Beiträge von John2

    Auch in deine Blase dürfen gerne ein paar Fakten diffundieren.

    • Holger, und auch ich übrigens weiter oben, zitieren Studien, die unsere These belegen. Verkehrswissenschaftler*innen beschäftigen sich tatsächlich hauptberuflich damit, Kosten von Verkehren zu berechnen. Und siehe da, wenn man das geordnet tut, kommt man darauf, dass der MIV die Gesellschaft wesentlich mehr kostet als der ÖPNV. Dass der MIV generell mehr kostet als er einbringt ist schlicht wahr. Bitte versuche mal, außerhalb des Forums (denn uns glaubst du ja nicht) Expertinnen aufzusuchen und danach zu fragen. Frage vielleicht nicht die VDA oder den ADAC.


    Wer solche absoluten Aussagen „Dass der MIV generell mehr kostet als er einbringt ist schlicht wahr.“ heraus haut, braucht sich nicht darüber zu wundern, wenn man ihn als Utopisten bezeichnet. Wenn der Satz wahr wäre, dürften die USA überhaupt nicht funktionieren, sie tun es aber, so dass man sieht, dass dieser Satz evident unwahr ist. Was den Nebensatz „…, dass der MIV die Gesellschaft wesentlich mehr kostet als der ÖPNV.“ Ist auch wieder total unspezifiziert und ohne den notwendigen Kontext vollkommen wertlos. Der ÖPNV funktioniert nur dort, wo die Auslastung entsprechend hoch ist, explizit auch was die Ökologie betrifft. Busse mit schlechter Auslastung sind oftmals umweltschädlicher als der alternative MIV. Nur wenn die Auslastung stimmt, ist der ÖPNV nur dann umweltverträglicher und billiger. Ein großes Problem ist, dass man viel zu oft mit dem ÖPNV nicht direkt von A nach D fahren kann, sondern Umwege über B und C in Kauf nehmen muss. Das wird außerhalb der Großstädte dann zu einem wirklichen Problem. Wie ich schon mehrfach schrieb, sind schon innerhalb Frankfurts viele Verbindungen so schlecht, dass IV die bessere Alternative ist. Persönlich bevorzuge ich das Fahrrad, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, gegenüber dem ÖPNV, weil mir persönlich meine Lebenszeit einfach zu kostbar ist, um sie mit dem notorisch unzuverlässigen ÖPNV zu verschwenden. Wenn es passt, habe ich schon jahrelang den ÖPNV in Frankfurt genutzt.


    Eines willst du anscheinend nicht verstehen, dass die Verschwendung der eigenen Lebenszeit den meisten Bürger ganz entschieden nicht gefällt.

    Du fragtest vorher noch nach der Dystopie. Ich benutzte das Wort als Gegensatz zur Utopie, die du in den Beiträgen anderer entdecktest und negativ konnotiert benutzt und die du schlechtzeichnest. Damit zeichnest du in meinen Augen eine Dystopie.

    Wenn ich die Utopien als wenig mit der Realität verbunden sähe, und sie zurecht in ihrer Abgehobenheit kritisieren, zeichne ich da sicherlich kein dystopisches Bild. Die Dystopien werden doch von dejenigen gezeichnet die den Weltuntergang postulieren, wenn wir den Klimawandel nicht aufhalten. Wobei man zuerst die Diskussion führen müsste, ob der Klimawandel überhaupt durch die Emissionen von CO2 durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen verursacht wird. Die neueren astronomischen Forschungsergebnisse der NASA, Erwärmung des Mars, lassen daran Zweifel aufkommen. Da gibt es noch reichlich Stoff um die Modelle der Klimaforscher zu kritisieren, und Kritik und Diskussion ist die Basis der Naturwissenschaft.


    Zurück zum eigentlichen Thema: Wenn schon trete ich hier als advocatus diaboli auf, aber diese Rolle gehört zu jeder fundierten Diskussion.

    Aber von mir aus, lassen wir uns darauf ein: du zeichnest auch eine Utopie. Eine, in der der Nahverkehr auf dem Land massiv ausgebaut ist. Das habe ich schon gelesen, aber du schränkst es immer ein und dystopisierst darauf, dass es nicht möglich sein werde, einen für ein ausreichend gutes Angebot nötigen Takt zu haben.


    Was ist daran dystopisch, wenn auf dem platten Land die Menschen mit dem eigenem PKW zu einer zentralen Verkehrsachse fahren, und dort in den ÖPNV umsteigen? Was ist daran dystopisch, wenn man volkswirtschaftlich die Totalversorgung der Landkreise als nicht finanzierbar sieht? PKWs wird man in den Landkreises nicht ersetzen können, dazu ist die Verkehrsdichte einfach zu gering. Busse werden das niemals volkswirtschaftlich ersetzen können. Dazu ist das System Linienbus viel zu starr, und alle Relationen mit Direktverbindungen mit geringer Taktfolge zu verbinden ist einfach nicht finanzierbar, und am Ende auch umweltschädlicher, wenn die Busse nämlich nur Luft durch die Gegend fahren.


    Mir scheint, dass du den Begriff Dystopie nicht wirklich verstanden hast, oder einer Weltanschauung nahe stehst, die sehr wenig von der persönlichen Freiheit hält und zu Zwangskollektiven neigt. Denn die meisten Mitbürger würden eine bequeme Fahrt mit dem eigenem PKW auf nicht verstopften Straßen garantiert nicht als Dystopie bezeichnen.


    Und vielleicht siehst du dann, dass ich weder das Auto noch Autofahrende verteufle oder verbieten will, sondern vor allem fordere, dass nicht die klima- und umweltschädlichste Art der Fortbewegung von allen (außer Fliegen, aber lassen wir das) durch die Gesellschaft wesentlich stärker subventioniert wird als alle anderen. (Aber bis du das machst, solltest du wirklich dringend eine Verkehrskostenrechnung, die du auf einem Bierdeckel (oder was anderem, das sehr klein ist) gemacht hast, durch eine wissenschaftliche Untersuchung ersetzen, denn sonst haben wir einfach einen grundlegenden Dissenz über Fakten.)

    Wenn wir schon über Fakten reden wollen. Dann schaue dir zuerst diese Dokumentation an, und sehe dass bei dir etliche Fakten nicht stimmen. Das NOx-Problem bedingt durch manipulierte LKW ist vorhanden, und es ist groß. Daraus resultiert, dass du zwingend über deine Art Diskussionen zu führen nachdenken solltest. Einfach weil dir Fakten nicht passen die Rassismuskeule auszupacken ist absolut niveaulos.


    Was die Kosten betrifft. Ein Bus schädigt die Straße mehr, als wenn alle Fahrgäste mit dem PKW fahren würden. Die Straßen- und Brückenschäden werden fast ausschließlich von LKW und Bussen verursacht, die PKWs fallen da kaum ins Gewicht. Es kann also nur um Umweltaspekte gehen: Lärm, Luftverschmutzung, Resourcenverbrauch, … und da ist vieles nicht so eindeutig, wie es in der veröffentlichten Meinung dargestellt wird. Mich erfüllt immer mit Sorge, wenn von „Klimaleugner“ gesprochen wird, und man sich darauf beruft, dass 97% der Wissenschaftler an den menschgemachten Klimawandel glauben. Wahrscheinlich hätte diese Personen Galileo Galilei verurteilt, weil >99% der Wissenschaftler damals an das geozentrische Weltbild glaubten. Wissenschaft lebt vom Diskurs und dem beständigen Hinterfragen von Hypothesen. Wer die Diskussion für beendet erklärt, verabschiedet sich von der Wissenschaft.


    Die Luftverschmutzung ist auch nicht endgültig erforscht, weil bisher der ÖPNV nicht wirklich erfasst wird. Wie viel Feinstaub produziert z.B. der Schienenverkehr? Ein BEV mit Keramikbremse und verschleissarmen Reifen ist da nämlich sehr gut, und wie sieht es mit der Straßenbahn mit Quarzsand beim Bremsen aus?

    Wenn man das wie mit der Rundfunkgebühr macht sehe ich da jetzt nicht so das Problem. Wir brauchen nur auf unseren Nachbarn Österreich schauen: wer in Österreich wohnt und Rundfunkgebühr zahlt darf ORF gucken, wer nicht in Ö wohnt und nicht zufällig so grenznah dass er als Zaungast durchs Raster fällt schaut in die Röhre. Und da gibt es auch keinen EU-Anspruch auf ORF-Empfang für EU-Bürger oder so.


    Die Abgaben sind in Deutschland schon extrem hoch, nur noch Belgien übertrifft das. Wenn man hier weitere Zwangsgebühren einführt, die de facto eine Steuer sind (eine Gebühr lässt sich durch nicht Inanspruchnahme der Dienstleistung vermeiden), macht man sich viele Freunde. Wer das befürwortet muss dann mit dem entsprechendem Gegenwind klarkommen.

    Um es platt auszudrücken: Es ist doch eine Binsenweisheit und allseits bekannt, daß der Individualverkehr mehr Kosten als Einnahmen verursacht.

    Der Individualverkehr ist die Basis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Landes, und produziert reichlich direkte Steuereinnahmen (KFZ-Steuer, Steuer auf Betriebsstoffe) und indirekte z.B. über die Arbeitsleistung von Angestellten und Arbeitern in den Firmen, Steuern der Unternehmen. Viele können nicht den ÖPNV alternativ nehmen, so dass eine Nichtnutzung des MIV in einer deutlichen Verschiebung von Arbeitnehmern hin zu H4-Empfänger bedeuten würde. Der Durchschnittsdeutsche zahlt ca. 12k€ direkte Steuern/Abgaben im Jahr. Macht bei geschätzten 250.000 PKW-Pendler nach Frankfurt pro Jahr ca. 3 Milliarden Euro an direkten Steuereinnahmen/Abgaben durch die MIV-nutzenden-Bürger. Dabei ist nicht die Wertschöpfung in den Unternehmen gerechnet, nicht die indirekten Steuern (Mehrwertsteuer, …), usw.


    Zum Vergleich der Etat des hessischen Verkehrsministerium (es ist ja nicht nur für den Verkehr zuständig) beträgt ca. 1,6 Milliarden Euro. Man kann nun vortrefflich darüber streiten, wie viel Kosten man mit mehr ÖPNV einsparen kann, aber hier zu schreiben, dass der MIV generell mehr kostet als er einbringt ist schlicht unwahr.

    … Du beschwerst dich nun andererseits auch noch über „Utopien“, während du fleißig deine Dystopie malst. …

    Ich schreibe die ganze Zeit, wie man den ÖPNV aus der Fläche verbessern kann, so dass es attraktiv ist den PKW stehen zu lassen. Was daran ist eine Dystopie? Gar nichts!


    Nur scheinst du mit Kritik an deinen Lieblingsprojekte nicht zurechtzukommen, und reagierst mit billigster Polemik. Dazu ist Verständnis für Bürger außerhalb deiner Blase überhaupt nicht vorhanden. Wie wäre es, wenn du für ein Jahr aufs Land ziehst, und einmal am eigenen Leib erlebst was für ein ”Schrott“ der ÖPNV in den Landkreisen ist?

    Deshalb? Lieber gar nichts machen?

    Es geht darum, dass die Einzelmaßnahmen auch zur Lösung des jeweiligen Problems beitragen müssen. Das 365€ Ticket löst das Problem Pendeln aus dem Umland definitiv nicht, und reißt dafür Löcher in den Haushalt. Die Verlängerung der U5 dient der Erschließung eines Stadtvierteils. Ich halte diese Strecke als Stadtbahn zwar für falsch, aber eine Erschließung durch ein Schienenverkehrsmittel (ich wäre für die Straßenbahn ggf. in Doppeltraktion) ist sinnvoll. Die Frage ist also, ob eine Maßnahme zielführend ist.


    Was die Horlofftalbahn betrifft: Das Problem an der Strecke ist. Die Auslastung ist gering. D.h. Ein kleiner Triebwagen einmal die Stunde ist momentan die Bedienung der Strecke. Wie ich vorher schrieb, Diesel wird in absehbarer Zukunft teuer. Wie soll dann die Bahn betrieben werden? Brennstoffzelle oder Oberleitung? Für eine Oberleitung müsste man die Auslastung verbessern. Das Problem dabei, die Bahn fährt wegen der alten Streckenführung zu langsam. Man müsste die Strecke begradigen und schneller machen, dann werden auch die Fahrzeiten besser und die Attraktivität steigt.

    ich glaube ja, sein Problem ist zweischichtig (sein Problem mit diesem Vorschlag jetzt):

    1. Jemand außer ihm würde profitieren, er selbst aber eher nicht

    Dein Problem ist, dass du wiederholt Probleme mit deinem Vorschlägen ignorierst, weil sie dir nicht in den Kram passen. Die Frage ist nicht, ob jemand von einem 365€ Ticket profitiert, sondern ob es dazu dienen kann die PKW Flut vom Umland in die Stadt zu reduzieren, dafür wird es ja gefordert. Wie ich dir nun wiederholt dargelegt habe, ist der Preis für das Ticket mit das geringste Problem. Es wird konsequent negiert und ignoriert. Bitte, wer das als Wahlgeschenk für die ÖPNV-affine-Bevölkerung-in-der-Großstadt-die-ohnehin-schon-ÖPNV-nutzt haben will, sollte dann auch so ehrlich sein, dass es nur als Wahlgeschenk für die eigene Klientel dienen soll. Die Grünen, von denen stammt originär die Forderung, sind eine Partei der Großstädte, auf dem Land finden sie de facto kaum bis gar nicht statt.

    Du sagst einen Beitrag vorher selbst, dass es ein Tropfen auf dem heißen Stein sei. Mein Punkt ist: es bedarf weiterer Tropfen, aber so lange jeder Tropfen totdiskutiert wird, können sie in Masse nichts ausrichten.

    Die vielen „kleinen Tropfen“ sprich Einzelmaßnahmen werden die grundsätzlichen Probleme nicht lösen. Das Hauptproblem des ÖPNV in der Fläche ist, dass er zu langsam ist, zu wenig stattfindet, schlecht erreichbar ist, und ja auch zu teuer ist. Ein billigeres Ticket eliminiert zwar das teuer, aber die anderen Punkte sind wichtiger und bleiben ungelöst. D.h. wenn man nun Buslinien einrichtet und die Landbevölkerung zwingt mit dem Bus in die Stadt zu fahren, wird dies nicht ohne politische Auswirkungen bleiben. Ich möchte nur daran erinnern, dass ein wesentlicher Faktor beim Entstehen der Gelbwesten Proteste in Frankreich die geplante Ökosteuer auf Sprit war. Die Bevölkerung, die gut mit dem ÖPNV versorgt ist, ist in der absoluten Minderheit. Denn selbst in den meisten Großstädten Deutschlands ist es viel zu oft besser den PKW anstatt den ÖPNV zu nutzen. Man hat hier ein sehr großes Potential für politische Unruhe im Land.


    Es wird immer wieder von mehr Bussen geschrieben. Womit sollen diese Überland denn überhaupt fahren? Diesel? Das ist bald nicht mehr günstig verfügbar, genau deshalb muss man vom Verbrenner weg. Akku-Busse sind mit realistischen Reichweiten von <200km erhältlich, in Winter deutlich weniger. Da käme man gerade einmal vom Umland in die Stadt und dort müssen sie zuerst aufgeladen werden, bevor man zurückfahren kann. Will man unterwegs laden, müssen Hochleistungsladestationen gebaut werden, die meisten Dörfer haben aber dafür gar nicht die notwendige Infrastruktur, d.h. das komplette Dorf ist mit weniger Leistung angebunden als ein Schnelllader für Busse benötigen würde. Auch eine Oberleitung für Busse müsste mit vielen Unterwerken versorgt werden, weil nur mit Gleichstrom und Straßenbahnspannungen gefahren werden kann. Ferner stehen die bisher existierende Busverbindungen wegen des notwendigen Wandels weg vom Erdöl auf der Kippe. Denn für diese müssen diese Probleme auch gelöst werden.


    Mir scheint hier wird kollektiv eine Utopie geträumt und die realen Probleme stören da nur. Nur so wird das nichts mit der Verkehrswende.

    Gibt es denn irgendwen, der Preissenkungen im ÖPNV fordert und gleichzeitig auch der Meinung ist, dass es im ÖPNV keiner anderen Maßnahmen bedarf?

    Die Preissenkung ist keine Maßnahme! Sie ist ein Wahlgeschenk an die städtische Bevölkerung wie etwa kostenlosen Eintritt in die Museen.

    Woher kommt nochmal diese Einstellung, dass nur diejenigen Einzelmaßnahmen diskutabel sind, die für sich allein genommen Grundsätzliches ändern?

    Es wird doch tagein tagaus die große Verkehrswende postuliert. Mit einem Tropen Wasser auf einen heißen Stein, ist das nicht zu schaffen. Maßnahmen, die das Pendeln der Masse aus den Landkreisen erschwert und verteuert, wird man sich in Deutschland keine Freunde machen. Autobahnen de facto zu einspurigen Landstraße zu degradieren, wird mit Sicherheit nicht die Akzeptanz für den ÖPNV steigern. Die Fahrzeiten aus den Landkreisen würde mit Bussen sich deutlich verschlechtern, da sind langsamer sind als der MIV und dazu Umwege fahren müssten, damit sie voll werden. Insofern ist der 365€ Ticket Vorschlag für den innerstädtischen Pendlerverkehr ggf. sinnvoll, aber für die Massen an PKWs aus dem Umland bringt das rein gar nichts.

    In Deutschland sind die Planungssummen sehr häufig abweichend von den späteren Projektkosten, und das liegt an der speziellen Abschätzungen in den deutschen Vorschriften. In der Schweiz passt das besser, aber auch nicht immer. Wobei BER ist auch in Deutschland die Ausnahme und nicht die Regel.

    In der heutigen FR ist zu lesen, dass die FR 1,1 Milliarden Euro kosten wird. So geht es aus dem Vortrag des Magistrats hervor.

    Ursprünglich (2009) rechnete man mit 376 Mio, zuletzt waren 450 Mio von der Planungsgesellschaft veranschlagt. Amman meint,- die Zahlen von 2009 seien nicht valide gewesen. Wie kann das sein?

    Es gibt in Deutschland eine Art und Weise öffentliche Baukosten zu schätzen bzw. zu veranschlagen, die grundsätzlich nicht die endgültigen Baukosten abbildet. Das ist prinzipiell politisch so gewollt und auch durch diverse Gesetze festgelegt. In unseren Nachbarländern z.B. Schweiz wird das anders gehandhabt. Es darf jeder selbst entscheiden was besser ist.

    Bitte erkläre daher nochmal, in welchem Stau Busse gemeinsam mit dem MIV stehen, wenn sie auf ihrer eigenen Spur unterwegs sind.

    Ost-West-Express schrieb explizit von einem potentiellen Busverkehr aus dem Main-Kinzig-Kreis. Der größte Teil des Weges führt dann über Landstraßen (kein Platz für eine Busspur vorhanden) oder der BAB 66, und auf der wird man keine Busspur eingerichtet bekommen. P+R Parkhäuser in Frankfurt sind für die Massen an PKWs nicht vorhanden. Wo sollen dann am Stadtrand >250.000 PKW parken? Z.B. Grüneburgpark oder die KGV Feldbergblick platt machen und dafür Parkhäuser hinstellen?


    Allein daran würde der Plan scheitern, denn niemand will in Frankfurt diese Agglomeration von Großparkhäuser wie etwa am Flughafen am Stadtrand haben, und es wird die Frage aufkommen, weshalb man statt dessen nicht lieber Wohnhäuser baut.


    Freiwillig wird nur auf den ÖPNV umgestiegen, wenn dieser einen Vorteil bietet, und das ist in erster Linie weniger Stress und weniger verschwendete Lebenszeit. Und just in diesem beiden Punkten ist der ÖPNV in Deutschland sehr schlecht. Daran ändert ein P+R Konzept mit Bussen in der Stadt nichts. Daran ändert ein 365€ Ticket nichts. Insofern ist dieser Vorschlag nicht zielführend, und wenn jetzt wieder der Vergleich mit Wien oder anderen Städten kommt. Wien hat einen entsprechend ausgebauten ÖPNV, und trotzdem gibt es dort regelmäßig Staus auf den Autobahnen, weil von außerhalb ist der ÖPNV auch nicht so prickelnd, und da pendeln viele aus der Slowakei oder Ungarn nach Wien zur Arbeit – jeden Morgen.

    John2: Du hast meine Beitrag nicht richtig verstanden:

    Ich habe diesen Unterschied sehr wohl wahrgenommen. Nur sehe ich nicht, dass das viel bringt, dass Busse gemeinsam mit dem MIV im Stau stehen. Der komplette Lieferverkehr, Handwerker, Handelsvertreter, Außendienstmitarbeiter, alle bei denen es mit den Linienbussen trotzdem nicht passt oder von noch weiter weg kommen, nutzten dann weiterhin den MIV. Ich halte es für übertrieben optimistisch anzunehmen, dass die Staus weg sind, weil man Busse fahren lässt. Die Menschen müssen auf dem Dörfer eingesammelt werden. Große Umwege funktionieren nicht, weil dann die Fahrzeiten viel zu schlecht sind, und in Folge niemand den Bus nutzen würde. Das ganze dann in hoher Taktfolge, da würde viel Luft durch die Landschaft gefahren. Wer soll das bezahlen?


    Die Kinzigtalbahn müsste ausgebaut werden, große P+R Parkhäuser mit Ladestationen gebaut werden, und es müsste eine Art Regional-S-Bahn fahren. Dann könnten die Pendler gesammelt werden und die Bahn kostendeckend nach Frankfurt fahren.


    Ich glaube nicht daran, dass man die Versäumnisse der letzten 40 Jahre in irgend einer Form kurzfristig wird beheben können. Aktionismus wie das 365€ Ticket werden an grundlegenden Problem nichts ändern. Das ist so etwas wie die Steuersenkung für Hoteliers durch die FDP, Wahlgeschenke an die eigene Klientel – mehr nicht.

    Aber verstehst du denn, dass ich nicht von einen Szenario rede, bei dem alles gleich bleibt? Weiter oben war die Rede davon, mit PKW an die Stadtgrenze zu fahren – bis hier gewinnt das Auto relativ leicht, und ein Gewinn beim ÖPNV wird schwer herzustellen sein – und dort dann der innerstädtische ÖPNV, wesentlich gegenüber heute verbessert, übernimmt: eben dort, wo der ÖPNV seine Vorteile gut ausspielen kann.


    Zu fordern, dass dem Autoverkehr große Flächen zur Verfügung stehen müssen, anstatt zu fordern, dass Alternativen zum Autoverkehr geschaffen werden, ist… nun, nicht direkt unideologisch.

    Die Verbesserungen innerhalb Frankfurts wiegen die Nachteile außerhalb der Stadt bei den meisten eben nicht auf! Ist das so schwer zu verstehen? Was nützt 5′ in Frankfurt mit dem ÖPNV zu gewinnen, wenn man außerhalb problemlos eine 1h verliert? Wenn man auf einen P+R Parkplatz fährt, braucht man zusätzlich Zeit für das Warten auf den ÖPNV und den Fußweg vom ÖPNV zur Arbeitsstätte, diese Zeit muss man mit dem ÖPNV wieder ausgleichen, um überhaupt auf die gleiche Zeit zu kommen. Mit Bussen im Stau ist dieses Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Du kannst natürlich anfangen die private PKW-Nutzung zu verbieten bzw. massiv zu verteuern. Dann wundere dich aber nicht über die nächsten Wahlergebnisse.


    P.S. Wo fordere ich mehr Platz für den MIV? Ich schreibe die ganze Zeit, dass der ÖPNV in der Fläche besser werden muss, damit man auf den PKW verzichten kann, bzw. frühzeitig wechseln kann. Bei dir geht es nur darum, dass du den MIV aus der Stadt haben willst.

    Zur zweiten Frage: kommt darauf an, wie du Land definierst und ob Großstadt → andere Großstadt mit Land dazwischen zählt. Zum ersten Teil: wie kommt es nur, dass so viele Menschen – du gehörst offensichtlich dazu – Lebenszeit im innerstädtischen Stau und Parkplatzverkehr anders bewerten als Umsteigezeit vom Auto in den Bus oder die Straßenbahn, die in dem hier gerade diskutierten Modell dann schnell, in kurzem Takt und auf eigener Spur in die Innenstadt gelangt?

    Ich bewerte das gar nicht anders! Du willst einfach nicht begreifen, dass der ÖPNV so extrem schlecht ist, dass man mit ÖPNV massiv mehr Zeit braucht um von A nach B zu kommen. Wenn ich von meinem aktuellen Wohnort unter optimalen Bedingungen mit dem PKW fahre (Tempolimit einhaltend und nicht schneller als Richtgeschwindigkeit auf der BAB) ist der Weg in 35′ zu schaffen. Laut RMV Fahrplanauskunft mit dem ÖPNV (15′ Fußmarsch zum Bahnhof wird dann zusätzlich notwendig) 1h15, Parkplatzsuche Fußmarsch und Fußmarsch vom Bahnhof ist etwa gleich aufwendig. In der Regel braucht man dem PKW eine knappe Stunde, mit dem ÖPNV aus bisheriger leidvoller Erfahrung auch deutlich mehr als die 1h15′. Da die Nebenbahn nur jede Stunde fährt, heißt das, dass man dem Risiko ausgesetzt ist, eine volle Stunde zu warten falls ein Bahn ausfällt oder der Zubringer zu spät ist. Die S-Bahn fährt so weit draußen auch nur noch im 30′ Takt, was zusätzlich das Potential hat eine weitere halbe Stunde mit sinnlosen Warten zu Verbringen.


    Ich habe mein Leben schon genug auf kalten Bahnsteigen im Winter verbracht, als das ich das als irgend wie erstrebenswert betrachten würde. Hart formuliert im PKW erkälte ich mich nicht, weil ich da kein Wechselbad zwischen überheizten Zügen und kalten Bahnsteigen im Wind habe.
    Ich kenne das Pendeln innerhalb Frankfurts noch sehr gut. Wenn die Verbindungen gut sind, ist der ÖPNV eine gute Wahl. Ich lehne den ÖPNV nicht aus Dogmatismus ab. Aber selbst innerhalb Frankfurts ist er oftmals richtig schlecht, und man ist mit dem Fahrrad (das bevorzugte ich in Frankfurt bei trockenem Wetter dem PKW), dem PKW oder sogar zu Fuß deutlich besser dran. Irgend wie gibt es bei dir nur schwarz und weiß. ÖPNV toll, PKW schlecht, wie wäre es wenn du die Probleme deiner Mitbürger weniger ideologisch betrachten würdest? Das Produkt ÖPNV ist auf vielen Relationen richtig sch****, und daran ändern Strafen für die PKW-Nutzung und Verbote rein gar nichts. Der ÖPNV bleibt trotzdem sch****.





    Guter Punkt, sdni : Ausgaben der Kommunen für Maßnahmen zur Luftreinhaltung (oder auch Ausgaben für die Verhinderung von Maßnahmen zur Luftreinhaltung) würden mit deutlich reduziertem Autoverkehr sehr schnell wegfallen, aus dem Budget, dass die Kämmererin verwalten muss.

    Das ist eine Illusion. Ein Utopie an die so viele Umweltbewegte glauben wollen, weil es eine einfache Lösung ist. Keiner macht sich Sorgen wegen der manipulierten LKWs aus Osteuropa (die NOx-Reinigung wird deaktiviert), die faktisch den kompletten Transport übernommen haben, aber vor sauberen (es gibt sie!) Diesel-PKW haben alle Angst. Dazu gibt es in Städten so viele andere Quellen für Umweltbelastungen, dass es nicht nachvollziehbar ist, weshalb das komplett ignoriert wird.

    Weiterhin: Mit einem billigen Frankfurt-only-Ticket würde es attraktiv werden, das Auto an den Stadtgrenzen stehen zu lassen.

    Nein, der Kostenvorteil wäre minimal und der Komfortverlust (vor allem verlorene Lebenszeit) drastisch. Weshalb sollte sich das irgend jemand freiwillig antun? Bist Du jemals von Land in die Stadt gependelt?

    Nun, die Banken schaffen noch Geld, und Mieten wurden früher mal u.a. durch sozialen Wohnungsbau niedrig gehalten. (Hier sind wir dann wieder mal bei Wien als gutem Beispiel.)

    Die Mieten werden vor allem durch ausreichend Angebote niedrig gehalten, denn sozialer Wohnungsbau hat noch nie die Mieten für Menschen oberhalb des Sozialhilfeniveaus beeinflusst. D.h. wer „zu viel“ verdient, fällt beim sozialen Wohnungsbau auch hinten herunter, und muss, damit wir wieder die Kurve zum Thema das Forums es schaffen, notgedrungen ins Umland ziehen, und dann pendeln.


    Die Geldschöpfung darf nur in einem sinnvollen Verhältnis zur Wirtschaftsleistung stehen, nimmt der Geldfluss, welcher unter anderem durch die Geldschöpfung beeinflusst wird, zu stark zu, führt dies zu Inflation und die ist immer zulasten der Sozialschwachen in der Gesellschaft. Aus dem Nichts kommt nichts und das Herumspielen an der Geldmenge hat sehr ernsthafte Konsequenzen. Zurzeit erodieren die Erträge der Banken (siehe die Geschäftsberichte der Deutschen oder CoBa) und es droht der Totalkollaps.


    Wie wäre es mit der folgenden Variante:

    Begleitend zum verbilligten ÖPNV werden von jeder 4-spurigen Straße (in den Großstädten wie Frankfurt) 2 Spuren dem motorisierten Individualverkehr entzogen und mit Bussen in dichtem Takt belegt.

    Was bringt das den Pendler aus dem Umland?

    Irgendwie scheinen es hier einige nicht verstehen zu wollen. Wenn man aus dem Umland pendeln, nützen Busse in Frankfurt rein gar nichts. Parken am Stadtrand und weiterfahren mit dem Bus, fällt mangels Parkplätzen aus, und ist ohnehin total unattraktiv, weil die Busse viel zu langsam sind. Wenn müsste es die P+R Parkplätze im Umland geben, und schnelle Bahnverbindungen nach Frankfurt. Die sind aber bereits überlastet. Deshalb anstatt über in Busse in Frankfurt sollte man eher über eine S-Bahn auf eigenen Gleisen von Friedberg nach Gießen (laut hr-Bericht vor einiger Zeit ist die Strecke komplett am Limit), eine zusätzliche Tunnelstrecke für die S-Bahn in Frankfurt, eine RTW als durchgehende Stadtbahn, die U4 über Seckbach nach Bad Vilbel, eine Straßenbahn/Stadtbahn nach Isenburg, U-Bahn unter der Hanauer Landstraße mit Weiterbau nach Offenbach, … reden. Ein Problem sind die ganzen Nebenbahnen, die fahren schön langsam durch die Landschaft, und Busse auf dem Land sind eine Katastrophe. Bestenfalls einmal die Stunde fährt ein Bus, das reicht für den Schülerverkehr. Das war einmal vor 100 Jahren schnell, mittlerweile ist das fürchterlich langsam. Auf dem Land verbraucht ÖPNV so fürchterlich viel Lebenszeit, dass das für niemanden attraktiv ist.

    Die schwäbische Hausfrau kann kein Geld erzeugen, ihre Bank kann das schon und die öffentliche Hand ebenfalls. Der einzelne Kämmerer nicht, aber das ist eben das Problem.

    Die Folgen sind dann z.B. explodierende Mieten, weil durch das EZB Schrottpapieraufkaufprogramm so viel Geld geschöpft wird, dass das irgendwo angelegt werden muss. Weil es auf dem Kapitalmarkt kaum noch Renditen gibt, drängt alles ins Betongeld.

    Momentan pendeln ca. 50% (ist gibt von der IHK eine Studie dazu) der Pendler nach Frankfurt mit dem ÖPNV. Der Rest nutzt den PKW. Will man signifikant die Zahl der PKWs in Frankfurt reduzieren, wird man nicht um einen Ausbau des ÖPNVs herum kommen. In der Regel ist nämlich nicht der Fahrpreis der Punkt, weshalb der ÖPNV nicht genutzt wird sondern andere Faktoren.


    @@Darkside

    Die Kosten verbleiben aber bei Frankfurt, und die Einnahmen haben die Umlandgemeinden. Wir gut das bisher mit einem Ausgleich funktioniert sehen wir doch – gar nicht.