Beiträge von baeuchle

    Ach simmer wieder so weit? Jeder ehrliche Unternehmer wird massiv unter einer Vermögenssteuer leiden und zu Grunde gehen. Klar. Das Problem sind die Südeuropäer. Klar. Stagnierende Löhne haben natürlich nichts mit irgendwas zu tun, ebensowenig die massive Umverteilung von unten nach oben, die nach und während der Finanzkrise stattgefunden hat, und die eine Vermögenssteuer oder -abgabe nicht mal komplett rückgängig machen, sondern nur abschwächen würde.


    Das Problem waren nicht die Schulden, sondern dass das durch die Schuldenaufnahme generierte Geld nicht bei der breiten Bevölkerung angekommen ist. Es wurde eben kein massives Infrastrukturprogramm gestartet, mit dem die öffentliche Hand richtig viel Arbeit bei mittelständischen Unternehmen geschaffen hätte. Statt dessen wurden veraltete Technologien gestützt (siehe: Abwrackprämien 1 bis 5773) und Banken gerettet. Und auch die Schuldenaufnahme während Corona wurde stark für Großkonzerne genutzt: große Firmen mit vielen Mitarbeitenden durften ganz viel weniger Lohn bezahlen, komplett ohne weitergehende Verpflichtungen und danach Dividenden auszahlen, die in manchen Betrieben (BMW, VW, IIRC) in Summe über den Staatszuschüssen lagen: der Staat hat also mit massiven Schuldenaufnahmen Dividenden von Großaktionären gestützt. Und von Empfängern direkter Subventionen wie Lufthansa und TUI müssen wir dabei gar nicht erst anfangen.


    Es wurden aber nicht mittelständische Unternehmen gestützt, die Luftfilter in Schulen hätten installieren können (allerdings diejenigen, die Luftfilter in Landtage einbauen konnten; es gibt halt aber nur so wenige). Es wurde kein Pflegepersonal unterstützt, welches das Geld ziemlich direkt in den Geldkreislauf wiedereingespeist hätte.


    Ja, es gab eine kurzfristige Mehrwertsteuersenkung, die insgesamt nicht viel bewirkt hat, und von der am Ende eben auch vor allem große Produkte und damit große Firmen billiger wurden (also wieder die Autohersteller). Und es gab horrende Abrechnungsmöglichkeiten für jeden, der schlau genug war, die Anzahl der abgenommenen Schnelltests zu fälschen – hey, nicht mal fälschen musste man für einen ordentlichen Reibach.


    Nochmal: das Problem sind nicht die Schulden. Sondern was mit den Schulden bezahlt wurde.

    Und warum steht trotz grünem Verkehrsminister Hessen im bundesweiten Vergleich in Sachen Barrierefreiheit bei der Bahn auf einem Platz im unteren Drittel, auf dem wir die Eintracht nicht sehen möchten? Niedersachsen und Bremen tun da mehr!

    Welches Ranking kannst du zitieren?


    Ich erinnere mich spontan an zwei Dinge aus Niedersachsen:


    Umbau Bad Bentheim

    „Nimm doch einfach die nächste Station“ in Varel


    Sind das Anekdoten? Ja. Aber sie zeigen: in Niedersachsen ist auch nicht alles Eitel Sonnenschein.


    Und vielleicht sollten wir uns woanders über die A49 unterhalten, aber dann bitte über Baurecht, Bauherrenschaft und darüber, wie viel Prozent der Stimmen die Parteien, die für den Ausbau sind, konsistent schon immer kriegen und welche Parteien alles Koalitionsverträge unterschrieben haben, in denen der Weiterbau beschlossen wurde — sogar bevor der Bau juristisch „durch“ war (Hint: auch eine Partei links von Grünen und SPD).

    Und das ausgerechnet von den Grünen, die sonst in der ganzen Republik das Verkehrswendefähnchen vorantragen.


    Ich würde es ja gern auf extrem dumme und kurzsichtige Politiker in Offenbach schieben können, erinnere mich aber auch noch an die Taktausdünnungen aus der Ära Majer I in Frankfurt. Vielleicht steckt doch Masche dahinter, und "die Grünen" heucheln meist nur ihr Interesse am ÖV, sehen aber das Fahrrad als einzig akzeptables Fahrzeug an?

    Nein, eine solche Masche existiert nicht. Du wirst es wahrscheinlich sogar schwer haben, Mitglieder der Grünen zu finden, die die Aussage „Autos sind grundsätzlich niemals und in keiner Situation akzeptabel“ unterschreiben würden.


    Aber nur Mal so als unschuldige Frage: kürzt Offenbach nur am ÖPNV und lässt alle anderen Haushaltstitel so wie vorher? Für die „Ära Maier I“, auch bekannt als „Ära Roth die letzte“, weiß ich die Antwort: nein. Es wurde massiv an allen Ecken des Haushaltes gespart.

    Zu baeuchle: Ich hatte bewusst bei meinem Denkmodell bestehende Flächen genannt, die derzeit oder zumindest in der Vergangenheit Bus-Betriebshöfe sind bzw. waren.

    aber dennoch werden mehr Flächen gebraucht. Entweder müssen bestehende betriebshofsflächen erweitert werden, oder durch andere Betriebshöfe ergänzt, oder eine eigentlich vorgesehene Neunutzung eines alten Betriebshofes muss auf andere Flächen ausweichen.


    Da dortelweiler ja gerne die These vertritt, dass der ÖPNV unbegrenzte und unhinterfragbare wirtschaftliche Ressourcen zur Verfügung haben sollte, habe ich das nur vom umweltpolitischen Aspekt — nämlich der Versiegelung— her beleuchtet; dass solch großer Flächenbedarf gerade in Frankfurt auch eine enorme wirtschaftliche Belastung darstellt, sollte aber dennoch klar sein.

    Zur Sache: 50 Busse muss man auch irgendwo hinstellen können. Und nicht in den Matsch. Sprich: man braucht mehr versiegelte Fläche. Deren Umwelt- und Klimabilanz muss man gegen die Gewinne bei Bussen vs Taxen ebenfalls gegenrechnen. Alte Busse werden auch eine schlechtere Energiebilanz pro Kilometer haben, was ebenfalls den Vergleich mit Taxen beeinflusst — die meistens eher neu sind.


    Und nun kenne ich die genaue Situation in meine-Trumpfkarte-spiele-ich-zuletzt-Schweiz nicht, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass sie wirklich so viel Kapazität vorhalten, um spontan eine Strecke der Größenordnung A-Strecke zwischen Dornbusch und Heddernheim adäquat (also: besser als früher mit dem SEV-B) ersetzen zu können.?

    Letzten Endes wird keine eine Maßnahme für irgendwas ausreichen: weder ein Fernbahntunnel in Frankfurt, noch eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen bei der Bahn (auch wenn das natürlich keine "Maßnahme" im engeren Sinne ist), noch ein S-Bahn-Ring um Frankfurt. Statt dessen müssen viele, viele Maßnahmen miteinander ineinander greifen, um klimapolitische Fortschritte zu machen.


    Nun liegt es mir sehr fern, einen veruntreuenden, lügenden, aufschneiderischen Bundesminister der CSU zu verteidigen, aber eines muss man doch festhalten: die Verdoppelung der Fahrgastzahlen bis 2030 ist ein sehr großes Ziel, das in jedem Fall Teil der Lösungsstrategie sein sollte. Und wer weiß: mit geeigneten flankierenden Maßnahmen einer hypothetischen nächsten Bundesregierung zusammen (etwa Wegfall von Subventionen, höhere CO2-Bepreisung, größere Freiheiten für Kommunen bei der Einrichtung von Tempo30/Fahrradstraßen/etc – hey, ich kann doch wohl noch träumen!) könnte dieses Programm eine Dynamik entwickeln, die die Hoffnungen und Prognosen sogar übertrifft. So, wie auch das Erneuerbare-Energien-Gesetz eine Dynamik entfaltet hat, durch die die Ausbauziele jahrelang immer übertroffen wurden – bis es dann mutwillig ab etwa 2011 zerstört wurde.

    Reicht Dir dieses etwas ältere (April) Knipsbild zur Erläuterung?

    DS2_3842.JPG

    Rechts der Bahnsteig stadtauswärts, unterbrochen durch den Überweg, dahinter in Bau der zweite Bahnsteig stadtauswärts. Daher für zwei Züge, aber im Prinzip nicht für Doppeltraktion geeignet. Stadteinwärts nur ein Bahnsteig, zum Aufnahmezeitpunkt hinten links noch im Bau.

    Die Erklärung hilft mir mehr als das Bild :) Danke.

    Insofern würde ich die praktische Relevanz eher gering einschätzen.

    "Eher": möglich. Dennoch gibt es bei der U5 diesen einen ganz praktischen Nutzen, nicht nur für Rollstühle, sondern auch für Rollatoren, Gehstöcke und die diese jeweils bedienenden Menschen. Und bei keiner anderen Linie.


    Menschen, die vielleicht genau deswegen, weil sie nicht gut zu Fuß sind, am Hauptbahnhof nur die erste Tür erwischen und dann bis Musterschule die Gelegenheit haben, durchzugehen.

    Das hängt aber auch oft damit zusammen, das im betroffenem Abschnitt bzw. an der Störungsstelle Straßen gesperrt sind.

    Ich weiß nicht, was du mit "das" genau meinst; falls es um meine Erinnerung an den SEV-B geht: nein, das war nicht das Problem an der Eschersheimer, sondern die sehr lange Anlaufzeit und die sehr kleine Kapazität.

    Ginge auch, klar. Aber bist du ein Befürworter von Taxi-Ersatzverkehr? Zu Beginn ja aber bei einer längeren Störung?

    Ich bin ein Befürworter von störungsfreiem Betrieb.


    Und wie ich anderswo schonmal geschrieben habe: meine Erinnerung an Bus-Schienenersatznotverkehr auf der Eschersheimer, von bevor SEV-T eingeführt wurde, ist alles andere als positiv. Auch nach der Anlaufphase von mehr als einer Stunde.