Streiks Tarifrunde 2023 [ursprünglich: Warnstreik am 17.02.2023]

  • Wenn Du einen Arbeitsvertrag unterschreibst entstehen Dir daraus Pflichten, genauso wie dem Arbeitgeber. Kommst Du z.B. Deiner Pflicht, bestimmte Aufgaben zu erledigen nicht nach, also verweigerst Du die Arbeit oder erledigst sie nicht in der gewünschten Form oder Qualität (Achtung: Schlechtleistung), hat das für Dich arbeitsrechtliche Kosequenzen.

    Streiken ist also verboten?

    "Er" will es aber Jetzt. Selbst wenn er das durchdrückt bedeutet dies, noch mehr Überstunden für die momentanen Mitarbeiter.

    OK,- ist mehr Kohle auf dem Konto, aber nicht die an mehr gewünschte Freizeit, die der gestresste Tf benötigt.

    Wenn ich jetzt mit einem 35 Stunden Angebot den job annehme, aber dann doch Überstunden kloppen muss, fühle ich mich doch verarscht und suche mir schleunigst wieder einen anderen Job.

    Ist halt ein Henne - Ei Problem. ;-)
    Erst muss doch die Personaldecke vorhanden sein, dass man sich eine 35 Stunden Woche leisten kann, die nicht auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen wird indem Überstunden angesetzt werden.

    Da muss ich dir recht geben. Eindeutig ist die notwendige Personallage nicht einmal für eine 38-Stunden-Woche vorhanden. Allerdings wird sich dieser Umstand in absehbarer Zeit nicht verändern, da es an politischem Wille dazu fehlt. Nur durch das proaktive Ansprechen einer 35-Stunden-Woche kann diese überhaupt (wenn auch tatsächlich nicht sofort) umgesetzt werden. Dazu gehört auch die Einstellung von mehr Personal, welche durch das Angebot einer (nicht sofortigen, aber baldigen) 35-Stunden-Woche vereinfacht würde (darauf einigten sich ja bereits einige Forenmitglieder).

  • 11% - cool, ich habe nur 5,5% bekommen und das war schon "viel" im Vergleich zu anderen Branchen

    Bitte mal die Gehaltssteigerungen addieren, als die Inflation bei 1-2 % dümpelte und das jetzt wieder abziehen.


    Ehrlicherweise ist das jetzt keine Argumentationskette.

    Meine aktuelle Gehaltserhöhung liegt bei 9,8%. Die beiden davor liegenden Steigerungen waren bei 1,irgendetwas.
    Aber was bringen solche Aussagen.

    Das ist hier einfach Humbug.

  • Ach herrjeh - jetzt brüste ich mich, aber wenn ich weniger verdient hätte, hätte ich ja wechseln können. Leute, bitte. Vielleicht sollten wir uns wieder auf die Themen konzentrieren und nicht auf die Umstände einzelner Personen. Ich führe keine Neid-Diskussionen - noch eine Stellvertreter-Betroffenheit.


    Meine Aussage ist und bleibt: Ein Streik zu dieser Zeit mit einer solch utopischen Forderung hat nichts mit Arbeitskampf zu tun. Das ist schlicht nicht sozial, weil es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht notwendig gewesen wäre zu streiken. Wir waren nach der ersten Verhandlungsrunde und nicht nach einem Abbruch nach x Runden.


    Zitat

    was bringt mehr Lohn, wenn man aber keine Zeit für Freunde und Familie hat

    Und jeder, der schon mal Schichtarbeit gemacht hat, versteht was ich meine

    Das ist ein valides Argument.Aber es besteht ja m.W. bei der Bahn die Möglichkeit auch Teilzeit zu arbeiten. Wem es also darum geht, hat jetzt schon die Option.

  • Aber es besteht ja m.W. bei der Bahn die Möglichkeit auch Teilzeit zu arbeiten. Wem es also darum geht, hat jetzt schon die Option.

    Schön, dass du mit deinem Gehalt auch in Teilzeit eine ganze Familie ernähren könntest (für nur die du u. U. überhaupt in Teilzeit arbeiten musst/kannst).


    Ich führe keine Neid-Diskussionen - noch eine Stellvertreter-Betroffenheit.

    Man kann auch "abwärts" neidisch sein. Siehe die Debatten über Mindestlohn, Bürgergeld, Flüchtlinge... je größer der Abstand, desto mehr wird da auch gerne geneidet oder gar aufgestachelt (Wink mit dem Zaunpfahl an die angeblichen Christen in der Politik). Ende OT.

  • Die Reduzierung der Stunden ist einfach eine weltfremde Forderung. Im Büro oder einer Produktion ist eine 4-Tage-Woche eventuell umsetzbar, weil durch die längere Arbeitszeit an den 4 Tagen Rüstzeiten wegfallen und so die Produktivität nicht sinkt. Aber das geht bei den Tf, FDL etc. nicht, weil die max. Schichtzeiten aktuell schon erreicht werden.

    Bei allen Berufen, die eine Abdeckung bestimmter Zeiten erfordern, fehlt es inzwischen aber massiv an Personal. Seien es Kellner, Arzthelfer, Lokführer etc. . Es gibt auf dem Arbeitsmarkt aber auch keine freien Kräfte, die man anwerben könnte. Jede Reduzierung der Arbeitszeit führt somit zwangsweise nur zu einer noch größeren Lücke in der Personaldecke.

    Das man Arbeitnehmer aus "weniger wichtigen" Bereichen motivieren könnte zu wechseln, halte ich für ausgeschlossen. Wirklich "überflüssig" sind doch höchstens Influencer und Co. Jeder andere Job trägt auch seinen Teil zum Funktionieren der Gesellschaft bei. Und jemand, der einen wirklich überflüssigen Job hat, zum Umschulen auf Tf (Kellner, Arzthelfer, Müllmann etc.) zu bewegen schafft man nicht durch ne 35h Woche. Ich wage zu behaupten, selbst mit einer 100% Lohnsteigerung würde kaum einer wechseln.

    Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuwerben, ist auch ein heißes Eisen. (Persönliche Meinung: Wir kommen aktuell wohl kaum drum herum. Aber die Gastarbeiterwellen der 1950er/1960er haben auch Probleme geschaffen, an denen wir bis heute leiden. Stichwort mangelnde Integration)

    Also ja, man muss diese Jobs attraktiver machen, aber gleichzeitig auch anerkennen, dass es nicht mehr Arbeitskräfte gibt.

  • Das ist ein valides Argument.Aber es besteht ja m.W. bei der Bahn die Möglichkeit auch Teilzeit zu arbeiten. Wem es also darum geht, hat jetzt schon die Option.

    Und wenn du jetzt unbedingt darauf bestehst, kannst du bestimmt auch auf deinen gesamten Lohn verzichten.

  • Es tut mir leid, wenn ihr das nicht verstehen wollt. Es geht nicht um mich - ich gönne gerne.


    Es geht um die Art und Weise. Ich stelle Maximal-Forderungen auf und gehe wegen Maximalforderungen der Gegenseite in den Streik. What the hell?

    Und was 35 Stunden-Woche angeht: ich will nicht mehr so viel arbeiten, aber alle anderen sollen das mitfinanzieren. Auch hier ... was für eine Erwartungshaltung ist das bitte?

  • Die Reduzierung der Stunden ist einfach eine weltfremde Forderung. Im Büro oder einer Produktion ist eine 4-Tage-Woche eventuell umsetzbar, weil durch die längere Arbeitszeit an den 4 Tagen Rüstzeiten wegfallen und so die Produktivität nicht sinkt. Aber das geht bei den Tf, FDL etc. nicht, weil die max. Schichtzeiten aktuell schon erreicht werden.

    Falsch, funktioniert schon. Es können Schichtpläne umgestaltet werden, mehr freie Schichten oder Tage. Klar ist dann aber auch, dass u. U. persönliche Nachteile entstehen können ( was durch Überstunden aber auch passiert).

  • Eine 35 Stunden Woche gilt seit 1995 u.a, in der Metallindustrie...(durch die IGM druchgesetzt)

    ...ist also nix neues was die GdL da jetzt ausgeräbt.

    Stahlwerke/Hochöfen laufen auch im 24 Stunden Betrieb. (nur halt mit festen Wechselzeiten)


    Anm: Die 35 Stunden Woche zahlt jeder der sich ein PKW neu kauft :D :D :D

    In god (an invention by mankind) we trust - on earth we don't


    Sincerly yours, NSA
    powered by US government

  • Wenn ich mir hier die letzten zwei Seiten durchlese, kriege ich folgenden Eindruck: es ist moralisch verwerflich, zu streiken, wenn im gleichen Unternehmen andere Menschen Fehler bei der Arbeit machen, die sich auf Kund*innen auswirken. Es ist moralisch verwerflich, hohe Lohnsteigerungen zu fordern, wenn andere Abschlüsse in der näheren Vergangenheit nicht hoch waren und noch nicht mal einen Inflationsausgleich bedeutet haben. Bessere Arbeitsbedingungen für Lokführer*innen sollten vermieden werden, weil dann niemand mehr Klos putzt, insbesondere, wenn diese verbesserten Bedingungen zu geringerer Standardarbeitszeit führt. Zuwanderung bringt als Problem mit sich, dass Integration misslingt (hier stimme ich sogar ehrlich zu: wir Kartoffeln sind zu blöd, unseren kollektiven Rassismus so weit im Griff zu haben, um Integration gut zu gestalten). Weselsky entscheidet alleine, ob die GDL streikt oder nicht.


    Hab ich was vergessen?

  • baeuchle, ich sehe hier nur zwei Diskutanten, an denen sich alle anderen herrlich abarbeiten, die einen Streik als verwerflich im vorliegenden Fall ansehen,
    insbesondere, was die monitären Forderungen anbelangt.
    Bei der Forderung nach der 35 Stundenwoche sehen dies mehrere kritisch,- wegen des zur Zeit angespannten Arbeitsmarktes.

    Lasst endlich die Zweiachser wieder frei !

  • ich will nicht mehr so viel arbeiten, aber alle anderen sollen das mitfinanzieren.

    Also, ehm, ja, genau, dafür gibt es sog. Steuern die man für gewöhnlich zahlt. Damit finanziert man dann so unwichtige und unnötige Dinge wie Eisenbahn, die man am Ende sowieso nie brauchen wird. Und vor allem diese egoistischen immer zu spät kommenden Lokführer von der scheiß GDL, die dann auch noch trotz ihrer ständigen Verspätung streiken, damit die mehr Zeit mit ihrer scheiß Familie verbringen können, keinen Burn-out erleiden und nicht auf der Straße leben.

  • Zitat

    Hab ich was vergessen?

    Ja, da Zusammenfassung ist so nicht richtig. Streik ist zulässig - aber alles hat seine Zeit. Ich kritisiere den Streik zu diesem Zeitpunkt und die Arroganz, mit der agiert wird. Unerfüllbare (aus diversen schon mehrfach und nicht nur von mir beschriebenen Gründen) Forderungen aufstellen und vor einer weiteren Verhandlung gleich streiken ist für mich ein absoluten No-Go. Es zeigt, dass an einer Verhandlung gar kein Interesse war.


    Zitat

    Also, ehm, ja, genau, dafür gibt es sog. Steuern die man für gewöhnlich zahlt. Damit finanziert man dann so unwichtige und unnötige Dinge wie Eisenbahn, die man am Ende sowieso nie brauchen wird. Und vor allem diese egoistischen immer zu spät kommenden Lokführer von der scheiß GDL, die dann auch noch trotz ihrer ständigen Verspätung streiken, damit die mehr Zeit mit ihrer scheiß Familie verbringen können, keinen Burn-out erleiden und nicht auf der Straße leben.

    Ich werte das mal als Versuch witzig sein zu wollen. Denn das habe ich mit keinem Wort so gesagt. Das "Schlimme" ist aber nur, da steckt schon ein kausaler Zusammenhang drin. Ich kann aber Deine Humorebene auch weiterführen: "Ich freue mich, wenn ich wegen Burn-Out auf der Straße lebe, dass es wenigstens den Lokführern gut geht und sie deshalb keinen mehr erleiden müssen." Aber nein, das ist nicht meine Denke und noch mal. Ich kritisiere nicht die Lokführer, die mehr Geld haben wollen. Ich kritisiere einzig und alleine diese maximal Forderung und das Gebahren der GDL nur auf Basis von beidseitig veröffentlichten Forderungen einen Streik mit solchen Auswirkungen durchzuführen.


    "Früher" bestand ein Kompromis aus maximalen Forderungen auf beiden Seiten und gegenseitiges aufeinander Zugehen, wenn dann eine Verhandlungsrunde angesetzt war und man dort rauskam ohne dass sich die andere Seite bewegt hätte, obwohl sie es sicherlich gekommt hätte, dann ist Streik angemessen. Aber am Tag der Verhandlungsrunde gleich vorneweg zu streiken um mal seine Markierung in den Schnee zu pinkeln, das gehört nicht in eine Gesellschaft. Denkt mal bitte einfach weiter, wo wir landen, wenn wir dieses Gebahren als Standard in unserer Gesellschaft hätten.

  • Ja, da Zusammenfassung ist so nicht richtig. Streik ist zulässig - aber alles hat seine Zeit. Ich kritisiere den Streik zu diesem Zeitpunkt und die Arroganz, mit der agiert wird. Unerfüllbare (aus diversen schon mehrfach und nicht nur von mir beschriebenen Gründen) Forderungen aufstellen und vor einer weiteren Verhandlung gleich streiken ist für mich ein absoluten No-Go. Es zeigt, dass an einer Verhandlung gar kein Interesse war.

    Fair point. Ich habe in der Tat nur einen Teil zusammengefasst. Leider überdecken, wie so oft, schlechte Argumente die guten.


    Ich persönlich stehe den Forderungen der Gewerkschaft durchaus wohlwollend gegenüber, wundere mich aber darüber, dass an diesem Stand der Verhandlungen ein Streik ausgerufen wurde. Nun hat sich die DB in den letzten Jahren selten ohne Streik signifikant bewegt, sodass die interne Abwägung in der Gewerkschaftsspitze sicherlich an einer anderen Stelle begonnen hat, als sie das in einem komplett harmonischen Umfeld getan hätte. Wie immer: die Welt ist komplex.

  • Ich kritisiere einzig und alleine diese maximal Forderung und das Gebahren der GDL nur auf Basis von beidseitig veröffentlichten Forderungen einen Streik mit solchen Auswirkungen durchzuführen.

    Lokführer ungleich GDL? Ja, sicherlich nicht exakt. Aber die GDL ist m.W. mehrheitlich unter den Lokführern der DB AG. Und das sicherlich nicht ohne Grund, was du nicht außer Acht lassen solltest.

    Denkt mal bitte einfach weiter, wo wir landen, wenn wir dieses Gebahren als Standard in unserer Gesellschaft hätten.

    Mach dir keine Sorgen, du, da sind wir schon längst angelangt. Allerdings lassen sich die Gründe definitiv nicht auf bessere Arbeitsbedingungen fordernde Arbeiter ausgrenzen, vielmehr auf eine die Arbeiter ignorierende politische und wirtschaftliche Entscheidungsebene. So sind wir uns doch alle im Klaren darüber, dass die GDL und EVG nach erfolgreichen Verhandlungen mit der Bahn dennoch nicht sonderlich viele Maßnahmen umzusetzten schaffen. Nun stellt sich mir - und gleichermaßen der GDL - die Frage, wie damit umzugehen ist, ob ein Streik dadurch nicht umumgehbar ist. Das hat die GDL nun erkannt und reagiert.