Frankfurt: In allen Bussen nun auch bargeldlose Zahlung

  • Danke für die Info, tunnelklick ! Allerdings sehe ich einen wichtigen Unterschied: Die flächendeckende Infrastruktur gibt es im ÖPNV und ist dem Bezahlsystem dort auch inhärent. Der hr müsste neue Orte schaffen, an denen man bezahlen kann, und dort Bargeld annehmen; der ÖPNV hat sowieso alle Stellen, an denen er Bezahlungen annehmen will; hier geht es nur noch um die Bargeldfunktion: ein deutlich kleinerer Aufwand als dem hr gedroht hätte.

    Übertragen auf den ÖPNV könnte man argumentieren, dass die Aufrechterhaltung der Infrastruktur für die Behandlung von Bargeld sehr teuer ist und die Vermeidung eines solchen Aufwandes im öffentlichen Interesse liegt.

  • Im Innsbrucker Stadtverkehr werden seit Corona einfach gar keine Fahrscheine mehr im Fahrzeug verkauft - und das soll zum Zwecke der Fahrplanstabilität auch so bleiben. Bisher war dort der Kauf schon deutlich teurer (auch eine Möglichkeit zur Lenkung!) und wurde daher eh kaum genutzt. Dafür gibt es an (fast) allen Haltestellen kleine Fahrscheinautomaten (von der Größe eines Parkscheinautomaten), die nur Münzgeld und sonst Karten annehmen. Allerdings gibt es dort auch Mehrfartenkarten/Vorverkaufskarten und Entwerter, was es im RMV ja nicht gibt - das erlaubt die Verfügbarkeit an nicht jeder Haltestelle.


    Ein kleiner Hinweis auf das tirolweit gültige Jahresticket um 500€ sei auch erlaubt - weil das sehr Viele haben, müssen eh sehr wenige Leute Einzelkarten kaufen.


    Was an diesen Automaten allerdings nicht geht, sind tirolweite Fahrkarten - es gibt nur Tickets für den Stadtverkehr, trotz der Verfügbarkeit durchgehender Fahrkarten (online oder an großen Automaten - nur an Bahnhöfen). Das ist ein großer Vorteil im RMV-System, dass man wirklich im Bus RMV-weit bis zum Fahrtziel durchlösen kann.

  • Die Infrastruktur für die Entgegennahme von Bargeld ist vorhanden, ja das stimmt, aber die Behandlung von Bargeld ist aufwändig und teuer: das Leeren der Automaten, der Abrechnungsaufwand der Busfahrer und VU, die Bereithaltung von Wechselgeld, das Sortieren und Einzahlen von Bargeld bei den Banken durch die VU oder Dienstleister, die dafür horrende Gebühren kassieren.Und besonders teuer ist die Behandlung von Münzgeld, das ja bei Kleinbeträgen wie für ein Einzelticket überwiegend gebraucht wird.


    Insofern ist im ÖPNV nicht die Wiedereinrichtung der Infrastruktur das Thema, sondern ihre Aufrechterhaltung.

  • Ich befürchte, wie reden aneinander vorbei. Der relevante Unterschied ist nicht in den Anfangskosten; gegen wir ruhig davon aus, dass der hr an 854 Stellen im Sendegebiet Bezahlstellen hat. Diese kann der hr komplett loswerden, inklusive Miete, Strom, und eben auch Transport des Geldes.


    Der ÖPNV kann aber die Automaten nicht loswerden, wenn er Bargeld verbietet, sondern nur einen kleineren Teil seiner Geldeintreibeaufwendungen.


    Das bedeutet, dass die Verhältnismäßigkeit eines Bargeldverbotes deutlich schwerer zu erreichen wäre. (Und mehr als diese Differenzierung will ich hier auch gar nicht machen.)

  • Er kann aber ... und darum ging es hier ja ... den Verkauf im Bus auf bargeldlos umstellen, weil das ein höherer Aufwand ist.


    Das Thema Automaten steht und fällt aber auch mit Wartung, Vandalismus und Beschaffung neuer ...

  • Er kann aber ... und darum ging es hier ja ... den Verkauf im Bus auf bargeldlos umstellen, weil das ein höherer Aufwand ist.

    Danke dass du das nochmal so schreibst, denn genau das ist falsch. „Höherer Aufwand“ alleine rechtfertigt eine Abschaffung explizit nicht. Der höhere Aufwand kann gegen die Einschränkung für Kund*innen abgewogen werden.


    Richtig wäre: „er kann aber den Verkauf im bis auf bargeldlos umstellen, wenn er nachweisen kann, dass seine Einsparungen so groß sind, dass sie die Einschränkungen rechtfertigen.“


    Edit: Möglicherweise meinst du mit „er kann“ „es kann sein, dass er es darf“ und nicht „er darf“. In dem Fall sind wir uns tatsächlich einig.

    Einmal editiert, zuletzt von baeuchle ()

  • Danke dass du das nochmal so schreibst, denn genau das ist falsch. „Höherer Aufwand“ alleine rechtfertigt eine Abschaffung explizit nicht. Der höhere Aufwand kann gegen die Einschränkung für Kund*innen abgewogen werden.


    Richtig wäre: „er kann aber den Verkauf im bis auf bargeldlos umstellen, wenn er nachweisen kann, dass seine Einsparungen so groß sind, dass sie die Einschränkungen rechtfertigen.“


    Edit: Möglicherweise meinst du mit „er kann“ „es kann sein, dass er es darf“ und nicht „er darf“. In dem Fall sind wir uns tatsächlich einig.

    Der Betreiber der Automaten könnte aber mit der durchaus realen Gefahr der "Überfälle" auf Automaten argumentieren, die ohne Bargeldannahme und damit Bargeldbestände in den Automaten entfällt. Der Ersatz der gesprengten automaten geht ja auch auf das Konto "Bargeldhandling".


    Hier in Köln hat die KVB daher mit der neuesten Automatengeneration die Annahme von Geldscheinen an den Automaten eingestellt - Du kannst also, egal was dein Ticket kostet, Bar nur noch mit Münzen zahlen. Allerdings gibt es hier ohnehin weniger Automaten im Außenbereich, da die Automaten in Bussen und Bahnen hängen.

  • Ja: dass die Möglichkeit besteht, zu argumentieren, dass Bargeld total voll gemein teuer ist, und diese Kosten rechtfertigen, darauf zu verzichten, bestreite ich ja nicht.


    Dass nun allerdings die ausschließliche Annahme von Münzen dazu führen soll, dass die Bezahlung für die KVB wirklich billiger wird, wage ich zu bezweifeln, eben weil die Behandlung von Münzen ja, wie tunnelklick ausgeführt hat, am teuersten ist. (Achtung bitte: ich sage nicht „kann ja gar nicht sein“.)

  • Ich denke, die Ersparnis geht da (KVB) eher über sekundäre Effekte. Tickets, angesichts der heutigen Preise, mit Münzen kaufen, ist recht unkomfortabel. Ab einem gewissen Bertag sogar als nicht mehr machbar ansehbar. (den dreistelligen Preis einer Monatskarte möchtest Du nicht in Münzen in den Automaten füttern, meist ist die maximale Münzzahl eh beschränkt, weil der Zwischenspeicher nur x Münzen halten kann...)

    Dementsprechend hofft man einfach drauf, daß die Kartenmuffel unter den Kunden dann halt schweren Herzens (mir nicht nachvollziehbar warum schweren Herzens, der einzige Grund für mich, nicht mit Karte zu bezahlen ist die Nichtakzeptanz von Kartenzahlung, ich war seit mehreren Jahren nicht mehr an einem Geldautomaten) doch die Karte zücken. Damit verringert sich einfach die Menge des Bargelds, das behandelt werden muß (ich vermute, daß Banken das prozentual vom eingezahlten Betrag berechnen), das Risiko von Automatenknackern verringert sich, weil es sich für diese Klientel einfach weniger lohnt (wer will schon einen Sack Kleingeld klauen*), und, da die Bargeldsummen in den Automaten kleiner sind, kann man auf seltenere Leerung umstellen und braucht dafür weniger Personal.

    Mich würde es nicht wundern, wenn, trotz der höheren Handlingkosten pro Geldeinheit für Münzgeld, die Sache durch die geringere Bargeldmenge unterm Strich selbst ohne die sekundären Effekte weniger kostet.

    *) wenn es um den Bereicherungsapekt geht. Jemand, für den das Kleingeld der Unterschied zwischen Mahlzeit und keiner Mahlzeit ist, sieht das vermutlich anders, knackt aber in der Regel auch keine Fahrkartenautomaten

    Dank Petra werde ich zum Kunstkenner. Je öfter ich das Gebrabbel höre, desto mehr verstehe ich van Gogh.

    2 Mal editiert, zuletzt von Colaholiker () aus folgendem Grund: Gesternchente Klarstellung hinzugefügt

  • der einzige Grund für mich, nicht mit Karte zu bezahlen ist die Nichtakzeptanz von Kartenzahlung,

    Naja, ein Grund in der Vergangenheit für mich war - zumindest wenn nur Visa (oder andere KK) akzeptiert wurde - im Nicht-Euro-Ausland, daß ich mir Bargeld (zumindest ein paar mal) kostenfrei am Automaten ziehen konnte, für Kartenzahlungen aber 1,5 oder 1,85% Auslandseinsatz drauflegen durfte. Also habe ich üblicherweise in England oder der Schweiz erst mal den Automaten geleert und dann recht konsequent in bar bezahlt.

  • Ich hatte das für mich mal durchgerechnet - und unterm Strich war mir das Risiko am Ende des Urlaubs mit zu viel auswärtigem Bargeld dazustehen dann die Ersparnis bei den Gebühren nicht Wert. Davon abgesehen tätige im im Ausland keine so großen Investitionen, daß sich das wirklich signifikant auswirken würde - das, was im Urlaub ins Geld geht wie Hotel, evtl. Mietwagen, Reisetickets, ... werden vorab von zu Hause gebucht und bezahlt. Bleibt allso letztlich nur noch das, was man so verfuttert.


    Aber wir schweifen ab und sollten das daher hier beenden. ;)

    Dank Petra werde ich zum Kunstkenner. Je öfter ich das Gebrabbel höre, desto mehr verstehe ich van Gogh.

  • Mögliche Kartenzahlung ist schön und praktische. Man sollte bedenken, dass diese aber nicht für alle Menschen immer möglich ist. Verschiedene Gründe:

    1. Karte abhanden gekommen oder eingezogen worden Stolperfalle ist z.B. der Wechsel der PIN und die dreimalige Falscheingabe der alten PIN.

    2. Es gibt Menschen, die erhalten von keiner Bank eine Karte, z. B. Obdachlose mangels geregeltem Geldeingang und Wohnsitz.

    3. Vor allem im Ausland werden die eigenen Karten nicht immer akzeptiert. Hatte das Problem vor einigen Jahren in Genf gemeinsam mit Freundin. Unserer beider Karten wurden von den Automaten nicht akzeptiert, unsere eingewechselten Franken-Scheine auch nicht. Also sind wir notgedrungen ohne Fahrschein gefahren. Wo sollten wir spät am Abend noch unsere Scheine wechseln? Das Problem dürften einige Ausländer bei uns auch haben.


    Man sollte den Fahrgast als Kunden behandeln und nicht als lästigen Bittsteller.

  • Allgemein: Mitfahrt nur mit einer Guthabenkarte? Gibt es in den Niederlanden schon lange, die entsprechende (landesweit gültige) Karte heißt "OV chipkaard" (eventuell falsch geschrieben, bei Interesse bitte selber nachsehen). Barzahlung im Verkehrsmittel gibt es nicht mehr, ist auch allgemein in den Beförderungsbedingungen so vorgegeben.

    Hinweis: Sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet, spiegeln meine Beiträge nur meine persönliche Meinung. Diese muß nicht zwangsläufig der meines Arbeitgebers, irgendwelcher Institutionen oder von sonstwem entsprechen, sie muß auch nicht unbedingt jedem gefallen, ich lasse sie mir aber auch nicht verbieten oder madig machen und werde mich im Normalfall auch nicht dafür, daß ich eben eine eigene Sicht der Dinge habe, entschuldigen.

  • 2. Es gibt Menschen, die erhalten von keiner Bank eine Karte, z. B. Obdachlose mangels geregeltem Geldeingang und Wohnsitz.

    3. Vor allem im Ausland werden die eigenen Karten nicht immer akzeptiert.

    Den ersten Punkt sehe ich zum Teil und bin ich auch bei Dir. Das kann in der Tat ein Problem sein. Stellt sich zwar die Frage, was passiert, wenn man die Geldbörse gestohlen bekommt und dann neben den Karten auch das Bargeld weg ist. Was PIN betrifft, gibt es gute PIN/Passwort Safes auf mobilen Endgeräten, mit denen kann man ein Vergessen vermeiden.


    Zum 2. Punkt - ein sog. Bürgerkonto bekommt jeder Bürger (auch Obdachlose). Das Problem einer Meldeadresse muss geklärt werden, aber dafür gibt es auch Lösungen. Die Sparkassen haben sich verpflichtet jeder Privatperson auf Wunsch ein solches Guthabenkonto einzurichten. Bestandteil ist auch eine Bankkarte. Da es wie geschrieben ein reines Guthabenkonto ist, spielen auch Schufa und Co. keine Rolle.


    Zum 3. Punkt - Maestro ist unser Freund ... die Sparkassen arbeiten mit Mastercard zusammen und haben i.d.R. Maestro in der Bankkarte inbegriffen. Nahezu weltweit lässt sich überall da, wo auch Mastercard akzeptiert wird, mit der Bankkarte zahlen. Ehrlich gesagt habe ich in meinen letzten Auslandsaufenthalten immer nur noch die Bankkarte genutzt und keine Kreditkarte gebraucht.


    Und ja, ich bin bei Euch - es sollte immer einen "Plan B(argeld)" geben. Aber im Alltag lässt sich noch viel vereinbaren. Und es gibt natürlich Hürden, wie Datenschutz und gläserner Kunde. Aber wer mit einem Smartphone und Payback/Deutschlandkarte etc. unterwegs ist, darf sich an dieser DIskussion nicht beteiligen ;)

  • Zu barnyk: Deshalb habe ich ja auch Karten und Bargeld getrennt.


    Maestro ist zwar unser Freund und nutze ich auch ausgiebig, vor allem außerhalb Deutschlands, da mich meine Bank jedes Mal mit den Gebühren von 1 großem Bier oder Schoppen außerhalb der Cash group abzockt, selbst wenn die jeweilige Bank selbst sehr bescheiden ist.


    Aber Maestro klappt nicht überall. Weder bei den Fahrkartenautomaten in Genf noch bei den Toiletten in Norwegen. Dort bezahlst Du alles mit Karte. Fahrkarten gehen - Toiletten eben nicht. Und da wir ja eine internationale Stadt sind, könnte es wohl die eine oder andere Karte geben, die auch nicht überall geht.

  • Ja, akzeptiere ich. Gibt aber auch gerade in diesen Ländern (daher lohnt sich ja auch ein Vergleich mit Skandinavien) relativ einfach Guthaben-KK zu bestellen. Ich denke mit etwas guten Willen kann man sich in jedem Land und auch aus jedem Land man sich bei uns zurecht finden. 99% der Gründe sind Komfort-Gründe und kommen eher selten vor. Der restiche 1% muss weiterhin eine Option haben, die darf aber auch mit etwas Aufwand verbunden sein.

  • relativ einfach Guthaben-KK zu bestellen.

    Ja, aber wieviele Karten soll ich mir dann für x Länder zulegen? Das ist irgendwie unausgegoren. Wenn ich quasi das Bargeld abschaffen möchte, muß ich auch eine allgemeingültige und überall akzeptierte Ersatzlösung schaffen. Und dabei reden wir noch nicht mal über verschiedene Währungen: Mir ist das noch nie passiert (auch nicht mit verschiedenen Karten[systemen]), aber es wird immer wieder - durchaus glaubhaft - berichtet, daß Leute Probleme mit ihren Karten in Frankreich hatten. Das kann's nicht sein. Und wenn Guthabenkarten dann am besten noch betreibergebunden sind, womit man dann noch nicht mal beim Nachbarbus bezahlen kann, na vielen Dank auch.


    Wozu braucht man noch die ganzen Sonderkarten? Was soll ich mit der OV-Chipkaart in den Niederlanden? Ich hab' ne Kreditkarte. Die könnte ich genausogut zum Ein- und Auschecken an den Kartenleser halten und darüber die Abrechnung laufen lassen. Geht in London ja seit einigen Jahren auch. Die Oystercard ist praktisch witzlos geworden (und ich hatte sie zuletzt nur noch wegen dem von mir oben angesprochenen KK-Auslandsgebührenproblem).

  • 1. Karte abhanden gekommen oder eingezogen worden Stolperfalle ist z.B. der Wechsel der PIN und die dreimalige Falscheingabe der alten PIN.

    2. Es gibt Menschen, die erhalten von keiner Bank eine Karte, z. B. Obdachlose mangels geregeltem Geldeingang und Wohnsitz.

    3. Vor allem im Ausland werden die eigenen Karten nicht immer akzeptiert. Hatte das Problem vor einigen Jahren in Genf gemeinsam mit Freundin.

    1. "Wechsel der PIN"? Den Punkt verstehe ich nicht ganz - ich habe bei meinerr primären Kreditkarte seit meiner ersten Karte aus dieser Serie die gleiche PIN. Die Kreditkarte zu meinem Bankkonto hat eine von mir festlegbare PIN. Aufgezwungene Wechsel dürfte es heute eigentlich nicht mehr geben.


    2. Dazu wurde schon etwas gesagt.


    3. Meine Master- und Visa-Karten wurden eigentlich, sofern Karten akzeptiert wurden, überall akzeptiert. Das einzige Problem, das ich mal hatte, war als ich mit meiner Freundin in Oslo T-Bane fahren wollte. Die Automaten dort konnten (zumindest nicht für uns verständlich) zwei Fahrkarten in einen Kaufvorgang bündeln, und nach dem Kauf der ersten Fahrkarte wurde die gleiche Kreditkarte, vermutlich aus Sicherheitsgründen, nicht wieder akzeptiert. Naja, nimmt man halt ne andere... zum Glück habe ich immer mindestens zwei dabei - meine Freundin (die unverständlicherweise auch noch jeden Monat viel Geld für ihr Konto bei der Sparkasse bezahlt) hat keine... ^^

    Dank Petra werde ich zum Kunstkenner. Je öfter ich das Gebrabbel höre, desto mehr verstehe ich van Gogh.