S-Bahn Stuttgart erhält neues Außendesign

  • Wenn du schreibst...

    "Der höchstmögliche Kontrast ist die Kombination von Schwarz und Weiß. Das Stuttgarter Konzept ist in der Hinsicht fast mustergültig."

    ...dann ist der Verweis auf "fast" und dein "Bewußtsein" ein bisschen dünn; das ist für den Leser mindestens irreleitend.

    Das sehe ich nicht so. Ich habe aus der TSI zitiert, in der konkret auf den Kontrast der Türen hingewiesen wird und geschrieben, dass die Kombination der Farben Schwarz und Weiß den höchstmöglichen Kontrast bietet (damit folge ich einer Empfehlung für barrierefreies Gestalten in öffentlichen Räumen). Ich gehe davon aus (so wie du), dass die hier Schreibenden den Pressetext gelesen haben und daher auch wissen, dass das vorgestellte Design die Farben Lichtgrau und Schwarzgrau verwendet. "Fast mustergültig" ist halt nicht das zuvor von mir beschriebene Maximum, sondern nur eine Annäherung.

    Aber zugegeben: Falls deine Intention damit war, die Leitwirkung als "vielleicht fast gut" zu werten, habe ich das nicht erkannt. Ob das dann auch in diesem Fall wirklich gut ist, ist damit jedenfalls in keiner Weise gesagt. Mit anderen Worten, das ist eigentlich eine Nullargumentation.

    Ich habe nicht den Anspruch für oder gegen das Design zu argumentieren. Aber ich finde es nicht richtig, wenn falsche Behauptungen (Stichwort: Signalfarbe) aufgestellt werden. Insgesamt halte ich das Thema für zu komplex und meine zur Verfügung stehende Zeit für zu knapp, um hier noch tiefgreifender und ausführlicher zu schreiben. Andererseits habe ich nach den Kommentaren zu Designer*innen nicht den Eindruck, dass an einer fundierten Auseinandersetzung tatsächliches Interesse besteht.

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  • Vielleicht möchtest du nochmal nachlesen, wie viel ich von maximalem Kontrast geredet habe.


    [...]get your facts straight first.

    Nach einmal drüber schlafen: diese beiden Sätze gehörten zusammen und hätten nicht durch den restpost getrennt sein sollen. Der zweite Satz hätte auch gar nicht sein müssen: er entsprang dem Ärger, dass mir eine Behauptung zugeschrieben wurde, die ich nicht so getroffen habe und die ich auch nicht so mein(t)e. Ärger ist aber kein guter Ratgeber dafür, was man schreiben sollte. Ich hätte das nicht schreiben sollen. Schienenhund hat Recht, dass das kein guter Diskussionsstil ist.

  • Da hier schon mehrfach vom Kontrast zwischen Schwarz und Weiß als maximalen Kontrast oder "physikalisch stärkstem Kontrast" die Rede war, möchte ich diese Aussage gerne um ein paar Fakten ergänzen - allerdings nicht aus der Perspektive der Physik, bei der ich kaum qualifiziert bin, sondern aus jener der Kunst, wo ich eher mitreden kann.


    Die Kunst kennt verschiedene Kontrastarten. Die wichtigsten:


    Hell-dunkel-Kontrast: Hierzu zählt der Kontrast zwischen Schwarz und Weiß. Und es ist die maximale Variante davon. Extrem Dunkelgrau vs. extrem Hellgrau wäre nicht ganz maximal. Den Hell-Dunkel-Kontrast gibt es bei allen Farben. Zum Beispiel extremes Dunkelrot vs. extrem helles Rosa. Und theoretisch wäre auch Hellgelb vs. Dunkellila ein Hell-Dunkel-Kontrast. Es wäre nur ein anderer Kontrast mit dabei.


    Bunt-unbunt-Kontrast: Wie der Name schon sagt. Der Kontrast im DB-Fernverkehr (Weiß mit rotem Zierstreifen) ist so einer. Aber auch das Farbschema im Regionalverkehr ist so ein Kontrast. In beiden Fällen kommt ein auffälliger Quantitätskontrast hinzu, dass nämlich eine Farbe viel mehr Fläche einnimmt als die andere.


    Farbe-an-sich-Kontrast: Dies ist ein Kontrast zwischen Primärfarben (Blau, Rot, Gelb bzw. C-M-Y), die keinen gemeinsamen Farbanteil haben. Ein solcher Kontrast ist am auffälligsten, wenn die "reinen" Farben genommen werden, wenn die Farben also nicht abgedunkelt oder aufgehellt werden. Bei dieser Kontrastart können nicht nur zwei, sondern drei Farben auf die selbe Art gleichzeitig kontrastieren. Hier hat man also drei statt zwei Farben bei gleichem Kontrast zur Verfügung.

    Je nach Definition zählen auch Kontraste zwischen Sekundärfarben=Mischfarben (Grün, Orange, Lila) dazu, die immer jeweils einen Farbanteil gemeinsam haben. Z.B. haben Grün und Orange den gelben Farbanteil gemeinsam.

    (Auf die Unterschiede zwischen dem verbreiteten Ittenschen Farbkreis und dem CMY(K)-Modell gehe ich hier nicht ein. Beides sind subtraktive Farbmodelle, worum es sich bei Zuglackierungen ja handelt.)


    Komplementärkontrast: Kontrast zwischen zwei Farben, die einander im Farbkreis gegenüber liegen:
    Rot-Grün sowie Blau-Orange sowie Gelb-Lila

    Das sind jeweils eine Primärfarbe und die "entgegengesetzte" Sekundärfarbe. D.h.: Bei Rot-Grün enthält die gemischte Sekundärfarbe Grün keinen Rotanteil, nur Gelb- und Blau-Anteile.

    "Phantasie ist wichtiger als wie wo Wissen!"


    (Etwas frei nach Albert Einstein)

  • Auf der Basis nur dieser wenigen Kontrastarten ließe sich streiten, ob Schwarz-Weiß DER EINE EINZIGE BESTE MAXIMALE Kontrast ist.


    Es lässt sich nämlich beispielsweise argumentieren, dass ein Kontrast zwischen "unbunten" Farben stets geringer ist als die anderen Kontrastarten, weil eine "wirkliche" Farbe fehlt.


    Dann verlieren sämtliche Kontraste sehr schnell an Wirkung, wenn man vom Maximum abweicht. D.h.: Hellgrauer Grund und dunkelgraue Türen wirkt viel weniger kontrastreich als weißer Grund mit schwarzen Türen.

    "Phantasie ist wichtiger als wie wo Wissen!"


    (Etwas frei nach Albert Einstein)

  • Auf der Basis nur dieser wenigen Kontrastarten ließe sich streiten, ob Schwarz-Weiß DER EINE EINZIGE BESTE MAXIMALE Kontrast ist.

    Das kommt vermutlich auf die Betrachtungsweise an. In der digitalen Welt spielen vermutlich Dinge wie der verwendete Farbraum und die Berechnung des Kontrasts eine Rolle.

    Aber darum geht es ja nicht - der Kontrast muß optisch gegeben sein. Und hier liegt der Hase im Pfeffer - diejenigen, die mehr oder weniger normal gucken können, sind auf den Kontrast nicht angewiesen, um die Tür zu erkennen. Bei denen, die drauf angewiesen sind, ist es aber von der individuellen (sorry für den Ausdruck, mir fällt kein besserer ein) Restfunktion des Auges abhängig, was als stärkerer Kontrast wahrgenommen wird - Farben, Helligkeiten, beides... Das kann man als mehr oder weniger normal sehender und in Allgemeingültigkeit wohl nur schwer beurteilen.

    Das Maximum, was man generell sagen kann, ist daß alles, was mit normaler Sehfähigkeit als starker Kontrast wahrgenommen wird, mit einer eingeschränkten Sehfähigkeit zumindest nicht schlechter sein kann, als das, was man normal sehend als schwachen oder keinen Kontrast wahr nimmt. ;)

    Dank Petra werde ich zum Kunstkenner. Je öfter ich das Gebrabbel höre, desto mehr verstehe ich van Gogh.

    Einmal editiert, zuletzt von Colaholiker () aus folgendem Grund: Tippfehler

  • Bei Farbkontrasten muss man darauf achten, dass auch Farbenblinde einen Kontrast wahrnehmen. Ich habe das S-Bahn-Bild mal in einen Simulator für verschiedene Farbenblindheiten geworfen. Das Blau und das Gelb sind - soweit überhaupt Farben wahrgenommen werden können - immer deutlich unterscheidbar. Mir ist keine Einschränkung bekannt, bei der man Farben, aber keine Helligkeiten wahrnehmen kann. Gibt es sowas? Wenn nicht, müsste hell-dunkel als Kontrast für jeden Sehenden funktionieren.


    Da der Zug innen beleuchtet ist und Fenster hat, sollte die offene eigentlich nicht mit der geschlossenen Tür verwechselt werden. Der Durchgang müsste eigentlich immer heller als die schwarzgraue Tür sein.

  • Also: Ich habe vor Anno-Dazu-Mal gelernt, dass schwarz-weiß nur der zweistärkste Kontrast ist. Schwarz-gelb kommt noch davor. Das gilt zu mindest für Schrift.


    Aber das interessiert schon bei den Anzeigern mit weißer Schrift heutzutage nicht mehr.

  • Also: Ich habe vor Anno-Dazu-Mal gelernt, dass schwarz-weiß nur der zweistärkste Kontrast ist. Schwarz-gelb kommt noch davor. Das gilt zu mindest für Schrift.

    So was ähnliches schwirrt mir auch im Kopf rum. (Wenn wir über die Kontrastwahrnehmung reden). Es ist bei mir mindestens 15 Jahre her, dass ich das gelesen habe, und es war dort Gelb vs. Dunkelblau. Ich erinnere mich allerdings vor allem daran, dass ich aufgrund dessen eine bestimmte Sache gefärbt habe, und weniger, wo ich das her hatte und ob ich diese Quelle von damals heute noch als vertrauenswürdig einstufen würde.

  • Das habe ich aber auch mal vor langer Zeit gelesen, deshalb wurden an Kreuzungen oder Zebrastreifen auch immer Natriumdampflampen mit orangenem Licht anstelle der Quecksilberdampflampen mit weißem Licht verwendet.