Kapazitätserweiterung nördlich von Hannover

  • Weil es doch nur mittelbar mit dem Koalitionsvertrag zu tun hat, möchte ich einen neuen Thread zum Komplex kapazitätserweiterung und Beschleunigung zwischen Hannover, Bremen und Hamburg eröffnen. Vielleicht können wir hier mindestens die neuen Versionen zusammentragen und diskutieren.

  • Die im Sommer veröffentlichte Infrastrukturliste Deutschlandtakt (die als vollständiges Paket wirtschaftlich und in den BVWP eingezogen ist), benennt eine Zielfahrzeit HH-HV von 59 Minuten (ohne Halt) und sieht dafür eine ABS/NBS mit Geschwindigkeit von min. 250-300km/h vor. Das schließt, ganz zu schweigen von eventuellen Kapazitätsproblemen, alles was bisher unter Alpha E oder der Vieregg-Rössler-Konzeption bekannt war aus. Angesetzt sind knapp 3,5 Mrd. Euro.


    In der 6. Informationsveranstaltung Gesamtprojekt vom 12.10.2021 wurde das bisherige Maßnahmenpaket erweitert: für den Abschnitt Hannover/Lehrte - Ashausen sind jetzt statt kleineren Maßnahmen ausschließlich an der Bestandsstrecke auch Grobkorridore für Neubauabschnitte definiert.


    (Nebenbei bemerkt finde ich es doch amüsant, dass man dort mehr oder weniger so tut, als sei das nie anders geplant gewesen…)

  • Der wesentliche Kapazitätsengpaß besteht in den Elbbrücken. Da muss alles durch, vom Schwergüterzug bis zum ICE. Ab und zu wird dann dieser Flaschenhals lahmgelegt, mal von Gleislatschern, mal vom umgestürzten Bagger. Und die Nähe zum Hafen mit all möglichen Gefahrgut-Transporten birgt natürlich auch einige Pannen-Potentiale.


    Sinnvoll wäre es deshalb, der Bahn - wie bereits für die Autobahn seit 1975 erfolgt - eine zusätzliche echte Elbquerung zu schaffen. Ein erster provisorischer Ansatz könnte schon mal sein, die Dieselstrecke zwischen Büchen an der Berliner Strecke und Lüneburg zu elektrifizieren und auszubauen, um bei Störungen überhaupt schon mal eine schnellere Alternative zu haben.


    Den Neubau einer zusätzlichen Elbquerung würde ich gefühlsmäßig östlich der jetzigen Elbbbrücken ansiedeln. Einmal, um Personen-Fernverkehr und hafenbezogenen Güterverkehr zu trennen. Und als wesentlicher Grund, dass die Oberelbe deutlich schmaler als die Unterlbe ist. Diese Strecke würde irgendwo von der Bergedorfer (Berliner) Strecke abzweigen, die Vierlande durchqueren und irgendwo westlich von Winsen die Elbe überqueren, dann auf die Bestandsstrecke stoßen und ggf. parallel zur A 7 fortgeführt.


    Und wenn das aus ökologischen oder finanziellen Gründen nicht in Frage kommt, wird die oben skizzierte Lauenburger Elbquerung Teil einer neuen Schnellfahrtstrecke. Das wären dann zwar noch einmal 19 km mehr - die evtl. bei "Begradigung" der Bestandsstrecke wieder eingespart würden, dort könnte man aber - wie schon seit 1931 auf der Hamburg - Berliner Strecke :)- deutlich schneller fahren als über die Elbbrücken und durch Harburg.


    Wenn man denn richtig viel machen möchte, baut man mit der geplanten westlichen Elbquerung der A 20 bei Stade auch noch eine für die Eisenbahn mit. Da könnte dann der ganze Eisenbahnverkehr zwischen Rhein-Ruhr / BeNeLux und Skandinavien über diese Strecke fahren statt den Flaschenhals Hamburg zu belasten. Natürlich denke ich da vorrangig an Güter- und einzelne transeuropäische Nachtzüge. Ansonsten ist Hamburg für den Personenverkehr viel zu wichtig, um daran vorbeizufahren. :)