Wie hier angekündigt, begannen die Modernisierungsarbeiten in den beiden Bahnhöfen Lich und Pfahlgraben. Am vergangenen Samstag fanden dort die letzten Zugfahrten statt. Ich nahm mir das zum Anlass, noch einmal vorbeizuschauen. Erfreulicherweise wurde der Anlass vom Zugpersonal entsprechend gewürdigt und mindestens zwei Züge fuhren mit entsprechender Beschilderung.
Zunächst eine Szene am Erdkauter Weg in Gießen. Einst ein Bahnhof mit umfangreichen Industrieanschlüssen, darunter sogar eine Auflaufkurve, heute nurmehr ein Personenhalt, allerdings mit noch zwei Ausweichanschlussstellen; d. h., auch während sich dort Fahrzeuge befinden, können durch entsprechende Absicherung weiter Züge auf der Strecke fahren. Das hiesige Stellwerk wurde bereits 2004 stillgelegt. Ein lokführerüberwachter Bahnübergang deckt das Streckengleis und die Awanst ab (mit den in Oberhessen häufigeren SEL-Weckern, vgl. Rodheim v. d. H.). Die Anlagen im Erdkauter Weg und Aulweg sind vom Bahnhof Pfahlgraben aus fernüberwacht, was interessant werden wird, da meines Wissens die Anschlussbedienung von Gießen aus aufrecht erhalten werden soll.
Hier fährt HLB VT608 Richtung Gießen und passiert die linkerseits liegende Awanst sowie den BÜ, das Stellwerk befand sich hinter dem Zug:
Während Watzenborn-Steinberg und Garbenteich (welche klangvolle Namen) stets nur Haltepunkte waren – ersterer allerdings über einen Schrankenposten verfügte – war der nach dem nahe verlaufenden Römischen Limes benannte Betriebsbahnhof Pfahlgraben nie Personenzughalt und diente stets nur der Kreuzung von Personenzügen sowie die Anbindung des örtlichen Güterverkehrs:

Hier sehen wir VT608 Richtung Lieblos bei der letzten Kreuzung mit VT624 Richtung Gießen:

Dann wurde Signal N1 zum letzten Mal auf Fahrt gezogen, und mit einem andächtigen Pfiff zum Abschied ging es weiter:
Der nächste Bahnhof ist Lich. Neben der bekannten Privatbrauerei Ihring & Melchior (die inzwischen auch ein mit Alpenpanorama im Hintergrund beworbenes Bier herstellt...) war für diesen Bahnhof einst die Butzbach-Licher Eisenbahn bedeutend, später sogar bis Grünberg. Deren Bahnhof lag östlich des Staatsbahnhofs und hatte einen gemeinsamen Schrankenposten mit der Staatsbahn. Richtung Grünberg verfügte die BLE gar über ein Überwerfungsbauwerk, von dem hier hinter dem 12 m hohen Einfahrsignal F noch eins der Widerlager erkennbar ist:
Zurück in die Gegenwart, hier fand nun unter Würdigung durch verschiedene mehr oder weniger Eisenbahn-affine Fotografen mit VT617 und VT621 die letzte Zugkreuzung statt:
Der dritte im Bunde wäre der Bahnhof Hungen, aktuell noch mit zwei Stellwerken, die von der einstigen Bedeutung des Knotenpunkts mit Strecken in vier Richtungen (Gießen, Gelnhausen, Friedberg und Mücke) zeugen. Sie bleiben beide noch bis Ende Juni in Betrieb, dann ist auch hier Dienstschluss für mechanische Sicherungstechnik. Allerdings wird auf der Ostseite des Bahnhofs am Fahrdienstleiterstellwerk kein Zug mehr fahren.
Somit lichtete ich mit VT630 die allerletzte Zugfahrt Gießen–Hungen am besagtem Stellwerk noch ab:
Übrigens: Bei Interesse könnte ich auch einen Bildbericht "Auf Spuren der BLE" erstellen, dito über die Seentalbahn (Hungen–Mücke) oder im Taunus Weil- und Solmstalbahn.




