Architektonische Katastrophe am Schweizer Platz

  • Eine architektonisch gelungensten U-Bahn-Stationen wird derzeit in einem Akt der Brandschutz-Barbarei völlig verhunzt. Mir fehlen die Worte und es ist einfach nur grausam. Gibt es niemanden, der das noch verhindern kann?






    Der Raum der dreischiffigen Bahnsteighalle wird wird völlig zerstört. Sind die wahnsinnig?

    Einmal editiert, zuletzt von tunnelklick ()

  • Grauenhaft!


    Und abseits der Ästhetik verstehe ich auch den Sinn nicht. Wie sollen diese Rigipsplatten dem Brandschutz dienen?

    "Phantasie ist wichtiger als wie wo Wissen!"


    (Etwas frei nach Albert Einstein)

  • Bei genauerem Hinsehen: Hier werden wohl Rauchschürzen eingebaut. Wenn's darum geht, dann könnte man die auch bis unter das Gewölbe in Glas ausführen, Das sähe dann deutlich besser aus. Man könnte dann auch aus der Not eine Tugend machen mit bunten Mosaikfenstern, um das Kathedralenhafte weiter zu unterstreichen ...

    "Phantasie ist wichtiger als wie wo Wissen!"


    (Etwas frei nach Albert Einstein)

  • Es gibt auch Rauchschürzen als Rollo, die im Normalfall dezent versteckt sind und wenn Rauch aufkommt, runterfahren. :banghead:

    Tja, jetzt machste dir extra die Arbeit, das hier unten zu lesen - und dann steht da nichts sinnvolles. Pech gehabt.

  • Ganz einfach:
    1. Rauchschürze aus Glas: zu teuer. Oder zumindest teurer als Gipskartonplatten.
    2. Rauchvorhang: Nicht möglich, weil die Dinger nicht oben rund sein können. Da müsste man den Vorhang von unten nach oben hoch ziehen, und das würde einen durchgehenden Rollokasten mitten im Raum bedeuten.


    Ja, es sieht grausam aus. Aber hey, das hat in Rhein-Main doch System. Die S-Bahnhöfe in Offenbach wurden genauso verunstaltet. Am Marktplatz der Zugang zum Bahnsteig von der B-Ebene mit Fahrkartenschalter und Kiosk war mal ziemlich hell und freundlich. Inzwischen - auch dank des "verbesserten" Brandschutzes - ist es ein schwarzes Loch, in das man hinein läuft. Aber ich schweife ab, sorry.


    Bin ja mal gespannt, wann die Bockenheimer Warte (U4) und die Messe entsprechend umgebaut und "Brandschutzverbessert" werden...

    "You shouldn't take life to seriously. You'll never get out alive." (Van Wilder, Party Animals)

  • tunnelklick fragt:


    Zitat

    Gibt es niemanden, der das noch verhindern kann?


    Der Architekt des Bahnhofs könnte darauf drängen, dass sein Werk nicht verhunzt wird.
    Hatte nicht der Architekt der Station "Alte Oper" heftigen Widerspruch gegen den Aufzug eingelegt und dei ursprüngliche Planung wurde darauf hin überarbeitet?

  • Fips:

    Zitat

    Aber hier regiert eben das Geld und das Kapital,...


    Diese Aussageist schon sehr plakativ.
    Ich würde sagen, der knappe Etat des Betreibers,- sprich das Stadtsäckel der Stadt Frankfurt am Main.
    Wandern Steuerzahler wie "Deutsche Börse" in das "Steuerparadies" Eschborn ab, ist das schon blöd für den Kämmerer der Freien Reichsstadt.
    Lieber eine "hässliche Station" die den aktuellen Sicherheitsanforderungen entspricht,- dem Gesetzgeber genüge getan, dafür aber genügend z.B. Kita Plätze.
    Zumal der Aufenthalt an der Station auf ein paar Minuten zeitlich begrenzt ist.

  • Aber hier regiert eben das Geld und das Kapital

    Ich glaube eher das Gegenteil ist der Fall. Dort, wo das "Geld und das Kapital regiert", sieht es eigentlich gut aus - siehe dir beispielsweise die diversen Hochhäuser der Banken in Frankfurt an.


    Hier regiert wohl eher der Sparzwang: Es darf alles nichts kosten, egal was hinten dabei heraus kommt.


    Grundübel dürfte aber wohl die Gesetzgebung sein. Gibt es statistische Zahlen, wie oft es "normalerweise" in einer U-Bahn-Station brennt? Mir fällt eigentlich nur die Station "Deutsche Oper" (Linie U2) in Berlin ein, wo es in den vergangenen Jahren mal gebrannt hat.


    Wenn man jegliches "Restrisiko" minimieren wollte, müsste man konsequenterweise auch den U-Bahn-Verkehr selbst, den Luft- und Eisenbahnverkehr, natürlich sämtlichen Straßenverkehr und vermutlich auch noch vieles mehr einstellen. Ein Atomkraftwerk hätte selbstverständlich auch niemals in Betrieb genommen werden dürfen...


    Es gäbe sicherlich viele nützlichere Möglichkeiten die Mittel der Stadt auszugeben um den Nahverkehr zu verbessern, als hier nachträglich irgendwelche Regelwerke erfüllen zu wollen. Gibt es eigentlich keinen Bestandsschutz mehr?


    Werden die Stationen Festhalle/Messe und Bockenheimer Warte (D-Ebene) mit ihren hohen Decken nun auch noch verschandelt?

  • Sicherheit sollte aber immer vorgehen. Ein Menschenleben ist ja wohl mehr wert als jede architektonische Raffinesse, auch nur jedes kleines Risiko, dass bei einem möglichen Brand entsteht und vermeidbar wäre, sollte man auch vermeiden. Ist meine Meinung

  • Das sieht wirklich schrecklich aus, der ganze räumliche Eindruck einer der schönsten Stationen in Frankfurt ist dahin. Kaum vorstellbar, dass es keine bessere Lösung für den Brandschutz gegeben hätte.


    Während die Erhöhung des Bahnsteigs 2005 noch qualitativ hochwertig ausgeführt wurde, hat die Misere schon mit dem Auffüllen der einen Rampe 2013 angefangen. Die Bodenplatten entsprechen nicht den anderen (anders am Südbahnhof) und sind noch dazu ungenau verlegt.

    Gebenedeit sei dieses Forum.

    Einmal editiert, zuletzt von Don Bosco ()

  • 1987 King's Cross St Pancras
    1995 Ulduz - Nariman Narimanov
    2003 Jungangno


    Der Kram soll ja den Rauch aufhalten - nur wie sich das berechnet und wie lange der Pufferbereich
    ausreicht fragt sich.....es hängt ja auch viel davon ab, wo der Brandherd liegt.

    In god (an invention by mankind) we trust - on earth we don't


    Sincerly yours, NSA
    powered by US government

  • Bin ja mal gespannt, wann die Bockenheimer Warte (U4) und die Messe entsprechend umgebaut und "Brandschutzverbessert" werden...

    Zumindest an der Messe ist das schon längst erledigt. Deshalb gibt es auch 1x im Jahr eine Unterbrechung der U4, um die Schürzen auf Funktion testen zu können.

  • [...] auch nur jedes kleine Risiko, dass bei einem möglichen Brand entsteht und vermeidbar wäre, sollte man auch vermeiden. Ist meine Meinung.

    Das sehe ich anders. Ein Risiko ist immer die Kombination aus ...
    1. der Eintrittswahrscheinlichkeit eines bestimmten negativen Ereignisses
    2. der Schwere der Folgen eines bestimmten negativen Ereignisses


    Wenn man jedwedes Risiko eines Brandes ausschließen will, dann darf es absolut nichts Brennbares mehr in den Stationen geben, also auch nicht mehr papierne Fahrpläne (und seien sie auch in einer Vitrine hinter Glas). Das ist immer noch ein Risikofaktor, halt nur ein extrem kleiner.


    Es wird immer eine Abwägungssache bleiben, ob man ein Risiko X eingehen will oder nicht. Solche Sachen laufen ja meist in Wellen ab: Derzeit macht sich bei uns gesellschaftlich eine Versicherungsmentalität breit, dass die meisten Leute Schutz vor nahezu jedem Risiko einfordern. Das wird vermutlich noch längere Zeit weiter gehen. Und irgendwann wird eine Mehrheit die negativen Auswirkungen (verhunzte Architektur, zu viele Sicherheits-/Warnhinweise an Produkten, Schulen als Hochsicherheitstrakte ...) satt haben. Dann wird man Sicherheitsvorschriften zugunsten von Freiheit wieder zurückfahren usw.


    Zum Risiko am Schweizer Platz:


    Erklärt den Bürgern das Risiko und lasst sie in einem Bürgerentscheid darüber abstimmen, welche Form von Rauchschutz (Technik/Ästhetik) mit welchen Kosten und welcher Schutzwirkung verbunden sind. Und wenn dann eine Mehrheit die freie Bahnsteighalle will und das Risiko in Kauf nimmt: wo ist dann das Problem? (Ja, ich weiß, die bestehende Gesetzeslage.)

    "Phantasie ist wichtiger als wie wo Wissen!"


    (Etwas frei nach Albert Einstein)

    Einmal editiert, zuletzt von multi ()

  • Die Diskussion um Brandschutz versus Estetik in allen Ehren, aber Brandkatastrophen gab es in der Vergangenheit mehr als genug. Diese Vorschriften und auch die Nachrüdtung macht sicher Sinn.
    Ansonsten könnte BER ja auch schon eröffnet sein, seit Düsseldorf hat ja auch kein Flughafen mehr gebrannt, also warum für so etwas Geld ausgeben?


    Finde es aber auch mal wieder interessant, wie hier mit zweierlei Maß gemessen wird: Bei den fehlenden Deckenverkleidungen wird auf die DB geschimpft, wenn die VGF betroffen ist, wird auf die Branshutzvorschriften geschimpft.

  • Beim Feuer in Kings Cross hätte so eine Konstruktion keinen Unterschied gemacht. Das Feuer brach unter einer Rolltreppe aus und breitete sich dann nach oben hin aus. Der Bahnsteig hat davon nichts abbekommen.

    Tja, jetzt machste dir extra die Arbeit, das hier unten zu lesen - und dann steht da nichts sinnvolles. Pech gehabt.

  • Ich muss F.-Fighter recht geben: "So gefährlich ist es schon nicht" ist genau so lange möglich, bis es dann an einer Stelle, bei der man sich gegen Maßnahmen entschieden hat, passiert ist. Akzeptabel war das aber vorher auch schon nicht. Da hilft auch kein "bei einer anderen Situation war die hier vorgeschlagene Lösung nicht die richtige" wie diese Anekdote:

    Beim Feuer in Kings Cross hätte so eine Konstruktion keinen Unterschied gemacht.


    Was die konkrete Maßnahme angeht: Hübsch sieht das nicht aus. Ob es den Gesamteindruck der Station nachhaltig zerstört, bleibt abzuwarten. Ich halte das zwar durchaus für Wahrscheinlich, aber da die Baumaßnahmen scheinbar sowieso zu Ende geführt werden, ohne dass eine Einflussmöglichkeit von Politik oder Stadtgesellschaft geben wird, halte ich es für müßig, jetzt schon ein endgültiges Votum abzugeben. Ich hoffe lieber darauf, dass die neuen Wände farblich angepasst werden etc.


    Eine ähnliche Maßnahme im Nordwestzentrum letztes Jahr hat zwar auch das Bild verändert, aber meiner Meinung nach nicht übermäßig verschlechtert. Klar, andere Voraussetzungen, andere Architektur, und, wie gesagt, optimistisch bin ich auch nicht. Ich weiß es aber nicht.

  • Es gehts nicht ums Ob, sondern ums Wie. Es gibt natürlich andere Methoden, die Rauchausbreitung einzudämmen. Das Einfachste wäre hier sicher die Verwendung einer Glasscheibe im mittleren Gewölbe und von Vorhängen an den Seiten, wie an der Hauptwache. Auch die Verwendung von Rauchabzügen ist eine Option. Wirklich schade um die an sich schöne Station.

  • auf den Bildern sieht das doch recht provisorisch aus. Vielleicht sollte es einfach schnell gehen, bis die richtige Lösung montiert ist.

    Das glaube ich eher nicht.


    Ich war gestern abend am Schweizer Platz und konnte mir den Fortschritt der Arbeiten angucken. Man sieht die Architektur der Station – die drei Röhren – nicht mehr von der Rolltreppe aus, aber sobald man die erste neue Wand passiert hat, finde ich die Wand auf der anderen Seite nicht störend. Glas wäre natürlich trotzdem schöner gewesen (aber natürlich auch nur feuerfestes Glas, mit einer sehr stabilen Halterung, über die sich mit Sicherheit auch Unmut geregt hätte, wenn auch kleinerer).