Gedankenspiele um Straßenbahnausbau

  • Dazu auch ein Kommentar, ebenfalls €: https://www.allgemeine-zeitung…bau-weitermachen_22719546

    Der Kommentar bezieht sich auf den Artikel vom 03.12.: "Straßenbahn soll durch Binger Straße fahren" (hinter Paywall). Kurzum: Mainzer Stadtwerke und OB Ebling kündigten auf einer Pressekonferenz an, den Tramnetzausbau vorantreiben zu wollen.


    Die Spange auf der Binger Straße zwischen Münsterplatz und Hbf West ist beschlossene Sache und soll 2025 in Betrieb gehen. Im Artikel heißt es, dass alle Bahnen aus Hechtsheim mit Ziel Bretzenheim und Lerchenberg diese Relation befahren soll.


    Weiterhin wird der Innenstadtring zwischen Schillerplatz und Bismarckplatz über Höfchen, Bauhof-, Hindenburg- und Sömmeringstraße via Machbarkeitsstudien geprüft. Alternative Routen wie Rheinstraße werden berücksichtigt.


    Die Anbindung des Heilig-Kreuz-Areals werde mittels überschlägiger Nutzen-Kosten-Untersuchung geprüft. Die Trasse solle hierfür in Pariser Straße/Geschwister-Scholl-Straße abzweigen. Auch hier werden verschiedene Varianten geprüft.

  • Die Spange auf der Binger Straße zwischen Münsterplatz und Hbf West ist beschlossene Sache und soll 2025 in Betrieb gehen. Im Artikel heißt es, dass alle Bahnen aus Hechtsheim mit Ziel Bretzenheim und Lerchenberg diese Relation befahren soll.


    Auf die nähere Trassenführung durch die Binger Straße bin ich sehr gespannt.


    Hier wird es nämlich besonders knifflig, da aus Richtung Hbf West kommend der Autoverkehr auf der Alicenbrücke gekreuzt werden muss (die Linien 6, 64, 65 und 78 können sich heute noch flexibel einordnen und die rechte Spur hinab auf die Binger Straße mitnutzen - die Straßenbahn wird das nicht mehr können). Zurzeit haben ÖPNV Richtung Hbf und MIV Richtung Große Bleiche/Parcusstraße noch Grünphasen zur gleichen Zeit, für die Linien 52 und 53 auf der neuen Spange muss das angepasst werden. Hier braucht es eigentlich ein "Abbiegegleis" (wie ist nochmal der richtige Begriff hierfür?), was den Wegfall einer Spur für den MIV bedeuten würde, oder aber wartende Bahnen, die direkt zum Münsterplatz verkehren, behindern alle anderen Linien, die zum Hbf abbiegen. Und natürlich müssen die Ampelphasen der sowieso schon komplizierten Kreuzung angepasst werden, was im besten Fall zu solch unbefriedigenden Ampelphasen wie an der Haltestelle Universität führen kann.

    Dasselbe Problem gibt es dann auch am Münsterplatz für Bahnen, die die Binger Straße hochfahren, wenn auch nicht so dramatisch, da hier nur der aus der Bahnhofstraße kommende ÖPNV gekreuzt werden muss. Nicht ohne Grund wurden die Linien 6, 64, 65 und 78 in die Binger Straße gelegt, damit am Münsterplatz alle Linien nur noch "geradeaus" fahren und keine Trassen während derselben Ampelphase gekreuzt werden muss.


    Ein seit der Einführung der Einrichtungswagen bestehendes Problem, nämlich die fehlende Wendemöglichkeit für diese am Hauptbahnhof (abgesehen von einer Wende über das Gleisdreieck), wird mit dieser Spange durch die Binger Straße nicht gelöst, da sicherlich weder an der Kreuzung am Alicenplatz, noch am Münsterplatz Gleisdreiecke eingebaut werden. Früher war diese Möglichkeit durch eine Blockumfahrung entlang der Parcusstraße mal angedacht.


    Eine spontane Idee, wie beide Probleme gut gelöst werden könnten:

    - Aus Hechtsheim zum Lerchenberg biegen Straßenbahnen am Münsterplatz in die Binger Straße ab (hier muss also weiterhin der entgegenkommende ÖPNV gekreuzt werden) und halten vorm Sparkassen-Gebäude am bereits bestehenden Haltestellenbereich C. Durch eine Vorrangschaltugn wechseln die Bahnen auf die mittlere Spur und können nun mit allen anderen Fahrzeugen den Alicenplatz queren und direkt auf die ÖPNV-Spur auf der Alicenbrücke einbiegen.

    - In der Gegenrichtung fahren die Bahnen über die bestehende Busspur in der Parcusstraße durch diese und biegen dort nach rechts in die Bahnhofstraße (durch die Mittellage der Busspur sollte auch der relativ enge Radius gemildert werden können). Auf der Alicenbrücke können dadurch die Grünphasen beibehalten werden, und Bahnen müssen lediglich an der Kreuzung Bahnhofstraße/Parcusstraße den MIV kreuzen. Gleichzeitig können Gleisverbindungen zum Hbf an beiden Kreuzungen eingebaut werden. Somit ensteht eine Blockumfahrung, die gegen den Uhrzeigersinn bedient werden kann.


    Einfach gesagt: In Richtung Hechtsheim durch die Parcusstraße, in Richtung Lerchenberg/Bretzenheim durch die Binger Straße.


    Durch den Wegfall der City-Bahn muss nicht mehr zwingend ausschließlich die Binger Staße genutzt werden. Die komplizierten Kreuzungen in diesem Bereich könnten entschärft werden, es würde eine Wendemöglichkeit am Hbf entstehen, die Haltestelle am Münsterplatz wäre nicht so entzerrt und Richtung Hechtsheim könnte sogar weiterhin derselbe Bahnsteig benutzt werden.


    Was haltet ihr von dieser Möglichkeit?

  • In der Gegenrichtung fahren die Bahnen über die bestehende Busspur in der Parcusstraße durch diese und biegen dort nach rechts in die Bahnhofstraße (durch die Mittellage der Busspur sollte auch der relativ enge Radius gemildert werden können). Auf der Alicenbrücke können dadurch die Grünphasen beibehalten werden, und Bahnen müssen lediglich an der Kreuzung Bahnhofstraße/Parcusstraße den MIV kreuzen. Gleichzeitig können Gleisverbindungen zum Hbf an beiden Kreuzungen eingebaut werden. Somit ensteht eine Blockumfahrung, die gegen den Uhrzeigersinn bedient werden kann.

    Das Konzept gefällt mir von der Wegeführung sowie der theoretisch erhöhten Flexibilität her deutlich besser als die zuvor geplanten zweigleisigen Citybahn-Trassenvarianten, weil es die beschriebene Warte- bzw. Blockadeproblematik beim Abbiegen aus Ri. Lerchenberg elegant umgeht. Die Kreuzung Münsterplatz / Binger Straße kreuzt allerdings aus Ri. Hechtsheim nicht nur den entgegenkommenden Verkehr, sondern auch den in die selbe Richtung fahrenden oder dort stehenden MIV. Die Gleisanlagen auf geeignete Weise so durchzuschlängeln, dass sowohl der Haltebereich passend erreicht wird als auch ein Rück-Einfädeln auf die mittlere Spur ohne erneute Ampel-Orgie möglich ist, während gleichzeiting Linksabbieger von der Großen Bleiche kommend weiterhin auf ihre Fahrtmöglichkeit in die Bilhildisstraße warten können, dürfte herausfordernd sein.

    Verkehrstechnisch sinnvoll zur Verhinderung einer Universität-II-Komplexität, allerdings leider von den Trassen unmöglich, wäre dort das Abteilen der MIV-Linksabbieger vom Schillerplatz direkt auf die linke Seite der Verkehrsinsel zwischen die Gleise gewesen.


    Kurzes Nachmessen sowie ein Vergleich mit den bereits arg variozerfrästen sehr engen Innenkurven vor (H) Hochschule Mainz sowie (H) ZDF zeigt, dass du trotz der genannten Mittellage keinen ausreichenden Kurvenradius lediglich unter Nutzung der Parcusstr-Busspur erzeugt bekommst, selbst wenn das Gleis erst deutlich nach der Kreuzung in die Bestandsgleise der Bahnhofstr. einfädeln sollte. Dafür liegen sie leider seit der Achsenverlegung auf die Sparkassen-Seite zu schräg in einem ungünstigen Winkel bzw. in die falsche Richtung auf der Kreuzung. Es müsste dort wahrscheinlich mindestens ein Teil der Verkehrsinsel/Sperrfläche oder sämtlicher Bürgersteig vor dem Waschsalon mit dran glauben, um zum Abbiegen hinreichend gut "ausholen" zu können.

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  • Danke für deine ausführliche Antwort!


    Die genannten Probleme am Münsterplatz werden ja in jedem Fall bestehen bleiben, auch wenn eine Spange durch die Binger Straße in beiden Richtungen gebaut wird. Generell gilt, dass wohl Autoverkehr (was ja derzeit schon der Fall ist) aus der Schillerstraße kommend komplett verboten wird. Die Abbieger in die Bilhildisstraße stellen tatsächlich ein Problem dar. Ich habe die Ampelphasen dort nicht im Kopf, aber sollten die Abbieger nicht bereits "weg" sein, wenn die ÖPNV-Trasse aus der Schillerstraße in die Bahnhofstraße ihre Grünphase erhält? Ein späterer Wechsel in der Binger Straße von einer Außenspur in die Mittellage sehe ich tatsächlich nicht als kritisch, wenn hier die Straßenbahnen eine Vorrangschaltung erhalten. Die benötigte Zeit für den Spurwechsel sollte äußerst gering sein und könnte auch unabhängig von der Ampel am Münsterplatz erfolgen (ein ähnliches Szenario war ja auf beiden Seiten der Theodor-Heuss-Brücke angedacht), schätze ich. Problematisch wird es nur bei Stausituationen in der Binger Straße, aber dann stehen ja eh alle im Stau.


    Dass die Spange in der Binger Straße in Mittellage ausgeführt wird, halte ich für unwahrscheinlich, da dann einfach der Platz für beidseitige Bahnsteige fehlen würde (bei der City-Bahn war mal ein Mittelbahnsteig angedacht, was wegen der Einrichtungs-Variobahnen nicht möglich ist). Irgendwo muss also ein Spurwechsel erfolgen. Vielleicht wird ja die Binger Straße im Zuge des Straßenbahnbaus auf lediglich eine MIV-Spur pro Richtung zurückgebaut? Gerade der Fahrradverkehr in diesem Bereich könnte auch dringend zusätzlichen Platz gebrauchen, der erst durch eine Reduzierung des Platzes für den MIV erreicht wird. An einem Wegfall aller Parkplätze im Straßenraum kommt man dann eigentlich nicht herum, aber es gibt eigentlich ausreichend Parkmöglichkeiten in umliegenden Straßen und Parkhäusern.


    Was die Kurve an der Kreuzung Parcusstraße/Bahnhofstraße betrifft, da hast du womöglich Recht. Es wäre sicherlich kein Problem die Verkehrsinsel in dem Bereich umzuwidmen, kritisch wird es aber tatsächlich mit dem Bürgersteig vorm Eckhaus (der Waschsalon liegt übrigens eine Ecke weiter, die Kurve Parcusstraße/Gärtnergasse dürfte aber tatsächlich noch etwas weniger steil sein).