Tödliches Bahnunglück in Frankfurt-Nied

  • Heute Abend hat es am Bahnübergang Oeserstraße in Frankfurt-Nied ein Bahnunglück gegeben, bei dem eine Frau zu Tode kam und mehrere Personen schwer verletzt wurden.

    https://www.hessenschau.de/pan…,bahnunfall-nied-100.html


    Als Folge der Streckensperrung wird der Regionalverkehr der Bahn derzeit über die Strecke der S-Bahn geleitet. Auf welcher Route die Busse der Linie 59 verkehren weiß ich nicht.

    Gruß, 420 281-8
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  • Kann mir jemand erklären, wie das funktionieren kann? Gibt es da nicht Automatismen, die das Befahren der Strecke verhindern, wenn die Schranken oben sind? Spielt es eine Rolle, dass das noch Handbetrieb ist?

  • Die Frage stellt sich vermutlich jeder. Als Laie beschleicht einen das Gefühl, dass da ziemlich viel schief gelaufen sein muss, damit es zu diesem schweren Unfall kommen konnte. Schlimme Sache.

  • Kann mir jemand erklären, wie das funktionieren kann? Gibt es da nicht Automatismen, die das Befahren der Strecke verhindern, wenn die Schranken oben sind? Spielt es eine Rolle, dass das noch Handbetrieb ist?

    Die Antwort auf alle Deine Fragen kann sowohl Ja als auch Nein sein. Daher wird Dir niemand die genaue Ursache nennen können, bis sie offiziell verkündet wird.

    Um Deine Fragen ein wenig zu beantworten (und warum ich Ja und Nein geschrieben haben): Bei Bahnübergängen gibt es x verschiedene Varianten. Es gibt Bahnübergänge, die signalabhängig sind und andere nicht. Das aber hat wiederum nichts damit zu tun, ob der Bahnübergang "Handbetrieb" hat oder selbsttätig arbeitet.

  • Typischerweise ist die Eisenbahn so sicher, dass ein Fehler nicht ausreicht, jemandem das Leben zu kosten oder große Schäden anzurichten. Sehr wahrscheinlich sind also mindestens zwei Dinge schief gegangen; welche das sind, wird die Untersuchung zeigen.

  • Genau. Gerüchte gibt es schon genug, erschreckenderweise auch auch aus geschehnissnahen Kreisen. Aber selbst Augenzeugenberichte sind wegen des sicherlich vorhandenen Schocks vorsichtig zu bewerten.

  • Typischerweise ist die Eisenbahn so sicher, dass ein Fehler nicht ausreicht, jemandem das Leben zu kosten oder große Schäden anzurichten. Sehr wahrscheinlich sind also mindestens zwei Dinge schief gegangen; welche das sind, wird die Untersuchung zeigen.

    Aus genau diesem Grund ist wahrscheinlich auch das Interesse so groß: die einen wissen, dass die Eisenbahn so sicher sein muss, die anderen erwarten es zumindest. Umso größer ist dann die Verwunderung und auch der Wunsch, zu wissen, woran es denn lag, wenn dieses Prinzip versagt hat.


    Ich finde nur den Titel etwas irreführend, da Bahnunglück eher auf einen Unfall ohne fremde Beteiligung hindeutet (wie Hordorf oder Bad Aibling). Besser wäre etwas wie Bahnübergangsunfall (oder -unglück).

  • Meine Frage zielte nicht so sehr auf die Unfallursache ab. Es ist mir klar, dass es jetzt noch viel zu früh ist, um etwas dazu zu sagen. Spekulationen bringen nichts.


    Ich weiß nur, dass hier einige teilnehmen, die sich mit der eingesetzten Technik teils sehr detailliert auskennen. Auf diese zielte meine Frage. Aus Holgers Antwort lese ich schon mal heraus, dass das nicht überall einheitlich ist, sondern auf jeden einzelnen Bahnübergang ankommt.

  • Da mag jetzt grausam klingen, aber rechts und links stehen Andreas-Kreuze.

    Und was sagen diese?

    Schuldfrage geklärt.

    Viele Grüße aus Darmstadt - Jörg "Baertram" D.
    RMV senkt die Preise? - Eher fährt unser Tw 37 aus eigener Kraft von Wixhausen nach Leimen.
    Der Bergstraße gibt man 4 Minuten - der Heimstättensiedlung werden sie genommen. Waren das noch Zeiten, als der "H-Bus" von der (Fach-)Hochschule zur Berliner Allee nur 2 Minuten brauchte.

  • Ja, was sagen sie denn? Deiner Meinung nach. Das Andreas-Kreuz bedeutet, dass vor dem Andreas-Kreuz gehalten werden muss, wenn sich ein Schienenfahrzeug nähert, die Schranken sich senken oder geschlossen sind, ein Bahnbediensteter eine weiß-rot-weiße Fahne schwenkt oder der Übergang wegen einer Stockung nicht zügig überquert werden kann.Die Bahnschranke dient der technischen Absicherung eines Bahnübergangs. Senkt sich sich die Schranke, wird dadurch die Annäherung eines Zuges angezeigt. Eine geöffnete Schranke bedeutet, dass sich kein Zug nähert.


    Insofern hat die Bahnschranke dieselbe Funktion wie eine Ampel an einer Straßenkreuzung, sie zeigt an, ob du in die Kreuzung einfahren darfst oder nicht, auch wenn für den Fall des Ampelausfalls zusätzlich noch Vorfahrt- oder Verfahrt-gewähren-Schilder stehen. Eine geöffnete Schranke bedeutet folglich, dass sich kein Zug nähert.


    Und welche Schuldfrage soll denn bitte durch das Vorhandensein von Andreas-Kreuzen geklärt sein? Schuldhaft handeln heißt, vorsätzlich oder fahrlässig gegen eine Rechtspflicht verstoßen. Handelt schuldhaft, wer sich auf die Information verläßt "Schranke offen = es nähert sich kein Zug"? Nein, natürlich nicht: nach der Rechtsprechung darf der Verkehrsteilnehmer bei geöffneter Schranke grundsätzlich darauf vertrauen, dass sich kein Zug nähert.

  • Wenn ich mal an @Baertrams bündige Kurzansage anknüpfe, könnte ich genauso gut sagen: Zug nähert sich, Schranke offen? Schuldfrage geklärt. Mag jetzt grausam klingen, aber der Betreiber der Eisenbahninfrastruktur ist dafür verantwortlich, dass seine Gefahrenvorsorge- und -abwehrinstrumente auch wirklich funktionieren, das ist seine Pflicht und Schuldigkeit. Und wenn nicht, is' er dran.

  • Nein, natürlich nicht: nach der Rechtsprechung darf der Verkehrsteilnehmer bei geöffneter Schranke grundsätzlich darauf vertrauen, dass sich kein Zug nähert.

    Jein. Er kann zumindest darauf vertrauen, daß der Bahnbetreiber seinen durch das Andreaskreuz gegebenen Vorrang nicht unvorhergesehen einfordert, sondern sich entsprechend bemerkbar macht. Ansonsten könnte nie ein Zug einen gestörten Bahnübergang passieren.


    Noch'n Nachtrag:

    Eine geöffnete Schranke bedeutet, dass sich kein Zug nähert.

    Das gilt allerdings nur, wenn es keine Verbindung mit Blinklichtern oder gelb-rot gibt. Ist eine Signalisierung vorhanden, reicht im Prinzip das Rotlicht als Sicherung aus, die Schranke ist da dann nur ein Add-on. (Weswegen z. B. bei Lo-Anlagen mit Halbschranke das Bü 1 für den Tf bereits mit dem Rotlicht kommt und nicht erst mit dem Schließen des Schrankenbaums)

  • Das ist richtig, aber es gilt sinngemäß: sind die Warnlicher aus, die Ganz- oder Halbschranke geöffnet, gibt es ein geschütztes Vertrauen dahin, dass man gefahrlos passieren kann.

  • Meine Frage zielte nicht so sehr auf die Unfallursache ab. Es ist mir klar, dass es jetzt noch viel zu früh ist, um etwas dazu zu sagen. Spekulationen bringen nichts.


    Ich weiß nur, dass hier einige teilnehmen, die sich mit der eingesetzten Technik teils sehr detailliert auskennen. Auf diese zielte meine Frage. Aus Holgers Antwort lese ich schon mal heraus, dass das nicht überall einheitlich ist, sondern auf jeden einzelnen Bahnübergang ankommt.

    Vielleicht war es garnicht die Technik alleine, sondern es gab zusammen mit dem Faktor Mensch eine kritische Situation, die dann zum Unfall führte.


    Zur Minute 58/59 kreuzen die Züge der RB 12 in Höchst Bf, nur einen Steinwurf entfernt. In dieser Zeit ist der BÜ durchgehend geschlossen, etwa von Minute 55 bis Minute 02.


    Was ist, wenn nun aufgrund von sog. Augenblickversagens durch den Schrankenposten der BÜ nach Durchfahrt der RB nach Königstein wieder geöffnet wurde, und wegen der alten Sicherungstechnik hierzu keine sicherungstechnische Rückmeldung an den FDL erfolgte, dass der BÜ wieder offen ist?


    Der FDL gibt der RB 12 nach Ffm Hbf "grünes Licht" aufgrund der Rückmeldung des Schrankenpostens Minuten vorher. Da der Schrankenposten wegen des Augenblickversagens aber besagte RB 12 nach Ffm Hbf vergessen hat, gibt es nun keine sicherungstechnische Rückmeldung von dort an den FDL über den offenen BÜ, noch wird der Nothalt für das Deckungssignal des BÜ vom Schrankenposten aufgrund des Augenblickversagens ausgelöst.

  • Ist (leider durchaus) denkbar, aber es sollten die offizielle Ergebnisse abgewartet werden.

    Besagte RB ist der letzte Zug in einer Reihe von passierenden Zügen, was auch zu den langen Schließzeiten führt.

  • Hallo.


    Zitat

    Zur Minute 58/59 kreuzen die Züge der RB 12 in Höchst Bf, nur einen Steinwurf entfernt. In dieser Zeit ist der BÜ durchgehend geschlossen, etwa von Minute 55 bis Minute 02.

    Die RB 10, die 3 Minuten vor der RB 12 Richtung Frankfurt, sowie ca. 5 Minuten hinter der RB 12 Richtung Höchst fährt, müssen mit betrachtet werden. Somit fahren zu diesem Zeitpunkt immer 4 Züge über den Bahnübergang.


    Grüße ins Forum
    Helmut

    You'll Never Ride Alone.