Es gibt einen alten Werberspruch:
Wenn ein Produkt einen Vorteil hat, rede darüber. Wenn nicht, umschreibe es oder verschweige die Nachteile, aber lüge nicht.
Bernd Conrads ist Pressesprecher der VGF und damit (erzwungenermaßen?) PR-Profi.
Wären die Mitarbeiter in der Sicherheitszentrale professionelle Disponenten, hätte er es vermutlich besser herausgestellt. Statt dessen empfiehlt er selbst, dass man in "erkennbar akuten Fällen" vom Handy aus bitte direkt den Notruf vornehmen soll; die VGF würde sogar wiederholt darauf hinweisen. Ist mir zwar noch nie aufgefallen, aber sei's drum.
Im Nebeneffekt fällt er mit dieser Aussage seinen Mitarbeitern der Zentrale in den Rücken. Dabei bezeichnet er sie selbst als "Ordnungsdienst" (was wohl der richtige Terminus ist), während sowohl die FR wie auch ich immer von "Sicherheit" sprechen. Vielleicht trauen wir ihnen gar zu viel zu?
Nota bene: Hat sich schon mal jemand gefragt, was bitte ein nicht akuter (Not)fall für die rote Taste wäre?
Wie gut der Mitarbeiter bei der VGF [Bahn oder wer auch immer dann da sitzt und den "Notfall" zum ersten Mal bearbeitet] ist oder auch nicht, entzieht sich vermutlich unser aller Kenntnis. Diesem dann die Fähigkeit abzusprechen ein vermutlich mal standartisiertes Verfahren durchzuführen, finde ich schon etwas über das Ziel hinaus.
Siehe oben: Wäre das ein herauszustellendes Merkmal / Voraussetzung der Stellenbeschreibung, kann man das betonen. Statt dessen wird wohl eher - wie so oft im Sicherheitsgewerbe - die Sachkundeprüfung im Bewachungsgewerbe nach § 34a Gewerbeordnung ausreichen.
Eine qualifizierte Notrufabfrage ist hier - bis auf wenige Ausnahmen - eher nicht zu erwarten.
Ach ja: Wenn das hier beobachtete Verfahren einem Standard entsprechen sollte, dann wäre der zu überprüfen, neu zu bewerten und ggf. anzupassen.
Ich selbst habe Sachkundige eines Sicherheitsunternehmens in der Nutzung eines Defibrillators unterwiesen (mit Prüfung), als die Teile noch nicht großflächig öffentlich zugänglich waren. Einige der unterwiesenen Kollegen waren vom IQ her etwas träge, um es vorsichtig zu formulieren.
Ein Leitstellendisponent führt Dich telefonisch notfalls sogar durch die gesamte Reanimation, steht Dir aber auch in anderen Fällen durch gezielte Fragen so zur Seite, dass die Situation bis zum eintreffen des Rettungsmittels unter Kontrolle ist.
Da ja laut diesem Bericht auch bei einem Notruf automatisch das Kamerabild aufgeschaltet wird, sollte es für diese Mitarbeiter ein leichtes sein den Unsinn, den es leider zu viel gibt, von einem ernsthaften Notfall zu unterscheiden. Und wie die Prozesse aussehen hintendran in der weiteren "Alarmierung" (ist sicherlich nicht der korrekte Fachbegriff - bin wie gesagt nicht vom Fach), ist uns sicherlich auch nicht bekannt.
Auf die Kameraüberwachung würde ich nicht ganz so viel geben. Sie ist schon dann sinnfrei, wenn der Notfallort außerhalb des Sichtfeldes der Kamera ist (Fahrgast sieht Notfall auf dem Bahnsteig und nutzt die Notrufsäule in gutem Glauben, während ein anderer Ersthelfer am Patienten arbeitet. Mehrwert?). Welche Notrufsäule da aktiviert wurde, sollte auch ohne Video mit übermittelt werden. Kann ja auch jeder Hausnotruf über die Telefonleitung. 
Ich möchte vermuten, dass ein halbwegs geschulter und täglich mehrfach? mit Notrufen konfrontierter Mitarbeiter, der neben der verbalen Kommunikation auch die Kamerabilder vor Augen hat, die notwendigen Kräfte besser einweisen kann, als ein vielleicht aufgeregter Passant.
Das hat bereits Colalkoholiker als zweiten Vorteil neben dem eventuell nicht vorhandenen Handy oder dem leeren Akku herausgestellt. Doch auch ein Leitstellendisponent kann durch gezielte Fragen den Notfallort eingrenzen und die Kräfte direkt ansprechen und leiten. Es gibt genug Punkte in Frankfurt, die ich als Notfallort nicht sofort eindeutig benennen könnte, aber da verlasse ich mich auf die Profis in der Feuerwehrstraße, die entsprechende Karten direkt auf ihre Bildschirme aufschalten können.
Hinzu kommt, dass der VGF-"Ordnungsdienst" normalerweise nicht schnell genug vor Ort sein kann, um die Kräfte einzuweisen. In der City vielleicht, aber schon in der Bockenheimer Warte (die nun wirklich etwas tricky ist), dürfte es die ersten Probleme geben. Die nächste Rettungswache ist in der Schwälmer Straße (Kurfürstenplatz) = Anfahrt 3 Minuten - und dann Minimum 5 Minuten Notfallort suchen.
Prost!
Ich gebe auch noch den Punkt zu bedenken, dass auch gelegentlich Menschen auf den Gleisen sind (freiwillig oder unfreiwillig völlig unbeachtet). Mit dem Gedanken daran gestürzt zu sein schon prickelnder, wenn das zuerst in der Zentrale aufläuft, die den nächsten U-Bahn Zug noch zum stehen bringen könnte.
Hier schließe ich mich Colalkoholiker an (dessen Post ich zu 100% unterschreibe): Auch ich habe schon mal den Nothalt aktiviert (das größere rote Licht im Tunnel bei Ein- und Ausfahrt der Station; man verzeihe mir den nicht fachgerechten Begriff), als bei Ausfahrt der U-Bahn jugendliche Surfer auf den Zug aufsprangen.
Folgen: Keine. Fahrer stieg aus, setzte per Schlüssel den Halt zurück, fuhr weiter. Kein Fall für die Pol, und der "Ordnungsdienst" hat sich noch nicht mal von sich aus aufgeschaltet. Scheint für die wohl normal zu sein.
Im verlinkten Artikel ist die Rede davon, dass nach ca. 20 Minuten VGF-Mitarbeiter kamen, die dann per Telefon den Rettungsdienst gerufen haben. Das ist von der Rettungskette her eine denkbar schlechte Performance und wird einer so genannten "Sicherheitszentrale" nicht gerade gerecht.
Leider - ja, das meine ich wirklich so! - greift hier die unterlassene Hilfeleistung nach § 323c StGB nicht mehr, weil die Sicherheitsfachkraft keine Garantenstellung ausübt. Schlimm genug ist es allemal, und ich wünschte, ein Fehlverhalten der "34er" hätte ernsthaftere Folgen als für Zivilisten / "Normalos".
Insgesamt jedoch wirft das nicht gerade ein gutes Licht auf die VGF. Einerseits investiert sie viel in Sicherheit und redet gerne darüber, andererseits sagt sie, dass ihre Notrufsäulen in "erkennbar akuten Fällen" nur zweite Wahl sind und der direkte Notruf bei 112 (Rettung, europaweit) oder 110 (Polizei) vorzuziehen ist. Finde ich jetzt nicht so prickelnd und für unsere Gäste von außerhalb eher irritierend.
Ist das das Selbstverständnis einer sich selbst als Europastadt bezeichnenden "Metropole"?