ZDF: Fahren ohne Fahrschein - Kostenloser Nahverkehr

  • Zitat

    warum sollen auch die Nicht-Nutzer zahlen?


    Weil alles mögliche subventioniert wird, auch Einrichtungen, die vorwiegend von Gutverdienern genutzt werden wie die Oper.


    Auch als führerscheinloser Nicht-Autofahrer finanziere ich den Autoverkehr mittelbar mit: Über meine Krankenkassenbeiträge finanziere ich durch Haftpflicht nicht gedeckte Unfallkosten (z.B. beim Unfallverursacher oder Alleinunfälle), ebenso die vom Autoverkehr mittels Luftverschmutzung verursachten Krankheitskosten.


    Da unsere Straßenverkehrsregeln sehr einseitig den Autoverkehr bevorzugen, "subventioniere" ich den Autoverkehr auch als Fußgänger, Radfahrer, Öffi-Nutzer mit endlosen Wartezeiten an Ampeln. Standard ist 10 Sekunden Grün für die Querung der meisten Hauptverkehrsstraßen, macht etwa 400 Sekunden Grün pro Stunde (1 Umlauf hatb 90 Sekunden), knapp 7 Minuten. Die schlimmsten Bahnschranken sind pro Stunde länger offen. :D


    Und da Falschparken in Deutschland nur marginal geahndet wird, lassen viele Autofahrer ihre Blechhaufen da, wo sie gerade sind - wie die Hunde. Das Bußgelöd für beide ist auch gleich: Falschparken kostet 15 Euro (in den meisten EU-Ländern deutlich mehr!), bei Behinderung - z.B. Bordsteinabsenkungen, Feuerwehrzufahrten oder Tram-Gleise - bis 35 €. Das gleiche zahlt Waldis Herrchen oder Frauchen, wenn Hundi dabei erwischt, einen Haufen auf der Straße zu lassen. ?( . Also können Autofahrer in Deutschland ziemlich ungestraft den Rest der Welt behindern. Vergleicht mal, wie hoch die Schwarzfahrerquote wäre, wenn die Strafe dafür maximal 15 €, in schweren Fällen wie gefälschter Fahrschein etc. 35 € wäre und keinesfalls eine Straftat.

  • Weil alles mögliche subventioniert wird, auch Einrichtungen, die vorwiegend von Gutverdienern genutzt werden wie die Oper.

    Das stimmt wohl, gerade Opern scheinen aber auch gewaltige Prestigeprojekte zu sein. Ich war dieses Jahr in einigen skandinavischen Ländern unterwegs, und Kopenhangem Oslo und .. verdammt, wo war das doch gleich?... meinten auch, sich gegenseitig im Opernbau übertrumpfen zu müssen. Als jemand, der eine Oper höchstens mal von innen sieht, wenn er ne Technikführung mitmacht, verstehe ich es auch nicht.

    Auch als führerscheinloser Nicht-Autofahrer finanziere ich den Autoverkehr mittelbar mit: Über meine Krankenkassenbeiträge finanziere ich durch Haftpflicht nicht gedeckte Unfallkosten (z.B. beim Unfallverursacher oder Alleinunfälle), ebenso die vom Autoverkehr mittels Luftverschmutzung verursachten Krankheitskosten.

    Wenn Du so argumentierst: Ich als jemand, der nicht raucht, finanziert rauchbedingte Gesundheitsschäden mit. Ich als jemand, dessen Alkoholkonsum sich auf 1-2 Mal im Jahr nach dem Essen beim Griechen auf ein Schnapsgläschen Ouzo beschränkt, zahle alkoholbedingte Gesundheitsschäden mit. Ich als jemand, der vom Skifahren nichts hält, außer Abstand, zahle auch dafür mit, wenn sich ein Skifahrer auf die Brezel legt und verletzt. So ist das mit Versicherungen auf Solidarbasis nun mal.

    Da unsere Straßenverkehrsregeln sehr einseitig den Autoverkehr bevorzugen, "subventioniere" ich den Autoverkehr auch als Fußgänger, Radfahrer, Öffi-Nutzer mit endlosen Wartezeiten an Ampeln. Standard ist 10 Sekunden Grün für die Querung der meisten Hauptverkehrsstraßen, macht etwa 400 Sekunden Grün pro Stunde (1 Umlauf hatb 90 Sekunden), knapp 7 Minuten. Die schlimmsten Bahnschranken sind pro Stunde länger offen. :D

    Merkwürdigerweise hat man als Autofahrer oft das gleiche Gefühl, ewig warten zu müssen. Ich sag nur nördliches Ende Eiserner Steg. Die kürzeste Grünphase, die ich da gesehen hab, war so kurz, daß die Ampel an der Straße von rot/gelb direkt wieder auf gelb umgeschaltet hat. Und selbst wenn die Fußgänger rot und die Autos grün kriegen heißt das nicht unbedingt, daß der Straßenverkehr fließt. Manchmal kriegt man als Autofahrer dort den Fußgängerstrom nur zum Abreißen, indem man einfach langsam anfährt. X(
    Ich glaube eher, Frankfurt ist die Stadt, die es am besten schafft, alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen zu benachteiligen. Man hat einfach damals versäumt, den Straßenverkehr unter die Erde zu verbannen... Und wenn man es doch machen will, wird protestiert, siehe Riederwald, obwohl die oberirdische Straße dann sogar entlastet wird.

    Und da Falschparken in Deutschland nur marginal geahndet wird, lassen viele Autofahrer ihre Blechhaufen da, wo sie gerade sind - wie die Hunde. Das Bußgelöd für beide ist auch gleich: Falschparken kostet 15 Euro (in den meisten EU-Ländern deutlich mehr!), bei Behinderung - z.B. Bordsteinabsenkungen, Feuerwehrzufahrten oder Tram-Gleise - bis 35 €. Das gleiche zahlt Waldis Herrchen oder Frauchen, wenn Hundi dabei erwischt, einen Haufen auf der Straße zu lassen. ?( . Also können Autofahrer in Deutschland ziemlich ungestraft den Rest der Welt behindern. Vergleicht mal, wie hoch die Schwarzfahrerquote wäre, wenn die Strafe dafür maximal 15 €, in schweren Fällen wie gefälschter Fahrschein etc. 35 € wäre und keinesfalls eine Straftat.

    Da bin ich allerdings ganz bei Dir. Das ist einfach zu billig. Meine beiden wichtigsten Verbindungen mit dem Auto sind von zu Hause (gemieteter Tiefgaragenplatz) zur Arbeit (Firma hat einen Parkplatz, morgens ist aber in dem Gewerbegebiet auch an der Straße genug legaler Parkraum frei) oder zum Einkaufen (massenhaft eigene Parkplätze in der Tiefgarage und im Parkhaus, für Kunden sogar kostenlos), aber selbst wenn es anders wäre, würde ich mein Auto nicht einfach "irgendwo" parken. Bevor ich den Tiefgaragenplatz bekommen habe, habe ich auch teilweise hier in Oberrad lange suchen und dann auch lange heim laufen müssen, weil näher dran einfach nichts legal machbar gewesen wäre. Und in dem halben Jahr mit Tiefgarage ist noch kein Monat vergangen, wo ich nicht mindestens einmal Diskussionen mit Leuten führen durfte, die die Einfahrt der Tiefgarage zuparken. Das beste Argument war "da kommt doch keiner raus, da ist doch das Tor zu". Äh ja. Wer raus will, drückt drinnen auf den Knopf und das Tor geht auf. Wer rein will (und darf) hat den passenden Transponder dafür... Also wirklich...
    Wenn der Bußgeldkatalog dort mal angepaßt würde und die Städte es auch konsequenter überprüfen würden, wäre viel Geld für den ÖPNV-Ausbau da... :D


    Edit: Zitat repariert

    Dank Petra werde ich zum Kunstkenner. Je öfter ich das Gebrabbel höre, desto mehr verstehe ich van Gogh.

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  • Zitat

    Wenn Du so argumentierst: Ich als jemand, der nicht raucht, finanziert rauchbedingte Gesundheitsschäden mit.


    Hatte ich auch im Sinn, wollte aber die Länge meines Beitrags nicht übertreiben. Die erwähnten Zigarettenraucher belasten zusätzlich auch die Allgemeinheit mit ihrer Angewohnheit, ihre Kippen überall da zu lassen, wo sie gerade sind. Das führt dann für Grundbesitzer, Straßenreinigung und auch ÖV-Betriebe zu unnötigem Reinigungsaufwand oder belastet die Umwelt.


    Auch wenn ich gelegentlich Alkohol trinke, bin ich der Meinung, dass Alkohol, Zigaretten und andere Genuss- oder Suchtmittel nicht indirekt über Gesundheitsabgaben und andere Leistungen subventioniert werden sollten. Echte Marktwirtschaft wäre, dass für jedes Produkt auch die indirekten Kosten vom Produzenten - und letztendlich dann vom Nutzer - bezahlt werden sollten und nicht von der Allgemeinheit. Wenn die entsprechenden Produkte dann teurer wären, zahle ich als Verbraucher, und nicht die Allgemeinheit, den wirklichen Preis und würde dann wahrscheinlich durchaus überlegen, ein Glas Bier weniger zu trinken oder weniger Zucker zu kaufen. Der Ausgleich wären dann niedrigere Krankenkassenbeiträge, niedrigere Straßenreinigungs-kosten und weniger Störungen im ÖPNV.


    Und dann kann anschließend das Parlament entscheiden, welche Produkte und Leistungen wirklich direkt subventioniert werden, weil sie z.B. Basisleistungen für alle Bürger sind - wie Wohnen und ÖPNV - oder dem übergeordneten Allgemeinwohl wie etwa dem Umweltschutz dienen. Auch da wären die öffentlichen Verkehrsmittel wieder dabei. :thumbsup:

  • Die kürzeste Grünphase, die ich da gesehen hab, war so kurz, daß die Ampel an der Straße von rot/gelb direkt wieder auf gelb umgeschaltet hat.


    Was nicht sein kann, weil die Rilsa eine Mindestfreigabezeit von 5 Sekunden vorschreibt. Wenn das wirklich so gewesen ist, war das entweder eine Fehlschaltung oder eine Sicherheitsschaltung zurück, weil z. B. für den querenden Verkehr die Rotsignalisierung ausgefallen ist. Aus diesem Ausnahmefall aber auf Regelbetrieb schließen zu wollen, ist dann aber wenig sinnvoll.

  • Nur mal ganz nebenbei eingeworfen: hätten wir die Steuersätze noch von 1990, dann wäre die Vollsubventionierung des ÖPNV kein Thema. Und andere Leistungen müßten nicht einmal darunter leiden, im Gegentum. Aber so ... subventionieren wir diejenigen, die den Rachen sowieso nicht voll bekommen können.


    Und mit den Ausgaben der Bundeswehr wird ein ganzer Industriesektor subventioniert, der, wenn es gut läuft, nicht einmal funktionsfähiges Gerät für die Müllhalde abliefert.


    Ob dann Raucherinnen, Säufer, Hundehalter oder Falschparkerinnen anders zur Kasse gebeten werden sollten, wäre dann irrelevant. Obwohl ... die Blechhalden in den einzelnen Stadtvierteln, die die Bürgersteige vollmüllen, sollten nicht durch eine Quartiersabgabe belästigt werden, sondern durch konsequenten Rausschmiß aus der Stadt. Bei einem kostenlosen ÖPNV wäre es solche Vision sofort umsetzbar. Für diejenigen, die wirklich dringend auf das Miefomobil vor der Haustüre angewiesen sind, und die gibt es, gibt es ja noch das Taxi, auf Antrag ebenfalls als ÖPNV zu betrachten.

  • Das Taxi kannst du aber in Frankfurt vergessen, weil exorbitant teuer. Wenn ich von Oberrad zum Hbf 30 Euro zahlen muß (und der ist keinen Umweg gefahren, ich kenne mich ja aus), dann kommt das für mich nicht in Frage. Zwei Fahrten im Monat dieser Art übersteigen das, was ich im Monat an der Tanke lasse...


    Holger Koetting : Diese Schaltung habe ich nur einmal gesehen, sonst ist es wohl die Mindestzeit, wenn wieder jemand drückt. Trotzdem zu kurz für sinnvolle Lenkung des Verkehrs. Und daß Frankfurt für Verkehr in Ost-West-Richtung dank fehlender Verbindung der A66 schlecht geeignet ist, ist ja bekannt. :( (weit außen rum über den Parkplatz 3 ;) ist ja auch keine Alternative, die ist ja auch regelmäßig dicht.

    Dank Petra werde ich zum Kunstkenner. Je öfter ich das Gebrabbel höre, desto mehr verstehe ich van Gogh.

  • Das wäre schön. Wenn ich Unternehmer/FDP lobbyist wäre, dann wäre ich voll dafür. Gerade größere Unternehmen haben hohe Ausgaben für Parkraumbereitstellung und/oder Teilübernahme von Jobtickets. Weniger KFZ auf den Straßen bedeutet für Unternehmen auch mehr Planungssicherheit bei just-in-time Lieferungen etc. durch weniger Staus und Verzögerungen durch den Berufsverkehr in Ballungsgebieten. Man sieht es ja an Brückentagen, Freitagen, Ferien. Bei 10-20% weniger Verkehr kommt es schon praktisch nicht mehr zu Staus.

  • Das Taxi kannst du aber in Frankfurt vergessen, weil exorbitant teuer. Wenn ich von Oberrad zum Hbf 30 Euro zahlen muß (und der ist keinen Umweg gefahren, ich kenne mich ja aus), dann kommt das für mich nicht in Frage.


    Ich hatte das ja auch nicht als Regelleistung gedacht. Denn:


    Für diejenigen, die wirklich dringend auf das Miefomobil vor der Haustüre angewiesen sind, und die gibt es, gibt es ja noch das Taxi, auf Antrag ebenfalls als ÖPNV zu betrachten.


    Wer ansonsten Taxi fahren möchte und auf sein Miefomobil verzichtet, wird finanziell auch nicht wirklich bluten.


    Wenn ich Unternehmer/FDP lobbyist wäre, dann wäre ich voll dafür.


    Nicht wirklich. Die FDP fährt Auto, und die Automobilindustrie benötigt Kundinnen und Kunden. Wenn die kostenfrei im ÖPNV fahren können, wer kauft dann eine solche Schleuder? Aber ansonsten ein richtiger Gedanke. Der ÖPNV wird nur soweit gefördert, bis der Verkehr nicht im Infarkt stirbt. Im Grunde eine break-even-point-Rechnung.

  • Pallaswiese : Weder verstehe ich Deine Argumentation, noch sehe ich einen Sinn darin, mit Leuten zu diskutieren, die nicht mal in der Lage sind, Gegenstände neutral beim Namen zu nennen. Wer so ideologisch verfärbt ist, nimmt in aller Regel sowieso keine Argumente an, die nicht seiner Sichtweise entsprechen. Deshalb ist für mich hier EOD.

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  • Kostenloser oder 1 Euro pro Tag ÖPNV wäre schon machbar, wenn es wirklich gewollt wäre. So zumindest meine Meinung.
    Nur in vielen Fällen sind nicht die Kosten das Argument für IV (und gegen den ÖPNV ), sei es auch nur für 300 Meter gebracht wird, um vor dem Kindergarten zu protzen.
    Aber nachts um 03:00 Uhr habe ich weder viel Lust aufs radfahren noch eine wirkliche ÖPNV Alternative. Auch zu normalen Zeiten ist meine Reisezeit mit ÖPNV je nach dem viermal so lang (planmäßig ohne Betriebsstörungen o.ä.) als mit PKW.

  • Kostenloser oder 1 Euro pro Tag ÖPNV wäre schon machbar, wenn es wirklich gewollt wäre.

    Schön gesagt: "wenn es gewollte wäre". Dann musst Du aber auch erklären, woher der Stadtkämmerer die 190 Mio €/Jahr nimmt, welche die VGF heute als Fahrgeldeinnahmen verbucht; verbundweit sprechen wir über eine halbe Milliarde. Sag bitte, welche Haushaltstitel um diese Marge dauerhaft geschrumpft werden können. Und das setz dann auch politisch durch. Warum sollte jemand für die Deckung seines Mobilitätsbedürfnisses nicht bezahlen? Ist mir jedenfalls lieber als wieder mal die Steuern zu erhöhen.

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  • Zitat von Pallaswiese

    Für diejenigen, die wirklich dringend auf das Miefomobil vor der Haustüre angewiesen sind, und die gibt es, gibt es ja noch das Taxi, auf Antrag ebenfalls als ÖPNV zu betrachten.


    Ich möchte den Kostenaspekt hier bewusst außen vor lassen.
    Stell dir bitte mal die folgenden Fragen:
    - wie lange dauert es, bis ein Taxi da ist?
    - wie akzeptabel ist diese Zeit bei öffentlichen Bereitschaftsdiensten, wie z.B. Feuerwehr?
    - Extrapoliere auf die Akzeptanz des Arbeitgebers im Fall eines nicht öffentlichen Bereitschaftsdienstes
    - Was ist mit Firmenwagen, die große Mengen Werkzeug geladen haben?


    Anders gesagt: Es gibt gute Gründe, ein KFZ vor der Tür stehen zu haben. Es gibt auch viele schlechte Gründe (z.B. "der ÖPNV ist so schlecht/so teuer, ich muss ohne Gepäck zur Arbeit fahren"). Es spricht überhaupt nichts dagegen, das Parken einzuschränken, wenn Alternativen da sind (das können auch sinnvoll angebundene Plätze am Stadtrand sein). Religiös und dogmatisch die Komplettabschaffung des MIV zu fordern ist illusorisch und führt lediglich dazu, dass man nicht ernst genommen wird.


    tunnelklick :
    Bei einer sinnvollen Durchführung des Konzepts wird man vermutlich nicht die kompletten jetztigen Fahrgeldeinnahmen ausgeben müssen, da die Kosten für Fahrgelderhebungen ebenfalls wegfallen. Und hier ist auch ein Grund des Scheiterns des belgischen Versuchs zu sehen: Wenn wir eine geringe Gebühr erheben, müssen wir sie wieder eintreiben. Das kostet wieder Geld.
    Wenn, müsste man den innerstädtischen Verkehr als städtische Fürsorge betrachten und nur diesen vollständig subventionieren (auf DA bezogen wäre das nebenbei ein gutes Argument, die Regionalbusse am Ostbahnhof zu brechen). Natürlich bleibt hier wieder die Frage "wo hört die Stadt auf"?

    Einmal editiert, zuletzt von 4nti4sin4 ()

  • Schön gesagt: "wenn es gewollte wäre". Dann musst Du aber auch erklären, woher der Stadtkämmerer die 190 Mio €/Jahr nimmt, welche die VGF heute als Fahrgeldeinnahmen verbucht; verbundweit sprechen wir über eine halbe Milliarde. Sag bitte, welche Haushaltstitel um diese Marge dauerhaft geschrumpft werden können. Und das setz dann auch politisch durch. Warum sollte jemand für die Deckung seines Mobilitätsbedürfnisses nicht bezahlen? Ist mir jedenfalls lieber als wieder mal die Steuern zu erhöhen.

    Ds ganze nicht nur RMV oder Hessenweit, sondern Bundesweit.
    So jetzt mal Stammtisch-Platt: Es gehen viele Subventionen sonstwohin, z.B. Autos und E-Antrieb. Wäre da nicht mal ein Ansatz?

  • Wenn man die Fahrgeldeinnahmen (laut Wikipedia 823 Mio. Euro) durch die Einwohnerzahl im RMV-Gebiet (6,7 Mio.) teilt, dann kommt man auf lächerliche 123 Euro pro Jahr pro Einwohner. Natürlich ließe sich dieser Betrag irgendwie durch Steuern subventionieren und sinnvoll wäre das meiner Ansicht nach auch. Beim Autoverkehr stehen da Zahlen in ganz anderen Größenordnungen gegenüber. Laut einer Studie der TU Dresden verursacht jedes Auto in Deutschland zusätzliche Kosten von rund 2100 Euro pro Jahr, die nicht direkt von deren Nutzern, sondern indirekt von der Allgemeinheit getragen werden. Umgerechnet auf Einwohner sind das rund 1000 Euro (Seite 36/37). Wenn man diese Auto-Subventionierung auch nur teilweise von der Allgemeinheit auf die Nutzer verlagert, könnte man damit den ÖPNV subventionieren.


    Viel interessanter als die Finanzierung finde ich die Frage wie man so eine Umstellung praktisch durchführen kann, ohne dass alles zusammenbricht. Sicherlich müsste das bundesweit passieren und es geht nicht von heute auf morgen. Die vorhandenen Kapazitäten würden für den Ansturm nicht ausreichen, der dann zu erwarten ist. Wie kann man innerhalb kurzer Zeit neue Kapazitäten schaffen und diese bis zum Tag, an dem die Fahrkartenautomaten abgebaut werden, nicht ungenutzt lassen? Wie bekommt man einen sanften Übergang hin? Das ÖPNV-Netz in einem 10-Jahres-Plan massiv ausbauen und dabei jedes Jahr die Fahrpreise um 10% senken?

    Einmal editiert, zuletzt von Torben ()

  • Torben:

    Zitat

    Viel interessanter als die Finanzierung finde ich die Frage wie man so eine Umstellung praktisch durchführen kann, ohne dass alles zusammenbricht.


    Auch eine Änderung der Gesetze hinsichtlich des Rechts auf Klage Betroffener wäre erforderlich um Baumaßnahmen zügig beginnen zu können.
    Zumindest sollten diese Prozesse beschleunigt werden. Auch der Naturschutz bremst....
    Planen und Bauen geht recht fix.
    Die Maßnahmen, die im Rhein Main Gebiet begonnen werden,- Nordmainische, Main Weser Bahn, U5, U2 in HG, RTW wurden / werden bekanntlich von Prozessen und Diskussionen begleitet, die den Start der
    Baumaßnahmen nicht gerade beschleunigt haben / beschleunigen..

  • Torben

    Zitat

    Viel interessanter als die Finanzierung finde ich die Frage wie man so eine Umstellung praktisch durchführen kann, ohne dass alles zusammenbricht


    Etwas boshaft gedacht, gäbe es durchaus Möglichkeiten. Nimm etwa die Eschersheimer Landstraße mit heute etwa 30.000 Kfz / Tag in beiden Richtungen zusammen. Kannst auch alternativ die meisten anderen Ausfallstraßen nehmen, die liegen alle im Bereich 30.000 - 50.000 Kfz / Tag. Bei einer durchschnittlichen Besetzung von 1,3 Personen / PKW kommen wir auch rund 50.000 - 70.000 Personen / Tag.


    Lasse jetzt 10.000 von denen in ihrem Auto drin, weil sie z.B. im Wirtschaftsverkehr unterwegs sind (LKW, Lieferverkehr, Handwerker etc.) oder wegen Behinderung, mitgeführtem Gepäck oder unmöglicher ÖPNV-Verbindung keine Alternative haben. Und lasse dann die restlichen 20 - 40.000 in einem "Auto" fahren, das einen Besetzungsgrad von 50 Personen hat - sprich: in einem ganz normalen Standard-Linienbus!


    Das wären 400 - 800 Busse pro Tag. Macht bei 18 Stunden (6 - 24 Uhr) 22 - 45 Busse, also je Richtung etwa 11 - 22 je Stunde. Selbst in den HVZ mit doppelter Fahrplandichte käme man bei 44 Bussen etwa auf einen 1,5 Minuten-Takt.


    Bei 5.000 Autos am Tag je Richtung könnte man dann auf der Eschersheimer wahrscheinlich ohne Busspur einen 3-Minuten-Bus-Takt in der HVZ durchziehen. Auf der Hanauer brauchte man zugegebenermaßen eine Extra-Bus-Spur - oder könnte die "großen Elektro-Autos" (Tram :) statt wie jetzt im 5-Minuten-Takt im 2,5 Minuten-Takt fahren lassen und hätte pro Tag und Richtung etwa 2.500 Fahrgastplätze gewonnen, bei Doppeltraktion entsprechend mehr.


    Hinzu käme: Bei einem etwa auf ein Drittel reduzierten Autoverkehr würden auch entsprechend weniger Parkplätze benötigt, und die sehr nervigen Störungen durch Parkvorgänge und Falschparken würden erheblich reduziert - und damit auch der ÖPNV störungsärmer!


    Bei diesem Modell würden auch Zu-Fuß-Gehen und Radfahren deutlich attraktiver, weil Gefahren und Behinderungen durch den Autoverkehr wesentlich verringert würden. Da könnte man etwa als Radfahrer abends in der Weihnachtszeit auch über die Töngesgasse und die Goethestraße fahren und brauchte dann nicht mehr auf die U-Bahn auszuweichen :thumbsup: .


    Flankierend müssten natürlich auch die Strafen vor allem für Falschparker mindestens an EU-Standard angepasst werden. Nichts mehr mit für 35 Euro auf Tramgleisen parken, und nach einer Stunde kommt der Abschleppwagen. Das kostet dann gleich saftig, und der größte Teil wird direkt an die Verkehrsbetriebe weitergeleitet. :)


    Also: Der Mobilitätswechsel ist machbar !

  • Also ganz ehrlich, zu Fuß gehen ist für mich nicht unattraktiv wegen potentieller Gefahren durch Autos. Es scheitert eher an den Distanzen und den dafür benötigten Zeiten...

    Dank Petra werde ich zum Kunstkenner. Je öfter ich das Gebrabbel höre, desto mehr verstehe ich van Gogh.

  • Mobilitätswechsel ist (sicher) machbar.
    Aber wenn ich mir die aktuellen Verhandlugen der Jamaika-Koalition ansehe, und sehe, wie die Grünen einbrechen, wird das wohl auf absehbare Zeit nichts werden ....

    Capri-Sonne heisst jetzt "Capri Sun". :( Sonst ändert sich nix. Der "alte" Name muss wieder her ! ;(

  • Colaholiker:

    Zitat

    Also ganz ehrlich, zu Fuß gehen ist für mich nicht unattraktiv wegen potentieller Gefahren durch Autos.


    Für Dich sicherlich nicht. Aber genügend Muttis meinen, zu-Fuß-Gehen ist für ihre Kleinen zu gefährlich. Deshalb bringen sie auch über durchweg überschaubare Distanzen lieber ihre Kleinen mit dem Auto zur Schule oder zum Kindergarten - und schaffen dabei oft erst die Gefahren, weshalb die Kleinen nicht zu Fuß gehen sollen. ?(