23.02.2022 Entgleisung einer S-Bahn in Rüsselsheim

  • Der relevante Abschnitt, wenigstens für ein tl;dr, ist 1.3:

    1.3 Ursachen

    Als ein ursächlicher Faktor wurde eine vorzeitige Fahrstraßenauflösung in Verbindung mit einer unzeitgen Weichenbedienung durch den Fahrdienstleiter (Fdl) identifiziert. Ein weiterer ursächlicher Faktor war eine vorausgegangene Störung der Gleisfreimeldeanlage im Gleis 27, die eine Fahrt der S 35968 mit besonderem Auftrag erforderlich machte. Als beitragende Faktoren wurden eine starke Belastungssituation des Fdl durch umfangreiche Bauarbeiten und eine technisch nicht eingerichtete Hebelsperre an der betroffenen W 74 identifiziert. Die nicht vorhandene Hebelsperre sowie eine unzureichende Personalausstattung im Bereich der Aufsichtsführung werden als systemische Faktoren angesehen.

  • Daraus folgt die logische Empfehlung,- letzte Seite:

    Ich hätte als blutiger Laie nicht geglaubt, dass es überhaupt möglich ist, eine Weiche umzustellen, während ein Zug darüber fährt.

    Nun, die Fotos des Stellwerks lassen eher ein Museum vermuten....

    Lasst endlich die Zweiachser wieder frei !

  • Daraus folgt die logische Empfehlung,- letzte Seite:

    Ich hätte als blutiger Laie nicht geglaubt, dass es überhaupt möglich ist, eine Weiche umzustellen, während ein Zug darüber fährt.

    Nun, die Fotos des Stellwerks lassen eher ein Museum vermuten....

    Ist es ja auch nicht, zumindest nicht, solange die Fahrstraße gesichert ist. Die wurde ja hier scheinbar aber scheinbar zu früh aufgelöst, und damit sind die Weichen wieder frei.

    Alle Räder stehen still, weil der Fdl das so will.

  • Die wurde ja hier scheinbar aber scheinbar zu früh aufgelöst, und damit sind die Weichen wieder frei.

    OK,- kenne ich von meiner Modelleisenbahn ;-)
    Warum wurde sie zu früh aufgelöst?
    Hätte die empfohlene Maßnahme:

    Zitat

    "mindestens die Weichen in

    Hauptgleisen mit einer Weichenhebelsperre

    auszurüsten"

    dies denn verhindert?
    Bzw. wie hätte eine Weichenhebelsperre dies verhindert?
    Wie funktioniert eine "Weichenhebelsperre". Nach meinem Verständnis verhindert ein Bauteil an der Weiche, dass diese umgelegt werden kann, solange
    sie überfahren wird,- trotz aufgelöster Fahrstraße?

    Lasst endlich die Zweiachser wieder frei !

  • Wie funktioniert eine "Weichenhebelsperre". Nach meinem Verständnis verhindert ein Bauteil an der Weiche, dass diese umgelegt werden kann, solange
    sie überfahren wird,- trotz aufgelöster Fahrstraße?

    Unterscheide bitte die Funktionen und ihre Bedeutung.


    Das Umstellen einer Weiche unter einem Fahrzeug kann zunächst einmal nur dadurch verhindert werden, dass eine - wie auch immer geartete (Stromkreis, Achszähler, Tonfrequenzkreis, theoretisch früher experimentell mit Fühlschiene) - Gleisfreimeldeanlage installiert ist. Sagt die Anlage "Weiche besetzt", wird durch das Stellwerk das Umstellen verhindert. Das ist im Falle mechanischer oder elektromechanischer Technik die Weichenhebelsperre. Die blockiert den Hebel.


    Davon zu unterscheiden ist das Verhindern einer Weichenstellung, wenn die Weiche für ein Befahren z. B. durch eine Zugfahrt beansprucht wird. Das ist der Weichenverschluß (in Kombination mit der Fahrstraßenfestlegung). Dafür muss die Weiche aber nicht besetzt sein.


    D. h. auf allen Stellwerken ist das Umstellen einer Weiche nicht möglich, wenn und solange eine Fahrstraße eingestellt ist. Zusätzlich kommt die Gleisbesetzung als weiteres Kriterium hinzu. Wenn ein Altstellwerk aber keine Gleisfreimeldung hat, gibt es nur die erste Version.

  • Hallo Holger,- vielen Dank für die Erläuterung

    ....Gleisfreimeldeanlage installiert ist. Sagt die Anlage "Weiche besetzt", wird durch das Stellwerk das Umstellen verhindert. Das ist im Falle mechanischer oder elektromechanischer Technik die Weichenhebelsperre. Die blockiert den Hebel.

    Im vorliegenden Fall war doch eine Gleisfreimeldeanlage installiert, diese hat vorzeitig "freigemeldet" oder sehe ich das falsch?
    Wie hätte dann eine "Weichenhebelsperre" die Entgleisung verhindert?

    Lasst endlich die Zweiachser wieder frei !

  • Im vorliegenden Fall war doch eine Gleisfreimeldeanlage installiert, diese hat vorzeitig "freigemeldet" oder sehe ich das falsch?

    Wie hätte dann eine "Weichenhebelsperre" die Entgleisung verhindert?

    Die Antwort findest Du dazu u. a. auf Seite 27. Die Gleisfreimeldung hat ordnungsgemäß funktioniert. Für die betroffene Weiche wurde jedoch keine Abhängigkeitsschaltung (die Weichenhebelsperre) nachgerüstet. Begründung steht auf der Seite.

    Das ist (wie üblich als hinkender Vergleich, aber zum Verständnis) vergleichbar zum Warngepiepse im Auto, dass jemand nicht angeschnallt ist, es wird aber technisch die Weiterfahrt Deines Vehikels nicht unterbunden, was man ja machen könnte.

  • Ähm... natürlich ist das umstellen eine Weiche in einer Fahrstraße möglich.

    Um nur einige Stichpunkte zu nennen: Weichehilfsauflösen und Weichehilfsumstellen.

    Diese Befehle sind sogenannte Hilfshandlungen. Ob die jetzt auch in allen Stellwerkstypen funktionieren, steht auf einem anderen Blatt.

  • Ähm... natürlich ist das umstellen eine Weiche in einer Fahrstraße möglich.

    Um nur einige Stichpunkte zu nennen: Weichehilfsauflösen und Weichehilfsumstellen.

    Diese Befehle sind sogenannte Hilfshandlungen. Ob die jetzt auch in allen Stellwerkstypen funktionieren, steht auf einem anderen Blatt.

    Bitte, wenn man keine Ahnung hat...


    Das Umstellen einer Weiche in einer Fahrstraße ist selbstverständlich nicht möglich. Das ist der Sinn einer Fahrstraße. Da nutzt auch das Drücken der WHT nix. Damit könnte man zwar eine besetzte Weiche umstellen, aber keine Weiche, die in einer Fahrstraße verschlossen ist. Natürlich könnte man auch die Fahrstraße oder Einzelelemente daraus hilfsauflösen. Aber dann ist es erstens keine Fahrstraße mehr (womit die obige Aussage "Weiche in der Fahrstraße umstellen" negiert wird) und zweitens wird vom Auflösen des Verschlusses noch lange keine Weiche umgestellt. Kurz: Der Text da oben ist ziemlicher Unfug.

  • Die Antwort findest Du dazu u. a. auf Seite 27. Die Gleisfreimeldung hat ordnungsgemäß funktioniert. Für die betroffene Weiche wurde jedoch keine Abhängigkeitsschaltung (die Weichenhebelsperre) nachgerüstet. Begründung steht auf der Seite.

    OK,- Verzicht auf die Weichenhebelsperre an dieser Stelle, da die Weiche vom Stellwerk einsehbar ist.
    Versäumnis des Fahrdienstleiters keine Sichtprüfung wegen Überlastung vorgenommen zu haben.
    Sehe ich es aber richtig, dass eine "Weichenhebelsperre" verhindert, trotz aufgelöster Fahrstraße die Weiche zu stellen, wenn sich noch ein Zug über ihr befindet?
    Das die Fahrstraße zu früh aufgelöst wurde ist eine andere Frage.
    Was löst denn eine Fahrstraße auf?

    Lasst endlich die Zweiachser wieder frei !

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  • Sehe ich es aber richtig, dass eine "Weichenhebelsperre" verhindert, trotz aufgelöster Fahrstraße die Weiche zu stellen, wenn sich noch ein Zug über ihr befindet?

    Wenn sich ein Fahrzeug auf ihr befindet, nicht notwendigerweise ein Zug.


    Was löst denn eine Fahrstraße auf?

    Im Alttechnikfall: Ein Kontakt in Form einer isolierten Schiene/E43-Gruppe und/oder Mitwirkung durch einen Mitarbeiter. Bei Einfahr- und Zwischensignalen meist über oder zumindest mit dem Mitarbeiter, da ein Gleiskontakt zwar das Freifahren der letzten Weiche feststellen kann, aber nicht das Anhalten des Zuges, was wiederum Grundvoraussetzung hinsichtlich Durchrutschweg ist.

    Ansonsten natürlich gemäß Regelwerk, konkret 408.0251, wobei die dort gegebenen Regeln natürlich mit den technischen Einrichtungen korrelieren (d. h. es wäre üblicherweise wenig zielführend, einen Auflösekontakt vor die Fahrstraßenzugschlussstelle zu legen).

  • Danke Holger, für die Erläuterung.

    Im Alttechnikfall: Ein Kontakt in Form einer isolierten Schiene/E43-Gruppe und/oder Mitwirkung durch einen Mitarbeiter.

    Das ist ja fast wie eine Rückmeldestrecke beim Märklin C-Gleis,- funzt aber nur mit AC Achsen, da diese nicht isoliert sind.

    Wenn sich ein Fahrzeug auf ihr befindet, nicht notwendigerweise ein Zug.

    Meinte ich doch. ;-)

    Lasst endlich die Zweiachser wieder frei !

  • Bitte, wenn man keine Ahnung hat...


    Das Umstellen einer Weiche in einer Fahrstraße ist selbstverständlich nicht möglich. Das ist der Sinn einer Fahrstraße. Da nutzt auch das Drücken der WHT nix. Damit könnte man zwar eine besetzte Weiche umstellen, aber keine Weiche, die in einer Fahrstraße verschlossen ist. Natürlich könnte man auch die Fahrstraße oder Einzelelemente daraus hilfsauflösen. Aber dann ist es erstens keine Fahrstraße mehr (womit die obige Aussage "Weiche in der Fahrstraße umstellen" negiert wird) und zweitens wird vom Auflösen des Verschlusses noch lange keine Weiche umgestellt. Kurz: Der Text da oben ist ziemlicher Unfug.

    Ähm... ich bin Fahrdienstleiter. Ich weis sehr wohl was geht und was nicht. Eine hilfsaufgelöste Weiche kamnst du hilfsumstellen in einer Fahrstraße in einem Spurplandrucktastenstellwerk. Die Fahrstraße (eigentlich heist es Zugstraße) löst sich in Teilen auf. Aber: Es kommt auf den Stellwerkstypen an.


    Den Unfug erzählst du.

  • Ähm... ich bin Fahrdienstleiter. Ich weis sehr wohl was geht und was nicht. Eine hilfsaufgelöste Weiche kamnst du hilfsumstellen in einer Fahrstraße in einem Spurplandrucktastenstellwerk. Die Fahrstraße (eigentlich heist es Zugstraße) löst sich in Teilen auf. Aber: Es kommt auf den Stellwerkstypen an.


    Den Unfug erzählst du.

    wenn du die Weiche hilfsaufgelöst hast, ist sie ja wohl nicht mehr in der Fahrstraße…

    Alle Räder stehen still, weil der Fdl das so will.

  • wenn du die Weiche hilfsaufgelöst hast, ist sie ja wohl nicht mehr in der Fahrstraße…

    Sie hat vorher in einer Fahrstraße gelegen. Der Rest der Fahrstraße bleibt ja bestehen. Mit dem Hilfsauflösen (WHA) löst du ja nur den Verschluss. Mit WHT stellst du die Weiche hilfs um.

    Also nehmen wir an die Fahrstraße geht von Signal A zu Signal B. Dazwischen liegt eine Weiche. Zug passiert Signal A mit Signal. Jetzt könntest du theoretisch die Weiche hilfsauflösen während der Zug auf Anfahrt ist. Das ist natürlich nicht zulässig, also ohne weiteres. Hilfsauflösen ist auch nicht gleich hilfsumstellen.

    Es kommt auch auf den Stellwerkstyp an. Aber ja: Im Prinzip hast du keine Fahrstraße mehr wenn du eine Weiche in einer Fahrstraße (Zugstraße) hilfsauflöst.

    Hier geht es doch nur um Wortglauberei.

  • Hier geht es doch nur um Wortglauberei.

    Wenn ich diverse Berichte Revue passieren lasse, trägt dieser lasche Umgang respektive die eigenmächtige Auslegung bestehender Regularien meiner Meinung nach maßgeblich zur Erhöhung von Unfallrisiken bei.

  • Sie hat vorher in einer Fahrstraße gelegen. Der Rest der Fahrstraße bleibt ja bestehen. Mit dem Hilfsauflösen (WHA) löst du ja nur den Verschluss. Mit WHT stellst du die Weiche hilfs um.

    Also nehmen wir an die Fahrstraße geht von Signal A zu Signal B. Dazwischen liegt eine Weiche. Zug passiert Signal A mit Signal. Jetzt könntest du theoretisch die Weiche hilfsauflösen während der Zug auf Anfahrt ist. Das ist natürlich nicht zulässig, also ohne weiteres. Hilfsauflösen ist auch nicht gleich hilfsumstellen.

    Es kommt auch auf den Stellwerkstyp an. Aber ja: Im Prinzip hast du keine Fahrstraße mehr wenn du eine Weiche in einer Fahrstraße (Zugstraße) hilfsauflöst.

    Hier geht es doch nur um Wortglauberei.

    Der Beitrag (und auch die davor, wenn ich ehrlich bin) lässt mich sehr stark an deiner angeblichen Qualifikation als Fdl zweifeln. In welcher Spurplan-Stellwerkstechnik gibt es denn eine "WHA"?

    Alle Räder stehen still, weil der Fdl das so will.