9-Euro Ticket

  • Anders herum heißt das, dass das Angebot im VRN selbst für nur 9€ im Monat so schlecht ist, dass 74% der Bevölkerung es nicht nutzen wollen.

    So krass würde ich das nicht sehen. Es gibt Gründe, warum der ÖPNV nicht genutzt werden kann, auch wenn das Angebot angemessen super wäre.


    Mich würde mal interessieren, wie viel Prozent das wären, die kein ÖPNV nutzen können, weil es gegenüber anderen Fortbewegungsmitteln einfach nicht zumutbar ist oder geht.

    Vollkommen Großartiges Forum

  • "Zumutbar" ist so ein vager Begriff. Ist "im ICE auf dem Fußboden sitzen" zumutbar? Ich würde es niemand anderem zumuten, tue es aber selbst und sehe es durchaus häufig, dass andere es auch tun 🤷‍♂️. Personen ohne Auto nehmen Fahrtzeiten hin, die ein Autobesitzer im Vergleich zu seinen Möglichkeiten unzumutbar finden wird. Ich finde, dass jemand, der sich ein SUV für 50'000€ kaufen kann, sich auch 2€ pro Liter Sprit leisten kann. Die FDP hält das für unzumutbar und bringt uns eine allgemeine Spritpreisbremse.

  • Im anderen Thread habe ich beschrieben, dass die Unzuverlässigkeit des ÖPNV ein großes Problem ist. Es geht nicht um 5 Minuten, sondern um ganze oder halbe Stunden, verpasste Anschlüsse und dauernden SEV, weil immer irgendwo gebaut wird, möglichst gleichzeitig von verschiedenen Verkehrsunternehmen an mehreren Stellen, sodass es auch mit den Alternativrouten mau ist. So viel besser als bei uns dürfte das im VRN auch nicht sein.

  • So krass würde ich das nicht sehen. Es gibt Gründe, warum der ÖPNV nicht genutzt werden kann, auch wenn das Angebot angemessen super wäre.


    Mich würde mal interessieren, wie viel Prozent das wären, die kein ÖPNV nutzen können, weil es gegenüber anderen Fortbewegungsmitteln einfach nicht zumutbar ist oder geht.

    Der VRN ist sehr stark durch ländliche Gebiete geprägt, Großstädte (>100k€) gibt es nur mit Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg, K-Town ist knapp an der Grenze. Entsprechend ist sehr viel des Angebots Busverkehr, mit ein wenig Schiene dazwischen.

    Zudem ist er durch die Form des Verbundgebietes (auch über Bundeslandgrenzen) mit vielen verschiedenen anschließenden Verbünden (RMV, VAB, Würzburg, Ansbach, HNV, KVV, Westpfalz, SaarVV, ... ) verbunden, so dass viele Nutzer durch Verbund-(und damit oft Linien-)grenzen wirklich zum Nahverkehrs-Abi gezwungen werden, selbst wenn die bishrigen Tarifgrenzen durch ein 9€/49€-Ticket entfallen.


    Und auch da wieder: Wer durch solche Missstände zum Autofahren bewegt (gezwungen?) wurde, ändert sein persönliches Mobilitätsverhalten frühestens, wenn der nächste Fahrzeugwechsel ansteht (außer die Kosten der Nutzung explodieren).

  • Ich finde, dass jemand, der sich ein SUV für 50'000€ kaufen kann, sich auch 2€ pro Liter Sprit leisten kann.

    Bei solchen scheinbaren Kausalketten denke ich an einen früheren Kollegen.
    Der hat nicht viel Geld verdient, hatte aber ein sehr teures Hobby. Er hatte einen Porsche. Im Prinzip hat er nur für dieses Auto, seien Traum, gearbeitet.


    Für ihn hat dieser Zusammenhang absolut nicht gegolten. Daher finde ich Interpretationen über Menschen, die man absolut nicht kennt, sehr interessant. Gewissermaßen anmaßend.


    Ich weiß zwar, was gemeint ist. Aber es bleibt trotzdem Schubladendenken.

  • Bei solchen scheinbaren Kausalketten denke ich an einen früheren Kollegen.
    Der hat nicht viel Geld verdient, hatte aber ein sehr teures Hobby. Er hatte einen Porsche. Im Prinzip hat er nur für dieses Auto, seien Traum, gearbeitet.


    Für ihn hat dieser Zusammenhang absolut nicht gegolten. Daher finde ich Interpretationen über Menschen, die man absolut nicht kennt, sehr interessant. Gewissermaßen anmaßend.


    Ich weiß zwar, was gemeint ist. Aber es bleibt trotzdem Schubladendenken.

    Hier reden wir aber über ein Hobby, also Luxus. Nicht über das, was für Mobilität mindestens notwendig ist. Das ist dann eine rein persönliche Entscheidung und für mich nur sehr begrenzt "mitleidsfähig".


    Davon abgesehen gibt es durchaus Schnittpunkte zwischen (persönlichem) Schubladendenken und (anonymer) Statistik ;)

  • Bei solchen scheinbaren Kausalketten denke ich an einen früheren Kollegen.
    Der hat nicht viel Geld verdient, hatte aber ein sehr teures Hobby. Er hatte einen Porsche. Im Prinzip hat er nur für dieses Auto, seien Traum, gearbeitet.


    Für ihn hat dieser Zusammenhang absolut nicht gegolten. Daher finde ich Interpretationen über Menschen, die man absolut nicht kennt, sehr interessant. Gewissermaßen anmaßend.


    Ich weiß zwar, was gemeint ist. Aber es bleibt trotzdem Schubladendenken.

    In diesem Fall denkst du zu wenig in Schubladen. Du verwechselst das Grundbedürfnis Mobilität mit dem Hobby ein geiles Auto zu fahren. Der Verkehrsminister ist dafür zuständig, die Mobilität der Menschen sicherzustellen, nicht dafür Hobbys zu subventionieren.


    Überhaupt hat man sich entschieden klimaschädliches Verhalten hauptsächlich durch CO2 Preise, z.B. auf Sprit, wirtschaftlich zu bestrafen. Das Kalkül dabei ist natürlich, dass derjenige der es sich nicht mehr leisten kann, sein Verhalten ändert. Das trifft nunmal deinen früheren Kollegen als einen der ersten. Das ist nicht wirklich sozial gerecht, stimmt. Die Alternative zu finanziellem Druck wäre wohl die böse böse Verbotspoltik

    Einmal editiert, zuletzt von heinz ()

  • Der VRN ist sehr stark durch ländliche Gebiete geprägt, Großstädte (>100k€) gibt es nur mit Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg, K-Town ist knapp an der Grenze. Entsprechend ist sehr viel des Angebots Busverkehr, mit ein wenig Schiene dazwischen.

    Schiene ist nicht alles im ÖPNV. Der VRN hat einen verdichteten Kernraum, der über die Großstädte deutlich hinausgeht und das Umland mit (vergleichsweise) gut getakteten Buslinien an S-Bahn und Straßenbahn anbindet sowie auch Bus-Direktverbindungen in die Großstädte mindestens für Pendler bietet. Dieser verdichtete Kernraum umfasst etwa zwei Drittel der Bevölkerung des VRN.


    Wenn man sich die Busnetze in diesen Randbereichen anschaut sind diese auf demselben "Niveau" wie in den Großstädten selbst.


    Außerhalb dieses Kernraums - und einiger weniger Mittelzentren im ländlichen Raum - ist der ÖPNV über Schulbusverbindungen und Kernstrecken erfassenden Schienenverkehr hinaus allerdings praktisch nicht existent. Da ist man auf dem Level Daseinsvorsorge, und im VRN heißt das "ab 300 Einwohnern ein Halt mit mindestens 3 Bussen pro Tag" - inklusive der Schulbusse.

    Es gibt da durchaus in den Außenbereichen des S-Bahn-Netzes schon Halte mit reiner P+R-Funktion im Nirgendwo, von denen man ohne Auto auch schlicht gar nicht weg kommt.

  • In diesem Fall denkst du zu wenig in Schubladen. Du verwechselst das Grundbedürfnis Mobilität mit dem Hobby ein geiles Auto zu fahren.

    Ich verwechsle gar nichts. Leute die mich kennen, würden sagen, dass ich sehr gut im Schubladisieren bin.


    Ich habe mich lediglich auf eine ganz konkrete Aussage bezogen.

    Es wurden Menschen einfach nach einem ganz simplen Attribut sortiert. Daraus wurde direkt auf die Vermögenssituation geschlossen.


    So wie diese Methode berechtigter Weise in anderen Bereichen falsch ist, ist sie auch hier falsch. Auch wenn es hier um einen guten Zweck geht. Falsch bleibt falsch.

    Einmal editiert, zuletzt von Umlaufnummer ()

  • Ich verwechsle gar nichts.

    Mmh. Macht einen anderen Anschein. Du verwechselst in meiner Wahrnehmung die Aussage „jemand, der sich ein SUV für 50'000€ kaufen kann, [kann] sich auch 2€ pro Liter Sprit leisten“ mit einer „anmaßenden“ und „absolut nicht“ zutreffenden Einschätzung über Menschen wie deinen Kollegen, die nach dem Kauf eines sehr teuren Dings leider kein Geld übrig haben, dieses Ding zu betreiben. Du kritisierst eine „Sortierung“ von Menschen nach dem „ganz simplen Attribut“ „kann sich einen Porsche kaufen“ (ehrlich gesagt ging es um SUVs, aber was soll's) in die Kategorie „kann sich teuren Sprit leisten“ und vermischst das dann mit der Vermögenssituation. Das ist die nächste Verwechslung: wenn du Eigentümer*in eines Porsche bist, hast du damit ein recht großes Vermögen. Selbst dein Kollege kann sich 2 € pro Liter Sprit leisten, und das ziemlich lange, wenn er seinen Porsche verkauft und ein billigeres Auto käuft. Will er nicht? Ok. Ich will auch nicht mehr Geld bezahlen für die Dinge, die ich kaufe. Ich will dafür auch nicht andere Vermögenswerte aufgeben. Das war nicht die Frage.


    Und davon abgesehen verwechseln du, JeLuF , MdE , heinz und nun auch ich diesen Thread mit einem über Hobby-Porsche-Besitzer, genauso wie andere diese Diskussion mit einer über die Strukturen im VRN verwechseln.

  • Genau das meinte ich als Grund dafür, warum der Anteil der regelmäßigen ÖPNV-Nutzer im Gebiet der VRN auch mit 9€-Ticket sehr übersichtlich blieb. Für Menschen, die ihr Leben nicht nach dem ÖPNV planen (können/müssen), gibt es dort effektiv kein Nahverkehrsangebot.

    Drei Busse pro Tag, inklusive Schulbusse, heißt in anderen Worten "Kauf Dir ein Auto, sobald Du selber fahren darfst und es irgendwie bezahlen kannst!"

    Einmal editiert, zuletzt von Xalinai2 ()