Fahrtausfälle wegen un-/unterbesetzer Stellwerke

  • Es soll auch noch positive Nachrichten geben. Wie im Lok-Report vemeldet, soll ab 07.07. das Stellwerk in Aschaffenburg wieder voll besetzt werden und RB 58 / RE 59 dann auf kompletter Strecke bis Aschaffenburg bzw Laufach verkehren, ebenfalls auf der Maintalbahn die REs wieder komplett zwischen Aschaffenburg und Miltenberg planmäßig verkehren. Auch in Hanau soll es auf absehbare Zeit wieder Normalbetrieb geben.


    Quelle: https://www.lok-report.de/news…ab-juli-stabilisiert.html

  • Heute fährt die S5 von 12 Uhr bis 20 Uhr nur im 30-Minuten Takt.

    Zitat

    Die Bahnen fahren jeweils im 30-Minuten-Takt. Grund dafür ist die Unterbesetzung eines Stellwerks in Frankfurt.

    Quelle


    Außerdem gilt:

    Quelle:

  • Mal eine Frage so am Rande, ich fahre schon seit über 60 Jahre Bahn wie wurde das früher gehändelt. Ich kann mich nicht daran erinnern das vor 10-20 Jahren Züge wegen unbesetzter Stellwerke ausgefallen sind. Gab es damals vielleicht Springer die man auf verschiedenen Stellwerken einsetzen konnte?

    Oder war auf den Stellwerken wesentlich mehr Personal vorhanden?

    8)

  • Springer glaube ich nicht - auch wenn die Bedienung von Stellwerken des gleichen Typs natürlich vergleichbar ist, Sind die jeweiligen Betriebsstellen es nicht. Ich will nicht ausschließen, daß es Mitarbeiter gibt/gab, die für mehr als ein Stellwerk qualifiziert sind oder waren - aber allgemein dürfte das eher an der damals dickeren Personaldecke gelegen haben.

    Tja, jetzt machste dir extra die Arbeit, das hier unten zu lesen - und dann steht da nichts sinnvolles. Pech gehabt.

  • Vor 10 Jahren waren wir alle noch uninfiziert von einem Virus, dass unser Immunsystem nachhaltig geschädigt hat. Und nun lernen wir halt, „mit dem Virus zu leben“, wie die Politik dann ja gerne wollte.


    Und man sollte auch nicht vergessen, dass der Riesenschreck über das un(ter)besetzte Stellwerk Mainz in 2013 war. Nun ist das Problem der dünnen Personaldecken allenthalben eben explodiert.

  • Heute am frühen Nachmittag wurde bereits ICE-Verkehr über Darmstadt Nord umgeleitet. Dies führte zu einem Aufenthalt meiner in Darmstadt Hbf. pünktlich abgefahrenen S6 vor Darmstadt-Arheilgen und zu einer genervten Durchsage seitens des Tf. Der ICE war schon im Anrollen, als die S6 zum Halten kam. Aber die sich daran anschließende signaltechnisch notwendige Schleichfahrt brachte dann bis Arheilgen dann doch 5 Minuten Verspätung...


    Vor 10 Jahren waren wir alle noch uninfiziert von einem Virus, dass unser Immunsystem nachhaltig geschädigt hat. Und nun lernen wir halt, „mit dem Virus zu leben“, wie die Politik dann ja gerne wollte.

    ...

    Was hat denn der unstreitig vorhandene Fachkräftemangel mit einem Erkältungsvirus zu tun? Wir finden bei uns für einfache "9-17 Uhr, MO-FR Stellen" keine Nachwuchskräfte mehr. Und das bezieht sich schon auf das Bewerbungsverfahren. Es geht eine zu geringe Zahl von Bewerbungen ein - und einige der Bewerbungen sind schon von der Form her von grausiger Qualität.

    Einmal editiert, zuletzt von olieisenbahn () aus folgendem Grund: Rechtschreibung

  • Was hat denn der unstreitig vorhandene Fachkräftemangel mit einem Erkältungsvirus zu tun? Wir finden bei uns für einfache "9-17 Uhr, MO-FR Stellen" keine Nachwuchskräfte mehr. Und das bezieht sich schon auf das Bewerbungsverfahren. Es geht eine zu geringe Zahl von Bewerbungen ein - und einige der Bewerbungen sind schon von der Form her von grausiger Qualität.

    Die Frage habe ich mir auch gestellt.
    Ich sehe es bei mir bei der Arbeit. Es ist MO-FR, in unserer Abteilung Gleitzeit ohne Kernzeit von früh am Morgen bis spät am Abend. Trotzdem finden wir für freie Stellen keine Kandidaten,

    "Wie, 40 Stunden pro Woche? Mehr als 35 will ich nicht."
    "Euer Gehalt ist ein Witz" (okay, das ist es in der Tat)
    "Kein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld? Ernsthaft?"

    Die Leute, die vor Auftreten dieses Virus da waren, sind es bis heute und fallen nicht öfter oder seltener aus als vorher. Aber freie Stellen aufgrund von Kollegen, die sich umorientiert haben und deshalb gegangen sind, bleiben halt vakant.

    Tja, jetzt machste dir extra die Arbeit, das hier unten zu lesen - und dann steht da nichts sinnvolles. Pech gehabt.

  • Irgendwie kommt einem das bekannt vor. Bei uns sind binnen weniger Monate mehrere Leute gegangen, weil sie anderer Meinung als die Vorgesetzte waren. Dann findet man monatelang kein Personal. Jetzt haben wir gleich 3 neue Leute bekommen, aber mehr oder minder Quereinsteiger. Bis die eine Hilfe sind, wirds dauern.

    Die jüngere Generation hat leider oft andere Dinge im Kopf, als sich 40 Stunden (+ Überstunden) zu geben. Da ist man doch lieber Beeinflusser (ich schreibe das bewusst in unserer eigentlichen Sprache), und muss nur ein paar Bilder von sich am Tag hochladen ..... Das sind doch dann eigentlich Selbstständige. Ob die aber auch an später denken, wenn mal die Beeinflusser-Karriere vorbei ist (mit 60 wird das vermutlich keiner mehr machen). Aber ohne Ausbildung usw wirds schwer.

    Einmal editiert, zuletzt von Hajü ()

  • Wir haben aktuell eine Situation mit selbstverschuldet dünner Personaldecke (zu wenig Nachwuchskräfte aufgebaut in den 00er und 10er Jahren) und deutlich höherem Krankheitsstand als früher, der dann die dünne Decke an vielen Stellen reißen lässt.


    Dass wir natürlich auch eine riesige Umverteilung von unten nach oben haben und Produktivitätssteigerungen seit 50 Jahren fast nur den Gutverdienenden zu Gute kommen, kommt noch hinzu.


    Oder die Jugend von heute ist einfach viel fauler als früher. Also so, wie es schon seit 2500 Jahren von jeder älteren Generation der jüngeren vorgeworfen wurde. Vielleicht stimmts diesmal und ein eigenes Hinterfragen ist nicht nötig.


    PS: ich rede immer noch vom Eisenbahnbetrieb.

    Einmal editiert, zuletzt von baeuchle ()

  • Es fahren schon seit Tagen ICE Arheilgen - Kranichstein.

    Im Kinzigtal sind Baurbeiten und der Fernverkehr wird umgeleitet: Frankfurt - Arheilgen -

    Kranichstein - Aschaffenburg - Gemünden - Burgsinn - Fulda.


    Das ist somit nicht krankheitsbedingte Umleiter.

    In god (an invention by mankind) we trust - on earth we don't


    Sincerly yours, NSA
    powered by US government

  • Es fahren schon seit Tagen ICE Arheilgen - Kranichstein.

    Im Kinzigtal sind Baurbeiten und der Fernverkehr wird umgeleitet: Frankfurt - Arheilgen -

    Kranichstein - Aschaffenburg - Gemünden - Burgsinn - Fulda.


    Das ist somit nicht krankheitsbedingte Umleiter.

    Eigentlich sollten die Bauarbeiten im Kinzigtal seit 02.05. früh beendet sein, aber scheinbar gibt es noch kurzfristige Sperrungen während den Nächten. Aktuell mehrere ICEs FFM - Fulda via Aschaffenburg mit Halt.

  • RB40/41 (ver)enden seit dem Morgen in Ffm-West, auch RB37 wohl betroffen. Laut RMV "Verzögerungen im Betriebsablauf" und "Dauer unbekannt". Deutet auf zusätzliche Unterbesetzung Stellwerk FF hin auch außerhalb der Zeit abends mit ohnehin bereits reduziertem Fahrplan. REs30 und 98/99 dadurch noch voller und verspäteter als sonst, da sich die Türen nicht schließen lassen.

    Einmal editiert, zuletzt von Bernemer ()

  • Vor 10 Jahren waren wir alle noch uninfiziert von einem Virus, dass unser Immunsystem nachhaltig geschädigt hat. Und nun lernen wir halt, „mit dem Virus zu leben“, wie die Politik dann ja gerne wollte.


    Und man sollte auch nicht vergessen, dass der Riesenschreck über das un(ter)besetzte Stellwerk Mainz in 2013 war. Nun ist das Problem der dünnen Personaldecken allenthalben eben explodiert.

    Nunja, Corona mag sicher einen kleinen Teil beigetragen haben, aber ist nicht das Hauptproblem (der Beitrag liest sich für mich so).


    Ein paar weitere Aspekte: Die Zusammensetzung der Belegschaft hat sich gewandelt. Nicht nur, dass weniger nachrückten als aus Altersgründen ausschieden, auch Grundhaltung und Arbeitsmoral haben sich gewandelt. Einerseits Zeitgeist, andererseits Generationensache. Ich meine das erstmal so neutral wie möglich: Die Menschen heute möchten arbeiten und Leistung erbringen, aber eben nicht mehr um jeden Preis (Burnout oder Rücken mit Mitte 40). Familie ist wichtiger geworden, da können Berufe im Schichtdienst einfach nicht entgegenkommen. Aus Berichten im Bekanntenkreis aus erster Hand weiß ich aber auch, dass Egoismus häufiger beobachtet wird.


    Technisch gesehen kann die Zentralisierung der Stellbereiche natürlich dazu führen, dass bei Personalausfall gleich ein größerer Bereich lahm liegt als früher. Wobei hier interessant wäre, ob im Notfall, soweit "Springer" verfügbar sind, diese dann bevorzugt auf wichtigen, größeren Stellwerken eingesetzt werden, und tendenziell kleinere Bereiche leiden müssen :/

  • Nunja, Corona mag sicher einen kleinen Teil beigetragen haben, aber ist nicht das Hauptproblem (der Beitrag liest sich für mich so).

    War auch durchaus so gemeint. Ich schrieb nicht: die meisten Menschen, die akut krank sind, haben grade eine Corona-Infektion. Ich meine aber: die vergangenen Corona-Infektionen sorgen dafür, dass andere Krankheiten heftiger zuschlagen.

    Die Menschen heute möchten arbeiten und Leistung erbringen, aber eben nicht mehr um jeden Preis (Burnout oder Rücken mit Mitte 40). Familie ist wichtiger geworden

    Da stimme ich voll zu; geht mir persönlich ja auch so. Allerdings war es vor 40 Jahren ohne weiters möglich, als alleinverdienender Arbeiter ein Reihenhaus und Kinder zu finanzieren, was der zweiten Person im Haushalt (who am I kidding: der Mutter) erlaubt hat, Zeit für die Familie aufzubringen. Das setzt natürlich ein bestimmtes Rollen- und Familienbild voraus und wer nicht reinpasst: Pech gehabt!; es setzt auch voraus, dass nur etwa 50% der Arbeitskraft der Bevölkerung wirklich gut der Wirtschaft zur Verfügung steht. Nun könnte man natürlich darüber nachdenken, ob diese 50%, oder sagen wir ruhig 75%, nicht einfach auf 100% der arbeitsfähigen Bevölkerung verteilt werden könnte, und dann wären wir bei total ideologischen Träumereien von 30-Stunden-Wochen. Im Gegensatz zu dem total unideoligischen Festklammern an 40-Stunden-Wochen.

    Egoismus [wird] häufiger beobachtet

    Sicherlich ist auch das nicht verkehrt. Wer sich in den letzten Jahren gegen Egoismus wendete, war „Maskenfanatiker“, „Klimaterroristin“ oder ähnliches, wer sich in den letzten Jahren für Egoismus einsetzte, war „besorgter Bürger“ oder „vielgeschundener Bauer“ oder „wir dürfen nicht kritisieren, sonst stilisieren die sich am Ende als Opfer“-Ausnutzer. Auch hier sehe ich die Entwicklung eher auf gesellschaftlicher Ebene entgleist als auf individueller.


    So nun zur Eisenbahn:

    Technisch gesehen kann die Zentralisierung der Stellbereiche natürlich dazu führen, dass bei Personalausfall gleich ein größerer Bereich lahm liegt als früher. Wobei hier interessant wäre, ob im Notfall, soweit "Springer" verfügbar sind, diese dann bevorzugt auf wichtigen, größeren Stellwerken eingesetzt werden, und tendenziell kleinere Bereiche leiden müssen :/

    So wie ich das mitkriege, wird Verkehr dann vor allem ausgedünnt, sodass weniger Verkehr an den großen Knoten abzuwickeln ist und der Stellbereich, den vorher drei Menschen verantwortet haben, halt von zweien geleitet werden kann. Da würde ich aber die kenntnisreicheren Menschen als mich hier im Forum um Bestätigung oder Korrektur bitten.

  • Bin der Meinung eine nachhaltige Lösung liegt in der konsequenten Automatisierung der Stellwerkssteuerung – insbesondere durch den flächendeckenden Ausbau sogenannter digitaler Stellwerke (DSTW).


    Mit digitaler Technik lassen sich Stellwerke nicht nur zentralisieren und effizienter betreiben, sondern auch stärker automatisieren. Vieles, was heute noch manuell vom Fahrdienstleiter ausgeführt wird, kann in Zukunft softwaregestützt oder teilautonom erfolgen – z. B. Fahrstraßeneinstellungen, Weichenüberwachung oder Zugmeldungen.


    Das Problem ist aber: Die aktuellen Eisenbahnvorschriften (z. B. Fahrdienstvorschrift, Signalbuch, Ril 408 usw.) setzen noch stark auf menschliches Eingreifen und kontrollierende Tätigkeiten. Wenn man echte Automatisierung will, muss sich hier dringend etwas tun. Vorschriften müssen modernisiert und an digitale Prozesse angepasst werden. Denkbar wäre etwa, dass gewisse Zugfahrten unter automatisierter Überwachung ganz ohne klassische Fahrdienstleiter-Freigaben abgewickelt werden können – natürlich mit entsprechenden Sicherheitsprüfungen im System.


    In Ländern wie der Schweiz oder Norwegen geht das bereits in die richtige Richtung. Deutschland hinkt hier leider hinterher, weil viele Vorgaben schlicht nicht mit moderner Technik kompatibel sind.


    Der Personalmangel ist akut, aber statt nur immer neue Leute zu suchen, sollte man endlich mutig in Automatisierung investieren und gleichzeitig das Regelwerk entrümpeln, das diese Zukunft heute noch blockiert.

  • Bin der Meinung eine nachhaltige Lösung liegt in der konsequenten Automatisierung der Stellwerkssteuerung – insbesondere durch den flächendeckenden Ausbau sogenannter digitaler Stellwerke (DSTW).

    Du verstehst nicht den Unterschied zwischen Digitalen und Elektronischen Stellwerken und weißt scheinbar nicht, was alles bereits in ESTW automatisiert ist – mit der derzeit gültigen Ril 408.

  • Bin der Meinung eine nachhaltige Lösung liegt in der konsequenten Automatisierung der Stellwerkssteuerung – insbesondere durch den flächendeckenden Ausbau sogenannter digitaler Stellwerke (DSTW).

    Und was ist Deiner Meinung nach der Unterschied zu einem ESTW?


    Irgendwie klingt das danach, als plapperst Du nur einen Werbesprech nach, ohne zu wissen, was ein DSTW ist.