An Earraigh na hÉireann – Ein irischer Frühling – Teil 2 (29 B. in mehreren Beiträgen)

  • Und weiter geht es mit Impressionen von der Smaragdinsel. :)


    Dieses Mal widmen wir uns zunächst dem Eisenbahnverkehr im Raum Dublin.


    Dieser ist maßgeblich geprägt von dem dortigen S-Bahn-Äquivalent, genannt DART für Dublin Area Rapid Transit. Dieses ist zugleich der einzige Teil des irischen Eisenbahnnetzes, der – mit 1,5 kV Gleichstrom – elektrisch betrieben wird. DART besteht im Prinzip derzeit aus einer einzigen Linie mit vier verschiedenen Endpunkten und einer Länge von ca. 53 Kilometern, wobei indessen verschiedene Ausbau- und Neustrukturierungsvarianten diskutiert wurden und werden.


    DART ist ein Betriebsteil der (als Monopolist auftretenden) irischen Bahngesellschaft Iarnród Éireann; die Eisenbahnen im britischen Nordirland werden durch Northern Ireland Railways ebenfalls als Monopolist betrieben und gelten rechtlich nicht als Teil des von National Rail betriebenen britischen Schienennetzes. Zu bemerken ist freilich noch, dass das irische Eisenbahnnetz in der Republik und in Nordirland in der Spurweite von 1600 mm (5 ft, 3 in) gehalten ist.


    So war bis 2015 eine Tunnelstrecke mit dem Arbeitstitel "DART Underground" angedacht, womit eine Aufteilung in zwei verschiedene Linien – wiederum mit mehreren Endpunkten je Linie – einher gegangen wäre. Unter anderem wohl wegen ungeklärter Finanzierungsfragen wurde DART Underground jedoch von der Agenda genommen, wobei eine Vergrößerung des Verkehrsangebots und mögliche Elektrifizierungen zusätzlicher Außenstrecken weiterhin als machbar angesehen werden.



    Wir beginnen dieses Mal am Bahnhof Tara Street, der direkt am Südufer der Liffey und der Eisenbahnbrücke über selbige liegt.





    Ja, Irisch ist ein für unsereins sehr ungewohntes Idiom.





    Es sind bei DART derzeit vier Triebzugbaureihen im Einsatz. 8632 gehört zur Baureihe 8520 – die den Baureihen 8500 und 8510 praktisch gleicht, wobei diese Typenfamilie aus vier Wagen besteht und 110 km/h erreicht – und wurde in Japan von Tokyu Car gefertigt. Ziel des Zuges ist Greystones/Na Clocha Liatha, das 27 km südlich Dublins an der Küste im County Wicklow liegt und neben Bray/Bré einer der beiden südlichen Endpunkte von DART ist.





    Wir fuhren erst einmal gen Norden nach Howth Junction & Donaghmede/Gabhal Bhinn Éadair & Domhnach Míde im Dubliner Außenbezirk Donaghmede. In diesem Keilbahnhof teilen sich die Streckenäste nach Howth (aus Dublin kommend nach rechts) und die Bahnstrecke Dublin-Belfast auf, wobei letztere bis zum Bahnhof Malahide/Mhullach Íde ebenfalls von DART bedient wird.


    Hier zu sehen ist ein Zug aus Triebzügen der Baureihe 8100 – 100 km/h schnell, gebaut 1983 durch Linke-Hoffmann-Busch und von 2005-2007 durch Siemens modernisiert – mit dem 8138 an der Spitze auf dem Weg nach Howth/Binn Éadair. Diese Triebzüge bestehen aus zwei Wagen, wobei der Motorwagen (mit Stromabnehmer) im Regelfall immer Richtung Norden steht und der zweite Wagen ein nicht angetriebener Steuerwagen ist.


    Man beachte auch die de facto in britischer Bauart gehaltenen Signale mit den typischen "feathers" auf dem Kopf des Signalschirms, die in Form einer Lichtreihe anzeigen, falls eine Fahrstraße in das jeweils andere Gleis gestellt sein sollte. Wie britische Signale sind auch dies reine Routensignale ohne Aussage zu zulässigen Geschwindigkeiten für die eingestellte Fahrstraße, die entweder separat ausgeschildert sind oder zur Streckenkunde gehören.


    Wissenswert ist auch, dass das irische Zugsicherungssystem CAWS (Continuous Automatic Warning System), das mit codierten Gleisstromkreisen als Überträger arbeitet, zwei Trägerfrequenzen besitzt. Carrier 1 (C1, 50 Hz) kommt außerhalb der elektrifizierten Strecken im Raum Dublin zum Einsatz; Carrier 2 (C2, 83,3 Hz) wegen der Vermeidung von möglichen Interferenzen durch die Bahnstromversorgung im Bereich der letztgenannten Strecken.






    Ein Commuter-Dieseltriebzug der Baureihe 29000, genauer der 29101, auf der Fahrt nach Dundalk/Dún Dealgan. Diese Baureihe kommt von CAF und wurde 2002-2005 geliefert.





    Es gibt schon seit langer Zeit einen regelmäßig verkehrenden, von IÉ und NI Railways betriebenen Intercity zwischen Dublin Connolly und Belfast Central unter dem Namen Enterprise, der zumeist mit Wagenzügen aus den besonderen De-Dietrich-Reisezugwagen bedient wird. Diese sind konstruktiv aus den Mittelwagen der TGV TMST für den Kanaltunnelverkehr von Eurostar abgeleitet und bestehen in der Regel aus sieben Wagen, einschließlich eines Steuerwagens.


    Bespannt werden diese durch Dieselloks der Baureihe 201, die gewissermaßen eine auf Geschwindigkeit getrimmte Abwandlung der Class 66 darstellen. Von EMD als JT42HCW bezeichnet und 1994/95 geliefert, wären diese Loks mit 2,4 MW Leistung und 108,8 t Gewicht prinzipiell für 201 km/h geeignet; auf dem irischen Schienennetz sind derweil maximal 160 km/h auf Teilen der Strecke Dublin-Cork zulässig, und 140 km/h auf Abschnitten der Belfaster Strecke. Die Loks sind nach irischen Flüssen benannt.


    Hier zu sehen ist die 227 "River Laune/Abhainn na Leamhna", eine von derzeit sieben Loks mit der Enterprise-Lackierung. Zwei weitere Loks, die 231 und 233, haben die "Common User"-Lackierung, alle weiteren die Intercity-Lackierung. Zu bemerken wäre noch, dass die Loks 201-205 und 210-214 nicht wendezugtauglich sind und seit einiger Zeit in der Hauptwerkstätte Inchicore abgestellt sind. Außerdem gehören die Loks 208 und 209 NI Railways und sind dementsprechend als 8208 und 8209 nummeriert.





    Ein Nachschuss auf den Steuerwagen 9001. Zu ergänzen wäre noch, dass die De-Dietrich-Wagen seit 2012 durch jeweils einen Generatorwagen je Verband ergänzt werden. Diese Wagen wurden aus irischen Mk.3-Reisezugwagen umgebaut und konnten das häufige Problem beheben, dass die 201er durch den erhöhten Energiebedarf der Enterprise-Wagenzüge überlastet wurden und Schäden erlitten.





    8635 als (in deutschen Begriffen) Vollzug auf dem Weg nach Malahide.





    8327 an der Zugspitze auf der von Howth nach Greystones…





    …und 8306 an der Spitze nach Bray.



    Fortsetzung folgt in Kürze!

    Fág an Bealach!

  • Und auch in diesem Teil nehmen wir uns ein wenig Zeit für Impressionen abseits der Strecke. :)




    Praktisch direkt nach Verlassen des Bahnhofs gelangt man in Howth/Binn Éadair, einer Kleinstadt von rund 8.200 Einwohnern auf der Halbinsel Howth Head am Nordrand der Dublin Bay, an den Hafen, der eine Fischereiflotte beherbergt. Wer etwas essen möchte, hat entlang des Kais die Wahl zwischen mehreren Restaurants.





    Die östliche Außenmole des Hafenbeckens mit dem Leuchtturm…





    …und die Insel Ireland's Eye/Inis Mac Neasáin unweit der Küste.





    Wissenswert ist, dass die britische Seenotrettungsgesellschaft RNLI auch an den Küsten der Republik Irland den Rettungsdienst übernimmt. Die Station Howth besitzt ein Boot der Trent-Klasse namens Roy Barker III und ein Schlauchboot der D-Klasse mit Namen George Godfrey Benbow für küstennahe Einsätze.





    Auch als Ferienort dürfte Howth keine schlechte Wahl sein.



    Im nächsten Beitrag in diesem Thread kehren wir dann wieder zurück auf die Schiene!

    Fág an Bealach!

  • Wieder zurück auf dem Bahnhof von…







    …schauen wir uns einmal einen Fahrkartenautomaten an. An diesen Automaten kann man auch die "Leap" genannte Smartcard, die im Nahverkehr u.a. im Raum Dublin verwendet werden kann, mit Guthaben aufladen. Die Funktionsweise von Leap ist im Wesentlichen wie das Oyster-System in London, so dass Bahnhöfe und Straßenbahnhaltestellen mit entsprechenden Lesegeräten zum Ein- und Auszählen versehen sind. Auch aus London bekannt sein dürften die "fare gates", also Zugangstüren, zu den Bahnsteigen.


    Bei Bussen – wobei die älteren Wagen meist nur eine Tür für Ein- und Ausstieg beim Fahrer haben – zählt man sich hingegen nur beim Einstieg ein und nennt dabei dem Fahrer die gewünschte Ausstiegshaltestelle, so dass der entsprechende Betrag beim Einzählen abgebucht wird.







    Wenig überraschenderweise kann die Benutzeroberfläche natürlich auch Irisch zeigen. :D






    Auch an den Dubliner Straßenbahnhaltestellen zu finden sind diese Stelen zum Ein- und Auszählen.





    Ich sagte ja, dass man praktisch vom Bahnsteig ins Meer fällt!







    …denn das ist der Ausblick vom Bahnsteig aus.





    Der Bahnhof Howth hat zwei Stumpfgleise. 8102 – ich vergaß zu erwähnen, dass die Motorwagen bei dieser Baureihe die 8100er-Nummern tragen und die Steuerwagen 8300er-Nummern – trifft gerade ein. Das küstenseitige Gleis wird deutlich weniger häufig genutzt als das landseitige.




    Ein weiterer Beitrag für diesen Thementhread folgt in Bälde.

    Fág an Bealach!


  • Alles klar? :thumbsup:


    Nein? Dann vielleicht so…




    Wobei man den zweiten Satz in einem Endbahnhof wie Howth sicher nicht als gegeben ansehen muss… :D




    Jedenfalls ging es dann in die Stadt zurück zur…












    Ein weiteres Anschauungsbeispiel für ein Signal.





    8632 kommt aus der Unterführung neben dem Aviva Stadium auf dem Weg nach Greystones.






    29116 kommt aus Maynooth/Maigh Nuad am Bahnhof Pearse/Stáisiún na bPiarsach an. Nach dem südöstlichen Bahnsteigende folgen abseits der Trans-Dublin-Strecke Stumpfgleise, wo hier endende Commuter-Züge wenden.







    8106 mit Steuerwagen voraus auf der Fahrt nach Bray im Bahnhof Connolly/Stáisiún Uí Chonghaile. Im Jahr 1966 waren anlässlich des 50. Jahrestags des Osteraufstandes mehrere größere Bahnhöfe in Irland nach prominenten Personen aus dem Umfeld der damaligen Revolutionäre umbenannt worden. So wurde z.B. aus dem vormaligen Dubliner Bahnhof Amiens Street Connolly (nach James Connolly); aus Westland Row wurde Pearse (nach den Brüdern Patrick und Willie Pearse); und Kingsbridge wurde zu Heuston (nach Sean Heuston).



    Und zum Schluss schon einmal ein Vorgeschmack aufs nächste Mal:




    Vielleicht errät schon jemand die Location? Invers-Bildersuche benutzen gilt nicht! ;)



    Bis neulich!

    Fág an Bealach!