Ich hatte von Samstag bis heute eine Tour nach Hamburg gemacht, aber mit DB FV versteht sich. Dabei erlebt man natürlich auch, was das 9 Euro-Ticket so mit sich bringt.
Hinfahrt war via Köln - Bremen (eigentlich wollte ich den IC via Siegen mal bis Münster ausprobieren, nur der fiel aus). Zwischen Mainz und der Baustelle südlich von Bonn wurde mit einteiligen Desiro ML gefahren, was für das Fahrgastaufkommenden völlig unterdimensioniert war. Auf der anderen Rheinseite die VIAS-RB 10 in Doppel, aber nördlich von Koblenz nur Einzelfahrzeuge auf der rechten Rheinseite (RE und RB). Dazu kam noch eine Oberleitungsstörung, der Verkehr kam völlig zum Erliegen. Wer kein FV-Ticket hatte, durfte sich auf einen langen Tag einstellen. Bin in Köln dann umgestiegen. Der ganze HBF glich einer reinen Völkerwanderung. Es waren aber ehr Gruppen von Jugendlichen (teilweise schon vormittags mit ordentlich Alk), Großfamilien mit komplettem Anhang und zig Koffern, Seniorentrupps. Obwohl es im Vorhinein schon angekündigt wurde, dass Fahrräder nicht mitgenommen werden sollten, sah man doch oft Fahrräder (oft auch mit großem Kinderanhänger) bei den Wartenden. In Düsseldorf dann auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig eine Menschentraube, die zum RE 1 nach Aachen wollte. Und der kam auch schon bis unters Dach gefüllt im Stile eines Viehtransporters in den Bahnhof rein.
In Bremen hatte ich noch eine Pause, dort war aber erstaunlicherweise der Andrang zu den Zügen nicht ganz so heftig wie im Ruhrpott und Köln.
In Hamburg die Busse waren im Gegensatz zu früheren Besuchen auch nicht wesentlich stärker frequentiert. Dafür aber gab es beim Metronom und Hanse-Express so gut wie immer zahlreiche Fahrgäste, die das Nachsehen hatten. Beim Hanse-Express gab es auch Bahnsteigsperren. Bin gestern dann noch in Puttgarden gewesen, der Strandexpress (218 mit 4 Dostos) war bis Timmendorfer Strand gut belegt, aber nicht zu 100 %. Danach wurde es schlagartig leer. Auf dem Rückweg sah es ähnlich aus. Was aber die anderen Strecken ab Lübeck anbetrifft, hatte man bei den eingesetzten Lints (nach Kiel sah ich sogar ein Einzelfahrzeug) wohl deutlich zu wenig Kapazität.
Heute hatte ich auf der Rückfahrt in Kassel Aufenthalt. Der RE aus Erfurt kam mit Einzel-642 und +30 rein, am Bahnsteig warteten geschätzte 500 Fahrgäste (viele mit Fahrrädern) und nahezu alle mit Koffern. Habe dann nicht mehr gesehen, wieviele überhaupt mitkamen. Es dürfte aber nur eine geringe Anzahl gewesen sein. Fahrgastlotsen bzw DB Sicherheit aber Fehlanzeige.
In Würzburg musste ich nochmal umsteigen. Der RE nach Aschaffenburg - Frankfurt traf bereits völlig überfüllt aus Bamberg ein. Es kam auch niemand mehr rein, weit über 100 Reisende hatten Pech. Hier war DB Sicherheit gleich mit einer ganzen Mannschaft im Einsatz. Man muss dazu sagen, dass beim Main-Spessart-Express heute viele Leistungen (teilweise auch 2 nacheinander) Totalausfall wegen "Repa am Fahrzeug" hatten. In Aschaffenburg standen bei meiner Ankunft gleich ein halbes Dutzend Busse bekannter SEV-Spezis aus Frankfurt (TTT, Eyra usw) mit Reisebussen ...... In Würzburg war die halbe Flotte vom Main-Spessart-Express auf dem ganzen Bahnhofsumfeld verteilt abgestellt. Ob Defekt (vermute ich, da man bereits am Do schon einen Einzel-425 im Einsatz hatte) oder nicht, kann ich nicht sagen. Aber angesichts der zu erwartenden Reisenden hätte man hier sicher mehr Kapazität schaffen können. Die Bahnsteige sind durchweg für Doppel-445 (also 8 Wagen) ausgelegt. Nur die BEG hat für Bayern so gut wie keine Mehrleistungen bestellt, einzig München-Mühldorf (so war es bei DSO zu sehen) wurde mit 6 anstelle 5 Dostos gefahren. Da hat man aber auch die Reserven am WE.
Ein Fazit bleibt: Das 9 Euro-Ticket ist meiner Meinung nach der klare Beweis, dass die Bundesregierung hier schlichtweg etwas ins Leben gerufen hat, was mit Realität nichts zutun hat. Mit dem heutigen Nahverkehr gibt es keine Reserven mehr. Zusammengekürzte Bahnsteige, für jede Linie ein anderer Betreiber mit anderen Fahrzeugen. Da kann man eben nicht schnell mal Fahrzeuge von einer anderen Linie umsetzen (früher war das kein großes Problem). Für die lokalen Bus-, Strassenbahn und U-Bahnen mag das Angebot noch aufgehen, sobald aber überregionaler Verkehr - dann kolabriert zwangsläufig das ganze System.
Was man noch dazu sagen muss: Maskenpflicht wurde von den meisten nicht eingehalten, was auch beim entsprechenden Publikum nicht wirklich verwundert. Nach Fehmarn gestern war eine Gruppe von Ukrainerinnen bis Lübeck mit im Zug, durchweg ohne Maske und relativ laut am telefonieren. Aufforderungen von anderen Fahrgästen zur Maskenpflicht wurden scheinbar gar nicht wahrgenommen. Da war aber noch genug Platz, um sich wegzusetzen. Kontrolliert wurde während der ganzen Fahrt nicht.
Bei den Zuständen mit 200 % Auslastung der Züge hilft auch die Maskenpflicht nicht mehr viel. Da muss man ehr aufpassen, dass die Fahrgäste nicht kolabrieren, wenn es dann mal 30 Grad und mehr Aussentemperatur hat.