Der Kern des Bösen im IV

  • Hallo ins Forum,


    anstatt dass ein Umdenken in der Politik stattfindet, dass weniger Automobile besser wären für Umwelt und Mensch (wenn man das schon getrennt listen muss), wird auf Kosten einer baulich getrennten Straßenbahntrasse, die man ja auch zu einer ÖPNV-Spur ausbauen könnte, ein fauler Kompromiss gefunden. Man könnte auch einfach die Parkplätze streichen, allein es erfordert Mut und Entscheidungswillen. Aber jetzt werden Ressourcen und Steuergelder für einen Umbau — in meinen Augen — „rausgeschmissen“. Der Ortsbeirat könnte ja mal gegenrechnen was günstiger kommt: dieser sinnlose Ausbau oder den Anwohner:innen kostenfreie Jahrestickets für den ÖPNV spendieren. Es würde ja Pi mal Daumen ein Ticket pro weggefallenem Parkplatz reichen. In der Regel fährt trotz ca. fünf Sitzplätzen nur eine Person in einem Auto, also hauptsächlich 2 Tonnen Blech spazieren. Und die meiste Zeit stehen die Karren nur rum. Guter Kompromiss? — mal an Carsharing gedacht?


    Grüße


    ~w~

    Einmal editiert, zuletzt von wellenbrecher ()

  • Ich halte nichts von eine quasi Enteignung der Anwohner. Warum darf ein Stadtmensch kein Auto besitzen? Carsharing löst das auch nicht, ebensowenig ein Öffi Ticket.

    Jeder private Häuslebauer donnert sich Carport und/oder Garage neben sein Eigenheim, um sein "heiligs Blechle" unterzustellen, warum nicht auch bei den Stadtmenschen? Viel mehr Quartiers(tief)garagen, dann könnten fast alle oberirdischen Parkplätze im Strassenraum wegfallen. Aber das kostet ja Geld...

    MfG

    der

    Musterschüler

  • Ich meine, da, wo es Quartiersgaragen tatsächlich gibt, werden sie nicht viel genutzt? Die Leute haben eben das kostenlos zur Verfügung gestellte öffentliche Grundstück direkt vor der Haustür lieber. Ging mir ja nicht anders, als ich noch ein Auto hatte.

    fork handles

  • Ich halte nichts von eine quasi Enteignung der Anwohner. Warum darf ein Stadtmensch kein Auto besitzen? Carsharing löst das auch nicht, ebensowenig ein Öffi Ticket.

    Jeder private Häuslebauer donnert sich Carport und/oder Garage neben sein Eigenheim, um sein "heiligs Blechle" unterzustellen, warum nicht auch bei den Stadtmenschen? Viel mehr Quartiers(tief)garagen, dann könnten fast alle oberirdischen Parkplätze im Strassenraum wegfallen. Aber das kostet ja Geld...

    Enteignung? Wann hat denn der Stadtbewohner die Straße gekauft? Die Straße dient dem Verkehr. Dafür wurde sie gebaut. Vom Geld aller. Dann kamen die Autofahrer und haben die Straße als Parkraum an sich gerissen. Pferdekutschen hat niemand auf der Straße geparkt.


    Enteignung ist es, wenn ich gezwungen bin, einen Autostellplatz auf meinem Eigentum anzulegen ohne ein Auto zu besitzen. Enteignung ist es, wenn der öffentliche Raum seiner Bestimmung entzogen wird und ein Verkehrsprojekt wegen der Partikularinteressen weniger nicht umgesetzt werden. "Wir können hier keine Straßenbahn bauen, da würden Parkplätze entfallen!"


    Müssten sich die Straßenparker zu marktgerechten Preisen Parkraum organisieren, würden viele von ihnen kein Auto besitzen. Wie sagte es ein Freund aus Taipeh: "Klar könnten wir uns ein Auto leisten. Aber eine Garagenmiete nicht."


    Parken im öffentlichen Raum ist ein Privileg, kein Recht.

  • Ich meine, da, wo es Quartiersgaragen tatsächlich gibt, werden sie nicht viel genutzt?

    Ich kann natürlich hier nur eine einzelne Stichpunktbetrachtung beisteuern, aber zu meiner Zeit in Oberrad waren die wenigen mietbaren Plätze so beliebt, daß es schwierig war, einen Platz zu bekommen. Ich habe Jahre gewartet (und zum Glück noch vor der Sanierung der Offenbacher einen Platz bekommen), um 400m von zu Hause entfernt einen Platz in einer Tiefgarage zu ergattern. Daraus möchte ich natürlich keine Allgemeingültigkeit ableiten. Aber ich schätze, es gibt da einen Zusammenhang mit der Verfügbarkeit von Stellplätzen im öffentlichen Raum. Je weniger dort verfügbar ist, desto beliebter sind gemietete Garatenplätze.

    Dank Petra werde ich zum Kunstkenner. Je öfter ich das Gebrabbel höre, desto mehr verstehe ich van Gogh.

  • Ich halte nichts von eine quasi Enteignung der Anwohner.

    Also entschuldige bitte aber quasi die Todesstrafe für Menschen zu fordern, die hier Carsharing anpreisen, ist ja wohl auch nicht sinnvoll, oder?


    Oh, das hast du gar nicht gefordert? Stimmt. Genauso wenig wie jemand quasi Enteignungen gefordert hat. Niemand wird gezwungen, sein Auto abzuschaffen, parke* es doch weit weg.


    Was du* behalten willst, ist die Bequemlichkeit bei der Nutzung. Ja, die soll gemindert werden. Diese Bequemlichkeit gehört dir* aber nicht.


    * Die zweite Person Singular hier bitte stellvertretend verstehen.

  • Ich schätze das Forum und die Mitglieder sehr. In der letzten Zeit ist es aber z.T. sehr ideologisch geprägt.


    Warum soll jemand sein Auto weiter weg parken? Weil man ein Privileg für eine andere Klientel schaffen möchte! Wo ist da dann der Unterschied? Taipeh ist sicher ein schlechtes Beispiel und solche Zustände will sicher niemand für Ffm. Statt miteinander, ist es immer gegeneinander.


    Dieses Dilemma haben uns die kurzsichtigen Nachkriegstädeplaner beschert, damals hätte man die Chance gehabt...


    Hier mal ein privates Beispiel: Meine Eltern hatten bis Anfang der 70er kein eigenes Auto und fuhren gerne ÖPNV, wurden aber quasi vom ÖPNV aufgefordert eins zu kaufen: Mein Vater hat sich bei der damaligen Verkehrsgesellschaft beschwert, dass meine Mutter mit mir im Kinderwagen nur sehr beschwerlich zur U-Bahn im Grüneburgweg runterkommt (kein Aufzug, keine Rolltreppen). Antwort: dann bleiben sie zu Hause oder kaufen sich ein Auto...


    Und selbst bis Ende der 80er wurden U-Stationen gebaut, die gewisse Personengruppen von der Nutzung quasi ausschlossen. Und nun werden für einen Millionenaufwand die damaligen Fehler korrigiert.


    Wer also im ÖPNV oder Fahrrad das Allheilmittel meint gefunden zu haben, und den Autofahrer in den A.... tritt, der wird irgendwann wirklich Zustände wie in Taipeh haben, denn kein Normalbürger kann sich mehr die Stadt leisten.


    Ich habe vor 25 Jahren schon die Konsequenz gezogen: ich bin weg aus Frankfurt und hab mir woanders eine Job gesucht. Mit kurzem Weg zur Arbeit und realistischen Mietpreisen.


    Sorry, vieles Offtopic. Ich kenne viele, die gerne ihren Wagen in einer Garage parken würden, es gibt aber (fast) keine. Auf mein Argument, solche zu schaffen, finde ich es einfach schade, dass darauf Pferdekutschen und Wanderungen als Argumente angeführt werden.


    LG

    Der Musterschüler

  • Warum soll jemand sein Auto weiter weg parken? Weil man ein Privileg für eine andere Klientel schaffen möchte!

    Warum sollte jemand sein Auto näher parken? Wir diskutieren hier nicht, den Stellplatz für ein Auto durch den Stellplatz von einem anderen Fahrzeug zu ersetzen, sondern Verkehrsfläche für den Verkehr zu benutzen, nicht für die Lagerung von Privateigentum.


    Natürlich ist das ideologisch geprägt – aber so zu tun, als sei der Ruf nach Parkplatzerhaltung unideologisch, ist … sagen wir: zu kurz gedacht.


    Ganz komplett unideologisch steht der m² Fläche Fahrradweg mehr Menschen zur Verfügung als der m² Fläche Autostreifen (weil deutlich höhere Kapazität), und beide Flächen stehen mehr Menschen zur Verfügung als die Fläche eines Parkplatzes. (Das bedeutet nicht: mehr Menschen sind in der Personengruppe, die die Fläche nutzen können, sondern: die Anzahl von Menschen, die die Fläche tatsächlich nutzen, ist größer.)


    Das ist der Unterschied.

  • Interessant, dass es schon in den 70ern kaum hilfsbereite Menschen gab die an einer

    Treppe mithalfen einen Kinderwagen herunterzutragen. War das auch schon bis 1968

    so wo man an der Stelle Stufen ins Schienenfahrzeug hatte...?

    In god (an invention by mankind) we trust - on earth we don't


    Sincerly yours, NSA
    powered by US government

  • Zum Thread-Thema gehört aber auch, dass für die Straßenbahn einige kostenlose Parkplätze im Straßenraum wegfallen müssten.


    Und da sage ich es einmal ganz hart: Niemanden stört es, wenn neu nach Frankfurt Ziehende 20 € für einen Quadratmeter Wohnung zahlen müssen, die weder im sozialen noch im ökolgischen Brennpunkt liegt. Wer das nicht stemen kan, muss entweder eben doch dorthin ziehen, mit einem Kaninchenstall vorlieb nehmen oder 50 km in die Region ziehen. Stört niemnden.


    Wenn aber der Stellplatz im öffentlichen Raum nicht mehr kostenlos angeboten wird, sondern für 300 € im Monat eine Quartiersgarage angemietet werden soll, wird von Enteignung gesprochen. ?( Legt man besagte 20 € / qm zugrunde und eine allnächtliche Nutzung (also die Hälfte eines Tages), müsste ein 25 qm-Stellplatz im öffentlichen Raum auch bereits 250 € im Monat kosten. Und wer tagsüber parkt, müsste natürlich entsprechend auch anteilig bezahlen.


    Die "Enteignung" - damit in diesem Fall eine Straßenbahn dort fahren kann - besteht also darin, dass ein Stellplatz, der nach Marktpreisen 250 - 300 € kosten würde, nicht mehr von der Stadt kostenlos angeboten wird, sondern - wie eben eine Wohnung auch - eigenständig auf dem Markt zu suchen ist. Mit mehr Berechtigung könnte gefordert werden, dass die Stadt jedem ihrer Bürger kostenlos 25 qm Wohnraum zur Verfügung stellt. ^^ Was dringlicher wäre. Weil eine Wohnung Basis zum Leben ist.

  • Ich kenne es noch aus Bornheim, dass man heftig überlegt hat, ob man für eine Strecke das Auto benutzt, weil man danach vermutlich einen schlechteren Parkplatz bekommt. 5-10 Minuten Fußweg zum Auto, für Bewohner der Rendeler Straße, wurden als normal angesehen - und wehe man war vergesslich, dann lief man eine Ehrenrunde durchs ganze Viertel um sein Auto zu suchen.


    Da wäre eine Quartiersgarage ein Segen. Und demnächst spricht noch mehr dafür, denn eine solche Garage kann man auch elektrifizieren, so dass dann dort an jedem Stellplatz elektrische PKW aufgeladen werden können.


    Und Bornheim ist ja nun nicht die einzige Ecke der Stadt mit einer derartigen Parksituation.


    Wobei 300€/Monat schon ziemlich heftig sind - ein PKW braucht 2,5x5m Stellfläche, also 12,5m², keine 25m².

  • Xalinai, stimmt schon mit grob 2,5 x 5 m. Dabei machen sich manche SUV schon durch Breiten unangenehm bemerkbar, die diesem Maß nahekommen. Was sowohl in einigen Parhhäusern und engen Quartiersstraßen störend auffällt. Und sofern sich die Deutschen nicht auf französische Gewohnheiten umstellen, dass ein paar Dellen vorne und hinten in Ordnung sind :D, braucht es vorne und hinten auch noch jeweils Manövrierraum, sprich die "Fahrgassen". Das Jura-Magazin spricht von einem Flächenbedarf von eben jenen 25 qm für ebenerdige Stellplätze: http://www.juramagazin.de/42805.html


    Für einen Smart oder ähnlichen Kleinwagen wird man sicher mit weniger hinkommen. Aber es fahren ja nicht alle Kleinwagen. Bei zunehmender "Elektrifizierung" des Autoverkehrs wird auch weiterer Platz für die Ladestation benöfigt.


    Aber bleiben wir doch dabei: Autos in Bockenheim in die Quartiersgarage, und die Straßenbahn in die Schloßstraße :)!

  • Wir entfernen uns vom ursprünglichen Thema. 50 - 60 EUR sind üblich für einen Stellplatz / Garage.

    Ganz vergessen wird bei dem KFZ Bashing, dass der Automobilist via KFZ und Mineralölsteuer dem Finanzminister ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

    Wer soll dies tun, wenn sich die Anzahl der KFZ so weit reduziert, dass sich die Mundwinkel des Finanzministers nach unten senken?

    Was ist denn eigentlich der Kern des "Bösen" am IV?
    Der wird doch wohl kleiner, wenn alle elektrisch fahren?

    Vielleicht aber sollte diese Diskussion in einen eigenen Thread fortgeführt werden.

  • Ich nehme den Titel des Threads mal aus K-Wagen s Formulierung

    Ganz vergessen wird bei dem KFZ Bashing, dass der Automobilist via KFZ und Mineralölsteuer dem Finanzminister ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

    Wer soll dies tun, wenn sich die Anzahl der KFZ so weit reduziert, dass sich die Mundwinkel des Finanzministers nach unten senken?

    Was ist denn eigentlich der Kern des "Bösen" am IV?
    Der wird doch wohl kleiner, wenn alle elektrisch fahren?

    Ganz zu vergessen scheint K-Wagen , dass der motorisierte Individualverkehr deutlich mehr Belastungen für die öffentliche Hand erzeugt als er durch Einnahmen erzeugt. Wenn alle elektrisch fahren, ist ein Teil der negativen Folgen – Abgase – verringert, dafür erhöht sich die Feinstaubbelastung. Es müssen immer noch sehr große Flächen vorgehalten werden, sowohl für den Verkehr als auch für die Verwahrung der Stehzeuge.


    Welche genau von dem im Original-Thread getätigten Aussagen empfindest du als „Bashing“?

  • Was ist denn eigentlich der Kern des "Bösen" am IV?

    Der wird doch wohl kleiner, wenn alle elektrisch fahren?


    Für mich ist es komplett irrelevant ob elektrisch oder nicht. Er nimmt den Großteil des öffentlichen Raums und der Verkehrsfläche ein, obwohl ihn in Frankfurt nur eine Minderheit aktiv nutzt (33%). Auch für mobilitätseingeschränkte Menschen gibt es Lösungen die nicht auf 2 Tonnen Stahl auf 10 Quadratmeter beruhen.

  • Prinzipiell finde ich, ist Frankfurt mit der Parkraumbewirtschaftung schon auf den richtigen Weg eingebogen. Damit sponsert die Allgemeinheit nicht länger die Auto-Parkplätze. Wenn es ein wenig teurer noch würde, würde mein einer sicher überlegen, sein kaum genutztes Fahrzeug abzuschaffen und bei Bedarf eben einmal ein Carsharingauto zu nutzen. Wofür natürlich dieses Angebot idealerweise ausgebaut würde, um den Trend weg von den Dauerparkern zu unterstützen.


    Klug wäre es natürlich, wenn die öffentliche Stellplätze die Nutzer perspektivisch so viel kosten würden wie eine ÖV-Jahreskarte (und damit immer noch viel weniger als ein privat angemieteter Stellplatz). Das dürfte zu einer erheblichen "natürlichen" Reduzierung der Kfz-Anzahl führen, wodurch wiederum diese Flächen anderweitig umgenutzt werden können, ohne dass die Parkplätze fehlen.

  • Nun @ baeuchle das geht schon in die Richtung "Auto böse., ÖPNV gut".
    Ersetze im Titel bitte noch "im" durch "am". Dann passt es. ;-)

    Ganz zu vergessen scheint K-Wagen, dass der motorisierte Individualverkehr deutlich mehr Belastungen für die öffentliche Hand erzeugt als er durch Einnahmen erzeugt.

    Hast Du für diese Aussage Quellen?


    Wenn alle elektrisch fahren, ist ein Teil der negativen Folgen – Abgase – verringert, dafür erhöht sich die Feinstaubbelastung.

    Was genau erhöht denn die Feinstaubbelastung eines elektrisch betriebenen KFZ?


    Versteht mich bitte nicht falsch,- ich will nicht den IV verteidigen. Ich habe nur das Gefühl, dass hier nur schwarz / weiß gesehen wird und man doch etwas relativieren sollte.
    Es gibt durchaus Situationen, in denen das eigene KFZ dem ÖPNV überlegen ist.
    Ich würde es Antriebstechnisch auch begrüßen, wenn Solar / Wasserstoff eine stärkere Lobby hätte.

  • Was am MIV schlecht ist:

    ① Ein Ersatz von Öl als Energiequelle ist kurzfristig nicht vollständig möglich. Wenn wir CO₂-neutral werden wollen, dann reicht es nicht, ein paar Solarzellen und Windräder aufzustellen. Wir müssen auch den Energieverbrauch reduzieren. Und da fallen Autos sehr negativ auf. Die Gewinnung der Rohstoffe für die Fertigung von Autos ist energieintensiv, der Fertigungsprozess ebenso, aber 95% der Zeit stehen Autos still (13'000 km Fahrleistung pro Jahr, 200 Arbeitstage pro Jahr, macht 66km pro Tag, also ca 1h). Das ist nicht effizient. Hier werden Unmengen an Energie verbraucht.


    ② Diese Fahrzeuge belegen dann viel Platz, während sie rumstehen. Das ist städtebaulich ein Problem. Vielerorts befinden sich mitten in der Innenstadt große Parkflächen. Beispiel Wilhelmsplatz in Offenbach. Einheimische nennen den Wilhelmsplatz die "Gute Stube" Offenbachs, aber der halbe Platz wird als Parkplatz benutzt.


    ③ Fließender Verkehr ist ein weiteres Problem. Autos sind laut, und innerorts ist das Rollgeräusch ein großer Teil dieses Lärms. Das Rollgeräusch ist bei E-Autos nicht anders als bei Verbrennern. Autos sind schnell und schwer. In ihrer Nähe möchten sich andere Verkehrsteilnehmer nicht aufhalten. Paradoxon: Viele Autofahrer fahren Auto, weil sie sich als Radfahrer nicht zwischen den anderen Autofahrern sicher fühlen würden. Und niemand will an den Hauptverkehrsstraßen wohnen, weil es dort laut ist. Paradoxon 2: Die, die nicht in der Stadt wohnen wollen, weil es da so laut ist, sind häufig die, die mit dem Auto in die Stadt kommen und den Lärm verursachen.


    ④ Autos reduzieren die Lebensqualität. Verkehrsberuhigte Straßen, Straßencafes, Fußgängerzonen sind Bereiche mit hoher Aufenthaltsqualität. Bereiche, in denen es viele Autos gibt, sind Orte, an denen man nicht gerne sein möchte. Breite Straßen zerschneiden zudem Stadtteile, da man nur an wenigen Ampeln sicher die Straßenseite wechseln kann.


    ⑤ Auch Elektroautos sind nicht schadstofffrei. Der Reifenabrieb stellt einen großen Anteil des Feinstaubs (Q: SZ) und des Mikroplastiks (Q: SWR). Fahrräder, Busse und Straßenbahnen (und auch Fußgänger) haben auch Reifen- und Bremsabrieb, aber die Mengen sind pro Personenkilometer deutlich geringer.


    ⑥ Autos sind teuer. Eine Gesellschaft, in der Autobesitz als normal voraus gesetzt wird, schließt Menschen aus, die sich ein Auto nicht leisten können oder aus anderen Gründen kein Auto fahren können. Industriegebiete ohne ÖPNV-Anschluss oder Einkaufszentren, die man mit dem Fahrrad nicht erreichen kann, sind hierfür Beispiele. Bei den Industriegebieten steht Rhein/Main inzwischen gar nicht mehr so schlecht da, bei den Großmärkten gibt es aber deutlich Aufholbedarf. Ich habe zum Beispiel noch keinen guten Weg gefunden, mit dem Fahrrad auf den Ikea-Parkplatz zu kommen. Es gibt Fahrradstellplätze, aber keinen guten Weg, diese zu erreichen.


    Klar hat für den Einzelnen in einer bestimmten Situation das Auto einen Vorteil. Aber in der Menge, wie wir es heute einsetzen, ist es für Alle in der Summe von Nachteil.


    PS: Quelle zu "Kosten höher als Einnahmen": Wirtschaftswoche, 2013, Zeit, 2021