Der anhaltende Fahrpersonalmangel und die Folgen für den ÖPNV in Frankfurt

  • Bei dem Thema ÖPNV-Vorrangschaltung in Frankfurt scheint es auch am institutionellen Widerwillen von Seiten des Straßenverkehrsamtes zu scheitern zu mindestens lesen sich die Kommentare des SVA zum letzten Nahverkehrsplan alles andere als besonders bereitwillig.


    Traffiq hat im Nahverkehrsplan 2025 die Probleme hinreichend deutlich benannt, die dort formulierte Kritik geht genau in diese Richung:


    Zitat

    "Trotz bereits vorhandener ÖPNV-Bevorrechtigung an Lichtsignalanlagen bleibt der erhoffte Effekt einer tatsächlichen Bevorrechtigung des ÖPNV gegenüber anderen Verkehrsarten teilweise aus. Eine Beschleunigung des ÖPNV kann nur erfolgen, wenn in den Signalablauf für den MIV eingegriffen wird und eine Bevorrechtigung des ÖPNV verstärkt zu Lasten der MIV-Leistungsfähigkeit realisiert wird.


    Quelle NVP_2025; S. 125

    Früher erzielte Fahrzeitgewinne sind längst wieder aufgebraucht, wobei das weniger durch die Steuerung der LSA erfolgt, sondern durch andere Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern, sei es der Zebrastreifen am Paulsplatz, sei Parksuchverkehr an Stellen, wo eh keine Parkplätze sind, Lieferverlehr, Falschparker, Parken in 2. Reihe, Rechts-vor-Links-Situationen, mangelnde Kapazitäten an den Bus-Endhaltestell.


    Leider ist das Datenmaterial, auf dem der NVP beruht, nicht mehr ganz frisch, seit dem sind neue Steuerungen hinzugekommen, Kreuzungen umgebaut worden usw., aber die Grundproblematik scheint nach wie vor dieselbe.


    NVP, ab S. 120

  • Ja genau - wir beheben ein systemisches Problem in dem wir an den Auswirkungen drehen. Ich finde es schwierig es auf diese einfache Formel zu bringen - man müsste ja 11% der Kurse einsparen können.

    In Heidelberg und Mannheim - selbes Personalproblem - macht man das radikal. Ab morgen "Stabilisierungsfahrplan", etwa ein Viertel der Bus-Kurse werden aus dem Fahrplan gestrichen. Bis mindestens Frühjahr.

  • Mehr durch Zufall habe ich noch einmal den inzwischen ebenfalls online zu findenden Artikel der FNP gelesen, der ist tatsächlich etwas ausführlicher als der aus der FR. Vor allem finde ich das Thema ÖPNV-Beschleunigung nur im FNP-Artikel (am Schluss des Textes), das fehlt in der FR.


    Daher bitte ich auch barnyk um Verzeihung, dass ich Dir vorwarf, etwas nicht gelesen zu haben, was Du (in der FR) gar nicht lesen konntest, da es nur in der FNP stand.

    Einmal editiert, zuletzt von Bernemer ()

  • Laut SPON+ bildet München Studentenfahrer aus um dem Fahrermangel bei der Straßenbahn zu begegnen.

    Wann ist die VGF soweit?

    Um genau zu sein werden sogar schon wieder Studentenfahrer bei der VGF ausgebildet. Im Frühjahr gab es neben der üblichen Stellenausschreibung für Schienenbahnfahrer auch eine Ausschreibung für studentische Aushilfen. Im Gegensatz zu den zuletzt eingestellten Studentenfahrern sollen die Anwärter dieses Jahr nicht auf der A-Strecke eingesetzt werden, sondern für die Linien vom Betriebshof Ost ausgebildet werden (U4, U6 und U7). Die Linie U5 wurde auch in der Ausschreibung bewusst ausgeklammert, da hierfür zusätzlich noch der Straßenbahnschein benötigt würde. Nach bestandener Prüfung sollten die neuen Studentenfahrer dann ab Ende Sep./Anfang Okt. auf den Strecken unterwegs sein.

  • Laut SPON+ bildet München Studentenfahrer aus um dem Fahrermangel bei der Straßenbahn zu begegnen.

    Wann ist die VGF soweit?

    Wie auch an einigen Stellen hier im Forum zu lesen war ist das limitierende Problem oftmals die Qualifizierungsabteilung und nicht die Personalabteilung, die keine Bewerber findet.


    Klar: Studenten und sonstige "nebenberuflichen" Beschäftigten sind sehr flexibel und fahren gern auch mal einen "V-Zug" nach einem Telefonanruf, die große Masse der Dienste trägt jedoch das reguläre Personal, welches die meisten Betriebe (zurecht) einsetzen wollen.

  • Jede größer angelegte Entlastung durch Aushilfen ist gleichzeitig auch eine Abwertung der voll qualifizierten Fachkräfte... Es wird dadurch vermittelt "Man brauch euch ja gar nicht, geht doch auch so". Gerade seitens der Politik kommen ja immer wieder Aktionen und Vorschläge, das Level der Qualifikation für Aushilfskräfte weiter zu senken. Man denke auch an den pädagogischen Bereich. Es ist eben ein Flickschustern an den Problemen, anstatt die Ursachen zu beheben.

  • Jede größer angelegte Entlastung durch Aushilfen ist gleichzeitig auch eine Abwertung der voll qualifizierten Fachkräfte...

    Sehe ich in diesem Fall nicht wirklich so. Gerade im Fahrdienst ist die Ausbildung ein nicht zu unterschätzender Anteil. Selbst wenn man ihn "verkürzt" (wie auch immer), bleibt da ein ziemlicher Zeitfaktor übrig.


    Das Problem (und die Vorbehalte) sehe ich eher beim Personal selbst. Egal wo ich mich mit den Leuten unterhalte (also nicht nur in Frankfurt), wird immer gemeckert, dass man keine Wochenenden frei habe oder Urlaub bekommt, aber zwei Atemzüge später wird gegen Teilzeitkräfte gestänkert, dass die einem ja die attraktiven Dienste wegnähmen. Das hat etwas vom berühmten Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.

  • Attraktivität ist so eine Sache. Dienst am Wochenende bringt (sicherlich gern gesehene) Zulagen und Dienstfrei an anderen Tagen, aber auch den Nachteil eben mit Dienst am Wochenende.

  • Sehe ich in diesem Fall nicht wirklich so. Gerade im Fahrdienst ist die Ausbildung ein nicht zu unterschätzender Anteil. Selbst wenn man ihn "verkürzt" (wie auch immer), bleibt da ein ziemlicher Zeitfaktor übrig.

    Verkürzt ist auch sehr relativ. Die Ausbildungszeiten (für "normales" Personal) unterscheiden sich eh schon extrem je nach Betrieb, so wirklich standardisiert ist das nicht.


    Bei den Studenten wird das im allgemeinen um rund 40-50% gekürzt. Wodurch ein Student im Rhein-Neckar-Raum mit 45 Tagen Ausbildung (oder in München mit ähnlichem Zeitraum) dann kaum weniger Ausbildung hat als ein "Regelfahrer" in Nürnberg mit 54 Tagen...

  • Die anhaltenden Ausfälle im städtischen Nahverkehr sind Thema in diesem Artikel in der FNP: Busse und Bahnen bleiben unzuverlässig


    Dabei gibt es auch einen Bezug zum (offenbar nicht ganz so großen wie von einer Zeitung hochgejazzten) Unmut im Fahrdienst der VGF:

    Zitat

    Nun gibt es einen Hoffnungsschimmer: Die VGF, die U-Bahnen und Straßenbahnen betreibt, korrigiere zum 1. September ihre Dienstpläne, erklärt Wiebke Lang. Die hatten nach einer gesetzlich verursachten Umstellung zum Jahreswechsel „ein Ungleichgewicht der Personalverfügbarkeit zulasten der Wochenenden“ verursacht. So gab es samstags besonders viele Fahrtausfälle, in letzter Zeit auch sonntags, was Fahrgäste beobachten und Fahrer bestätigen.

    Außerdem fordert eine Vertreterin von Pro Bahn den Einsatz von Taxis als Ersatz für Fahrten aus seltener verkehrenden Buslinien in Tagesrandlagen – also bspw. am Stadtrand, der Artikel erwähnt aber erhebliche Ausfälle auch auf innerstädtischen Linien wie 33 und 38. Solchen Taxi-Ersatz hatten wir ja kürzlich auf dem 42er, als es die Probleme in den östlichen Stadtteilen gab, siehe: ICB-Betriebsrat genehmigt Dienstpläne für den Sommerferienfahrplan nicht.

  • Jedenfalls scheint es bei der ICB weiter bergab zu gehen. Gestern und heute entfielen auf der 40, 42 und 43 diverse Kurse. Man darf nicht vergessen, die Fahrpläne sind bereits um ca 1/3 zusammengekürzt worden. 20 Minuten kein Bus auf der 43 (eigentlich 5er-Takt), dazu weiter steigende Ticketpreise und die ältesten, abgeranztesten Fahrzeuge aus dem ICB-Fuhrpark. Als Fahrgast sollte man doch etwas mehr erwarten können.

  • Die anhaltenden Ausfälle im städtischen Nahverkehr sind Thema in diesem Artikel in der FNP: Busse und Bahnen bleiben unzuverlässig


    Dabei gibt es auch einen Bezug zum (offenbar nicht ganz so großen wie von einer Zeitung hochgejazzten) Unmut im Fahrdienst der VGF:

    Außerdem fordert eine Vertreterin von Pro Bahn den Einsatz von Taxis als Ersatz für Fahrten aus seltener verkehrenden Buslinien in Tagesrandlagen – also bspw. am Stadtrand, der Artikel erwähnt aber erhebliche Ausfälle auch auf innerstädtischen Linien wie 33 und 38. Solchen Taxi-Ersatz hatten wir ja kürzlich auf dem 42er, als es die Probleme in den östlichen Stadtteilen gab, siehe: ICB-Betriebsrat genehmigt Dienstpläne für den Sommerferienfahrplan nicht.

    Als täglicher Nutzer des 38er und der 17 (eigentlich täglich, aber wegen dem Teilausfall zwischen Festhalle/Messe und Rebstockbad, momentan gar nicht), kann ich den Beitrag der FNP leider nur bestätigen. Es kommt leider nicht selten vor, dass 2-3 Kurse, des 38ers, hinter einander ausfallen. Ich bin zum Glück nicht zu 100% auf den Bus angewiesen, aber trotzdem ist es, als Nutzer des ÖPNVs, sehr schade.