (sofern über 1) keine große Rolle für die Entscheidung über die Zuwendung spielt.

  • Okay, Sorry. Der Grund, warum ich meinen Beitrag hier gepostet habe, ist der, dass ich mir nach dem politischen Aus für die Variante mit direkter Anbindung des Campus Westend Gedanken gemacht habe, wie man ihn dennoch anbinden könnte. Und daraus endstand die Idee mit der Ringstadtbahn als Erweiterung zur Ginnheimer Kurve. Ich sehe es als zusammenhängendes Konzept. Wir können aber gerne im neuen Thread weiter diskutieren. Vielleicht kommt das Thema ja hierher zurück. Quasi als Ergebnis eines Ausschusses. 😉


    ~w~

  • Politisches Aus? Was hab ich verpasst? Vor einem Monat waren doch noch alle Römer-Parteien dafür.


    Politisches Aus nicht, aber dass nach dem letzten Wahlergebnis in den nächsten 10 Jahren die Bagger rollen ist um einiges unwahrscheinlicher geworden. Nach der Grundwasserstudie, die in 2 Jahren vorliegt und noch diskutiert werden muss (und egal zu welchen Ergebnis sie kommt, Frau Becker& Co nicht vom Tunnelbau überzeugen wird), muss danach erst noch mal untersucht werden, ob es dann nicht doch irgendwie Kosten-Nutzen technisch darstellbar ist die Wendeanlage anzubohren und denn Betrieb der U4 auf Jahre zu beeinträchtigen.

  • Woher hast Du die Information, dass die Grundwasserstudie erst in zwei Jahren fertig wird? Und wieso willst du die Wendeanlage aufbohren? Sie ist für die Verlängerung vorbereitet und das kann genutzt werden. Ebenso wenig werden weitere zwei Jahre Diskussionen nötig sein. Liegen die Studien vor und geben sie grünes Licht, kann die Stvv ebenfalls grünes Licht geben.


    Verzögerung wegen des Wahlergebnisses? Hä? Grüne, SPD, CDU, FDP und Linke sind alle klar für die Uni-Strecke. In irgend einer Kombination werden einige dieser Parteien koalieren. Warum sollte das den U4-Lückenschluss also verlangsamen, wenn alle dafür sind? Und warum sollten ausgerechnet die Grünen ein Projekt ausbremsen, das derart der Umwelt nutzt, und dafür erheblich ihre eigene Wählerklientel verschrecken? Das ist doch völlig unrealistisch.


    Ich bin davon überzeugt, dass die Politik im Römer nicht auf die winzig kleine, populistische Lobbygruppe einer einzelnen, weltfremden Person hereinfällt und ausgerechnet ein so umweltfreundliches Vorhaben kippt. Falls doch, steht Frankfurt vor ganz anderen Problemen. Dann wäre der Stopp eines U-Bahn-Bauvorhabens wohl unsere kleinste Sorge.

  • Es sei auch noch darauf hingewiesen, dass ja durchaus auch die Grünen, die die Grundwasserstudie und (möglicherweise ungeschickt) die Prüfung der Südumfahrung eingebracht haben, sich in Person von wolfgang  hier im Thread geäußert haben und klar gemacht haben, dass eben die Südumfahrung nur als Notfallvariante gedacht ist, falls das Grundwasser doch ein Problem macht.


    Macht das Grundwasser kein Problem, gibt es keine Befürworter für die Südumfahrung, und dann muss da auch nicht mehr geprüft werden.


    Macht das Grundwasser aber wider Erwarten doch Probleme, so muss nicht nach der Studie noch etwas neues gesucht werden, weil die Südumfahrung eben schon detailliert betrachtet wurde.

  • Woher hast Du die Information, dass die Grundwasserstudie erst in zwei Jahren fertig wird?


    Die Studie zur Auswirkungen aufs Grundwasser wird voraussichtlich Ende 2022 vorliegen, ein paar Covid bedingte Verzögerungen oder geänderte Anforderungen an die Studie und wir sind im Jahr 2023.


    Zitat


    Und wieso willst du die Wendeanlage aufbohren?

    Das ist nicht mein Vorschlag, sondern der von Herrn Siefert, der den Tunnelgegnern, eine Variante hingehalten hat auf die diese die Grünen in Frankfurt festnageln werden.


    Zitat


    Liegen die Studien vor und geben sie grünes Licht, kann die Stvv ebenfalls grünes Licht geben.


    Auch ohne die Vorlage der Grundwasserstudie kann man sich per Magistratsbeschluss auf eine Variante festlegen und das Planfeststellungsverfahren einleiten. Die Studie fließt dann eben in dieses ein und im absolut unwahrscheinlichen Fall, dass mit dem Tunnel eine nicht temporäre Verschlechterung des Grundwasser Zustands einhergeht hebt man den Magistratsbeschluss eben wieder auf.

  • Man kann natürlich alle ungünstigen Annahmen nennen und daraus den spätesten Zeithorizont bestimmen. Man kann umgekehrt auch die günstigsten Annahmen treffen und daraus den frühesten Zeithorizont festlegen. Üblicherweise schaut man dann, was die realistischen Annahmen sind.


    Was die politische Stimmung in Frankfurt anbetrifft, sind alle für eine Stadtregierung denkbaren Parteien f ü r einen möglichst frühzeitigen Lückenschluss, und nach Möglichkeit auch für eine direkte Anbindung des Uni Campus Westend. Daran ändern auch Befindlichkeiten einer einzelnen Person nichts. Selbst wenn die gesamte LINKE sich Frau Becker zuliebe enthalten, dürfte mit Sicherheit die FDP in die Bresche springen - wir wollen ja bei den demokratischen Parteien bleiben.

  • Das ist nicht mein Vorschlag, sondern der von Herrn Siefert, der den Tunnelgegnern, eine Variante hingehalten hat auf die diese die Grünen in Frankfurt festnageln werden.

    Dieser Stand ist seit Februar überholt. Die Grünen haben die Variante einer ganz südlichen Trasse mit Aufbohren der Wendeanlage mit prüfen lassen, das stimmt. Im Variantenvergleich schnitt diese dann (erwartbar) schlecht ab, vor allem wegen der viel höheren Baukosten im Vergleich zu den "normalen" Anschlüssen an den Bestand ohne zusätzlichen Nutzen. Die Grünen fordern nicht diese Variante, sondern - weit gefasst - die Variante, die den Uni-Campus direkt anschließt und zugleich den Baumbestand der Parks nicht beeinträchtigt - siehe auch die Äußerungen dazu hier in der FNP. Wenn die Gutachten so ausfallen, wie es ein nüchtern abwägender Mensch ahnt, und dieser Mensch sucht dann die optimale Lösung aus Umweltverträglichkeit, Kosten, verkehrlichem und stadtplanerischem Nutzen, kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit die Nagel-Kurve von Frank Nagel heraus.

  • Was die politische Stimmung in Frankfurt anbetrifft, sind alle für eine Stadtregierung denkbaren Parteien f ü r einen möglichst frühzeitigen Lückenschluss, und nach Möglichkeit auch für eine direkte Anbindung des Uni Campus Westend.

    Da hat mal jemand von den Grünen annäherungsweise so was versprochen, hier im Forum der Nahverkehrsfreunde. Aber haben die sich auch offiziell in der allgemeinen Öffentlichkeit/dem Wahlprogramm so klar festgelegt oder war das mehr Microtargeting ? Ich bin da sehr gespannt. Aber bereits dein "nach Möglichkeit" lässt mich Schlimmstes befürchten.

  • "Nach Möglichkeit" gilt immer. Das gilt für den Fall, dass sich die Probleme des Wasserhaushalts im Grüneburgpark mit allen verfügbaren Mitteln nicht mit vertretbarem Aufwand beheben lassen wie auch fürden - hypothetischen - Fall einer ausgedehnten ärchaologischen Fundstätte von UNESCO-Bedeutung. Mit den Überresten des römischen NIda im Bereich der heutigen Römerstadt würde heute mit Sicherheit anders umgegangen werden als vor 100 Jahren. Und wer mag mit absoluter Sicherheit ausschließen, dass unter dem Grüneburgpark die ausgedehnten Reste einer römischen oder keltischen Metropole schlummern ?


    Aber abgesehen von solchen Unwägbarkeiten dürfte die Mehrheit aller Stadtverordneten, nein - ich weiß, nicht alle - eine direkte Anbindung des Uni-Campus anstreben, und zwar durch die D II-Strecke Bockenheim - Ginnheim.

  • Wenn man sich mal die hydrologischen und Baugrundgutachten zur U5 Europaviertel anschaut, welcher Aufwand da betrieben wurde, welche Archivdaten und Messreihen zur Grundwassersituation aus den letzten Jahrzehnten herangezogen wurde, wieviele Aufschlussbohrungen gemacht wurden, um Aufschluss über den Baugrund, das Risiko von Setzungen, die Sicherheit der Tunnelbaustelle und der umgebenden Bebauung und was noch alles zu erhalten, und den Nachweis zu führen, dass der Grundwasserkörper nicht verschlechtert wird, mache ich mir eigentlich keine Sorgen, dass hier am Ende irgendein Risiko unentdeckt bleibt. Die Bedenken muss man ernst nehmen, zweifellos, aber so manche Äußerung grenzt an schiere Hysterie. Ich würde sagen, erst mal abwarten und keine voreiligen Festlegungen. Und das würde ich auch von den Fraktionen im Römer erwarten.

    Einmal editiert, zuletzt von tunnelklick ()