MET Deutschland ist insolvent

  • Die 'MET Deutschland GmbH' ist insolvent. Wie man unter http://www.insolvenzbekanntmachungen.de nachlesen kann, wurde das Insolvenzverfahren eröffnet am 2.5.


    Erstes konkretes Opfer ist das zu MET gehörende Prümer Busunternehmen 'Axel Tücks GmbH', Insolvenzverfahren eröffnet heute am 6.5.


    Wie es mit anderen zur MET Unternehmensgruppe gehörenden Busunternehmen, wie z.B. BRH Viabus weitergeht, ist offen. Jetzt, wo ich gerade diese Zeilen schreibe, ist die Viabus Homepage offline.

  • Das wird nicht nur in Rhein-Neckar ein heilloses Chaos geben, sondern auch im östlichen Rhein-Main-Gebiet, wo Viabus ja immer noch erhebliche Fahrleistungen erbringt.


    ...und zwar nicht nur bei den Regionalbuslinien, sondern auch bei kleinen Stadtbusbetrieben wie z. B. Bad Vilbel oder Neu-Isenburg, die ja zu 100% in Viabus-Hand sind.


    Na mal schauen, wie es jetzt weitergeht. Insolvenz bedeutet ja nicht zwingend sofortige Betriebseinstellung.

    Viele Grüße, vöv2000


  • Sieht echt so aus, als würden die jetzt die Reißleine ziehen und von heute auf morgen alles dichtmachen.


    Das sehe ich nicht ganz so dramatisch.
    Im Gegensatz zu einer kleinen Personengesellschaft, kann eine Kapitalgesellschaft aufgrund rechtlicher Vorschriften nicht von heute auf morgen "dicht gemacht" werden.
    Es gibt in der Hauptsache zwei Möglichkeiten, wie die Geschäftstätigkeit einer Kapitalgesellschaft beendet werden kann:
    1) Der elegante Weg, wenn genug Geld vorhanden: Die Liquidation. Dauert mindestens 1 Jahr.
    2) Der unelegante Weg: Das Insolvenzverfahren, dauert ca. 1/2 bis mehrere Jahre.


    Bei 1) übernimmt der Liquidator und bei 2) übernimmt der Insolvenzverwalter die Aufgaben der Geschäftsführung und setzt alles daran, dass laufende und vertragliche Verpflichtungen erfüllt werden, soweit es eben möglich ist.


    Prominentes Beispiel in Süd-Hessen ist die Insolvenz der Firma Werner, wo es dem Insolvenzverwalter gelang den Betrieb bis zum vertraglichen Ende des Linienbündels zwar nicht zur vollen Zufriedenheit der ÖPNV Nutzer, aber doch immerhin in einer Art "Notbetrieb" aufrecht zu erhalten.


  • Prominentes Beispiel in Süd-Hessen ist die Insolvenz der Firma Werner, wo es dem Insolvenzverwalter gelang den Betrieb bis zum vertraglichen Ende des Linienbündels zwar nicht zur vollen Zufriedenheit der ÖPNV Nutzer, aber doch immerhin in einer Art "Notbetrieb" aufrecht zu erhalten.


    ... im VRN hat man da damals weniger lang gefackelt und das damals von Werner betriebene Linienbündel südlich Heidelberg per Notvergabe dem BRN übereignet. Binnen zwei Wochen nach Insolvenzantrag - und die zweite Woche wurde nur benötigt um Finanzierungszusagen der betroffenen Kommunen abzurufen.

    2 Mal editiert, zuletzt von kato ()

  • Meine Frage ist nun, was bedeutet das für ViaBus im Landkreis Darmstadt-Dieburg und Landkreis Offenbach?
    Könnte ein anderes Busunternehmen diese Leistungen übernehmen?

  • OP-Online berichtet nun auch über das Insolvenzverfahren. Laut Angaben von Viabus soll der Betrieb bis auf weiteres normal weiter verlaufen.


    Allerdings konnte man schon erwarten, dass Viabus maßgeblich betroffen sein wird, wenn die Mutter insolvent ist, denn wie aus mehreren Zeitungsberichten damals in der Kausa Heuser-Bündel bekannt wurde, war oder ist ein Fortbestehen vom Mutterkonzern abhängig. (siehe auch hier)

  • Hallo und guten Abend,
    das Stadtbusnetz - nur die Buslinien 51 bis 53 und dann neu 54 - in Neu-Isenburg wird bekanntlich am 01.07.19 von Becker-Bus Langen übernommen.


    Da trauere ich denen nicht unbedingt hinterher. Die fahren dann noch auf 653, 662 u. 663. Brauche ich persönlich aber nicht mehr, wenn ich mit Becker-Bus zur Straßenbahn komme :rolleyes:.
    Desweiteren fährt ja wohl jetzt Transdev als Subunternehmer der DB Regio Mitte auf dem X 83 (heute am Isenburg-Zentrum Süd gesehen).
    Gruß Thomas

  • Die Berkhofs wären gute Busse, wenn die gescheit gewartet werden würden. Habe letztens in Frankfurt am Südbahnhof gesehen, dass doch tatsächlich die schon in Langenselbold und vorher in Hanau total ausgelutscht gewirkten VDLs auf der 653 fahren - was mich persönlich irritiert hat, weil man auch wegen den miserablen Fahrzeugzuständen massiv in der Kritik stand und allgemein ja einen schönen Malus von der KVG MKK einkassiert hat, wenn man die Presseberichte zum Linienvergabedesaster gelesen hat.


    Es ist ja nicht so, als ob VDL dort Mist gebaut hat - sowohl der Ambassador als auch der Citea sind mit ein wenig Pflege sehr durchdachte und solide Fahrzeuge. Aber bei den Pflegezuständen wäre selbst ein Citaro irgendwann eine Folter...

  • Hoffe viabus wird pleite, ...

    (Schnipp)


    #viabusmusspleitegehen

    Wenn ich so was lese, kommt mir die Galle hoch.


    Im Namen meiner Kollegen, die sowieso schon fast Frondienste für minimales Geld leisten müssen, danke ich Dir für diesen geistreichen Kommentar.


    Hauptsache, für Dich läuft alles gut...

    Einmal editiert, zuletzt von Hessen-Yeti ()

  • Ich wünsche mir auch nicht, dass Busunternehmen pleite gehen, aber bei VIaBus läuft halt alles schief was schief laufen kann.


    Hoffe die Politik lernt daraus und lässt nur noch geprüfte Unternehmen an Ausschreibungen teilnehmen. Geprüft heißt, dass die Finanzdecke hoch genug sein muss, um Lohnsteuerrungen von Maximal 20% während des Vertrages auffangen zu können, dazu muss auch noch geprüft werden, dass diese Unternehmen genug Geld haben, um Dieselkostensteigerungen von 80% pro Liter in 8 Jahren auffangen zu können. Zusätzlich sollte verpflichtend sein, dass es einen Betriebsrat gibt und das die Mitarbeiter in einer Gewerkschaft tätig sind.


    Nur wenn alle diese Posten geben sind, sollte ein Unternehmen erlaubt sein an Ausschreibungen teil zu nehmen.

  • Wenn ich so was lese, kommt mir die Galle hoch.


    Im Namen meiner Kollegen, die sowieso schon fast Frondienste für minimales Geld leisten müssen, danke ich Dir für diesen geistreichen Kommentar.


    Hauptsache, für Dich läuft alles gut...

    Beim Lesen der letzten ViaBus-Geschäftsberichte kann einem auch die Galle hochkommen. Es wird kein Fahrer gezwungen, bei ViaBus zu arbeiten. So gut wie jedes Busunternehmen in der Region sucht Fahrer. Wieso man dann freiwillig "Frondienste für minimales Geld" leistet, statt zu einem Unternehmen zu gehen, in dem die Bedingungen wenigstens ein bisschen besser sind erschließt sich mir nicht.

    Gruß Marius :wacko:

  • Fakt ist, dass es anscheinend den so günstigen Privaten bei den Tarifverhandlungen immer wieder gelingt, höhere Löhne und Verbesserungen für die Fahrer zu verhindern. Wären sich die Unternehmen einig, müssten die Aufgabenträger zahlen. DaniDADI , du hast ab 5,5 Mitarbeiter einen Betriebsrat zu haben. Das Verhindern viele Unternehmen mit Druck. Das interessiert die Aufgabenträger nicht. Hauptsache es läuft irgendwie. Es wird Zeit wirkliche Verbesserungen für das Personal zu schaffen. Die Maxime „Fußvolk gibt es Massenhaft“ hat sich erledigt. Hinzu kommt, das viele Menschen jetzt schon Angst haben, ob sie angesichts des Wahns nach autonomem Fahren in 10, 15 Jahren noch nen Job haben. Anfang der 70er Jahre waren die Bedingungen in diesem Gewerbe schon mal so bescheiden. Damals haben viele Kolleginnen und Kollegen begriffen, dass der Weg über die Gewerkschaft der einzig Wahre ist. Damals hat man mal betriebsübergreifend 4-5 Stunden ganze Bundesländer bestreikt und sehr schnell Erfolg gehabt. Man weigert sich noch immer flächendeckend das Tariftreuegesetz zu verabschieden. Bei Ausschreibungen in Hessen reicht die Orientierung am LHO, das eißt aber nicht dessen Einhaltung. Habe ich heute eine gewerkschaftlich organisierten Betrieb, wird der BR auf diese Dinge bestehen. Das will kein privater Betreiber und dann kann wohnortbezogen Frondienst angesagt sein.

  • Man weigert sich noch immer flächendeckend das Tariftreuegesetz zu verabschieden. Bei Ausschreibungen in Hessen reicht die Orientierung am LHO, das eißt aber nicht dessen Einhaltung.


    Irrtum! Das Hessische Vergabe- und Tariftreuegesetz vom 19.12.2014 (HVTG) gilt in Hessen seit dem 1.3.2015 ; es gibt seitdem keine Ausschreibung mehr, die darauf nicht ausdrücklich Bezug nimmt. Was die Einhaltung angeht, die Auftraggeber haben ein umfassendes Kontroll- und Einsichtsrecht in die Personal und Vergütungsunterlagen der Auftragnehmerbetriebe (§ 9 HVTG). Wenn es begründeten Verdacht auf Nichteinhaltung gibt, sollten die Betriebsräte, Arbeitnehmer oder wer auch immer, der auftragserteilenden Auftraggeberorganisation Hinweise geben, damit diese gezielt verstösse aufdecken und sanktionieren kann. Auf der arbeitsvertraglichen Ebene ist kein Arbeitnehmer gehindert, seine gesetzlichen und vertraglichen Rechte ggf. gerichtlich durchzusetzen, nur: machen müssen's schon selber.

  • Beim Lesen der letzten ViaBus-Geschäftsberichte kann einem auch die Galle hochkommen. Es wird kein Fahrer gezwungen, bei ViaBus zu arbeiten. So gut wie jedes Busunternehmen in der Region sucht Fahrer. Wieso man dann freiwillig "Frondienste für minimales Geld" leistet, statt zu einem Unternehmen zu gehen, in dem die Bedingungen wenigstens ein bisschen besser sind erschließt sich mir nicht.

    Dann hast Du mich in dem Punkt falsch verstanden. Natürlich wird niemand gezwungen, bei Viabus zu arbeiten, die anderen BU sind aber nicht wirklich besser. Als Fahrer wirst Du fast überall ausgenutzt (um nicht sogar 'ausgebeutet' zu sagen). Ich hab' das lange genug mitgemacht.


    Worum es mir ging: die Insolvenz trifft in erster Linie die Mitarbeitet - insofern ist es m.E. völlig unangebracht, einem Unternehmen die Insolvenz zu wünschen. Neben den Sorgen, die die Busfahrerkollegen eh schon haben, dürfen sie sich jetzt noch Gedanken machen, ob und wie lange sie noch Geld bekommen.

  • tunnelklick , dazu brauchst du erst mal Betriebsräte, das gibt es bei den Privaten fast gar nicht. Subunternehmer zahlen ihrem osteuropäischen Personal oft nur den Mindestlohn, auch so wird der Tarif unterlaufen. Über Aushilfen reden wir besser nicht. Wenn du als Mitarbeiter gegen deine Firma klagst, brauchst du dich nicht mehr anderswo zu bewerben, die Herren Unternehmer und Personaler kennen sich. Kontrolle gibt es nur in der ersten Reihe. Das damals geforderte Gesetz ging in der Urfassung auch darauf ein, hat man aber angepasst. Es ist auch absolut krank, dass die Bundesländer, Baden-Württemberg, Bayern und selbst Rheinland-Pfalz höhere Tariflöhne zahlen. Die Unternehmer halten die Löhne trotz drohenden Streiks für angemessen und alle Forderungen für unangebracht. Hier stimmt etwas mit der Einstellung gegenüber dem Personal nicht. Und um kein Geld in die Hand nehmen zu müssen, akzeptieret man in zwischenzeit Personal, dass kein Wort Deutsch spricht und als Hintergrund auf dem Handy einen Hinweis auf fehlende Deutschkenntnisse und die Rufnummer des Unternehmens bei sich trägt. Noch weiter kann man einen Berufszweig kaum abwerten. Dies war mit Sicherheit mit fairem Wettbewerb nicht gemeint. Das ist desaströs. Wenn ich Menschen zum ÖPNV bringen will muss die Qualität passen.

  • “Willkommen in der schönen neuen Billigheimer-Ausschreibungswelt“, kann ich dazu nur sagen. Unsere Politniks wollen ÖPNV nur billig-billig-billig, also bekommen sie auch nur das. Hier Verbesserungen schaffen und durchsetzen ist Aufgabe der Aufgabenträger, also letztlich der Länder! Solange immer nur der billigste Anbieter den Zuschlag erhält, wird sich daran gar nichts ändern.

    Hinweis: Sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, spiegeln meine Beiträge nur meine persönliche Meinung. Diese muß nicht zwangsläufig der meines Arbeitgebers, irgendwelcher Institutionen oder von sonstwem entsprechen, sie muß auch nicht unbedingt jedem gefallen, ich lasse sie mir aber auch nicht verbieten oder madig machen und werde mich im Normalfall auch nicht dafür, daß ich eben eine eigene Sicht der Dinge habe, entschuldigen.

  • Noch weiter kann man einen Berufszweig kaum abwerten. Dies war mit Sicherheit mit fairem Wettbewerb nicht gemeint. Das ist desaströs.

    Vier Jahre nach Beginn der Ausschreibungen hatte ich mal ein Gespräch mit einem Gewerkschaftler. Seine Aussage dazu war: "Durch die Ausschreibungen ist das Niveau*) In den Betrieben mit Betriebsrat von ehemals 100 % auf 50 % abgesunken. In Betrieben ohne Betriebsrat liegt es inzwischen schon bei -10 %."

    *) gemeint war das in Hinblick auf das Gesamtpaket aus Tariftreue, Arbeitsbedingungen und Betriebsklima.