Die Main-Neckar-Bahn und die Riedbahn verbinden bislang die beiden Ballungsräume Rhein-Main und Main-Neckar. Aufgrund des hohen Fahrgastaufkommens zählen die beiden Bahnstrecken zu den meist befahrenen Strecken Deutschlands. Obwohl eine Nachfrage nach zusätzlichen Regionalzügen vorhanden ist, erlauben die Streckenkapazitäten den Einsatz zusätzlicher Züge nicht. Auch die Realisierung der neuen ICE-Strecke ermöglicht es nicht, dem Fahrgastaufkommen im Regionalverkehr durch zusätzliche Züge gerecht zu werden.
Die Verkehrsministerien der Länder Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben sich heute darauf geeinigt, die drei Oberzentren Mannheim, Darmstadt und Mainz durch den Bau einer neuen Stadtbahnstrecke zu verbinden und dadurch die beiden Bahnstrecken zu entlasten.
Die meterspurige Strecke soll dabei in erster Linie durch Gemeinden verlaufen, die bislang vom Bahnverkehr noch unerschlossen sind. Aufgrund der hohen Nachfrage nach Wohnraum in den Regionen Bergstraße und Ried soll die Stadtbahn dadurch auch geplante Neubaugebiete in den bislang noch eher dünn besiedelten Gemeinden zwischen Bergstraße und Rhein aufwerten.
Charakteristik
Bei der geplanten Stadtbahnstrecke handelt es sich um eine im Wesentlichen eingleisige, elektrifizierte Schmalspurbahn, die eine Anbindung an die bestehenden Straßenbahnnetze in der Region Rhein-Neckar, Darmstadt und Mainz erhalten soll. Da in den angebundenen Gemeinden vergleichsweise wenige Haltepunkte errichtet werden, beträgt die voraussichtliche Fahrtzeit zwischen Mannheim und Mainz nur eine gute Stunde.
Der Betrieb der Stadtbahn Ried soll von der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft (SEG) abgewickelt werden, die auf der Strecke besondere Triebwagen einsetzen möchte, die eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 120 km/h erreichen.
Sämtliche Haltepunkte verstehen sich mit Ausnahme der Kreuzungsbahnhöfe als Bedarfshaltestellen. Die Züge halten nur, wenn ein Fahrgast durch einen Tastendruck im Fahrzeug einen Haltewunsch signalisiert oder ein Fahrgast am Bahnsteig eine Zugruf-Taste betätigt. Da voraussichtlich jeder zweite Haltepunkt somit übersprungen werden kann, haben die Züge die Möglichkeit, ihre Spitzengeschwindigkeit weitgehend zu halten, wodurch kurze Fahrtzeiten zwischen Mannheim und Mainz erst ermöglicht werden.
Die Neubaustrecke befindet sich vollständig auf einem eigenen Gleiskörper. Niveaugleiche Straßenkreuzungen werden in Form von beschrankten Bahnübergängen realisiert.
Bauzeit
Voraussichtlich vier Jahre werden für die Planungen ermöglicht. Nach einer anschließenden sechsjährigen Bauzeit soll die Strecke zum Fahrplanwechsel im Winter 2021 in Betrieb gehen. Da die Strecke durch ein sehr regenreiches Gebiet mit einem hohen Grundwasserspiegel führt, sind vor der Errichtung der Trasse einige Kanalisierungsarbeiten erforderlich.
Baukosten
Die zu erwartenden Baukosten der etwa 67 km langen Neubaustrecke betragen etwa 110 Millionen Euro. 40% der Kosten sollen vom Land Hessen getragen werden, 20% aus Bundesmitteln. Jeweils weitere 20% teilen sich die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sowie die angebundenen Städte und Gemeinden.
Streckenverlauf
Südast (Viernheim-Hähnlein)
Die Neubaustrecke zweigt östlich der Haltestelle Viernheim Ost von der bestehenden OEG-Strecke ab und führt am östlichen Stadtrand entlang, wo sie in Höhe des Wiesenweges die neue Haltestelle Viernheim Nord erreicht. Weiter Richtung Norden führt sie am Waldrand entlang, wo sie am Kreuzungspunkt der L3110 den Bahnhof Hüttenfeld erreicht. Von Hüttenfeld geht es weiter nach Lorsch, wo drei Haltepunkte vorgesehen sind. Die Strecke führt am östlichen Stadtrand entlang. Am Kreuzungspunkt zur L3111 entsteht der Haltepunkt Lorsch Friedrichstraße. Etwa ein Kilometer weiter nördlich am Kreuzungspunkt zur Nibelungenbahn wird ein neuer Turmbahnhof gebaut. Anschließend unterquert die Stadtbahn die B47 und die A67 und führt zum neu errichteten Bahnhof Einhausen. Im Waldgebiet nördlich von Einhausen wird ein vorhandener Waldweg zur Bahntrasse umfunktioniert. Hier schwenkt die Stadtbahn leicht in Richtung Osten und führt zu den Bensheimer Ried-Stadtteilen Schwanheim, Fehlheim und Rodau, wo jeweils ein Haltepunkt vorgesehen ist. Weiter geht es nach Hähnlein, wo ein neuer Haltepunkt an der Alsbacher Straße entsteht. Hier befindet sich ein Verknüpfungspunkt zu einer verlängerten Linie 8 der Darmstädter Straßenbahn.
Darmstädter Westtangente (Hähnlein-Griesheim)
Die Strecke führt weiter in nordöstliche Richtung, wo am Bahnhof Bickenbach der einzige Verknüpfungspunkt zur Main-Neckar-Bahn entsteht. Von hier führt die Strecke in nördliche Richtung weiter und führt dort später entlang der L3303 nach Pfungstadt. Am westlichen Stadtrand entlang führend, sollen an der Strecke die zwei Haltestellen Pfungstadt Süd (Kreuzung Rollweg) und Pfungstadt SEG Bahnhof (Kreuzung Rheinstraße) entstehen. Die Strecke führt in westlicher Richtung weiter nach Eschollbrücken, wo am Kreuzungspunkt Tannenweg/Friedhofstraße der Bahnhof Eschollbrücken entsteht. Weiter geht es in nördlicher Richtung nach Griesheim, wo wiederum drei Haltepunkte vorgesehen sind. Die Station Griesheim Süd wird am südlichen Ortsrand neben der L3303 errichtet. Am Kreuzungspunkt zur B26 entsteht die Station Griesheim Schulgasse, wo ein zweiter Verknüpfungspunkt zur Darmstädter Straßenbahn errichtet wird.
Nordast (Griesheim-Mainz)
Am Griesheimer Nordring entsteht folglich die Station Griesheim Nord. Der L3303 folgend führt die Bahn weiter nach Büttelborn, wo ein neuer Bahnhof an der Taunusstraße errichtet wird. Richtung Nordwesten geht geht es dann zum Bahnhof Groß-Gerau Dornberg mit Umsteigemöglichkeit zur Riedbahn. Links neben der L3482 entstehen in Groß-Gerau als weitere Haltepunkte Wilhelm-Seipp-Straße und Oppenheimer Straße. In westliche Richtung geht es folglich weiter nach Trebur, wo ein neuer Bahnhof am nördlichen Ortsrand am Kreuzungspunkt zur L3012 entsteht. Weiter geht es nach Astheim und Bauschheim, wo jeweils ein Haltepunkt errichtet wird. Angekommen am Ginsheimer Altrhein entsteht der Haltepunkt Ginsheim. Dann geht es über eine neu zu bauende Rhein-Brücke nach Mainz-Laubenheim. In Mainz Laubenheim mündet die Stadtbahn dann ins Mainzer Straßenbahnnetz ein, wozu die Linie 52 von Hechtsheim nach Laubenheim verlängert wird. Auf Mainzer Gebiet ist ein straßenbündiger Betrieb vorgesehen, wobei die Stadtverwaltung Mainz noch nicht entschieden hat, an welchen Positionen im Stadtteil Laubenheim neue Haltepunkte errichtet werden sollen. Als Endstation ist der Bismarck-Platz vorgesehen.
Linien-Angebot
Auf der neuen Stadtbahnstrecke sollen bei Einbezug bestehender Straßenbahnnetze folgende Linien entstehen:
31: Mannheim HBF - Mainz Bismarckplatz (über Bickenbach und Pfungstadt)
32: Mannheim HBF - Darmstadt Schloss (über Alsbach und Seeheim-Jugenheim)
33: Darmstadt Schloss - Mainz Bismarckplatz (über Griesheim)
Alle drei Linien sollen jeweils im Stundentakt verkehren, sodass auf dem nördlichen und südlichen Abschnitt jeweils Züge im halbstündlichen Takt fahren. Bei allen drei Linien handelt es sich um Schnellstraßenbahnen, die in den vorhandenen Straßenbahnnetzen einige Haltepunkte überspringen, um angemessene Fahrtzeiten zu ermöglichen.
neues Linienschema
Zur Vereinheitlichung des zusammengewachsenen Netzes werden vorhandene Staßenbahnlinien in Mannheim/Ludwigshafen und Darmstadt umbenannt, sodass sich folgendes Linienschema ergibt:
1* -> Straßenbahn Mannheim/Ludwigshafen
2* -> Straßenbahn Heidelberg
3* -> überregionale Strecken
4* -> Straßenbahn Darmstadt
5* -> Straßenbahn Mainz
So würde aus der vorhandenen Linie 7 im Mannheimer Netz die Linie 17 werden, die OEG-Rundfahrt zur Linie 35 und die Darmstädter Linie 8 zur Linie 48. In Heidelberg und Mainz bleibt alles beim Alten.
Tarif
Die Verkehrsverbünde RMV, RNN und VRN bleiben mit ihren bisherigen Tarifgrenzen erhalten. Eine Neudefinition der Übergangsregelungen ist nicht vorgesehen. RMV- und VRN-Karten der Preisstufe 7 sollen jedoch auf der gesamten Strecke der Stadtbahn Ried anerkannt werden. Da außerhalb der Großstädte ein Eisenbahnbetrieb nach ESBO vorgesehen ist, werden zu dem auch DB-Fahrkarten auf der gesamten Strecke anerkannt.
Alle verwendeten Grafiken wurden mit OpenStreetMap erzeugt


