RMV plant Tarifreform mit nur noch 6 Ticketarten

  • Liebes Forum,

    der RMV möchte sein Tarifsystem offenbar radikal vereinfachen und künftig nur noch sechs Ticket Arten anbieten. Wie genau die 6 errechnet wird, erschließt sich aus den bisherigen Infos noch nicht. Jedenfalls sollen laut Darmstädter Echo drei dieser Ticketarten Einzel-, Tages und Monatskarten in der Tarifstufen Gesamtverbund (ggf. sogar ganz Hessen), Landkreis und "Großstadt" sein. Das ganze muss aber erstmal mit allen 27 Gesellschaftern des RMV abgestimmt werden und wird dementsprechend sicher noch eine ganze Weile dauern.


    Quellen:

    RMV Pressemitteilung

    Echo Artikel, mglw. mit Paywall

    2 Mal editiert, zuletzt von speedy96 ()

  • Das ist auf jeden Fall ein guter Schritt. Um die Nutzung des ÖPNV attraktiv zu gestalten braucht es eine einfache und nachvollziehbare Tarifstruktur. Bin gespannt, was kommen wird.

  • Von der Grundidee gut, aber nur 3 Preisstufen, die bezogen auf einen Abfahrtpunkt nur 2 Preisstufen sind, ist doch etwas wenig. Für 1 km über die Kreisgrenze einen Gesamtnetzfahrschein? Eine Preisstufe "2 Kreise/Städte" ist m.E. ein Muss.

    Glaubst Du einem Wörterbuch, in dem man Müll nicht trennen kann, wohl aber gu-te Freun-de?

  • Dann beschweren sich diejenigen, die in dieser Konstellation 100 Meter weiter müssen. [...]

    Du willst darauf hinaus, dass die Tarifstruktur dann wieder deutlich komplexer wird. Klar. Allerdings ist die Stufe zwischen einem Landkreis und Gesamtnetz schon arg happig. Das macht das spontane Nutzen des ÖPNV dann wieder ungleich unattraktiver, selbst wenn die Tarifstruktur einfacher wird.


    Ich frage mich dann eher, weshalb es noch Monatskarten gibt, die teurer sind als das Deutschlandticket...


    ...bleibt nur noch direkte Bepreisung der Luftlinienentfernung zwischen A und B. Feddich.

    Läuft wohl auf eine Anpassung von IN/OUT hinaus...

  • Allerdings ist die Stufe zwischen einem Landkreis und Gesamtnetz schon arg happig.

    Kommt auf die Höhe des künftigen Fahrpreises an. Wenn es sowas wie Stadt 3 EUR, Regional 4,50, Gesamt 6 EUR ist, werden die Übergänge wohl akzeptabel sein. Ja, natürlich wird sich auch da immer jemand finden, der bislang 3,75 bezahlt und jetzt 4,50 hinlegt, aber dafür gibt es auch andere, die bisher 6,90 bezahlt haben und dann nur noch mit 6 EUR dabei sind. Oder so. Werte natürlich fiktiv.


    Der Punkt ist doch nur: Egal, wie eine Tarifreform aussieht, es wird immer Verlierer und Gewinner geben. Und damit auch hier im Forum einen Spitzklicker, der natürlich genau die Wunde in eine ganz spezielle Tarifkonstellation legen will ("von Strinz-Trinitatis nach Oberbimbach kostet es jetzt aber..."), aber ausblendet, dass es ggf. für 90% besser wird.


    Die maximale Tarifreform gab's ja nun in Paris. Zonen de facto komplett abgeschafft und es gibt nur noch einen Einheitstarif (historisch bedingt nach wie vor getrennt in Bus/Tram und Metro/RER). Damit ist die Einzelfahrt/Tageskarte/Zeitkarte nur in Paris etwas teurer geworden, aber für alle anderen deutlich günstiger.

  • EIne Fahrt von Landkreis nach Großstadt (also beispielsweise von Mühltal-Trautheim nach Darmstadt-Stadtmitte) wäre dann ziemlich sicher auch Fahrpreis Gesamtverbund. Und da käme es dann wirklich drauf an, wie Holger Koetting schon schrieb, was der Einzelpreis Gesamtverbund dann im Vergleich zur jetzigen PS 2 kostet. Das ist jetzt auch keine spezielle Tarifkonstellation, sondern eine Standardfahrt.

  • "Prämisse für die Tarif-Revolution ist eine drastische Vereinfachung des Angebots. Zeitkarten sollen sich im Vergleich zur Einzelfahrt lohnen. Durch den geringen Preissprung bei der regionalen Gültigkeit, Mitnahmeregelungen und Übertragbarkeit sollen zusätzliche Anreize entstehen."


    Das spricht doch sehr dafür, dass man quasi einen Basispreis zahlt für Fahrten und die Distanz nur einen kleinen Aufpreis macht, sodass es nicht so wichtig ist, ob man über eine Stadt- oder Kreisgrenze rüberkommt.


    Wenn ich sehe, dass eine Einzelfahrt Gießen-Frankfurt 20,50 Euro kostet, wäre eine günstigere Verbundstufe schon ein großer Anreiz für Spontan- und Seltenfahrer vom Auto auf den ÖPNV umzusteigen.

  • "... Zeitkarten sollen sich im Vergleich zur Einzelfahrt lohnen... ."

    Dieser Satzteil wiederum spricht dagegen, dass ein größerer Anreiz für Spontan- und Seltenfahrer geplant ist.


    Aber schauen wir mal, wann es weitere Details gibt. Bisher ist ja alles nur Spekulation.

  • Dieser Satzteil wiederum spricht dagegen, dass ein größerer Anreiz für Spontan- und Seltenfahrer geplant ist.

    Das wiederum spricht aber nicht dagegen, die Tarifsprünge bei allen Fahrkartenarten gleich ausfallen zu lassen.


    Sagen wir mal (wieder nur als fiktives Beispiel für die drei Preisstufen) Einzelfahrt 4 EUR, 5 EUR, 6 EUR, Tageskarte 8 EUR, 10 EUR, 12 EUR, Wochenkarte 16 EUR, 20 EUR, 24 EUR, Monatskarte 32 EUR, 40 EUR, 48 EUR. Dann hast Du bei allen Fahrkartenarten zwischen den Preisstufen das gleiche Verhältnis und trotzdem den Anreiz, dass Zeitkarten lohnender als Einzelfahrten sind.


    Und wenn der RMV ganz schlau ist, setzt er für seine Gesamtnetzmonatskarte den Preis auf "ein Euro unter Deutschlandticket". Dann kann er ein paar Sparfüchse anlocken, die in dem gesparten Euro den großen Schnäppchenalarm sehen und er kann im Gegensatz zum D-Ticket die gesamten Einnahmen behalten.

  • Und wenn der RMV ganz schlau ist, setzt er für seine Gesamtnetzmonatskarte den Preis auf "ein Euro unter Deutschlandticket". Dann kann er ein paar Sparfüchse anlocken, die in dem gesparten Euro den großen Schnäppchenalarm sehen und er kann im Gegensatz zum D-Ticket die gesamten Einnahmen behalten.

    Abhängig von der tariflichen Gestaltung lassen sich auch über den Preis hinaus Differenzierungen gegenüber dem D-Ticket vornehmen oder sind teils schon vorhanden.

    Vorstellbar wären beispielsweise, dass mir als Kunde eine Mitnahmeregelung abends/wochenends wichtiger sind als außerhalb des RMV unterwegs zu sein, oder das freie Wählen eines Starttermins für den Monatszyklus, sodass ich nicht auf die starren Kalendermonate des D-Tickets angewiesen bin.


    Grundsätzlich und v.a. aus Marketing-Aspekten wäre der Vorschlag sehr wünschenswert - ob dem Verständnis der Entscheidenden nach auch kostendeckend, lässt sich nur schwer bewerten.

  • Vorstellbar wären beispielsweise, dass mir als Kunde eine Mitnahmeregelung abends/wochenends wichtiger sind

    Natürlich. Aber auch da ist das entscheidende Kriterium meist irgendeine Preisschranke. Wenn mich die RMV-Monatskarte (aktuell) mehr als 125,99 EUR kostet, brauche ich ggf. keine Mitnahmeregelung, weil ich dann einfach zwei D-Tickets kaufe. Gut, keine Übertragbarkeit und ich kann nicht verschiedene Personen mitnehmen, aber das Prinzip sollte klar sein, was ein "RMV-Ticket lohnt sich" bedeuten muss.

  • ...bleibt nur noch direkte Bepreisung der Luftlinienentfernung zwischen A und B. Feddich.

    Die fairste und von der Definition her einfachste Lösung. Von so etwas habe ich vor kurzem gelesen (Grundpreis + km-Preis bis zu einem Höchstbetrag), ich glaube Amsterdam. Nachteil: Das lässt sich nicht auf Zeitkarten inkl. Tageskarte übertragen, und es ist schwer einzuschätzen, ob sich eine Tageskarte rechnet. Ausweg könnte sein, es gibt gar keine Zeitkarten außer dem D-Ticket. Vielleicht noch Touristen-Kombi-Angebote (z.B. für Frankfurt Museumsuferticket inklusive ÖPNV).

    Glaubst Du einem Wörterbuch, in dem man Müll nicht trennen kann, wohl aber gu-te Freun-de?

  • Als Entfernung muss immer die maximal erreichte Entfernung vom Start angesetzt werden, nicht unbedingt die zum Ziel. Das ist dann eindeutig, auch die Frage, wie viel Umweg erlaubt ist (jeder, solange die Fahrkarte auch zu jedem Punkt auf der Strecke gilt). Führt allerdings dazu, dass der Preis manchmal in eine Richtung anders ist als in die andere: Lokalbahnhof - Fulda berechnet sich nach Start - Ziel, in Gegenrichtung muss man bis Frankfurt Süd zahlen. Allerdings wird man mit einer Höchstbetragregelung in diesem Beispiel und vielen anderen Fällen sowieso den Höchstbetrag erreichen.

    Glaubst Du einem Wörterbuch, in dem man Müll nicht trennen kann, wohl aber gu-te Freun-de?

  • Die fairste und von der Definition her einfachste Lösung. Von so etwas habe ich vor kurzem gelesen (Grundpreis + km-Preis bis zu einem Höchstbetrag), ich glaube Amsterdam. Nachteil: Das lässt sich nicht auf Zeitkarten inkl. Tageskarte übertragen, und es ist schwer einzuschätzen, ob sich eine Tageskarte rechnet. Ausweg könnte sein, es gibt gar keine Zeitkarten außer dem D-Ticket. Vielleicht noch Touristen-Kombi-Angebote (z.B. für Frankfurt Museumsuferticket inklusive ÖPNV).

    Das gibt es schon jetzt in ganz NRW inklusive Preisdeckel pro Tag und Monat (D-Ticketpreis). Nennt sich eezy und kann über diverse Apps genutzt werden.

  • Als grundsätzliches Vorbild OK. Um es allgemein nutzbar zu machen, muss es nicht nur per App, sondern auch am Automaten und beim Busfahrer verfügbar sein, dann (oder überhaupt) ohne Preisdeckel. Möglichst mit Spracherkennung, damit auch die Eingabe des Fahrtwunsches einfach ist.

    Glaubst Du einem Wörterbuch, in dem man Müll nicht trennen kann, wohl aber gu-te Freun-de?

  • Als grundsätzliches Vorbild OK. Um es allgemein nutzbar zu machen, muss es nicht nur per App, sondern auch am Automaten und beim Busfahrer verfügbar sein, dann (oder überhaupt) ohne Preisdeckel. Möglichst mit Spracherkennung, damit auch die Eingabe des Fahrtwunsches einfach ist.

    Meines Erachtens (und da sind andere Länder weiter) ist es aus Kostengründen sinnvoll Anreize zu schaffen, dass jeder sein Ticket auf dem Smartphone kauft. Dadurch kann man sich die übrige sehr teure Vertriebsinfrastruktur langfristig sparen. Um da einen Anreiz zu setzen langsam umzusteigen ist es daher schlau den immer günstigeren Luftlinientarif am Smartphone anzubieten und wer noch nicht umsteigen will, zahlt eben die deutlich teureren starren Preise, weil für denjenigen eben auch die teure Infrastruktur vorgehalten werden muss.

  • Meines Erachtens (und da sind andere Länder weiter) ist es aus Kostengründen sinnvoll Anreize zu schaffen, dass jeder sein Ticket auf dem Smartphone kauft.

    Gründe, die subjektiv dennoch dagegen sprechen könnten:

    - Für spontane, seltene Fahrten muss keine (weitere) App installiert werden*

    - Physikalische Tickets funktionieren ohne Akku und Netz

    - Grundsätzliche Vorbehalte ggü. Smartphones

    - Bedienbarrieren


    * : Gerade spezielle vergünstigte Tarife müssten ansonsten zwischen den Vertriebsanbietern abgestimmt werden, d. h. mit der RMV-App müsste es auch in Hamburg oder München oder über den DB Navigator funktionieren. Dann bräuchte man wenigstens nur noch eine App.