Offenbach ist ein schlimmes Beispiel für die Kleinstaaterei im Frankfurter Raum. Es gibt zu viele Rathäuser und zu viele Gemeindegrenzen für eine Millionenstadt, die geographisch und eben auch in den Verkehrsbeziehungen längst zu einer Einheit zusammengewachsen ist.
Offenbach ist noch nicht einmal ein Vorort (wie der Vortaunus oder der Rodgau), es ist eigentlich ein Innenstadtbezirk. Dort gibt es genauso schöne Altbauwohnungen in urbanen Gründerzeitblocks wie im Nordend oder in Bockenheim, und man ist auch fast genauso schnell auf der Zeil.
Nur hat Offenbach leider ein eigenes Rathaus und leistet sich den Unsinn, eine Verkehrspolitik gegen seine Umgebung zu betreiben und in seinem Gebiet ein Loch ins Verkehrsnetz zu reißen.
Innenstädtische/innenstadtnahe Subzentren wie Offenbach (oder Bornheim, Bockenheim, Sachsenhausen, Höchst, Heddernheim/NWZ) werden sinnvollerweise mit einer U-Bahn ans Hauptzentrum angebunden (primäre Radialstrecke), für die Querverbindung zu anderen Subzentren (primäre Tangentialstrecke) oder die Anbindung der diesem Subzentrum zugeordneten einwohnerstarken Stadtteile eignet sich Straßenbahn, für kleinere Wohngebiete der Bus.
Eine leistungsfähige Anbindung ans Hauptzentrum gibt es ein Offenbach seit 1995. Die unterirdische S-Bahn ist hier wie eine echte U-Bahn gebaut, mit kurzen Stationsabständen, dichtem Takt, und einem Halt im wirklichen Zentrum [Marktplatz], unabhängig von Eisenbahnstrecken.
Auch die auf Offenbach ausgerichteten Wohnvororte im Rodgau sind mit S1+S2 gut angebunden, ebenso das vorstädtische Subzentrum Hanau (S8). Nur im engeren, innenstädtischen Offenbach gibt es große Lücken, außerdem fehlen Querverbindungen.
Tangenten wären vor allem die beiden Korridore A.) Marktplatz - Kaiserlei - Bornheim-Mitte und B.) Neu-Isenburg - Marktplatz - Mainkur - Enkheim/Hessencenter - Bergen - Bad Vilbel (ehem RTO).
Innenstadtquartiere ohne adäquate Erschließung sind der Nordwesten (durch die Kaiser- und Goethestraße fuhr mal eine Straßenbahn) und der ganze Süden zwischen Hbf und den Ringen (auch hier gabs mal Straßenbahnen, in der Waldstraße).
Lösungen wurden ja schon erwähnt. Mir gefällt die Verlegung der 16, etwa ab Hst Flaschenburgstraße zum S-Bhf Kaiserlei und von dort über Nordring, Kaiser- und Berliner Straße zu einer Endstation am Marktplatz. Oberrad (12.000 EW) und Off-Westend hätten so Anschluss an beide Zentren Sachsenhausen und Off-Marktplatz, an die Arbeitsplätze am Kaiserlei und die Hochschulen am Hafen.
Für eine Straßenbahn Kaiserlei-Bornheim müßte man die Kaiserleibrücke sehr aufwendig umbauen und an K. & Riederhöfen Anschluss schaffen, ohne Autoverkehr und Hafenbahn lahmzulegen. Das stelle ich mir schwierig vor.
Eine Straßenbahn nach Norden über die Carl-Ulrich-Brücke mit Anschluss an die Fechenheimer Strecke, zumindest bis zum künftigen S-Bhf Mainkur, würde Fechenheim und Maintal gut an Offenbach anbinden.
Als Fortsetzungen nach Osten und Süden kommen Bürgel/Rumpenheim, Waldstraße/Stadthalle/Tempelsee und Klinikum/Ringcenter/R-Wagner-Str in Frage.
Offenbach sollte in der ÖV-Planung genauso behandelt werden wie Frankfurter Stadtgebiet, und dort ist Straßenbahn für Tangenten und sekundäre Radialen ja Standard.
Zitat
Original von pocytac
Der ganze ÖPNV hat doch ein klassisches Henne-Ei-Problem.
Wäre das Angebot "S-Bahn" mit brauchbaren Takt- und Fahrzeiten nicht gekommen, wären die Fahrgastzahlen im Rodgau-Express bestenfalls stagniert. Aber das Angebot ist da, also nutzen die Leute es auch und steigen auf die Bahn um.
So ist es. Man kann sich eine Autofahrerstadt heranzüchten, wenn man das unbedingt will (Wiesbaden...), aber auch eine Fahrradstadt (Münster) oder eine Straßenbahnstadt (Karlsruhe, Zürich u.a.). Die Verkehrsnachfrage ist da und sucht sich das jeweils attraktivste Angebot.