Nahverkehr in Ffm wird langsamer ausgebaut

  • Ist das was Neues? Ist es denn unmöglich, dass sich bei großen Projekten, die über lange Zeiträume geplant werden, Zeitverzögerungen einstellen, die nicht an politischem Unwillen liegen? Sagt dieser Satz denn aber nun irgendwas anderes aus?

    Nein, das ist nicht prinzipiell Neues. Da bin ich absolut bei Dir!


    Beim "politischen Unwillen" widerspreche ich Dir - zumindest bis wir Konkretes vorliegen haben. Die Grünen selbst haben ja im Wahlkampf die Latte ganz nach oben gesetzt und Klimaschutz und Verkehrswende als oberste Ziele für Frankfurt genannt. Als Wähler erwarte ich dann auch, dass das so umgesetzt wird. Die Schwerpunktsetzung, wofür das Geld ausgegeben wird, wird alleine politisch entschieden.


    Wenn die Zahlen am Ende stehen und erkennbar wird, ob der Nahverkehrsausbau von der neuen Koalition wirklich eine verstärkte Priorität eingeräumt bekommt (und sei es mit Verzögerungen, wenn denn Geld fehlt), bin ich bereit, meine Kritik zurückzunehmen. Ich würde mich sogar extrem freuen, wenn ich mich korrigieren muss! Solange aber bleibe ich wie dortelweiler skeptisch, da die Äußerungen gerade einfach wie der Versuch eines Rückzugmanövers klingen.

  • Beim "politischen Unwillen" widerspreche ich Dir - zumindest bis wir Konkretes vorliegen haben.

    Ich verstehe da den Widerspruch nicht: ich behaupte nicht, dass es keinen politischen Unwillen gibt. Ich behaupte: die vorliegenden Aussagen sagen exakt nichts darüber aus.

  • Ich verstehe da den Widerspruch nicht: ich behaupte nicht, dass es keinen politischen Unwillen gibt. Ich behaupte: die vorliegenden Aussagen sagen exakt nichts darüber aus.

    Diese Behauptung kann man aufstellen, wenn man es nicht herauslesen möchte. ;)


    Die bisherigen Hinweise deuten deutlich stärker auf politischen Unwillen hin als auf politisches Wollen. Oder findest Du irgendwo einen starken Satz à la "Es wird finanziell zwar eng, aber wir wollen beim Ausbau des Nahverkehrs als zentralem Baustein des Klimaschutzes keinerlei Abstriche machen"? So etwas zu äußern und klarzustellen steht den Herren doch völlig frei, besonders nachdem die FNP ja sehr konkret nachfragte. Sie haben so etwas aber nicht gesagt.

  • Die fnp hat „konkret“ nach einem bestimmten Projekt gefragt und eine sehr konkrete Antwort erhalten: vor der Priorisierung des Trambahnkonzeptes muss herausgefunden werden, ob es effizient ist.


    Es ist nicht so, dass die Aussage von Bergerhoff missverständlich sein könnten, aber in einem Kontext von unmissverständlich bremsenden Aussagen stünden. Nein: jede bisher hier zitierte Aussage sagt das selbe: nichts. Jede dieser Aussagen sagt „morgen sind noch nicht alle Probleme gelöst“.


    Auch wenn du es wieder und wieder so darstellst: Majer und Siefert haben nicht auf die konkrete Frage, ob sie den Ausbau mit Hochdruck vorantreiben wollen, dieses verneint, sie haben sich nicht auf diese Frage ausweichend geantwortet: die Frage wurde einfach nicht gestellt.


    Majer sagt übrigens „Wir werden der Verkehrswende inhaltlich noch einmal neuen Nachdruck geben“, und er spricht davon, vernachlässigte Projekte nun „voranbringen zu wollen“ aber das nur nebenbei. Er erinnert auch daran, dass die Verkehrswende laut Koalitionsvertrag prioritär ist — dass er allerdings nicht alleine den Haushalt aufstellt ist klar. Irgendwie bezweifle ich, dass wir in anderem Kontext das nicht als politisches Statement gegenüber den Koalitionspartnern mit dem Inhalt „wir brauchen Geld in meinen Ressort!“ verstehen würden — aber wenn man es natürlich partout nicht so verstehen will, klappt das halt nicht.


    Dann muss man halt stattdessen eine vollkommene Nullaussage ohne Kenntnis der dazugehörigen Frage als Kronzeugin für krude Thesen heranziehen.

  • Bernemer, Du wirst nicht geteert und gefedert. :) Vielen - und auch mir - war durchaus schon länger klar, dass in Anbetracht der sinkenden Steuereinnahmen und erhöhten Staatsausgaben das Geld knapp wird. Hinzu kommt, dass im Verkehrssektor vermehrt Ausgaben zur Instandhaltung und Erneuerung der Anlagen anfallen - nicht nur bei der Salzbachtalbrücke.


    Was allerdings auch fehlt, ist der politische Wille, die Heiligen Kühe Auto- und Luftverkehr in ihre Schranken zu weisen. Die verbleibenden Mittel müssen gezielt umgeschichtet werden. Das gleiche gilt auch für vorhandene Verkehrsflächen. Auch mit wenig Geld können Ampelschaltungen so verändert werden, dass Bus und Bahn Vorrang haben - wie in Freiburg - und Fahrgäste mehr vom Fahrplan ihrer Bahn als von der Ampelschaltung auf den Wegen von und zur Haltestelle abhängig sind.


    Frankfurt malt ja jetzt schon verstärkt breite rote Radstreifen auf die Fahrbahnen. Die helfen zwar nicht dem ÖPNV, aber der Verkehrswende und sind ausgesprochen kostengünstig. Eine kleine Variation wäre, diese roten Streifen gleich 3 Meter breit zu machen und auch Busse darauf fahren zu lassen. Lohnt natürlich nur dort, wo genug Busse und Fahrräder unterwegs sind. :)


    Ein kleiner Trost: IN Mainz und Marburg dürfte genug Geld für die Verkehrswende dort vorhanden sein. :)

  • Ich weiß nicht so genau, was du, Bernemer , als Teer und was als Federn ansiehst. Geht es wahrscheinlich alles nicht so schnell, wie wir es gerne hätten? Ja. Das hat hier nie jemand bestritten, und das war auch nie Inhalt der steilen Thesen, die aus irgendwelchen Interviewschnipseln herausgelesen wurden.


    Geht es 'langsamer' als vorher angekündigt, wie der Threadtitel immernoch suggeriert? Lese ich auch aus diesem Artikel nicht heraus. Was ist denn wirklich Belastbares darin enthalten? Dass die Finanzierung als nötig erachtet wird, aber noch nicht geklärt ist. Steht da was von politischem Unwillen seitens der üblichen Sündenböcke bei den Grünen, im Gegensatz zu St Oesterling, wie hier im Thread suggeriert wurde? Nein.


    Ist noch was zu tun? Na klar. Braucht es dazu mehr Geld? Na klar. Gibt es Teile der Koalition, die dieses Geld nicht bereitstellen wollen? Öhm, das nehme ich zwar an, lese ich aus dem Artikel aber auch nicht heraus. Treten insbesondere Majer, Siefert und Bergerhoff „auf die Bremse“? Auch diese Eingangsthese sehe ich nach wie vor nicht bestätigt.


    Sollte die aktuell bestehende Finanzierungslücke in einem (noch nicht aufgestellten!) Haushalt Sorgen bereiten? Wahrscheinlich. Wogegen ich hier die ganze Zeit argumentiere, ist das „die Grünen wollen bremsen“ oder „den Grünen ist es nicht wichtig“.


    War das jetzt Teer? Federn? Salz in der Suppe? Keine Ahnung.

  • Eine kleine Variation wäre, diese roten Streifen gleich 3 Meter breit zu machen und auch Busse darauf fahren zu lassen. Lohnt natürlich nur dort, wo genug Busse und Fahrräder unterwegs sind. :)

    Das finde ich aus Sicht der Radfahrer keine gute Idee. Busse und Lastwagen gehören zu den Dingen, die beim Überholen besonders angsteinflößend sind. Wenn die sich dann mit mir eine Spur teilen sollen, fühle ich mich gejagt. Das kann man sportlich nehmen, aber viele andere würde das abschrecken, dort mit dem Fahrrad fahren zu wollen.

  • Das finde ich aus Sicht der Radfahrer keine gute Idee. Busse und Lastwagen gehören zu den Dingen, die beim Überholen besonders angsteinflößend sind. Wenn die sich dann mit mir eine Spur teilen sollen, fühle ich mich gejagt. Das kann man sportlich nehmen, aber viele andere würde das abschrecken, dort mit dem Fahrrad fahren zu wollen.

    Aber genau das hat man in Wiesbaden in großem Stil gemacht. Busspuren für Radfahrer freigegeben und Fahrradspuren für Busse (Umweltspuren) freigegeben.

  • Das gibt es doch bei uns in Frankfurt schon seit den 90er Jahren in Sachsenhausen (Elisabethenstraße). Ich habe schon neulich mit dem Rad die umgekehrte Erfahrung gemacht: Ich habe in der Idsteiner einen Bus der Linie 52 "gejagt" ^^ - das heisst, ich musste an jeder Haltestelle hinter dem Bus anhalten. Als ich mir in weiser Voraussicht dann etwas Zeit liess, wurde ich dann von einem saublöden Autofahrer mit Limburger Kennzeichen angehupt, der es offensichtlich vorzog, statt hinter mir mit 15 km /h zu schleichen, erst zu überholen und dann dumm hinter dem Bus zu stehen.


    Löung wäre dann ein 5 Meter breite Umweltspur für Busse, Taxis und Fahrräder. Aber nur theoretisch. :(

  • Ein kleiner Trost: IN Mainz und Marburg dürfte genug Geld für die Verkehrswende dort vorhanden sein. :)

    Mainz war zu Pandemiebeginn eine der am stärksten verschuldeten Städte Deutschlands und ist Ende 2022 hoffentlich durch einen glücklichen Zufall schuldenfrei. Mit anderen Worten: aus den Zwängen der ADD ist man endgültig raus, wirklich was auf dem Festgeldkonto hat man aber immer noch nicht. Die Prioitäten sollten jetzt richtig gesetzt werden und klar die Verkehrswende sollte auch dazu gehören.

  • Gibt es in RP keinen kommunalen Finanzausgleich wie auf Bundesebene den Länderfinanzausgleich? Würde mich sehr wundern wenn nicht. Jedenfalls möchte MZ mit dem unerwarteten Geldsegen seine Kassenkredite von 634 Mio. EUR tilgen dieses Jahr. Weiterhin hat MZ beschlossen den Hebesatz der Gewerbesteuer von 440 auf 310 Pkt. zu reduzieren was in 2022 zu einer voraussichtlich verminderten Gewerbesteuereinnahme von 350 Mio. EUR (ca. 1/3 der diesjährig Mehreinnahmen) führt. Auch werden die Käufer des Impfstoffes mit Pfizer / BionTech bei solchen Unternehmensgewinnen preislich hart verhandeln was den Gewinn schmälert und gleichzeitig wird mehr Geld in die Erforschung von anderen Präparaten investierten was ebenfalls den Gewinn schmälert. Dies vorausgeschickt wird MZ nicht aus den vollen schöpfen können denn neben dem Verkehrsresort haben auch schon andere Resorts finanzielle Ansprüche erhoben.


    Prinzipiell würde ich die finanzielle Situation aber noch nicht als katastrophal bezeichnen denn lt. hessenschau erwartet Hessen heuer Steuermehreinnahmen von 1,2 Mrd. EUR. Hier noch eine aktuelle deutschlandweite Schätzung der Steuereinnahmen zw. 2020 (Status quo) und 2026. Damit teile ich Hexemer Auffassung, dass die Verkehrswende noch finanzierbar ist aber es muss genau geschaut werden wofür das Geld ausgegeben wird.

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  • Mal was neues: unter der Überschrift „Frankfurt: Umbau des Hauptbahnhofs ist im Zeitplan“ berichtet die FR über einen Zeitplan, der sich für mich langsamer anfühlt als ich's bisher gedacht habe:

    Die Stadt Frankfurt hat für die Zeit ab 2026 einen Umbau des Bahnhofsvorplatzes angekündigt. Er soll für Veranstaltungen hergerichtet werden. Für Fahrgäste ist unter anderem eine Vergrößerung der Straßenbahnhaltestelle am Hauptbahnhof geplant. Dort sollen die Straßenbahnen künftig auf vier statt zwei Gleisen verkehren.

    Kann das Straßenbahnnetz erst nach erfolgtem Umbau des Hauptbahnhofes angegangen werden, bedeutet das wohl, dass ersteres nicht vor 2026 kommen kann.

  • Dass es nicht vor 2025 mit Durchbruch, Vorplatz und Straßenbahnhaltestelle losgeht, ist schon vor einiger Zeit durchgesickert (Frühere Veröffentlichungen hatten mal den Eindruck erweckt, 2025 solle alles fertig sein). Jetzt nochmal ein Jahr länger, das ist doch etwas ernüchternd.

  • Kann das Straßenbahnnetz erst nach erfolgtem Umbau des Hauptbahnhofes angegangen werden, bedeutet das wohl, dass ersteres nicht vor 2026 kommen kann.

    Zumindest die Linie 19 (Friedberger Warte - Oberrad) und die Linie 15 nach Fechenheim können unabhängig vom Hbf Ausbau kommen.


    Wenn die Linie 15 dann nach Fechenheim fährt, wird man wohl gleichzeitig die 11 (mit T Wagen) auf einen 10er Takt umstellen.


    Dann kann man die Linie 17 auf einen 10er Takt umstellen und die Linie 20 (Rebstockbad - Goldstein) einführen.


    Das wären dann 36 statt gegenüber heute 34 Abfahrten pro Richtung. Ich denke das sollte die aktuelle Haltestelle Hbf mit 2 Gleisen noch schaffen.


    Nur die 13 kann ich mir ohne den viergleisigen Ausbau schlecht vorstellen.

  • Die 19 kann zwar ohne den Hbf-Ausbau kommen, aber (nach aktuellem Stand der [Nicht-] Planung) nicht an der Friedberger Warte wenden.


    Dieses und die ganzen anderen Details zum Straßenbahnkonzept gehören aber wohl eher in den Thread zum Straßenbahnkonzept, auch wenn baeuchle sie hier hereinzutrollen versucht. ;)

    Einmal editiert, zuletzt von Bernemer ()

  • Die "Drei Weisen" haben ja nun den Koalitionsvertrag (SPON) veröffentlicht.
    Dann bleibt zu hoffen, dass die unter "Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung" genannten Vorsätze auch rasch umgesetzt werden, diese
    dann vielleicht auch bis auf die kommunale Ebene durchschlagen.