Erster Verkehrsbetrieb der Welt

  • Hallo zusammen,


    Wikipedia verweist heute auf den 360. Geburtstag des ersten öffentlichen Nahverkehrsmittels der Welt: Carrosses à cinq sols – Wikipedia


    Dabei kam mir die Frage, ob nicht im Römischen Reich bereits ähnliche Nahverkehrssystem existierten? Rom hatte schon in der Antike wesentlich mehr Einwohner als Paris um 1662 und daher gab es sicher schon Verkehrsbedürfnisse, Vermutlich sind die armen Leute gelaufen und die Reichen hatten schon Kutschen, Karren oder Sänften. Aber weiß jemand, ob es Informationen über ÖPNV in der Antike gibt?


    Grüße

    Alexander

  • Hier ein Artikel bei Wikipedia zu den Postkutschen: https://de.wikipedia.org/wiki/Postkutsche


    Danach gab es die auch schon im Römischen Reich, aber nur für Dienstreisen von Staatsbediensteten.


    Später gab es an dem Mittelalter Postkurse, hier eine Karte aus dem Jahr 1563: https://de.wikipedia.org/wiki/…/Datei:Postkurse_1563.jpg


    Der Wiki-Artilel nennt die erste englische Postkutsche ab 1610, 1623 den "Maurenbrecher" zwischen Düsseldorf und Wesel und ab 1668 zwischen Düsseldorf und Köln.


    Im Sinne heutiger Definitionen können diese Liniendienste als Frühformen des ÖPNV angesehen werden, Düsseldorf - Wesel ist VRR. Für Düsseldorf - Köln gibt es ein Ticket des VRR, für die Gegenrichtung des VRS. :D. Erst um 1850 - als bereits die Eisenbahn sich immer mehr verbreitete - erreichten die Postkutschen wenigstens dem Fahrrad vergleichbare Reisegeschwindigkeiten. Da waren dann 40 km eindeutig schon Fernverkehr.:)


    Die Verbindung mit den Fernbussen ist auch in der englischen Bezeichnung "coach" für die Kutsche erkennbar, die dann auch für Reisebusse übernommen wurde.


    Ein anderer Gedanke: Bereits in der Antike hat es verschiedeneste Fähren gegeben, für die dann ein "Obulus" zu entrichten war. Diese fuhren dann über Flüsse und Meerengen und sind damit mit Sicherheit beim ÖPNV einzuordnen. Die griechische Mythologie berichtet ja über den Grenzfluss des Totenreichs, den Styx: https://de.wikipedia.org/wiki/Styx. Für ihre letzte Reise wurde den Verstorbenen eine Münze in den Mund gelegt, damit sie den Fährmann Charon für die Überfahrt in den Hades bezahlen konnten. Ich könnte mir vorstellen, dass es auch bereits in den Hochkulturen vor der klassischen Antike ÖPNV in Form von Fähren gegeben hat, etwa im Ägypten der Pharaonen über den Nil und in den mesopotamischen Städten vor rund 6000 Jahren über Euphrat und Tigris.

  • Der Wissenschaftsverlag Springer (nicht zu verwechseln mit dem Herausgeber gewisser Pamphlete, die sich großspurig "Zeitung" nennen :P) berichtet über eine Art von Taxibetrieben im antiken Rom. Diese fallen ja nach dem PBefG auch unter den ÖPNV. :) Linienverkehr war aber nicht bekannt - Ausnahme die von mir vorher genannten Fähren.

  • Das mit den historischen Verkehrsbetrieben ist so eine Sache - Köln-Bonn oder Köln-Düsseldorf waren Reisen von drei Tagen. Wenn man da nur nach Strecke geht, sieht man das mit heutigen Augen als Nahverkehr, nach Reisezeit und vom Reisenden zu treffender Vorbereitung und Gepäck, war das eindeutig Fernverkehr.


    Nahverkehr wäre für mich eher innerorts in Paris, London oder Rom zu sehen - also Reisezeiten von bis zu zwei Stunden über Distanzen von vielleicht maximal 10 km, bei denen die Dienstleistung weniger im Zurücklegen der Strecke bestand, die man durchaus in er Zeit hätte laufen können, sondern in Bequemlichkeit und Entlastung der eigenen Füße. Und da war das Verkehrsmittel der Wahl in Rom die Sänfte, denn Wagen auf dem üblichen Pflaster...

    Einmal editiert, zuletzt von Xalinai2 ()

  • Köln - Bonn war früher ein Tagesmarsch (~30 km)

    [Köln - Düsseldorf kostet etwas Zusatzzeit wegen der Rheinquerung]

    Ich bin schon mal 18 km in 3 Stunden gelaufen.

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  • Für eine einzelne Person ohne Gepäck war das machbar. Aber auch dann musstest Du, wenn Du im anderen Ort etwas tun wolltest, drei Tage einplanen, zwei für den Weg hin und zurück und einen für die Aktivität - wenn es nur ein Gespräch war, vieleicht auch nur zwei Tage, aber eine Übernachtung war in jedem Fall erforderlich, bis man wieder zurück war. Mit Pferd war das schon anders, aber wer einen einfachen Wagen benutzte musste wieder mit 5 km/h rechnen.

    Das war also nichts, was man regelmäßig oder gar täglich machte.


    3-5 Stunden Reise-/ oder einfache Wegezeit ist für mich Fernvekehr.

  • das mittelalterliche deutsche Reisekönigtum hatte seine Pfalzen bevorzugt im Tagesreiseabstand ....

    das waren damals im Mittel dreißig Kilometer...

    Nahverkehr war vermutlich die Kerwe im nächsten Dorf, von der man abends noch heimtorkeln konnte :love:

    Grüße ins Forum :saint: