Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h braucht man auf den Strecken wo der 423 fährt nicht,
da es dort nur Abschnitte mit maximal 140 km/h gibt. Die anderen Linien befahren zwar
Streckenabschnitte auf denen 160 km/h erlaubt ist, aber die Geschwindigkeit macht bei
den Haltabständen kaum Fahrzeitverkürzung im Vergleich zu 140 km/h (dafür deutlich
höherer Energeiverbrauch)
Außerdem sind vielfach die Haltabstände einfach zu kurz, um den Zug überhaupt erst auf 160 zu beschleunigen und wieder abzubremsen, damit man am nächsten Halt überhaupt noch zum Stehen kommt. Beispiel S1 zwischen Höchst-Farbwerke und Abzw Kostheim: Sindlingen - Hattersheim: ehe man bei vergleichbaren Beschleunigungs- und Verzögerungswerten bei 160 ist, müßte man sofort wieder voll einbremsen, sonst reicht das in Hattersheim nicht mehr für den Bahnsteig. Hattersheim - Eddersheim: auch zu kurz. um wirklich auf die 160 zu kommen, dito Eddersheim - Flörsheim. Flörsheim - Hochheim: okay, man würde die 160 erreichen und auch paar Sekunden lang halten können, aber spätestens ab Evsig würde ich anfangen zu bremsen, damit ich in Hochheim den Bahnsteig treffen würde (betrifft ohnehin nur nach Wiesbaden durchfahrende Züge, nicht die dort endenden Zwischentakter). Hochheim - Kastel: auch wieder wie in den Abschnitten davor, man würde vielleicht die 160 kurzzeitig erreichen, nur um dann wie ein Stier wieder runterzubremsen auf die 100.
Und die S1 West hat von allen "Tunnellinien" schon mit die längsten Abschnitte zwischen zwei Halten. Übertroffen wird es nur noch von der S8/9 Kelsterbach - Raunheim. Dort würde man die 160 schaffen und sogar ein Stück weit halten können, aber wie Darkside ganz richtig schreibt, wäre die Fahrzeitverkürzung irrelevant und der Mehrverbrauch an Energie einfach nur absurd.
Bleibt noch die S7. Wie die jetzt seit der Sanierung der Riedbahn aussieht, weiß ich aus der Ferne natürlich nicht (bin seit 2021 weg von der S-Bahn, ich kann nur aus 17 Jahren Erfahrung davor sprechen), dort würde man nach meinem alten Kenntnisstand die 160 zwischen Mörfelden und GG-Dornberg schaffen und paar Sekunden halten können, aber auch da: irrelevante Fahrzeitverkürzung bei massivem Energieverbrauch, zwischen allen anderen Halten wären die 160 entweder gar nicht zu erreichen, oder man würde die Tachonadel (auf dem Display) zwar dort hin prügeln, aber dann sofort direkt wieder in die Vollbremsstellung gehen, sonst sieht man den nächsten kommenden Bahnsteig nur noch an sich vorbeiziehen. Sinnvolles Fahren ist was anderes.
S-Bahnen leben eben generell nicht von der Höchstgeschwindigkeit, sondern von den Beschleunigungs- und Verzögerungswerten.
Anderes Beispiel dafür ist die S1 Ost zwischen Bieber und Ober Roden: klar, es sind 120 zugelassen (außer zwischen Obertshausen und Weißkirchen unter der A3 hindurch, dort sind es nur 100). Wer unbedingt will und sich unnötige Arbeit aufhalsen will, kann ja mal versuchen, zwischen den einzelnen Halten auf die 120 hochzuhämmern und wieder runterzubremsen, aber bitte an keinem Halt auch nur mit der 1. Tür vorbeisegeln. Viel Spaß
Selbst bei Verspätungen bin ich dort trotz höherer erlaubter Höchstgeschwindigkeit nie schneller als 100 gefahren, weil es wegen der Kürze der Haltabstände einfach nicht praktikabel war, den Zug so hoch zu beschleunigen und trotzdem wieder sicher (also ohne Schnellbremsung! Die ist ja nicht als Regelfall gedacht!) am nächsten Halt zum Stehen zu bringen.
160... bei den Beschleunigungswerten und Kennkraftlinien der Antriebe der mir bekannten 423 und 430 müßten die Strecken zwischen zwei Halten schon mindestens 8 km ununterbrochen lang sein, um überhaupt auf diese Geschwindigkeit zu kommen und diese für eine nennenswerte Zeit auch zu halten, um wenigstens auch nur eine Minute Fahrzeit einzusparen. Und selbst dann braucht es zum Bremsen ideale Schienenverhältnisse und Tf, die sehr genau wissen, wann sie wo in die elektropneumatische Vollbremsstellung gehen müssen, um punktgenau zum Stehen zu kommen (also niemanden, der "vorsichtshalber" schon mal einen km vorher bremst), beides kann - ich darf das mal so deutlich ausdrücken - nicht als normaler Alltags-Regelfall vorausgesetzt werden.