Diverses aus Darmstadt

  • Das Phänomen der Roten Linie: In "unserer" Bibel ist es die Linie 5. Und so ist die Linie Ostbahnhof - Heinheimer Straße bekannt.
    Ab 1924/26 wurde die neue Braune Linie mit der Nummer 9 belegt.
    Bei meinem (einmaligen) Exkursion im Stadt- und Staatsarchiv hatte ich in den bereitgelegten Unterlagen auch schon gelesen, das die Rote Linie zuweilen sowohl mit der Liniennummer 5 (Die es am Ende ja auch war) als auch mit der Liniennummer 9 angegeben.
    Seltsam ist es auch, das die Liniennummern 1, 6 und 7 mit keinem Wort erwähnt wurde, egal wo.
    Die Linie 1 entwickelte sich aus schlieslich aus den kurzgeführten Zügen der Linie 2.
    Auch die Linie 6 entstand aus den kurzgeführten Züge der Linie 7.
    Und die Linie 7 wurde 1917 eingerichtet, weil die Ersatzteilprobleme (was wir heute ohne Kriege auch haben, siehe die vielen Solo-Triebwagen, die unterwegs sind) so groß wurden, das einige der damals neuen Tw 35 - 49 abgestellt wurden. Linie 8 wurde bis zum Schloß gekürzt und die neue Linie 7 (Fasanerie - Moosbergstraße/Heute Landskronstraße) konnte mit den beiden anderen Reihen (1 - 18 und 19 - 34) betrieben werden.
    Seinerzeit könnte folgende Politik betrieben worden sein: Die hohen Liniennummern gehen über Darmstadts Grenzen hinaus. Diese Regel wurde praktisch erst mit der Neueinrichtung der Linie 4 am 14. bzw. 15. Dezember 2003 gebrochen. Das würde die Lücken mit den Linien 6 und 7 erklären. Selbst wenn Pfungstadt an das Straßenbahnnetz angeschlossen worden wäre, hätte diese Regel immer noch gepasst.
    Aber die Erwähnung der Linie 9 auf dem Abschnitt zum Ostbahnhof im Staatsarchiv bzw. jetzt neu in der Universitätsbibliothek läuft gegen dieser These Sturm. Es sei denn, man plante seinerzeit bereits mit der Ost-West-Achse (was letztendlich vom Mai 1960 - Januar 1983 auch gemacht wurde).

    Viele Grüße aus Darmstadt - Jörg "Baertram" D.
    RMV senkt die Preise? - Eher fährt unser Tw 37 aus eigener Kraft von Wixhausen nach Leimen.
    Der Bergstraße gibt man 4 Minuten - der Heimstättensiedlung werden sie genommen. Waren das noch Zeiten, als der "H-Bus" von der (Fach-)Hochschule zur Berliner Allee nur 2 Minuten brauchte.

    Einmal editiert, zuletzt von Baertram () aus folgendem Grund: 1 Rechtschreibfehler ausgebessert. Der Rest ist für Euch.

  • Die Darmstädter Zeitung schreibt am 23. September 1913:


    „Der neue Winterfahrplan der [elektrischen, WK] Straßenbahn, der am 1. Oktober in Kraft tritt, liegt uns vor. Aus ihm geht hervor, daß auf allen Linien innerhalb der Stadt ab Schloß morgens ¾8 bis abends um ¾9 Uhr der 7 ½-Minuten-Betrieb anhält. Als erhebliche Verkehrs­verbesserung ist zu erwähnen, daß die bisher am Herdweg aufhörende Linie 1 bis zur Ohlystraße geführt wird. Interessant ist, daß durch diese Verlängerung, welche die Einnahme der Linie nicht erhöhen wird, jährlich etwa 20.150 Wagenkilometer mehr gefahren werden, was einer Betriebs­mehrausgabe von ca. 5.600 Mark entspricht.


    Der Winterfahrplan enthält folgende Linien: 1. Haupt­bahnhof – Ohlystraße. 2. Haupt­bahnhof – Böllenfalltor. 3. Haupt­bahnhof – Landskron­straße. 4. Schloß – Elisabethen­straße – Haupt­bahnhof – Dornheimer Weg – Bismarckstraße, Ecke Wendelstadt­straße. 7. Fasanerie – Heidelberger Straße – Ecke Landskron­straße. 8. Taunusstraße – Heidelberger Straße – Ecke Landskron­straße. 9. Ostbahnhof – Schloß – Mathildenplatz – Schloßgartenplatz. Der Fahrplan der letztgenannten Linie und der Strecke Haupt­bahnhof – Dornheimer Weg tritt jedoch erst nach Fertig­stellung der Gleisarbeiten in Kraft und wird vorläufig die bisherige Linienführung über den alten Bahnhof beibehalten.


    Besonderen Wert legt der neue Winterfahrplan auf die Abschlüsse der einzelnen Linien aneinander an den Umsteigeplätzen. Die von der Fasanerie ankommenden Wagen ermöglichen ein sofortiges Umsteigen in Linie 3 nach dem Haupt­bahnhof und Linie 9 zum Ostbahnhof und umgekehrt. Ebenso ist ein Umsteigen von Linie 7 und 8 in Linie 4 zum Haupt­bahnhof ermöglicht, wie auch die Wagen der Linie 4 vor dem Abfahren der Wagen der Linie 7 und 8 zur Fasanerie am Schloß ankommen. Ferner haben die Wagen der Linien 3 und 9 am Schloß direkten Anschluß zum gegenseitigen Umsteigen. An der Neckarstraße, Ecke Rheinstraße, haben die Wagen der Linie 4 vom Haupt­bahnhof direkt Anschluß an die Wagen der Linie 7 zur Heidelberger Straße und umgekehrt. Ecke Wendelstadt- und Bismarck­straße ist die sofortige Umsteige­möglichkeit von den vom Haupt­bahnhof kommenden Wagen der Linie 4 in die zum Schloß­gartenplatz fahrenden Wagen der Linie 9 vorhanden und umgekehrt.


    Der letzte Wagen ab Hauptbahnhof 1 Uhr nachts hat Anschluß an den von Heidelberg eintreffenden Eilzug und den von Mainz kommenden Personenzug 12.59 Uhr an Haupt­bahnhof. Auch die Abfahrt der Straßenbahn­wagen vom Haupt­bahnhof im Anschluß an die vorletzten Züge von Groß-Gerau und Frankfurt sind um einige Minuten günstiger gelegt. Ein Sonderwagen vom Hoftheater nach dem Haupt­bahnhof nach Schluß der Vorstellungen ist ebenfalls vorgesehen.“



    Für 1914 habe ich noch nichts Entsprechendes gefunden.

  • Die Geschäftsberichte der HEAG von 1912/13 bis 1940 sind, soweit für Darmstädter Straßenbahnen und Busse von Belang, auf meiner Webseite zusammengefaßt. Angaben zu Tarifänderungen und Detailangaben, wieviele Fahrscheine von welcher Sorte wann und wo verkauft wurden, habe ich ignoriert. Wer das noch genauer nachlesen will, kann in der Darmstädter ULB oder per Fernnleihe in jeder anderen Bibliothek Einsicht nehmen.


    Ich finde ja, das ist eine hübsche Ergänzung zu Bürnheim/Burmeister.


    By the way: kennt jemand von euch Bilder von der Fasanerieschleife?

  • Mist, schon so spät. Um 5 Uhr ist die Nacht zu Ende. Dann lese ich heute abend weiter. Gute Nacht :sleeping:

    Viele Grüße aus Darmstadt - Jörg "Baertram" D.
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  • Das ist kein Aprilscherz.
    Für 1960 war das Aus für Autobusse mit Anhänger beschlossen. Also mußte sich die HEAG etwas als Ersatz einfallen lassen und holte sich im Februar 1957 einen Doppeldecker im Probebetrieb für die Linie H von der Neckarstraße in die Heimstättensiedlung. Im Darmstädter Echo vom 7.2.1957 gibt es dazu sogar ein Bild, das einen Doppeldeckerbus von der Neckarstraße in die Rheinstraße abbiegend zeigt.


    Das scheint sich nicht wirklich bewährt zu haben (Äste von Bäumen an engeren Straßen, scharfe Kurven etc.) oder aber die Busse waren der HEAG dann doch zu teuer, Preis damals über 100.000 DM.


    Leider ist meine Kopie des Zeitungsartikels (zu dem es noch einige weitere gibt, die ich nicht kopiert habe) derart schlecht, daß eine Reproduktion des Bildes hier sinnlos ist.

  • Das muß dann wohl mit der Heimstättensiedlung zusammenhängen. Die Fünfkirchner und Klausenburger Straße hatten damals schon Bäume und auch der Haardtring war nicht frei davon. Den Baumrückschnitt war damals ja nicht so ausgeprägt wie heute.

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  • Was mich dennoch wundert - In den frühen 70er Jahren hatte ich das Busnetz etwa so kennengelernt:
    Linie A und S: DB O321 bzw. O322
    Linie F und L: DB O305 (rote Sitzpolster) mit "Regenleisten"
    Linie H: DB O305 (blaue Sitzpolster) ohne "Regenleisten"
    Linie O und P: DB/Vetter O317 (Gelenkbusse)
    Mit den restlichen Buslinien (B, I, M, N, NB, PI? und W) hatte ich weniger zu tun.
    Aber erst im Laufe der späten 70er Jahren wurde die Linie H mit Gelenkbussen bedient - als 3. Buslinie in Darmstadt

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  • Meine Nachforschungen zum Theatergleis fördern auch weiterhin neue Erkenntnisse zutage. So ist die Angabe von Bürnheim/Burmeister, selbiges sei 1902 angelegt worden, wohl endgültig zu verwerfen. Das Schräggleis existierte vom Spätherbst 1914 bis Juli 1967. Die Verwaltungsberichte der Bürgermeisterei Darmstdt fördern nun zutage, daß es für dieses Gleis von 1905/06 an einen Vorgänger gab, der parallel zum Fasaneriegleis lag und der 1911/12 in die zu diesem Zeitpunkt zweigleisig ausgebaute Strecke kunstvoll integriert wurde. Damit nämlich die Wagen, die von der Fasanerie kamen, nicht auf die auf das Theaterpublikum wartenden Wagen aufliefen, wurde ein doppelter Gleiswechsel eingebaut, über den die Wagen über das Gegengleis umfahren werden konnten.


    Meine Darstellung zum Theatergleis und zum Gleis in der Hochschulstraße, das vielleicht bei Bauarbeiten im kommenden Jahr aufgedeckt werden wird, habe ich gründlich überarbeitet und erweitert.


    Nachzulesen hier.

  • ... immer wieder ein Erlebnis :thumbup:


    Wie ein Schwamm habe ich diese neue Informationen aufgesaugt und bin bestrebt diese auch im Kopf zu behalten. Besonders interresant fand ich die geplante Häuserblockschleife westlich des Riegerplatzes in den von Dir verlinkten Stadtplänen. Ob es je im Falle des Baues der Strecke dazu gekommen wäre, darf aber dennoch angezweifelt werden, wenn man die Parallele zum Ostbahnhof sieht (Auch dort eine Häserblockschleife in den Plänen der 30er Jahre, obwohl 1959 realisiert, womit die Straßenbahnlinie 9 zur ersten Linie wurde, auf welcher 2 Jahre später die ST 7 eingesetzt werden konnte).

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  • Ich ergänze aus dem Tagblatt vom 31. Mai 1914 zum Bau der Straßenbahnlinie durch die Hochschulstraße, mit einem längeren dort abgedruckten Text, nämlich der Vereinbarung zwischen Stadt und TH: Seite 3 und Seite 4.


    Wenn ich mal mehr Zeit dafür finde, werde ich den Jahrgang vollständig auswerten und die Resultate in meine diversen Darstellungen einbinden.

  • ... habe ich alte Bilder gefunden. Hier sind zwar alle möglichen Bilder zu finden, aber der geduldige Durchseher findet dann das ein oder andere Schätzchen (z.B ein Busbild mit 11 Reisebusse der Firma Kurz und Söhne am Mathildenplatz).

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    Einmal editiert, zuletzt von Baertram ()

  • Ich würde mal sagen: Im Vordergrund ST 4 mit SB 6, im Hintergrund ST 3 mit vermutlich SB 2.


    Diese Kombinationen waren in den 1950er unterwegs. Ich tippe, das der ST4 mit SB 6 auf der Linie 2 unterwegs ist und der ST 3 mit dem SB 2 ein Zug der Linie 6.
    Der ST 3 könnte sogar Tw 66 sein. Von dem habe ich eine Meldung über die "Bullrich"-Werbung am Dach aus dem Jahr 1954. würde dann mit Lauf 1955 passen.

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    Einmal editiert, zuletzt von Baertram () aus folgendem Grund: Ein Versuch, einen Tw genauer zu identifizieren.

  • Im Stadtarchiv Griesheim habe ich den Entwurf für den Sommerfahrplan der Dampfstraßenbahn von 1911 mitsamt erläuterndem Begleitschreiben der SEG entdeckt und auf meine Webseite gestellt.


    Der Fahrplan


    Der Fahrplan ist zur besseren Lesbarkeit 2400 Pixel breit und vermutlich für Smartphones nicht geeignet. Beim Herunterladen bitte beachten, daß der Plan aus zwei untereinander liegenden Grafikdateien besteht.

  • Als Ergänzung zum Vorigen: die Anschreiben, aber leider nicht die Fahrpläne selbst, zu den beiden vorherigen Sommerfahrplänen 1909 und 1910 sind nun ebenfalls online. Sie enthalten Bemerkungen zum Schülerverkehr, zu Extrafahrten zum Griesheimer Sand und zum heimzubringenden Theaterpublikum.


    Die Anschreiben

  • Gefunden auf der Suche nach etwas ganz Anderem im Griesheimer Anzeiger vom 15.11.1930:





    Bürnheim/Burmeister entnehme ich, daß die "1" nach dem 1. Weltkrieg an verschiedenen Haltestellen entlang der Nieder-Ramstädter-Straße endete. Hier ist einmal so ein Fall einer Endhaltestellenverlegung dokumentiert.