Nachfolge für das 9 €-Ticket

  • Das 9 €-Ticket läuft Ende August aus. Jetzt kommen verschiedene Vorschläge zur Weiterführung auf.


    Da Bundesfinanzminister Lindner deutlich gemacht hat, dass der ÖPNV nicht Bundes- sondern Ländersache sei und auch für die nächsten 4 Jahre keine Änderung der bundespolitischen Rahmenbedingungen zu erwarten ist, bleibt zu überlegen, wie es unter den gegebenen Bedingungen weitergehen kann.


    Der VDV hat mit dem 69 €-Ticket einen bemerkenswerten Vorschlag gemacht, mit nach meinem Eindruck großer Akzeptanz. Da der Vorschlag von "den Verkehrsunternehmen" selbst kommt, besteht auch eine realistische Chance auf Umsetzung. Natürlich muss dieses Ticket gegenfinanziert werden, wie der ÖPNV jetzt auch. Der Bund wird keine Unterstützung leisten, also müssen sich die 16 Bundesländer schnell auf eine gemeinsame Unterstützung und organisatorische Umsetzung einigen.


    Deshalb gibt es inzwischen auch den Vorschlag, das 9 €-Ticket bis zum Jahresende weiterzuführen, um bis dahin den Ländern zu ermöglichen, eine gemeinsame Weiterführung zu vereinbaren.


    Denkbar wäre für mich ein Baukasten-System:

    Es gibt zunächst Länder-Tickets zu einem einheitlichen Tarif, z.B. für 60 €, die dann wie in Hessen z.B. für Schüler und Senioren auf 30 € ermäßigt werden. Neben den reinen Monatskarten gibt es auch landesweite Tages- und Wochenkarten, z.B. für 10 € und 20 €. Für 5 €, 10 € und 20 € kann die Gültigkeit für Tage, Wochen oder Monate bundesweit erweitert werden. Eine Möglichkeit wäre auch, die bisher in Hessen ermäßigten Schüler- und Seniorenkarten für alle als "Talzeit-Tickets" außerhalb der HVZ anzubieten.


    Für die allermeisten Pendler und Vielnutzer würden damit ihre Fahrten deutlich günstiger als bisher. Für weniger als eine Monatskarte nur für Frankfurt kostet, gibt es dann ganz Hessen.

    Das Ganze würde eine gewaltige Vereinfachung der Tarife ermöglichen, da sich für die allermeisten die neuen Zeitkarten lohnen würden. Ich würde ein Sinken der Schwarzfahrerquoten erwarten, und auch weniger Vandalismus, weil einfach durch mehr Fahrgäste die soziale Kontrolle größer wäre. Und es wäre auch weniger "cool", die dann wirklich von allen genutzten "Öffis" zu beschädigen.


    Auch der Kontrollaufwand würde deutlich geringer werden, weil die Tarife wesentlich einfacher werden.

  • Dann können wir uns darauf beschränken, wie es jetzt real weitergeht. Also grobe Richtung: Von den Ländern organisiertes und finanziertes 69 Euro-Ticket. Ich gebe Dir Recht: Da wierden bei 16 Bundesländern schon genug Varianten herauskommen - so es wenigstens eine Einigigung überhaupt in dieser Richtung gibt.

  • Da Bundesfinanzminister Lindner deutlich gemacht hat, dass der ÖPNV nicht Bundes- sondern Ländersache sei und auch für die nächsten 4 Jahre keine Änderung der bundespolitischen Rahmenbedingungen zu erwarten ist, (...)

    Mit diesem Zitat kann man eigentlich sämtliche Diskussionen einstellen. Ohne dass der Bundesfinanzminister den Ländern zusätzliches Geld zur Verfügung stellt, werden die Länder auch keine neuen, attraktiven Angebot aus dem Hut zaubern können. Die Länder haben schlicht und einfach nicht das Geld dazu, wenn ihnen das Herr Lindner nicht zur Verfügung stellen will. Der Bund zahlt den Ländern jedes Jahr ca. 10 Mrd. Euro an Regionalisierungsmitteln. Diese wurden zur Finanzierung des 9-Euro-Tickets um 2,5 Mrd Euro aufgestockt. Selbst irgendwelche abgespeckten Versionen dies 9-Euro-Tickets werden zusätzliche Gelder kosten. Hier müsste erstmal Herr Lindner in Vorleistung treten und eine Summe X (Beispielsweise 5 Mrd. Euro p.a. zusätzlich) für ein 9-Euro-Nachfolgeticket zur Verfügung stellen. Dann könnte man sich über die Ausgestaltung Gedanken machen.

    Das 9-Euro-Ticket ist auch deshalb attraktiv, weil es bundesweite Gültigkeit hat. Dazu muss man nicht unbedingt Kreuz und Quer durch Deutschland fahren. Aber wenn ich grenznah zwischen zwei Bundesländern wohne, so sind für mich Tickets, die sich auf ein Bundesland beschränken eventuell weniger attraktiv. Ich denke die meisten Leute werden nicht jedes Wochenende hunderte von Kilometern im Nahverkehrszug unterwegs sein. Im Zweifelsfall greifen die meisten Leute für längere Strecken dann doch lieber auf den ICE zurück, trotz 9-Euro-Ticket: https://www.spiegel.de/panoram…d3-4ab6-8c4a-2568a9087a58

    Es geht mir bei der bundesweiten Gültigkeit vor allem darum, dass das Ticket dadurch einfach zu benutzen ist. Auch für Leute, die mal über eine Ländergrenze hinweg reisen möchten.

  • Zitat: "Dann können wir uns darauf beschränken, wie es jetzt real weitergeht."


    Gut eine Portion Realität....

    ....geht man nach dem was in den Medien über die Äusserungen der Politker steht kann man das mit

    einem einzigen Wort zusammenfassen:

    ABWARTEN


    Beispiel


    Somit weiteres getexte erst mal hinfällig (ausser man sieht das hier als Chat und nicht als Fourm an und möchte

    seinen Beitragszähler zwanghaft vergrössern)

    In god (an invention by mankind) we trust - on earth we don't


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  • Der VCD schlägt ein Nachfolgemodell vor bei dem Deutschland in 8 Regionen aufgeteilt wird und man, günstiger als heute, Monatskarten für eine Region für 75 € erwerben kann. Jede weitere Region, die in den meisten Fällen mehrere Bundesländer angehören, kostet 30 € und ganz Deutschland soll für 135e€ erhältlich sein.

  • Der VCD schlägt ein Nachfolgemodell vor bei dem Deutschland in 8 Regionen aufgeteilt wird und man, günstiger als heute, Monatskarten für eine Region für 75 € erwerben kann. Jede weitere Region, die in den meisten Fällen mehrere Bundesländer angehören, kostet 30 € und ganz Deutschland soll für 135e€ erhältlich sein.

    Zum besseren Verständnis geht es hier zur Originalquelle.

    Gruß Tommy

  • Über die Einstiegshöhe von 75€ ließe sich noch streiten, aber ansonsten meiner Meinung nach genau das richtige Konzept. Ich würde einen Basispreis zwischen 30-50 €/Monat als optimale Schwelle erachten, damit auch Gelegenheitsfahrer zugreifen. Eine weitere Region oder ganz D dann wie vom VCD vorgeschlagen. Allein, mit Lindner wird's wohl nichts werden. Das hat er schon verlautbaren lassen.

  • Tja nun, das Konzept "Christian Lindner" überzeugt dann wiederum mich nicht. Muss ich trotzdem mit leben.


    Insgesamt gehen aber sowohl der Vorschlag des VDV als auch der des VCD aus meiner Sicht durchaus in die richtige Richtung, nämlich eine wesentliche Vereinfachung gegenüber der "alten Welt".

    Vielleicht bleibt ja tatsächlich am Ende eine Verbesserung übrig, wenn jeder Provinzfürst noch seinen Senf dazu gegeben hat.

  • Laut Tina Handel, Hauptstadtstudiokorrespondentin der ARDTina Handel, Hauptstadtstudiokorrespondentin der ARD, legen die Grünen ein Konzept für die Weitzerführung vor: 29€ fürs Regionalticket, 49 € fürs Bundesticket. Weiter: „Bei der Finanzierung pochen die Grünen auf ihren bisherigen Vorschlag: #Dienstwagenprivileg abbauen


    Edit (sorry, es überschlägt sich ein wenig): Artikel auf tagesschau.de .

    Einmal editiert, zuletzt von baeuchle ()

  • Beim Tagesschau-Artikel finde ich den letzten Paragraphen interessant: das Ticket hätte wenige Autofahrer zum ÖPNV gelockt. EInerseits ist das offensichtlich. Niemand verkauft sein Auto für ein Ticket, dass es 3 Monate später nicht mehr gibt. Andererseits passt das auch sehr gut in mein Weltbild, wonach Anreize eben nicht reichen. Es braucht Verbote damit der Pöbel irgendetwas ändert.

  • "ÖPV nutzen statt PKW" & "PKW verkaufen" sind zwei verschiedene paar Schuhe.....


    Im Artikel steht aber nur, dass "Mobilitätsforscher bezweifeln, dass viele Autofahrer umgestiegen sind"

    und dass die Studien dazu noch laufen.

    (ich vermutet dass das eine Annahme an Hand der Untersuchungen vom kostenlosen Busverkehr in

    Templin ist)

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  • "ÖPV nutzen statt PKW" & "PKW verkaufen" sind zwei verschiedene paar Schuhe.....

    Ich denke jeder hier, auch du, hat verstanden, dass das stellvertretend für "Alltag tiefgreifend ändern" steht. So abwegig finde ich das übrigens nicht. Gerade in Haushalten mit mehr als einem Auto, reicht ein auf ÖPV umgestiegener Pendler um ein Auto überflüssig zu machen.

  • 49 Euro für das ganze Land sind meiner Meinung nach nicht realisierbar, 69 Euro schon ehr (könnte mir da sogar 79 Euro vorstellen). Man muss bedenken, dass man langfristig das Angebot ausbauen muss, um Fahrgäste dauerhaft zum Umstieg zu bewegen. Aber Regionalisierungsmittel werden nicht unendlich vorhanden sein, zumal auch andere Faktoren bedacht werden müssen. Ständig steigende Energiekosten & Personalkosten (sind nicht direkt zu beeinflussen), geringere Fahrgelderlöse durch die günstigeren Tickets (hier hat man eine Stellschraube) und eben Angebotsausbau (da stellt sich die Frage, wieviel mehr will man bzw ist überhaupt möglich).

    Die Ampel ist da relativ stark zerstritten. Die FDP will die Schuldenbremse ab kommenden Jahr unbedingt einhalten, wie aber die Finanzierung erfolgen soll bleibt damit ungeklärt (Mehrheiten für die grüne Idee mit den Dienstwagen sehe ich aktuell nicht). Dazu hat man derzeit noch das Problem mit den steigenden Gaspreisen und allgemeinen Energiekosten, da wird der Staat zwangsläufig auch zubuttern müssen. Ganz zu schweigen von den zusätzlichen Kosten für die Generalsanierung vom DB Netz, die groß angekündigt wurde. Ohne das ist ein brauchbarer ÖPNV schlichtweg Utopie wie man derzeit überall im Land spüren kann.

    Letztendlich wird man an allen Ecken nachbessern müssen. Würde mich nicht wundern, wenn es ein Sondervermögen (oder wie man das auch immer nennen mag) für DB Netz Sanierung und Klimaticket gibt.

  • Vielleicht sollte man etwas weiter denken. In 4 Jahren wird ja wieder gewählt, und da könnte ich mir eine deutliche Präferenz für Schwarz-Grün vorstellen. Diese Modelle laufen ja in Hessen und Ba-Wü recht erfolgreich.


    Zum Umstieg: Ich benutze auch den ÖPNV nur, wenn er gut und attraktiv ist. Dazu gehören eben Schnelligkeit, Bedingungen etwaiger Umstiege, Rahmen wie soziale Sicherheit und Sauberkeit - und eben auch der Preis.


    In einer Kleinstadt wie Templin könnte ich mir vorstellen, auf einigen Relationen schon zu Fuß schneller zu sein ... und dann interessiert mich auch ein kostenloserr Bus wenig. Und wir wollen ja die Menschen vom Auto weglocken. Ein billiger oder kostenloser ÖPNV interessiert mich auch wenig, wenn etwa dort alles total versifft ist.


    Also müssen mehrere Größen verändert werden. Wenn ich als Pendler mehrere hundert Euro ausgeben muss, ist der Preis natürlich ein wichtiges Argument. Brauche ich aber mit dem ÖPNV wesentlich länger oder fahren Bus oder Bahn sehr selten oder produzieren häufig durch Verspätungen verpasste Anschlüsse, nützt auch der niedrige Preis nichts.


    Zur Finanzierung könnte man ja auch zusätzlich den "Anti-Lindner" spielen und Benzin und Diesel noch kräftiger besteuern. Für die weiterhin notwendigen Fahrten zum Bahnhof oder etwa für Handwerker gibt es dann den bekannten Tank-Rabatt. Aber warum soll der SUV-Fahrer nicht 5 € für den Liter zahlen, wenn er - und da passt nach meinem Eindruck durchaus die männliche Form -, mit seinem Gefährt neben der S-Bahn herfährt. Die kann er dann durchaus damit subventionieren - und den Tankrabatt für Handwerker und Hebammen dazu.:P

  • Noch etwas "nachgetreten": Erdöl ist als Rohstoff viel zu wertvoll - z.B. als Basis für die chemische Industrie als in Autos oder Flugzeugen verfeuert zu werden. Und wenn schon verfeuern, dann lieber warme Wohnungen (Ölheizungen oder Öl-Kraftwerke) als "freie Fahrt für freie Bürger". Zur im Winter warmen Wohnung gibt es keine Alternative - zum Autofahren und inner-europäischen Fliegen schon. :P

  • 49 Euro für das ganze Land sind meiner Meinung nach nicht realisierbar, 69 Euro schon ehr (könnte mir da sogar 79 Euro vorstellen). Man muss bedenken, dass man langfristig das Angebot ausbauen muss,

    Das hört sich wieder nach dem alten falschen Gegensatz an, über den wir schon im Juni diskutiert haben.


    Aber konkret: wieso ist 79 Euro vorstellbar, 49 aber nicht? Wenn wir ehrlich sind, sind das alles aus dem Hut gezogene Zahlen. Der ÖPNV wird jetzt schon subventioniert, d.h. die Preise die wir heute haben sind schon nicht "realistisch"; andererseits ist das 9€-Ticket so billig, dass sich Fahrkartenausgabe und -kontrolle kaum noch davon bezahlen lassen. (Aber auch hierfür habe ich keine Zahlen.) Daher finde ich es schwierig, einen "realisierbaren" oder "ausreichenden" Preis zu definieren.


    Was aber geht, sind psychologische Preise. 29€ pro Monat ist „weniger als ein Euro am Tag“, wie die Grünen heute, den Februar vergessend (;)), allen erzählen; 59 Euro wären „weniger als zwei Euro pro Tag”. Beides halte ich daher für Preise, die sich gut „verkaufen“ (im Sinne von Werbung machen) lassen. 69 und 79 Euro hingegen finde ich eher nichtssagend; bei 49 Euro wäre wenigstens noch diese Zahl selbst: „unter 50 Euro!“ sinnhaft.

  • Außerdem subventionieren wir ja allen Autoverkehr auch, wenn auch weniger direkt als den ÖPNV. Zum Beispiel über unsere gar nicht so geringen Krankenkassen-Beiträge (z.B: Unfälle und Luftverschmutzung), verminderte Lebensqualität in den Städten, erschwerte Bedingungen für das Zu-Fuß-Gehen, fehlende Spielmöglichkeiten für Kinder, fehlende Begegnungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum, Versiegelung von Flächen, verstärkte Aufheizung der Städte, weitere Beschleunigung des Klimawandels ...

  • Was aber geht, sind psychologische Preise. 29€ pro Monat ist „weniger als ein Euro am Tag“, wie die Grünen heute, den Februar vergessend (;)), allen erzählen; 59 Euro wären „weniger als zwei Euro pro Tag”. Beides halte ich daher für Preise, die sich gut „verkaufen“ (im Sinne von Werbung machen) lassen. 69 und 79 Euro hingegen finde ich eher nichtssagend; bei 49 Euro wäre wenigstens noch diese Zahl selbst: „unter 50 Euro!“ sinnhaft.

    Ein striktes festhalten auf "x Euro am Tag" halte ich nicht für sinnvoll, da etwa inflationsbedingte Preiserhöhungen dann nicht wirklich sinnvoll möglich wäre (368€ im Jahr hätte ja irgendwie nicht den gleichen Effekt wie 365€). Eine gewisse psychologische Preisstrategie darf aber natürlich gerne trotzdem sein; irgenwas mit einer 9 am Ende fände ich bspw. schon sinnvoll.