"Weiche links" und "Weiche rechts"

  • Guten Tag Alle,

    die L, M, N, O und P-Wagen hatten auf dem Pult mit den ganzen Knöpfen, in der unteren Reihe, mittig zwei Knöpfe zur Bedienung der Weichen: "Weiche links" und "Weiche rechts". Kann jemand erklären, was da technisch passierte, bzw. wie die Weiche angesprochen wurde?

    Die U2- Wagen hatte die auch, wurden aber, soweit ich mich erinnern kann, bei Fahrt auf den Stadtbahnstrecken nicht benutzt

    Danke und LG

    R

  • Die Knöpfe auf den neuen Funkgeräten werden auch bei den U4 und U5-Wagen auf den Stadtbahnstrecken nicht benutzt, da sie dort einfach keine Funktion haben. In Fahrstraßensicherung kann man sich seine Weichen zwar in bestimmten Situationen selber stellen (Das berühmte "Schlüßeln") aber nicht per Funk.


    Die ersten selberstellbaren Weichen in Frankfurt wurden meines Wissens per OL-Kontakt geschaltet. Motor zieht Strom beim Unterfahren -> Weiche schaltet - egal wierum.

    Dann gab es die ersten "funkgesteuerten" Weichen - dazu hat man die berühmten "Weiche links" - "Weiche rechts" - Diese sendeten aber solange man sie betätigt hat dauernd ein Stellsignal - allerdings meines Wissens über die Koppelspule und nicht per klassischer Antenne.


    Mit Einführung der Datenbasierten Zugsteuerung übernahm diese Funktion nun das Funkgerät, womit die beiden Taster schon wieder außer Funktion waren. Diese senden entweder automatisch nach Aufforderung durch die Strecke (Ortsbalisen) die für diese Linie benötigten Stellbefehle oder man kann immer noch über die (jetzt am Funkgeärt) befindlichen Knöpfe die Automatik überstimmen und selber sagen wo es lang geht.

    Die Technik dahinter ist relativ aufwendig aber läuft erstaunlich fehlerarm - jedoch nicht fehlerfrei *hust*... :P

    "Der Mensch, der so ehrbar im Einzelnen, aber so miserabel im Ganzen ist."
    Johann Wolfgang von Goethe

  • Die beiden Tasten (die es meine ich auch bei späteren Baureihen noch gibt/gab) sind für die induktive Weichensteuerung, die weitestgehend von der Strecke verschwunden ist. Ein Fahrer berichtete mir gerade, letztes Jahr hätte er mit einem U2-Wagen an der Adalbert-Schloßstraße (also nicht im Linienverkehr unterwegs) mit diesen Tasten noch die Weiche stellen können.
    Der Stellbefehl lag meine ich so lange an, bis entweder die jeweils andere Weichentaste oder die dazwischenliegende "Löschen"-Taste, die auch das Abfahrtsignal quittiert, gedrückt wurde.


    Zwischen der Abschaffung der Fahrleitungskontakte und der Einführung der IBIS-Geräte in den Wagen war die induktive Steuerung die übliche Methode, das Fahrpersonal mußte also aktiv entscheiden, wohin die Weiche führt. Das Funktionsprinzip ist ähnlich wie bei der Indusi zur Zugsicherung, nur daß hier eben der Zug die Information an den Empfänger an der Strecke weiterleitet. Nach meinen Informationen ist die Technik in den Wagen noch weitestgehend funktionsfähig, wird aber nicht mehr genutzt, da es wie schon gesagt, streckenseitig meist an den passenden Gegenstellen mangelt.

    Wie schon von meinem Vorposter gesagt, geht das heute alles über Funktelegramme - entweder automatisch ausgelöst oder eben manuell, falls die Automatik nicht will oder man aus irgendeinem Grund den üblichen Linienverlauf verlassen muß. (Oder bei Sonderfahrten häufiger)

    Dank Petra werde ich zum Kunstkenner. Je öfter ich das Gebrabbel höre, desto mehr verstehe ich van Gogh.

  • Konnten die Zweiachser die Weichen über Oberleitungskontakte stellen, oder musste man immer mit der Stange raus und manuell stellen? Ich nehme mal an: wohl schon. Einfach beim Befahren des Kontakts kurz mit dem Fahrschalter den Fahrstrom abschalten - die Weiche springt um. Bzw. Fahrstrom nicht abschalten - Weiche bleibt?

    2 Mal editiert, zuletzt von robertl ()

  • Um die Frage mal endgültig zu beantworten:

    Bei den Baureihen L - P gab es die erwähnten Taster um ein Weichenstellkommando abzugeben. Die Wagen hatten dafür im jeweils 2. Drehgestell eine Koppelspule die ein entsprechendes Signal an den ca. 25m vor der Weiche befindlichen Empfänger gesendet hat. Diese Empfänger kann man heute noch an verschiedenen Stellen im Netz sehen (z. B. Abzw. Niddastraße, Stresemannallee/Gartenstr., Adalbert-/Schloßstr.); es sind rechteckige "Kästen" im Gleis.

    Da es früher keine Weichensignale gab, mußte jede Weiche mit dem entsprechenden Stellkommando angefahren werden. Nach dem Befahren des Empfängers mußte das Stellkommando wieder über den Löschtaster gelöscht werden, da es ansonsten permanent anstand und es so evtl. zu einer Fehlbedienung gekommen sein könnte.


    Die Technik funktioniert noch, allerdings gehen die Datentelegramme heutzutage früher raus, als das der Zug den Empfänger im Gleis erreicht. Das bedeutet, das die Weiche per Telegramm schon das erste mal elektrisch verriegelt ist und sie deshalb induktiv nicht mehr laufen kann.