Beiträge von baeuchle

    Hier im Forum ist extrem auffallend, dass diese Problematik fast vollständig verdrängt wird. Man träumt von 365€ Ticket, was magischer Weise mit ähnlich geistreichen Lösungen die Verkehrswende herbeiführen würde

    Wer tut das?

    es gibt Kräfte im Land, die den privaten PKW komplett verbieten wollen.

    Wen? Wer fordert das, und wie kräftig sind diese „Kräfte“?

    Das heißt, die Förderung des ÖPNV als klimafreundlicher Alternative zum MIV ist zu begrüßen, nicht jedoch die absichtliche Verschlechterung der MIV-Situation ohne ortsspezifischen praktischen Nutzen für die Allgemeinheit.

    Abgesehen davon, dass Klimaschutz allen zu gute kommt (die nicht in den nächsten zwanzig Jahren sterben): wo hat es schonmal so funktioniert?

    Ich hoffe, das im gleichen Sinne wie bei der Ginnheimer Kurve auch alle denkbaren Varianten, also insbesondere die einer U-Bahn durch Seckbach, untersucht werden.


    Einerseits kann ich mir gut vorstellen, dass deutlich geringere Fahrzeiten möglich wären, daher eventuell höheres Fahrgastpotential, andererseits wären Hochbahnsteige in Bad Vilbel schwieriger unterzukriegen als Straßenbahnbahnsteige. Von den Kosten abgesehen; ich hoffe aber, dass harte Fakten auch zu solchen Varianten ermittelt werden.

    Die Fahrzeughersteller werden wohl ein Interesse daran haben, Fahrzeuge zu bauen, auf die man zählen kann. Wer das nicht tut oder kann, verschwindet wohl vom Markt.

    Jaja, „der Markt regelt alles“, ne? Stimmt hier halt ungefähr genau so wenig wie überall anders auch:

    Eventuell müsste noch mehr reguliert werden.

    Siehste. Der Markt regelt's nämlich nicht

    Du musst dir mal die Fahrgastbeschwerden ansehen: VGF sagt Bus ist TraffIQ, TraffIQ hat weder Facebook noch Twitter. Die Fahrgäste werden von einem zum anderen geschickt.

    Ähm. Moment. Ist dein Argument gegen lokale Zuständigkeiten jetzt die, dass die traffiQ sich versteckt? Das ist, keine Frage, kritikwürdig; das ist aber doch komplett unabhängig von den anderen Dingen lösbar!? Ich halte es für ein viel zentraleres Problem für die Kund*innen, dass die traffiQ alle Fahrzeuge, egal von welchem Anbieter, in den Firmenfarben der VGF fahren lässt. Dass die Trennung eben nicht hart vollzogen wurde, sondern zum Beispiel die Haltestellen immer noch von der VGF betrieben werden, dass die Leitstelle immer noch in (privater!) Hand der VGF ist, trägt ebenfalls dazu bei, Menschen mit Problemen und Anliegen zu verwirren. Dein Lösungsvorschlag ist, deswegen gleich alles der VGF zu geben, und ich finde das gar nicht so verkehrt; die bloße Existenz der traffiQ ist aber nicht das Problem, lediglich die exakte Umsetzung der Trennung.

    Sind das statistisch zusammengetragene oder in echt erhobene Zahlen?

    Natürlich wird nicht jeder einzelne Fahrgast erfasst und gezählt. Dafür bräuchte man ja in jedem Zug zu jeder Zeit eine*n Fahrgastzähler*in. Statt dessen wird an repräsentativ* ausgewählten Tagen in repräsentativ* ausgewählten Zügen gezählt und hochgerechnet. (* : so sollte es wenigstens sein…)


    Eine solche Hochrechnung hat intrinsische Unsicherheiten, Fehler genannt (heißt nicht, dass jemand was falsch gemacht hat!). Die kann man ausrechnen, wenn man die Rohdaten und das genaue Verfahren der Hochrechnung kennt. Ohne Angaben dieser Fehler kann man aber die Veränderung zwischen zwei Messungen (etwa 2014 und 2016) nicht beurteilen. Wir wissen zum Beispiel nicht, wieviele Fahrgäste mehr hochgerechnet würden, wenn einfach in einen der gezählten Züge eine Person oder gar eine Familie mehr oder weniger eingestiegen wären.

    Ich finde es nach wie vor bedenklich, dass du, John2 , hier so oft behauptest, Dinge wollten in anderer Leute Kopf nicht hinein. Deine Argumente sind in meinem Kopf, und wenn du genau liest, dann siehst du: auch in den Köpfen der anderen. Sonst könnte man ja gar nicht dagegen argumentieren. Deine Argumente werden aber nicht als stichhaltig und überzeugend angesehen. Bitte höre auf, diesen Punkt auf fehlenden Willen zurückzuführen. Du und ich sehen und bewerten Dinge unterschiedlich.


    Mir scheint, du übersiehst, dass niemand Maßnahmen in den Großstädten als catch-all darstellt. Das betrifft bessere Verbindungen in der Stadt, die nicht-Einstellung von bestehenden Verbindungen in der Stadt, attraktivere Preise in der Stadt: keines davon alleine, und auch nicht nur diese Maßnahmen zusammen, werden die Verkehrswende bringen. Ich wiederhole meine Aufforderung, dass du ein Beispiel in der Welt bringen sollst, bei dem die Verkehrswende auf den Weg gebracht wurde, ohne den MIV massiv einzuschränken. Du kannst noch so viel darüber spekulieren, wie „die Landbevölkerung“ bei den nächsten Wahlen reagieren wird und wem sie weglaufen werden (gerne mal spezifizieren, wem sie denn momentan nicht weglaufen?); dein Argument, dass man wegen politischer Ängste nur Politik für Weitpendler machen dürfe, halte ich für unrichtig.


    Nun hast du recht: mit Verboten kommt man nicht sehr weit. Aber du willst ja nicht nur keine Verbote, sondern keine Einschränkungen. Teureres Parken oder eine City-Maut lehnst du ab (wenn ich mich recht erinnere?), obwohl beides absolut nichts mit Verboten zu tun hat.

    Glaubst du ernsthaft, dass du bei den Umlandpendlern auch nur einen Blumentopf gewinnen wirst, wenn der MIV per Zwangsmaßnahme aus den Großstädten gedrängt wird, und man sehr viel Lebenszeit opfern muss?

    Die Wartezeiten auf den Anschluss beim Umsteigen wird deutlich kürzer. Und das Umsteigen soll eine Zumutung sein? Aussteigen in Niederursel auf dem Bahnsteig <5′ warten und wieder einsteigen. Ich weiß nicht wie viele Stunden ich schon wegen verpasster Anschlüsse in Oberusel im Winter auf dem komplett ungeschützten Bahnsteig in der kalten Luft habe warten müssen.

    Das Problem mit dem „per Zwangsmaßnahme“ ist halt, dass du ohne Zwangsmaßnahme niemals genügend Leute zum Umsteigen anregen wirst. Gegenbeispiele willkommen. Und wie schon mehrfach betont: Egal welche, Zwangsmaßnahmen reichen auch nicht.

    Und zu deinem Umsteigen in Oberursel: Kannst du nochmal kurz erläutern, welche Linie in Oberursel im Stundentakt ankommt, so knapp, dass du einen stündlichen Anschluss einer Bahn verpasst? Ich hatte dich immer so verstanden, als wäre es U3 → Eisenbahn, aber die U3 fährt ja im Viertelstundentakt, sodass eine Bahn früher zu nehmen bei einem verpassten Anschluss pro Woche für mich schon sinnvoller aussieht als jedes Mal knapp zu fahren, Stress und Hast zu ertragen. Bei weniger als einmal pro Woche verstünde ich deinen Punkt nicht. Das kann es also nicht sein, welchen Umstieg hattest du statt dessen?

    [Ist baeuchle explizit MIV-feindlich?] Ja, denn dich interessiert es schlichtweg nicht, wie schnell die Pendler aus dem Umland mit dem ÖPNV in die Stadt kommen, solange dort keine PKWs mehr fahren. D.h. deine u.a. persönliche Vorteile sollen zu Lasten der Bevölkerung aus dem Umland realisiert werden, weil diese mit der Opferung sehr viel persönlicher Lebenszeit den Preis für deinen persönlichen Vorteile bezahlen sollen. Und du meinst ernsthaft, dass das nicht aggressiv und egoistisch erscheint?

    Interessante Argumentation, aber falsche Grundannahme. Es interessiert mich sehr wohl. Siehe oben: ich rede niemals von Alllösungen. Ich sehe nur einfach in deinen Vorschlägen gar keine Lösungen, weil sie den MIV einfach gar nicht verringern. Siehe ebenfalls oben. Du hast selbst schon gesagt, dass der MIV einfach immer schneller in der Stadt ist, also wird es ohne Lebenszeiteinsatz von Pendlern nicht gehen, sie auf Bus und Schiene zu bringen, egal, wie gut das Angebot ist. Du schreibst doch auch, dass du eine Verkehrswende willst – was meinst du denn damit wenn nicht weniger MIV? Das ist nicht aggressiv gemeint und ist definitiv nicht egoistisch: von weniger MIV profitieren langfristig alle.


    Egoistisch ist es, die Auswirkungen seiner eigenen Mobilität der Allgemeinheit aufzubürden, was Dreck, Flächenverbrauch, Unfallrisiko, Ressourcenverbrauch, Emissionen von Treibhausgasen, Unterhalt von Verkehrsflächen und all die anderen Punkte, die hier fehlen, angeht. Wir hatten da auch schonmal diskutiert, warum das Pendeln von einer billigen Wohnung subventioniert wird, das Leben in einer teuren aber nicht. Aber nun.

    Stagnation ist eine Sache, aber einen Rückgang von Einer Millionen und Vierhundertachtunddreißigtausend auf Eine Million und Vierhundertdreißigtausend ist ein halbes Prozent. Ohne Angabe von Fehlerbalken ist es nicht einzuschätzen, ob das mit einer Stagnation kompatibel ist oder nicht. Von „Rückgang“ zu reden ist also m.E. ziemlich übertrieben, aber für Politiker*innen (aller Coleur!) doch sehr typisch.

    Ich bin letztens auf eine Fernsehdokumentation aus dem Jahre 1958 (38:45 Minuten lang) gestoßen, in der die damalige Bundesbahn wohlwollend, aber kritisch beäugt wird. Anlass scheint gewesen zu sein, dass 1958 das erste Mal seit dem Bundesbahngesetz von 1952 die Preise erhöht wurden. Der Film versucht, der Frage auf den Grund zu gehen, warum es nötig ist, mehr Geld zu fordern, obwohl doch immer mehr Leute mit der Bahn (sogar in den Urlaub, man stelle sich das vor!) fahren und auch der Güterverkehr brummt.


    Dabei wird einerseits die „vollkommen veraltete Technik“ gegeißelt, etwa handbetriebene Schranken am rechten Rheinufer, oder Schraubenkupplungen (obwohl des doch längst automatische Kupplungen gibt), mechanische Stellwerke, Petroleumleuchten, und natürlich das Problem, dass die Dampfloks einfach nicht kaputt gehen und daher nicht so einfach ersetzt werden können. Es wird gefragt, ob sich dieses 120 Jahre alte System nicht unsinnigerweise einer Modernisierung widersetzt.


    Der Film ist dabei schon aus cineastischer Sicht sehr interessant: man sieht erstmal 110 Sekunden lang Züge fahren, bevor der Text losgeht, und vieles wird wiederholt. Wirklich irrsinnig wirkt das Interview mit dem damaligen Chef der Bundesbahn. Was man heute wohl „pacing“ nennt, war damals noch mehr Fremdwort als heute.


    Davon abgesehen wirft der Film einige volkswirtschaftliche Fragen auf, über die wir heute noch, auch hier im Forum, gerne diskutieren, nur typischerweise aus der anderen Perspektive. Braucht die Bahn wirklich so viele Mitarbeiter? Soll die Bahn wirklich auch die Strecken und Bahnhöfe anfahren, an denen kaum jemand einsteigt? Soll die Bahn denn auf Teufel komm raus bei jedem Wetter funktionieren müssen, und welchen Aufwand soll man dazu betreiben? Muss die Bahn Gewinn machen? Soll die Bahn für alle da sein und „Sozialtarife“ (ich glaube, das meint in diesem Zusammenhang Auszubildendentarife und Zeitkarten) bereitstellen?