Leisere und schnellere Züge an Regionalverkehrsstrecken

  • Hallo.


    Mit dem Personenunfall an der Strecke der S1 gestern zwischen Hattersheim und Eddersheim, so tragisch er auch war, kommen mir folgende Gedanken:


    Klar ist, dass die 75-jährige Frau, die unberechtigterweise den Bahnübergang trotz geschlossener Schranke überquerte, einen tödlichen Fehler begangen hat – mit oder ohne Vorsatz.
    Fakt ist, dass mit dem RE4, der den Unfall verursachte, ein Zug der Baureihe 429 mit einer Geschwindigkeit von ca. 150 km/h die Unfallstelle passierte. Fakt ist auch, dass Züge dieser Baureihe sehr leise sind, auch in diesem Geschwindigkeitsbereich. Die Züge werden also schneller und leiser. Fakt ist auch, dass man als betroffener Fahrgast an einer Regional- und Güterverkehrsstrecke Maßnahmen treffen muss, um sich bei einer Durchfahrt bei diesen Geschwindigkeiten nicht zu gefährden.


    Die Frage ist:
    Konnte der Unfall auch verursacht werden, weil der nahende RE nicht gehört wurde, und dessen Geschwindigkeit falsch eingeschätzt wird?
    Die Frage, die daraus zu folgern ist, ist:
    Wie schnell kann ein Mensch reagieren, wenn ein schneller Regionalexpress seine Vorbeifahrt „ankündigt“, wenn der Mensch diesen Zug nicht kommen sieht? Der Sicherheitsbereich, den die DB an den Bahnsteigen als „Sicherheitsbereich“ markiert hat, um Unfälle zu vermeiden, ist an den Bahnhöfen an der Strecke der S1 äußerst schmal bemessen.
    Bei Strecken, an denen regelmäßig Fernverkehr ist, weisen Schilder wie „Achtung! Schnellfahrten! Bitte verlassen Sie den Sicherheitsbereich!“ auf die Gefahr hin, z.B. in Rüsselsheim.
    Mit dem Einsatz der Flirt-Züge für die Rheingaulinie RE10 (VIAS Flirt) wurde für die Regionalstrecke für die schnellen und leisen Regionalbahnen eingeleitet. Seit dem letzten Fahrplanwechsel kamen mit dem RE9 (ebenfalls VIAS Flirt) und den RE4 bzw. RE14 (meist DB Baureihe 429) deutlich ausgeweitet. Was tat die Bahn für die akustische Sicherheit der Fahrgäste seit dem Einsatz dieser Züge? Nichts.
    In der Tat waren die alten RE, die mit Loks der BR 143 und n-Wagen fuhren, wesentlich lauter und langsamer, und waren dadurch viel früher vor der Durchfahrt zu hören. Ähnlich ist es bei Güterzügen, die die Strecke befahren. Auch diese sind gegenüber früher wesentlich leiser (Umweltgründe und Lärmbelästigung) und schneller (Zeitdruck in der Logistikbranche). Aber bei der Ausstattung der Bahnhöfe wurden – wenn überhaupt – für die Bahnsteighöhen und für Barrierefreiheit Mittel freigesetzt. Für die Sicherheit der Fahrgäste wurde trotz der geänderten Anforderungen kein Euro investiert.


    Fazit: Können wir als Fahrgäste erreichen, die genannten Gefahren nicht nur durch eigene Vorsichtsmaßnahmen, sondern auch durch geeignete Maßnahmen der Bahn (nicht nur durch allgemeine Ansagen wie „Achtung Zugverkehr! …“) zu verringern bzw. zu minimieren? Wie kann die Bahn gezwungen werden, nicht nur große Reden zu schwingen, sondern auch effektive Maßnahmen durchzuführen?


    Für konstruktive Ideen wäre ich dankbar.


    Grüße ins Forum
    Helmut

    You'll Never Ride Alone.

    2 Mal editiert, zuletzt von Helmut ()

  • Wer sich beim Überqueren von Gleisen auf sein Gehör verlässt, machte schon immer etwas falsch, wenn er nicht blind ist. Wer um geschlossene Schranken absichtlich herumläuft, den hätte auch kein anderer Hinweis aufgehalten. Die Leute verstehen schon, dass sie da wegbleiben sollten. Ansonsten sind bei modernisierten Bahnsteigen die Blindenleitstreifen bestimmt auch als Abstandshalter verwendbar. Man könnte immerhin regelmäßiger darauf hinweisen, Abstand von der Bahnsteigkante zu halten. Das ist eine Regel, die sich z.B. Schulkindern nicht auf Anhieb erschließt. Der Sog vorüberfahrender Züge ist ja nicht gleich offensichtlich.

    fork handles

  • Fazit: Können wir als Fahrgäste erreichen, die genannten Gefahren nicht nur durch eigene Vorsichtsmaßnahmen, sondern auch durch geeignete Maßnahmen der Bahn (nicht nur durch allgemeine Ansagen wie „Achtung Zugverkehr! …“) zu verringern bzw. zu minimieren? Wie kann die Bahn gezwungen werden, nicht nur große Reden zu schwingen, sondern auch effektive Maßnahmen durchzuführen?

    Was spricht denn gegen diese Ansagen? Ich würde es schon als Fortschritt empfinden, wenn derartige Ansagen immer erfolgen würden. Meiner Erfahrung nach kommt diese Durchsage in den wenigsten Fällen. Dort, wo ich sie höre, sind es individuelle Ansagen. Könnte man die nicht automatisiert vom Band abspielen?

  • Für die Sicherheit der Fahrgäste wurde trotz der geänderten Anforderungen kein Euro investiert.


    Falscher Ansatz, meine ich. Wer Bahnschranken missachtet, ist kein Fahrgast, sondern Verkehrsteilnehmer. Und für die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, die nicht Bahnreisende sind, wird schon einiges getan, z.B. werden die Bahnübergange an verkehrsreichen Strecken durch EU oder EÜ ersetzt. Insoweit hat sich das Regelwerk in Gestalt der EBO und nachgelagerter Richtlinien stark verändert. Das könnte schneller gehen (siehe z.B. F-Nied, BÜ Oeserstraße), aber bei Kreuzungen mit Straßen sind immer auch die Träger der Straßenbaulast im Boot (potenziell immer klamm). Soweit keine Unter- oder Überführungen anzulegen sind, werden die Bahnübergänge technisch aufgerüstet. Wer sich aber all dies nicht zur Mahnung gereichen lässt, dem ist nicht zu helfen.


    Insofern finde ich einen Unfall am Bahnübergang auch den falschen Aufhänger für eine Diskussion darüber, ob die Sicherheit auf Bahnsteigen bei Zugfahrten zu erhöhen sei, das ist was völlig anderes. Gab es denn Personenunfälle dieser Gattung, die eine Reaktion erfordern?

    Einmal editiert, zuletzt von tunnelklick ()

  • Ich bin, ehrlich gesagt, schockiert, sowas zu lesen. Ich hatte dich, Helmut , anders eingeschätzt. Dabei ist die Lösung einfach: In ein paar Jahren wissen alle, dass die Züge schnell und leise sind und erinnern sich nicht mehr an 143+Silberlinge oder 110³+Silberlinge und was da sonst früher noch rumgekurvt ist. Und dann sind sie wieder vorsichtiger beim unvorsichtigen Versuch, zwei Minuten einzusparen.


    Mit 75 Jahren könnte man sich natürlich auch noch an ICs auf der Strecke erinnern. Die sind mit Sicherheit dort auch 160 gefahren.


    Mit 75 Jahren könnte man sich auch einfach an die Funktion von Bahnübergängen und Schranken erinnern.


    Aber jetzt soll die DB dafür verantwortlich sein, lärmmindernde Maßnahmen durch akustische Warnsignale zu negieren? Geht's noch? Es gibt keine geänderten Anforderungen zur Sicherheit der Fahrgäste. Die Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke hat sich nicht verändert. Effektive Maßnahmen zur Unfallverhütung gibt es: Schranken. Aber, man kann sich gegen Murphy absichern, nicht gegen Machiavelli.

  • Es kommt selten vor, aber ich stimme Dir zu 100% zu, baeuchle . Das, was hier passiert ist, ist kein Unfall, im Sinne eines unerwarteten Ereignisses, das man hätte verhindern können, sondern ein bewußtes Ignorieren von - wie in anderem Thread von Tatrafan gesagt - Vollschranken an einem Bahnübergang mit tödlicher Folge. Das bewerte ich nicht anders als jemanden, der irgendwo wild übers Gleis latscht und vom Zug erwischt wird - vorausgesetzt der BÜ war ordnungsgemäß geschlossen.
    Wer sich selbständig im Verkehr bewegt, muß die Bedeutung geschlossener Vollschranken genauso kennen wie die Bedeutung einer roten Ampel.
    Wenn ich überlege, daß ich tagtäglich einen Bahnübergang überquere, der ausschließlich mit Schildern gesichert ist, ohne Lichtzeichen, ohne Schranken, dann verstehe ich um so weniger, wie jemand solche vollgesicherten Bahnübergänge ignoriert.

    Dank Petra werde ich zum Kunstkenner. Je öfter ich das Gebrabbel höre, desto mehr verstehe ich van Gogh.

  • Hallo.


    Da hat mich wohl jemand falsch verstanden. Der Unfall wäre durch Aufmerksamkeit und Beachten der Verkehrsregeln durch die Frau erst gar nicht entstanden.


    In meinem Einwand geht es nicht nur um den Einsatz von Bahnschranken, um solche Unfälle wie gestern zu verhindern versuchen. Vielmehr geht es um Maßnahmen an der Infrastruktur, die wegen des Einsatzes von schnelleren und leiseren Zügen nicht nur von den Verkehrsteilnehmern (an Bahnübergängen und auf Bahnsteigen) höhere Aufmerksamkeit erfordern (hier erwarte ich wenig Resonanz), sondern auch von den Verkehrsunternehmen (hier: die DB) über zusätzliche Maßnahmen nachzudenken, damit der Einsatz dieser Fahrzeuge auch aus Sicherheitsaspekten lohnt.


    [Ironie]Verrückte oder veraltete, und somit natürlich nicht zu finanzierende, derartige Maßnahmen wären z.B.:


    - jede Bahnsteigkante an S-Bahnhöfen mit Glastüren zu versehen, die sich nur bei Halt eines Zuges öffnen, und bei Durchfahrt von schnellen Zügen geschlossen bleiben und somit eine natürliche Barriere bilden. ;)
    - der Einsatz von Bahnsteigsperren mit Personal, die den Bahnsteig erst freigeben, wenn sich ein Zug nähert, der an diesem Bahnsteig hält :D . [/Ironie]


    Ich suche nur vernünftige Vorschläge zum Erhöhen der Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer (bei der DB die zahlenden Fahrgäste). Deswegen hängt mein Beitrag auch im Eisenbahnforum, und nicht in der Störungschronik.


    Zum Beispiel denke ich auch an die Strecken, die im Moment im Bau sind, um den parallelen Verkehr von S-Bahn-, Regional-, Fern- und Güterverkehr zu ermöglichen (z. B. Frankfurt - Friedberg). Hier könnten solche von mir gewünschten vernünftigen Maßnahmen bereits in der Ausbauphase implementiert werden.


    Um eine Reakton meinerseits auf die aktuellen Statements zu geben:


    baeuchle :

    Zitat

    Mit 75 Jahren könnte man sich natürlich auch noch an ICs auf der Strecke erinnern. Die sind mit Sicherheit dort auch 160 gefahren.

    Aber sie waren wesentlich lauter.


    Condor :

    Zitat

    Entsprechend sinnvolle Durchsagen an Bahnsteigen: Sollte sein.


    Durchsagen "Vorsicht Zug" o.ä. an BÜ bei geschlossenen Schranken meint Helmut wohl sicherlich nicht.

    Beispiel Flörsheim: Dort wurden die Schranken enfernt. Die Signale in Fahrtrichtung Frankfurt sind vom Bahnsteig nicht zu erkennen. Nähert sich ein schneller, leiser Zug aus Richtung Hochheim (z.B. RE4), ist er genau 10 Sekunden vor Durchfahrt sichtbar. Fahrgäste, die nicht auf den schraffierten Flächen stehen, und in die falsche Richtung sehen, nehmen diese Züge erst direkt vor Durchfahrt wahr. Solche Fahrgäste sind nicht zu verhindern.


    Grüße ins Forum
    Helmut

    You'll Never Ride Alone.

    2 Mal editiert, zuletzt von Helmut ()

  • Du meinst aslo wirklich nuir die Situation auf den Bahnsteigen?
    Ansagen wie "Durchfahrt, bitte von der Bahnsteigkante zurücktreten" und Anzeige auf der ZZA sind technisch ja durchaus machmar (organisatorisch vielleicht nicht), ebenso breitere markierte Flächen.
    Die letzten drei Prozent sicherheit (Smombies mit Knopf im Ohr, zugedröhnte Personen) werden wohl nur sehr schwer zu erreichen sein. Aber ein letzter Rest Eigenverantwortung für sein Wohlergehen muß der Mensch schon übernehmen, auch wenn es unpopulär ist.


    Über die, die sich für unsterblich oder unverwundbar halten, brauchen wir nicht zu diskutieren. Einige regen sich sogar noch auf, wenn sie darauf hingeweisen werden (oder sogar noch gerettet werden).

  • Deine Formulierung ist da schon etwas seltsam, Helmut .
    An Bahnübergängen gibt es, insbesondere, wenn sie Vollschranken haben, eigentlich nichts mehr für die Sicherheit zu verbessern. Eine geschlossene Schranke ist eine geschlossene Schranke. Ein Umbau auf eine Kreuzung in verschiedenen "Etagen" bringt lediglich einen besseren Verkehrsfluß auf der Straße und erlaubt (wenn es rundherum paßt) eine höhere Geschwindigkeit auf der Schiene.


    Bahnsteige sind natürlich ein ganz anderes Thema, denn hier gibt es nun mal die engste Begegnung Mensch und Zug.

    Dank Petra werde ich zum Kunstkenner. Je öfter ich das Gebrabbel höre, desto mehr verstehe ich van Gogh.

  • Ich denke, Helmut meint vor allem Maßnahmen, um zu verhindern, dass Menschen zu nahe an der Bahnsteigkante stehen und dann von einem "plötzlich" ein- oder durchfahrenden leisen schnellen Zug überrascht werden. Da hat es in der Tat schon Unfälle gegeben. So wurde irgendwann auf einem Regionalbahnhof im RMV-Gebiet ein Kinderwagen vom Sog eines durchfahrenden Güterzuges erfasst.


    Da hilft nur eines: Die Sicherheits-Linie ein Stück von der Bahnsteigkante als absolute Barriere als absolute Barriere zu begreifen, die erst nach Einfahrt des Zuges überquert werden darf.
    Das ist vor allem eine Sache der (Verkehrs-) Erziehung von Kindesbeinen an bis zur "Senioren-Fahrgastschule". Und auch Migranten sollten explizit darauf hingewiesen werden, da sie häufig von zu Hause wesentlich lautere und langsamere Gefährte gewöhnt sind.


    Was Ohrstöpsel etc. angeht - die nerven mich sogar als nicht-motorisierter Verkehrsteilnehmer, wenn da Leute vor einem her dapsen und weder auf Tonsignale noch auf Zuruf reagieren. Ich habe den Eindruck, die würden noch nicht einmal eine verirrte Boeing 747 von Japan-Airlinies im weihnachtlich beleuchteten Stänkelfeld hören :D . Sinnvollerweise sollte überlegt werden, grundsätzlich die Nutzung dieser Geräte während der Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr zu verbieten. Nein - nicht für Fahrgäste in öffentlichen Verkehrsmitteln - die verpassen höchstens ihre Haltestelle. :D


    Zurück zum Sicherheitsstreifen: Von Seiten der Eisenbahn kann sehr wohl etwas getan werden: Nämlich Bahnsteige innerhalb des sicheren Bereichs ausreichend zu bemessen, dass man sich auch mit Rollstuhl oder sperrigem Gepäck begegnen kann, die Sicherheitslinien eindeutig zu markieren und die Bahnsteige in einem gepflegten Zustand zu erhalten. Wenn die Bahnsteige Mondlandschaften mit Kratern, Seenplatten oder Eiswüsten sind, muss man mitunter zwangsläufig auf den nicht-sicheren Bereich ausweichen, um z.B. zur absehbaren Position des reservierten Wagens oder auch nur zum Ausgang. Und da nehme ich die Bahn auch in die Pflicht!


    Ansonsten ist es eher zu begrüssen, wenn die Züge leiser und schneller werden.

  • Die Abstandslinie als "absolute Barriere" ohne grosse Baumassnahmen durchzusetzen ginge
    nur über eine gesetzliche Regelung als teure OWi, die auch geahndet wird, sodaß sich das
    herumspricht.
    Was Gesetze nützen sieht man ja wenn man sich anschaut wie sehr viele Radfahrer (kein
    Licht, gegen die Richtung, etc) und Autofahrer (Geschwindigkeit, Dunkel-gelb über die
    Ampel, Parken auf Gehweg, etc) fahren, da einfach die Kontrollen - und auch teils die
    Strafen - zu gering sind.


    Höhere Aufmerksamkeit könnte man auch durch künstliche Mobilfunklöchern auf erreichen.
    Man sieht sehr oft Personen die telefonieren an der Bahnsteigkante entlang laufen...

    In god (an invention by mankind) we trust - on earth we don't


    Sincerly yours, NSA
    powered by US government

  • Ich denke, am wichtigsten ist, das Bewusstsein für die Gefahr zu schaffen. Man geht ja auch nicht auf hauchdünnes Eis oder fasst an eine Steckdose. ...


    Und das ist vor allem eine Frage der Erziehung und nicht der Bußgelder. Frei nach Gorbatschow: Wer ignorant ist, den bestraft das Lebem.

  • Hallo.


    Ich habe in meinen Ausführungen bewusst darauf verzichtet, Fahrgäste zu nennen, die durch Kopfhörer, Mobiltelefone u.ä. abgelenkt sind. Dies ist auch wieder eine Erziehungssache, wie es @O-W-E treffend formuliert hat.
    Es wurden auch immer wieder Maßnahmen an Bahnübergängen getroffen zur Verbesserung der Sicherheit. (Zum Beispiel gab es noch zu ET420-Zeiten am Posten 19 zwischen Hattersheim und Eddersheim trotz geschlossener Vollschranken zusätzlich Drehkreuze, um die Gleise immer überqueren zu können ?( ).
    Weitere Maßnahmen seitens der Bahn zur Sicherung von Bahnübergängen zum Verhindern von unberechtigtem Überqueren der Gleise mit schnellen leisen Zügen (z. B. pfeifen vor jedem beschranktem Bahnübergang außerhalb geschlossener Ortschaften – dies wäre wieder eine unakzeptable Maßnahme ) fallen somit keinem von uns ein. Somit ist also das Optimum erreicht, hier brauchen wir nicht weiter zu diskutieren.


    Bei Bahnsteigen besteht allerdings weiter Handlungsbedarf, und die Dummheit ( ?) der Fahrgäste zwingt die Bahn, über weitere Sicherheitsmaßnahmen nachzudenken.
    Ich würde zum Beispiel dafür, an kleinen Bahnhöfen pro Bahnsteig nicht nur einen Lautsprecher zu installieren, sondern minimal zwei (an zwei von den Fahrgästen am meisten genutzten Bahnsteigabschnitten). Diese sollten nicht die Floskel „Achtung Zugbetrieb …“ ansagen, sondern aktuell vor durchfahrenden Zügen warnen. Dafür gab es früher an größeren Bahnhöfen die Ansage „Achtung am Gleis 2 – ein Zug fährt durch. Ich wiederhole: Achtung am Gleis 2 – ein Zug fährt durch“. Gibt es diese Ansage noch? Ich habe sie letztmalig in Groß Gerau-Dornberg gehört – bei der dortigen Zugdichte ein absolutes Muss. Mit diesen Ansagen muss einfach jeder betroffene Bahnhof bzw. Haltepunkt ausgestattet werden. Abgelenkte Fahrgäste erreicht man dadurch leider nicht.


    Grüße ins Forum
    Helmut

    You'll Never Ride Alone.

  • Fraglich, ob da nicht sehr schnell ein Gewöhnungs- und Abstumpfungseffekt entsteht und diese automatische Warnung dann von den Gehirnen derer, die sich häufig auf den Bahnsteigen aufhalten, schon nach kurzer Zeit automatisch in die Rubrik “unwichtiges Hintergrundrauschen“ einsortiert wird. Bei stetig wiederkehrenden Geräuschen ohne für den Jeweiligen persönlich wichtigen Informationswert hat das menschliche Gehirn so eine “automatische Sortierfunktion“ nun mal an sich.


    Zweiter Punkt wären die Anwohner. Gab doch allgemein schon zu 420-Zeiten Geplärre wegen dem “Zurückbleim“ zu nächtlicher Stunde, deshalb sollten wir es außerhalb des Tunnels ab 22 Uhr ja weglassen. Bei solchen intensivierten automatischen Ansagen kämen da garantiert wegen vielen Halten direkt die Anwohnerbeschwerden, oder gleich Bürgerinitiativen und Klagen. Wahrscheinlich vor allem aus dem Rheintal :D


    Güterzüge: richtig, die fahren heute schneller und trotzdem leiser als früher. Allerdings nicht wegen Termindruck in der Logistikbranche, sondern weil es heute Güterwagen gibt, die schneller fahren können (Stichworte: Laufeigenschaften und Bremsvermögen) und das ausgenutzt wird, um mehr Züge pro Zeiteinheit auf demselben Streckenabschnitt fahren zu können. Würden die Güterzüge immer noch mit 55 km/h durch die Gegend schlafen oder die “schnellen“ mit 80, könnte man auf etlichen Strecken vermutlich froh sein, wenn wenigstens eine S-Bahn und ein RE pro Stunde fahren könnten ;)


    Zum Thema Bahnsteige die Bahn stärker in die Pflicht nehmen lehne ich jedoch ab. Daß die Bahnsteige intakt sein müssen und eben weder Kraterlandschaften noch Seenplatten sein dürfen: sofort einverstanden. Darüber hinaus geht mir die Überlegung aber zu sehr Richtung “Vollkaskomentalität“, ich bevorzuge es, jedem Einzelnen auch Verantwortung für sein Leben und die Pflicht zum Gebrauch des gesunden Menschenverstands zuzuweisen. Und dazu gehört: Warnmarkierungen sind zu beachten, wer das nicht tut und mitgerissen wird: Pech gehabt. Ja, da bin ich ziemlich ungnädig. - Diese schraffierten Warnmarkierungen gibt es ja übrigens auch noch gar nicht so lange, wir alle kennen es doch noch, daß es, wenn überhaupt, nur eine weiße Linie gab ;) Seitens der Bahn wurde also durchaus bereits etwas für mehr Sicherheit an Bahnsteigen getan.

    Hinweis: Sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, spiegeln meine Beiträge nur meine persönliche Meinung. Diese muß nicht zwangsläufig der meines Arbeitgebers, irgendwelcher Institutionen oder von sonstwem entsprechen, sie muß auch nicht unbedingt jedem gefallen, ich lasse sie mir aber auch nicht verbieten oder madig machen und werde mich im Normalfall auch nicht dafür, daß ich eben eine eigene Sicht der Dinge habe, entschuldigen.

    2 Mal editiert, zuletzt von Tatrafan () aus folgendem Grund: Handygetippe nervt... Tippos... :/

  • Ich würde zum Beispiel dafür, an kleinen Bahnhöfen pro Bahnsteig nicht nur einen Lautsprecher zu installieren, sondern minimal zwei (an zwei von den Fahrgästen am meisten genutzten Bahnsteigabschnitten). Diese sollten nicht die Floskel „Achtung Zugbetrieb …“ ansagen, sondern aktuell vor durchfahrenden Zügen warnen. Dafür gab es früher an größeren Bahnhöfen die Ansage „Achtung am Gleis 2 – ein Zug fährt durch. Ich wiederhole: Achtung am Gleis 2 – ein Zug fährt durch“. Gibt es diese Ansage noch? Ich habe sie letztmalig in Groß Gerau-Dornberg gehört – bei der dortigen Zugdichte ein absolutes Muss. Mit diesen Ansagen muss einfach jeder betroffene Bahnhof bzw. Haltepunkt ausgestattet werden.


    Also in Frankfurt-Niederrad Gleis 1/2 (Fernbahn) wurden diese Ansagen (die ausführliche Variante) erst vor wenigen Jahren abgeschafft. Auf Bahn-Art natürlich, zuerst wurde nur der Sprachspeicher überschrieben mit "Stille", also hat es erstmal ein halbes Jahr statt Ansage nur Knacksen und Rauschen gegeben...

  • Ich stimme meinen Vor-Postern zu, dass Warnansagen auf den Bahnsteigen nicht hilfreich sein dürften. Erstens die erwähnten Klagen der Anwohner, zweitens der Gewöhnungseffekt der Reisenden. Ich gebe zu, auch mich stören mitunter diese Durchsagen, wenn ich länger auf einem Bahnsteig stehe - vor allem, wenn es mehrere Bahnsteige mit entsprechenden Durchsagen gibt. :D


    Ich stimme Tatrafan zu, keine Vollkasko-Mentalität zu schaffen. Auch ich befürworte dieses nicht und sehe dieses sogar eher als kontraproduktiv, wenn die Aufmerksamkeit des gesunden Menschenverstands erlahmt. Harmloses Beispiel aus eigener Erfahrung: Auf der U 4 fuhren früher fast immer u3-Wagen, auf der U 5 die Ptb. Da habe ich oft auch nicht mehr auf das Linienschild, sondern nur das Fahrzeug geschaut und bin dann bei Abweichung auch schon mal auf der U 4 gelandet, als ich mit der U 5 fahren wollte. :) In Polen habe ich früher richtig ausgetretene Trampelpfade zu "informellen Gleisquerungen" gesehen, einen sogar neben einem Bahnhof der Hauptstrecke Poznan - Wroclaw. Meine Vermutung ist, dass die Leute wussten, was sie taten und deshalb s e h r aufmerksam waren und es deshalb auch nicht mehr Unfälle als hier gab.


    Ich halte es aber für notwendig, die Bahnsteige nicht nur in einem ordentlichen Zustand zu halten, sondern auch für das Fahrgastaufkommen ausreichend zu dimensionieren - innerhalb der sicheren Bereiche. Ich gestehe zu, an möglichen Engstellen, die Ausweichen an den Randbereich erfordern, ist dann der gesunde Menschenverstand gefragt (siehe oben). Auch ein ET 429 oder ICE fallen ja nicht vom Himmel ...

  • Ich sehe da ein ganz anderes Problem: Das Thema ist nicht durch die Lautstärke der Züge abzufrühstücken. Wer meint, durch die Methode "ich sehe den Zug doch" noch irgendwas retten zu wollen, unterschätzt die Geschwindigkeit komplett. Bei 160 km/h fährt der Zug bekanntermaßen 44,4 Meter in der Sekunde. Selbst bei angesetzt idealen Sichtverhältnissen von einem Kilometer ist der Zug in etwas mehr als 20 Sekunden an meiner Position. Reicht das aus, um einen Bahnübergang (oder schlimmer: illegaler Trampelpfad, wo man eh noch quer über die Gleise stolpert) sicher zu queren? Wohl kaum.
    Die Lautstärke des Zugs spielt dann praktisch keine Rolle mehr bzw. bringt allenfalls fünf Sekunden mehr. Dazu kommt: Je weiter der Zug weg ist, umso weniger ist das Geräusch als solches eindeutig zuzuordnen. Bei Geräsuchen im Nahbereich habe ich aber wieder weniger Sichtzeit habe und damit bricht auch mein "Zeitguthaben" sehr schnell ein. Dann kann ich den Zug 10 Sekunden sehen und weitere 10 Sekunden vorher hören. Reicht das dann aus? Ebenfalls wohl kaum.
    Man kann's drehen und wenden, wie man möchte: Wer sich im Eisenbahnbereich auf Augen und Gehör verlassen will, hat verloren. Die Lautstärke ist praktisch irrelevant.

  • Hallo.


    Ich sehe ein, dass die Bahn nicht viel mehr beitragen kann, um die Sicherheitsaspekte, die ich angesprochen habe, noch weiter zu optimieren. Aufmerksamkeit der Beteiligten ist das A und O. Alles andere scheidet aus, ist Erziehung von Kindesbeinen an, und die Bahn kann und wird beim Status Quo bleiben.
    Um @Holger Koetting's Argumentation zu bekräftigen, kann ich noch ein aktuelles Beispiel von heute morgen beisteuern - wieder aus Flörsheim. Bekanntlich liegt Flörsheim direkt unter der Einflugschneise des Flughafens. Genau in dem Moment, als ein Flugzeug Flörsheim überflog, fuhr der RE10 durch. Da konnte man den RE nicht hören. Passiert ist nichts, weil die Fahrgäste in sicherer Entfernung von der Bahnsteigkante aufhielten. Es bleibt also nur, zu warten, bis die Bahn am Bahnsteig hält.


    Besten Dank für die Diskussion.


    Grüße ins Forum
    Helmut

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