Schlechteste Betriebssituation in ganz Deutschland

  • Ob jetzt 99% nur auf Preis gehen, kann ich nicht beurteilen.

    Der Preis alleine ist aber nicht entscheidend, sondern die Frage, wie es zu diesem Preis gekommen ist.

    Nur als ganz simples Beispiel. Ich mache eine Ausschreibung "Fahre mir 100 km im Stundentakt. Der günstigste Anbieter gewinnt." oder eine Ausschreibung ""Fahre mir 100 km im Stundentakt. Außerdem musst Du an jeder Endstation immer zwei Reserveparks vorhalten. Der günstigste Anbieter gewinnt.". In beiden Fällen läuft die Ausschreibung ausschließlich über den Preis. Trotzdem kannst Du Dir an Deinen zehn Fingern ausrechnen, welche der beiden Ausschreibungen eine bessere Betriebsqualität zur Folge hat.


    Deswegen ist es totaler Humbug, sich nur auf den Preis zu fokussieren, sondern man muss auch schauen, ob es andere Ausschreibungskriterien gibt und ob diese gesondert bewertet werden oder einfach nur in der Endsumme auftauchen. Plus Nebenangebote, also sowas wie "ich fahre Dir das Angebot für 1000 Euro" und "ich fahre Dir für 1000 Euro und jeder Fahrgast bekommt noch einen Keks beim Einsteigen." Das sind jetzt nur sehr simple, plakative Beispiele, aber es sollte klar sein, was gemeint ist. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass Hajü nicht von jeder Ausschreibung die genauen Bedingungen und Angebote verglichen hat, sondern allenfalls (wenn überhaupt) "die letzte Zeile" gelesen hat und meint, daraus irgendeinen allgemeingültigen Schluss ziehen zu können.

  • Ja - und auch wieder nein. Vergeben werden muss nach veröffentlichten Kriterien. D.h. wenn der Ausschreibende möchte, dass der Keks in die Bewertung einbezogen wird, dann muss er eine Vergabe nach x% Preis und 100-x% Service gehen und sich über ein Punktesystem (das vorher den Bietern veröffentlicht wird) das mit angeben. Also er kann dann 20% nach Verteilen von Keksen mit angeben, dann kann es berücksichtigt werden. Ansonsten darf es das nicht und ist rechtlich angreifbar. Und ja - es gibt auch die Option einen Anbieter als ungeeignet auszusortieren.

  • Vergeben werden muss nach veröffentlichten Kriterien.

    Du kannst aber Nebenangebote, wie den Keks zulassen (oder auch nicht). Das setzt üblicherweise aber voraus, dass der Bieter auch ein Angebot zu den geforderten Hauptkonditionen abgibt.


    Trotzdem ist der wesentliche Punkt, dass zwar der Preis das Hauptzuschlagskriterium ist, wie sich der Preis zusammensetzt, aber von Ausschreibung zu Ausschreibung unterscheiden kann (eben weil beispielsweise der eine Aufgabenträger Fahrzeugreserven mit in die Ausschreibung reinnimmt, der andere nicht).

  • JFTR: Mal zurück zum Thema "schlechte Betriebssituation" und weil's gelegentlich heißt, "habe ich von woanders noch nie gehört": Ich bin gerade ein wenig am Urlaub planen und dachte mir so, man könnte mal wieder in Nottingham (ja, ist nicht Deutschland) mit der Straßenbahn fahren, weil ich die südlichen Erweiterungen noch nicht kenne. Naja, jedenfalls hat man dort aufgrund von Unfällen wohl ein massives Fahrzeugproblem und aktuell seien nur 26 von 37 Bahnen in Betrieb. Daher hat man die Takte im Prinzip um jeweils eine Stufe ausgedünnt, d. h. auf beiden Linien von 7 auf 10 oder von 10 auf 15 Minuten, je nach Tageszeit. Also so ein wenig à la Stabilisierungsfahrplan auf der U4. Aber letztlich, egal, wo man hinkommt, es ist überall ähnlich, was Personal- oder Fahrzeugverfügbarkeit angeht.

  • Ich fühle mit den tapferen Einwohnern von Nottingham, sowie allen anderen deutschen Städten mit öffentlichem Personennahverkehr außerhalb des RMV.


    Da mich die Situation dort aber meist nur einige Urlaubstage lang tangiert, interessiere ich mich nicht besonders dafür. Der Titel dieses Threads sollte vielmehr "Schlechteste Betriebssituation aller Zeiten" heißen, denn die aktuelle Situation hier lässt sich wesentlich leichter mit der der vergangenen Jahre vergleichen, als mit der speziellen Situation in Stadt XY - und meiner Meinung nach war es nie schlechter in Frankfurt. Ich bin mit 11 Jahren das erste Mal mit der S-Bahn zur Schule gefahren und war Zeit meines Lebens ein glühender Verfechter des ÖPNV in Frankfurt. Heute ist meine Enttäuschung vor allem in Verachtung umgeschlagen: Verachtung einem Anbieter gegenüber, der es seit Jahren nicht hinbekommt sich wirklich ehrlich zu machen. Der anstelle alles zu tun, um seinen Kunden endlich ein zuverlässiges Informationssystem anzubieten, lieber die "größte Wasserstofflotte Europas" anschafft - die sich dann in der Praxis als Rohrkrepierer erweist. Der es nicht schafft unzuverlässige Anbieter wie die VIAS an die Kandarre zu nehmen. Der fataler Weise den Eindruck erweckt, sich mit der Mangelverwaltung arrangiert zu haben. Und der vor allem das Vertrauen seiner Kunden, die wertvollste Ressource, die ein ÖPNV-Anbieter haben kann, so nachhaltig erschüttert hat, dass es Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern wird, bis dieses Vertrauen wieder hergestellt sein wird. Konsequenzen für die vielen Debakel? Kaum welche.


    Muss ich für diese Diagnose die genauen Ausschreibungsbestimmungen des RMV kennen? Nein, denn völlig egal, welchen Kriterien bei der Vergabe der Rheingaustrecke angelegt wurden, sie sind untauglich, wie jeder Kunde, der den Versuch unternimmt, an einem beliebigen WE nach Rüdesheim zu fahren, bestätigen kann.

    Muss ich die genauen Zielerreichungsgrade auf allen Strecken dafür kennen? Nein, denn es reicht, dass ich als Kunde nach unzähligen Ausfällen, Fehlinformationen und Verspätungen mittlerweile kein Vertrauen mehr in den RMV habe.


    "Aber es ist doch überall schlecht und die Situation ist überall schwierig!" Ja, es gibt sicher vergleichbare Schwierigkeiten in anderen Nahverkehrssystemen. Aber was sind denn die Lösungsansätze des RMV dazu? Das ist schließlich die absolute Kernaufgabe des RMV.
    Die Presse ist voll mit Artikeln, die die Qualität des Angebots verbessern wollen:

    10.01.2019 Bahn und RMV wollen Qualität verbessern

    11.04.2019 So wollen Bahn und RMV den Nahverkehr drastisch verbessern

    04.10.2024 RMV gelobt Besserung bei Fahrgastinformationen usw.

    Alles schöne Ankündigungen, die Realität sieht leider anders aus.

  • Ia mich die Situation dort aber meist nur einige Urlaubstage lang tangiert, interessiere ich mich nicht besonders dafür.

    Mag sein. Aber das gilt für die Menschen in Nottingham, Halberstadt, Köln, Mannheim, ... ganz genauso. Schau Dir mal an, was bei DSO so die Kölner User von sich gegeben haben. In deren Augen ist Köln der schlechteste Verkehrsbetrieb Deutschlands. Und spätestens da beißt sich die Katze in den Schwanz:


    Wenn der Kölner behauptet, in Köln wäre der schlechteste Nahverkehr Deutschlands,

    wenn der Darmstädter behauptet, in Darmstadt wäre der schlechteste Nahverkehr Deutschlands,

    wenn der Frankfurter behauptet, in Frankfurt wäre der schlechteste Nahverkehr Deutschlands,

    ... dann ist klar, dass zwei von drei (oder sieben von acht etc.) lügen, denn es kann immer nur einen "schlechtesten" geben.


    Also brauchen wir einen objektiven (!) Vergleich, um festzustellen, wer denn nun wirklich der schlechteste, unfreundlichste, unflexibelste etc. Verkehrsbetrieb ist. Und objektiv ist garantiert nicht "ich fahre nur in Frankfurt und die anderen Städte interessieren mich nicht und deswegen muss Frankfurt der schlechteste Betrieb sein". Den gleichen Spruch drückt nämlich der Kölner auch ab. Also mußt Du so fair sein und entweder sagen "weil ich nicht weiß, wie's in anderen Städten zugeht, kann ich zwar feststellen, dass es in Frankfurt grad nicht toll läuft, aber ich kann nicht feststellen, ob Frankfurt wirklich am schlechtesten läuft" oder Du mußt Dir die Mühe machen und herausfinden, wie es in anderen Betrieben läuft und erst dann ein Ranking erstellen, wer wirklich der schlechteste Betrieb ist. Aber einfach ein paar selbstgewählte Beispiele herbeizaubern und daraus schließen zu wollen, dass diese ein Beleg für die Unfähigkeit des Verkehrsbetriebs xyz ist, ist eben einfach nur eine persönliche Meinung, aber keine sachliche Feststellung und daher keine gute Diskussionsgrundlage. Womit wir auch wieder beim Thema "Belege" sind. Wenn ich entsprechend sachlich feststellen will, dass Betrieb x der schlechteste ist, muss ich die anderen Betriebe abgecheckt und irgendwie nachweisbar eingeordnet haben. So etwas ist die Grundlage für jedweden Diskurs (ich will nicht sagen, wissenschaftliches Arbeiten, aber zumindest gehört das zu einer ordentlichen Äußerung). Alles andere ist nur Meinungsmache (und wo die hinführt, kann man in Trumpistan oder bei der Alternative für ... sehen).


    Der fataler Weise den Eindruck erweckt, sich mit der Mangelverwaltung arrangiert zu haben.

    Auch diesen Spruch kannst Du so beliebig bei DSO für nahezu jeden Verkehrsverbund lesen. Natürlich von jedem User immer nur in der Kenntnis seines heimischen Verbunds und entsprechend ist dann wahlweise nur der VRR oder der MVV oder der VRN der blödeste Verbund in ganz Deutschland, der nichts tun will und das Unternehmen xyz nicht hochkant hinauswirft. Aber es ist das gleiche Thema wie oben: Wenn jeder behauptet, sein Verbund sei der unfähigste, müssen wohl einige dieser User lügen. Wenn man sich aber die Mühe macht, über den Tellerrand zu schauen, kann man feststellen, dass anderswo genauso mit zu kaltem Wasser gekocht wird. Beim einen Verbund halt mit 80 Grad, beim anderen mit 82 und beim dritten mit 81.


    Und ja, nochmal, es geht nicht darum, die Schlechtleistungen im RMV, VRN, ... schönzureden. Sondern darum, dass erstens eine Behauptung im Raum steht, die möglicherweise gar nicht zutrifft und zweitens, wenn man so eine Behauptung trifft, zumindest eine Vorstellung davon haben sollte, wie es anderswo auf der Welt zugeht. Und drittens dass "interessiert mich doch nicht, weil meine Bahn um 9.28 Uhr nicht fährt, ist der VRX ein Idiotenverein (Fußaufstampf!)" zwar eine persönliche Meinungsäußerung ist, aber eben auch nicht mehr. Und das ist leider keine gute Voraussetzung dafür, wenn man nachhaltig etwas ändern möchte. Das geht nur mit konstruktiver Kritik und dafür ist es sinnvoll zu wissen, was andere in der gleichen Situation vielleicht besser oder schlechter machen.

  • Hier ein etwas älterer bundesweiter Vergleich (19/21440) ["nur S-Bahn"]

    bundesweiter S-Bahn-Vergleich


    Deutlich wird aus der Zusammenstellung, dass naturgemäß aus verschiedenen Gründen die Vergleiche hinken müssen [z.B. isoliertes Netz/Mischbetrieb, Ausdehnung, Vertaktung, Nachfrage, Baustellen usw.]


    z.B. Rhein/Main

    "Einige Linien der S-Bahn Rhein-Main sind Langläuferlinien mit hohem Mischverkehrsanteil. Die S 8 und S 9 verkehren über den Knoten Frankfurt-Stadion (größter Zugfolgetreiber) und wurden insbesondere im dritten und vierten Quartal 2019 zusätzlich an der Baustelle der neuen Station Gateway Gardens beeinträchtigt."


    Aktuell laufen ja gerade im Knoten Frankfurt zahlreiche Baustellen (und im wichtigen Knoten Frankfurt-Stadion sogar gleich 2 [RTW, 2. Baustufe Stadion und es kommt noch eine 3. Baustufe] sowie an manchen Tagen noch Auswirkungen kleinerer Nachlaufarbeiten der Riedbahn (was völlig normal ist). Und wenn eine Mischverkehrstrecke noch die natürliche Umleiterstrecke für eine andere ist...usw.

  • Zitat

    Mag sein. Aber ...

    Zitat

    Und ja, nochmal, es geht nicht darum, die Schlechtleistungen im RMV, VRN, ... schönzureden. Sondern darum, dass erstens eine Behauptung im Raum steht, die möglicherweise gar nicht zutrifft und zweitens, wenn man so eine Behauptung trifft, zumindest eine Vorstellung davon haben sollte, wie es anderswo auf der Welt zugeht.Naja, aber Deine Argumente wirken alle so, als ob Du damit die vorliegenden Schlechtleistungen schönreden möchtest. Woran wollen wir uns orientieren? An dem besseren oder an dem schlechterem? Also was sollen diese ewigen Diskussionen, ob jetzt A oder B oder C am schlechtesten ist. Wir sind uns doch so ziemlich einig, dass der aktuelle Zustand schlecht ist und das seit Jahren und auch keine Besserung spürbar ist. Wie kann man / wie können wir versuchen uns für eine Verbesserung einsetzen?

  • Also was sollen diese ewigen Diskussionen, ob jetzt A oder B oder C am schlechtesten ist.

    Das mußt Du diejenigen hier im Forum fragen, die ständig mit "das ist der schlechteste Verkehrsbetrieb" ankommen, es aber überhaupt nicht wissen, ob nicht andere Betriebe noch schlechter sind. Ich würde nichts sagen, wenn die Leute halbwegs objektiv ihr Problem beschreiben, aber auf unzutreffende Superlative verzichteten. Diese "weil am Samstag um 21:59 Uhr Bratwürste ausverkauft sind, ist der RÖWE die schlechteste Supermarktkette in Deutschland"-Vergleiche finde ich persönlich extremst ärgerlich für einen konstruktiven Umgang mit der Thematik. Man könnte nämlich rausfinden, dass bei den meisten Supermarktketten kurz vor Feierabend bestimmte Frischfleischsorten ausverkauft sind. Man kann's aber auch lassen, in seiner Blase und bleiben und sich dann wundern, dass es Leute gibt, die auch in anderen Supermärkten einkaufen und davon berichten, dass man dort gelegentlich ebenfalls keine Bratwurst mehr kurz vor Schluss bekommt. Wenn man hingegen nun vergleicht und rausfindet, dass es bei ÖDEKA immer Bratwurst gibt, bei Kaffeschlecht morgens nicht vor 11 und bei RÖWE nicht nach 21 Uhr, dann könnte man systematisch mal die Lieferketten hinterfragen.


    Wir sind uns doch so ziemlich einig, dass der aktuelle Zustand schlecht ist und das seit Jahren und auch keine Besserung spürbar ist. Wie kann man / wie können wir versuchen uns für eine Verbesserung einsetzen?

    Ob keine Besserung spürbar ist, ist für einen Außenstehenden nur schwer nachvollziehbar. Oder auch die Behauptung, der Verbund xyz oder der Betrieb abc würde nichts tun, Es könnte durchaus sein, dass sie eine Menge tun und es damit zumindest hinbekommen haben, den Status Quo zu erhalten. Mit "Nichtstun" wäre die Situation vielleicht noch schlechter. Ich halte beispielsweise jeden neu gewonnenen Mitarbeiter (egal ob beim Verbund, beim Betrieb, als Fahrpersonal, als Fahrdienstleiter) der durch die Prüfung kommt, für eine Besserung, insbesondere im Hinblick auf den Fachkräftemangel (und das, was da so manchmal auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung steht. Sicher ist das teilweise eine Frage der Bezahlung, aber auch mit mehr Geld werden einige nicht intelligenter. Muss man leider so sagen. Oder diejenigen, die ganz plötzlich feststellen, dass man im Verkehrssektor auch nachts und am Wochenende arbeiten darf und dann keine Lust mehr auf den Job hat. Da nutzt auch mehr Geld nichts).


    Und außerdem kann man die "Besserungen" u. a. daran spüren, dass nach und nach die meisten Verkehrsbetriebe von ihren Stabilisierungsfahrplänen doch wieder Richtung Vollbetrieb gehen. Um in der Region zu bleiben und ein Beispiel zu nehmen: Die VGF hat doch angekündigt, ab Mitte August auf der U4/5 zum Regelfahrplan zurückzukehren. Ist sowas keine "Besserung", ist die nicht "spürbar"?

  • Naja, Dein Bratwurst-Beispiel hinkt etwas, da es im Lebensmittelmarkt genügend Alternativen gäbe. Wenn man es auf diese Branche anpassen würde, dann wäre es so, dass man um 19 Uhr einkaufen gehen will - an der Tür steht eine Öffnungszeit bis 21 Uhr und die Türen sind zu und das Licht aus, weil nicht genügend Personal vorhanden wäre. Oder die Regale leer sind, weil die Logistik nicht funktioniert. Oder anders herum - die Bratwurst auf den ÖPNV angewendet, wäre für mich soetwas wie das Vorhandensein einer Fahrkartenkontrolle. Aber wie gesagt - frische und verderbliche Lebensmittel sind noch mal etwas anderes.


    Zitat

    Die VGF hat doch angekündigt, ab Mitte August auf der U4/5 zum Regelfahrplan zurückzukehren. Ist sowas keine "Besserung", ist die nicht "spürbar"

    Es ist zunächst mal eine Ankündigung. Ob die wirklich kommt, werden wir im August sehen. Und erst recht Ende August, wenn die Ferien wieder rum sind und wieder mehr Leistung gefahren werden muss. Aber bist Du wirklich damit zufrieden, dass eine von vielen Verschlechterungen wieder ausgebügelt wird? Besser als nichts, aber um Deine Wahl der Waffen aufzunehmen: was hilft die U4 den Fahrgästen auf den weiterhin eingeschränkten Linien und/oder Stellwerken. Geschweige denn, dass es ja eigentlich aufgrund immer steigender Bewohner und Pendler im Rhein-Main Gebiet eigentlich eine Steigerung der Leistungen bedarf.

  • Aber bist Du wirklich damit zufrieden, dass eine von vielen Verschlechterungen wieder ausgebügelt wird?

    Verdreh mir nicht die Worte im Mund. Du hast selbst gesagt, dass keine Besserung spürbar sei. Jetzt habe ich Dir ein konkretes Gegenbeispiel genannt, bei dem es eine Verbesserung gibt. Ich habe also lediglich Deine Behauptung es sei keine Besserung spürbar, durch Vorlage eines Beweises als falsch entlarvt. Damit ist nicht verbunden eine Wertung, ob diese Besserung nicht noch viel stärker ausfallen könnte. Außerdem war der Grundtenor hier, dass "die" (beliebiger Betrieb) erst mal wieder das fahren sollen, was planmäßig vorgesehen ist. Extrawünsche kann man danach immer haben. Das ist aber nicht Bestandteil dieses Themas und daher lediglich ein Ablenkungsmanöver von Dir.

    Und zum Thema "nur Ankündigung": Ich hätte Dir auch aus einer anderen Stadt die Rückkehr zum Regelfahrplan nennen können, wo das schon durchgeführt wurde, also keine reine Ankündigung ist, aber ich wollte bei diesem Beispiel vor Ort bleiben.

  • Ich drehe die Worte nicht um, ich hinterfrage, was Du eigentlich genau möchtest. Wenn ich von spürbar rede, dann ist das eine subjektive Wahrnehmung. Die kannst Du nicht mit einem EInzelbeispiel unter Beibehaltung der Grundproblematik als "unwahr" abstempeln. Spürbar aus meiner Warte wäre es, wenn wir nur noch von Ausnahmen bei der Nichtlieferung reden würden, anstatt von der Regel.


    Aber ich will nicht undankbar wirken, ich freue mich über jede Verbesserung. Aber der Weg ist noch weit.

  • Wenn ich von spürbar rede, dann ist das eine subjektive Wahrnehmung.

    Damit enziehst Du Dich jeglicher faktenbasierter Diskussion, weil "spürbar" dann beliebig dehnbar ist. Definiere daher bitte, wieviel Prozent "mehr" für Dich "spürbar" ist. Ansonsten ist es witzlos, weil selbst wenn das Angebot verdoppelt wird, spüre ich es erst weil es subjektiv mindestens 201% braucht... So kann ich dann jede Meldung ganz nach Belieben aussortieren und dem Gegenüber unterstellen, er würde nur irrelevante Daten bringen.

  • Als jemand, der schon bei vielen Betrieben auf Seminar war, dortige Leitstellen, Dienstpläne und Personalstand gesehen hat, kann ich sagen das in Frankfurt die Situation besonders angespannt ist um es mal diplomatisch zu sagen.


    Größere Städte mit Eigenbetrieben wie Köln, Hamburg, Berlin, München und Nürnberg sind fähiger kurzfristige Ausfälle an Fahrzeugen und Personal abzufangen.


    Es liegt vorallem daran:

    • Höhere Fahrzeugreserven (gerade beim Bus): Hier in Frankfurt helfen sich ICB, DB und Transdev kurzfristig nicht aus. Z.B. mit Bereitschaften.

    • Mehr Bereitschaften. D.h. man quetscht nicht alles was an Personal da ist auf Kurse sondern plant anders.

    • Kombifahrpersonal: Bus- und Bahnfahrer. Dadurch ist das Personal flexibeler einsetzbar, auch kurzfristig.


    Klar kommt es auch dort zu kurzfristigen Ausfällen.


    Transdev hat auch genug Personal und Fahrzeuge um kurzfristig gut reagieren zu können.


    Es kommt sehr auf die Organisation des jeweiligen Betriebes an.


    Gerade bei der VGF und TraffIQ lässt man vieles schleifen. Durch immer mehr Stellen in der Verwaltung (oft wird Fahrpersonal dafür rekrutiert) gibt es offene Stellen im Fahrdienst die schwer nachzubesetzen sind. Und die, die gewechselt haben, haben keine Pflicht einzuspringen wenn es mal knapp wird mit dem Personal auf den Bahnen.


    Lange Rede kurzer Sinn: Das A und O für eine gute Betriebsführung ist Flexibilität. Das klappt bei HHA, BVG, VAG, MVG, KVB ziemlich gut bzw besser als hier, wie man sieht.


    Warum gerade in Frankfurt DB, VGF und ICB solche Probleme haben kann man nur mutmaßen. Gerade im Busbereich ist diese "kleinstaaterei" und die Konkurrenz zwischen den einzelnen Anbietern kontraproduktiv für einen besseren Betriebsablauf. Hier sollte ein anderer Ansatz durch TraffIQ verfolgt werden (z.B. eine Verpflichtung sich gegenseitig auszuhelfen).

  • Mag sein. Aber das gilt für die Menschen in Nottingham, Halberstadt, Köln, Mannheim, ... ganz genauso.

    (Ich glaube, ich hab mich nicht richtig ausgedrückt, bzw. du hast mich falsch verstanden. Lies: "Ich habe so gut wie keine Ahnung von den Verhältnissen in anderen Städten/Ländern, kann dazu nichts Sinnvolles beitragen und finde das auch für die Situation in Frankfurt egal - wenn's anderswo besser läuft, macht's das in F nicht besser, wenn's anderswo schlechter läuft, hab ich hier in F auch nichts davon).

    Ist die Rückkehr zum Regelfahrplan der U4/5 wirklich eine Verbesserung oder nicht eher eine Rücknahme der Verschlechterung, die überhaupt erst durch den sogenannten "Stabilisierungsfahrplan" eingeführt wurden? Das ist ein sehr niedriges Stöckchen, über das du dein Wohlwollen dem RMV gegenüber springen lässt... Aber, ja, wenn das kommt (sollte ja schon mal Ende Sommerferien 2024 soweit sein laut Ankündigung des RMV - ist damals nicht passiert), dann verbessert sich die Situation. Auf dem schlechten Niveau, das sie vor der Verschlechterung hatte.

    Ich verstehe auch, dass Du belegbare Zahlen willst - da wären wir wir bei den Zielerreichungsgraden, bei Verspätungsminuten und Zugausfällen. Und da gebe ich Dir auch Recht. Aber das sind halt nur 50% bei der Leistungserhebung, der Rest sind die Erfahrungen der Kunden bei Ausfällen, Verspätungen, Sauberkeit und Sicherheit in den Bahnen, etc. Und da geht es eben nicht nur um nackte Zahlen, sondern auch um ganz subjektive (wenn auch quantifizierbare) Kundenerfahrungen - und die leiden in einem nie dagewesenen Umfang unter der Unzuverlässigkeit des RMV. Sowas müsste - eigentlich - sofort Alarm in Marketing und Vertrieb auslösen, Aktionspläne zur Verbesserung der Markenwahrnehmung und der Kundenzufriedenheit müssten aufgelegt werden. Aber dazu fällt mir im Bereich RMV irgendwie nichts Wesentliches ein. Ein Stabiliserungsfahrplan ist da ja schon eher das Eingeständnis, dass das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Stattdessen wird der RMVdialog-Account bei Twitter abgeschaltet, aber nicht gelöscht, was dazu führt, dass Kunden sich immer noch melden aber keine Antwort mehr bekommen. Oder die S-Bahnen zum Flughafen an der Hauptwache wegen Bauarbeiten gestrichen, während es anscheinend keinen einzigen Mitarbeiter interessiert, mal das Flughafen-Logo am Bahnsteig abzukleben, damit Ortsunkundige da nicht sinnlos auf eine S-Bahn zum Flughafen warten, die nie kommt. Das ist nicht mal Mangelverwaltung, das ist einfach Unwille, seinen Kunden einen akzeptablen Service zu liefern. Würde in jedem privatem Unternehmen sofort Konsequenzen nach sich ziehen. Beim RMV? Alles wie immer, ne.

  • wir drehen uns einfach im Kreis: einerseits die immergleichen haltlosen Übertreibungen, andererseits das Unverständnis dafür, dass diesen dann etwas entgegengesetzt wird – und sei es nur mal eine Nachfrage, wie das belegt werden kann.


    Und dann natürlich die Unterstellung von sinistren Motiven und Faulheit:

    Das ist nicht mal Mangelverwaltung, das ist einfach Unwille, seinen Kunden einen akzeptablen Service zu liefern. Würde in jedem privatem Unternehmen sofort Konsequenzen nach sich ziehen. Beim RMV? Alles wie immer, ne.

    ... und Vergleiche mit privaten Unternehmen, die auch keiner Überprüfung standhalten. Fehlende oder schlechte bzw fehlleitende Kundeninformation ist mal sowas von an der Tagesordnung in den meisten Branchen, und um so mehr, je größer das Unternehmen ist. Und ganz besonders im Verkehrssektor, auch wenn dort weniger komplett private Unternehmen unterwegs sind.


    Und das berührt noch nicht mal die Frage, ob die Ausschilderung uberhaupt geändert werden sollte, was ich verneinen würde.


  • Und dann natürlich die Unterstellung von sinistren Motiven und Faulheit: [...]

    Ich kann dir da doch eine Erfahrung aus einem anderen Nahverkehrssystem zum Vergleich anführen: In London gab es Verzögerungen (keinen Totalausfall) auf der Picadilly-Line Richtung Heathrow. An jedem Abgang zum U-Bahn-Gleis in St. Pancras stand mindestens ein Mitarbeiter mit passendem Hinweisschild, bei dem man sich über Alternativen informieren konnte. Zusätzlich gab es Aufsteller mit aktuellen Infos. Passagiere, die dennoch runter zum Gleis wollten, wurden in Warteschleifen geleitet, damit der Bahnsteig nicht überfüllt wird. Zusätzlich gab es Durchsagen - automatisiert, aber auch persönlich von anwesendem Personal - mit aktuellen Informationen.

    Dazu der Vergleich zum Hauptbahnhof Frankfurt an einem Juni-WE: Die S1 und S8 fahren gar nicht. S2 und S9 fahren abweichend. Vor Ort gibt es dazu keine Durchsagen, Personal, das man fragen könnte, ist nicht vorhanden. Warum manche S-Bahnen nicht auf den DFIs auftauchen - kann man vor Ort nicht erfahren. Die Fahrpläne hängen wie immer, dort sind keine Informationen zu den Abweichungen zu sehen.

    Warum ist das so?

  • Warum ist das so?

    ich weiß es nicht. Ich kann mir aber einige Gründe vorstellen und weiß nicht, ob der tatsächliche Grund überhaupt in meiner Liste ist noch, wie ich zwischen denkbaren Gründen entscheiden könnte.


    Du behauptest ja, es zu wissen: Unlust. Vielleicht kennst du die verantwortliche Person im RMV und hast von ihr gesagt bekommen „joa hätte ich machen können, aber ich hatte irgendwie keinen Bock“. Dann hast du wohl Recht. Falls nicht, müsstest du nochmal erklären, wieso diese Behauptung aufstellst.

  • Für mich klingt es eher dass man dort ein Überfüllen der Bahnsteige versucht hat zu verhindern.

    London hat zum einen schlechte Erfahrungen mit Feuer in unter der Erde liegenden Anlagen und

    wenn man die Problematik die es 2010 in Duisburg gab nicht möchte dann will man auch sicher-

    stellen dass niemand in den Gleistrog gedrängt wird weil es keine andere Ausweichmöglichkeit gibt.

    In god (an invention by mankind) we trust - on earth we don't


    Sincerly yours, NSA
    powered by US government


  • Du behauptest ja, es zu wissen: Unlust. Vielleicht kennst du die verantwortliche Person im RMV und hast von ihr gesagt bekommen „joa hätte ich machen können, aber ich hatte irgendwie keinen Bock“. Dann hast du wohl Recht. Falls nicht, müsstest du nochmal erklären, wieso diese Behauptung aufstellst.

    Gerne. Zunächst ist es nicht die Aufgabe des Kunden nach Gründen für die schlechte Arbeit eines Dienstleisters zu suchen. Es ist die Aufgabe des Dienstleisters als Anbieter einer Leistung sich zu erklären und Abhilfe zu schaffen. Beides passiert aktuell nicht, hätte der RMV sich geäußert, dann müssten wir hier ja keine Vermutungen anstellen. Ein Prozess, den andere Unternehmen tunlichst vermeiden wollen und deshalb eine gute PR-Arbeit machen. Warum geben die soviel Geld für PR (= Kundeninformation) aus? Weil schlechte PR Konsequenzen hat.

    Da der RMV keine Gründe liefert, bleibt den Kunden nur eine Abwägung nach Wahrscheinlichkeit. Also genau das, was du auch gemacht hast, als du deine Liste von tatsächlichen und denkbaren Gründen erstellt hast. Und es ist leider in meinen Augen am wahrscheinlichsten, dass der RMV davon ausgeht, dass seine Kunden diesen schlechten Service einfach ertragen - sie sind es eben gewöhnt. Oder um es mit dir zu zitieren: "Ich hatte irgendwie keinen Bock“. Lohnt sich auch nicht, denn wenn mangelnder Service als normal angesehen wird, warum dann da Energie in eine Verbesserung reinstecken? Im von mir genannten Beispiel sprechen wir nicht von Fachkräftemangel, Sanierungsstau oder Technikproblemen. Wir sprechen von ein paar Aufstellern, einem abgeklebten Infoschild und einer Handvoll Personal, die die Kunden informieren. Sowas hätte ich als Werkstudent für 12,50 die Stunde gemacht.

    Der RMV erlegt sich selbst Bewertungskriterien im SPNV auf, die zu 50% auf der Kundenerfahrung beruhen. Er verhält sich aber leider so, als ob das keine 5% wären. Das kann natürlich an einer Unterwanderung durch Reptiloide liegen (denkbar, aber nicht wahrscheinlich). Oder daran, dass die Verantwortlichen keine Konsequenzen für ihre mangelhafte Leistung fürchten müssen.