FR – Tempo 30 bei Nacht funktioniert

  • Nach Abschluss der in diesem Praxisversuch vorgesehenen Evaluationsphasen berichtet die Straßenverkehrsbehörde, dass auch die zuletzt durchgeführte Verkehrsbeobachtung bei gültigen 30 km/h und ohne Einsatz von Blitzern die Wirksamkeit des 30-km/h-Limits bei Nacht bestätigt habe. Es sei kein massenhaftes Ausweichen auf Schleichwege festgestellt worden und die durchschnittliche Geschwindigkeit der registrierten Fahrzeuge um 4 bis 14 km/h auf 41 bis 47 km/h gesunken. Das entspreche einer Lärmreduktion von 2,8 bis 4,5 dB(A), also effektiv einer praktischen Halbierung in der Wahrnehmung.


    Man empfehle für die weitere Praxisanwendung Begleitmaßnahmen wie Geschwindigkeits-Infodisplays, aber auch Öffentlichkeitsarbeit und zusätzlich Überwachungsmaßnahmen.


    Klick.

    Fág an Bealach!

  • Wenn man eine faktische Überschreitung der vorgeschriebenen Geschwindigkeit um 50% als "Die Regelung funktioniert" verkaufen will...
    Der Effekt von weiterhin Tempo 50 und Blitzern hinter(!) den relevanten Kreuzungen wäre der gleiche gewesen, mit dem Unterschied, dass es keine Erosion der Relevanz der Tempo 30 Schilder, dort wo sie gebraucht werden, gegeben hätte.


    Vielleicht auch noch eine "Grüne Welle" auf Tempo 45, aber das ist in Frankfurt ja ein Fremdwort.

    Einmal editiert, zuletzt von Xalinai ()

  • Gehts drum, die Autofahrer zu diszplinieren oder den Lärm zu senken? Tempo 50 heißt erfahrungsgemäß, dass 60 gefahren wird. Und 60 +/- ist halt deutlich lauter als 40 +/-. Wenn die Lärmreduzierung auf diese Weise erreicht werden kann, is es doch ok.

  • Ich halte das leider für Augenwischerei. Aus eigener Erfahrung am Alleenring weiß ich, dass wirklich der letzte Punkt völlig fehlt, nämlich eine Anpassung der Ampelschaltung an die neu gewollte Geschwindigkeit.


    Dadurch ist es vielleicht wie angegebenen so, dass statt 60 auf der Strecke nur 40+x gefahren wird, was leiser ist. Dafür kann aber praktisch niemand mehr gleichmäßig durchfahren, sondern die Ampeln spielen ein unschönes Spiel. Das führt dann dazu, dass bei gelb noch mal schön drauf getreten wird, um noch durchzukommen, oder eben gebremst und neu angefahren wird nach der Rotphase.


    Und dieses Auf und Ab ist garantiert gefühlt lauter und wird mehr wahrgenommen als das gleichmäßige Fahren.


    Vielleicht reicht es ja aber, den Lärm an den Ampeln zu konzentrieren und zu verändern. Denn das ist es in meinen Ohren: Eine Ortsverschiebung und Artveränderung des Lärms. Und das wurde vermutlich nicht gemessen.

  • Xalinai : in Frankfurt geht grüne Welle nur bei 25 (fast überall) oder 70 (Platz der Republik - Messekreisel) ;-)


    Der wichtigste Effekt dürfte wohl sein, daß viele Autofahrer die Stadt nachts meiden, ich fahre beispielsweise nachts von Eckenheim nach Oberrad jetzt über die 661 statt mich krampfhaft auf eine Geschwindigkeit zu konzentrieren, die mein Tempomat nicht macht.

    Dank Petra werde ich zum Kunstkenner. Je öfter ich das Gebrabbel höre, desto mehr verstehe ich van Gogh.

  • Nur mal so nebenbei: Eine "Grüne Welle" geht nirgendwo. Das ist reine Augenwischerei. Denn Grüne Welle in der einen Richtung bedeutet unweigerlich Rote Welle in der Gegenrichtung, weil dort die Umlaufphasen entsprechend entgegenkommen.


    Sie geht nicht überall, aber in vielen Situationen schon. Auch in beide Richtungen gleichzeitig. Da ist halt ein bisschen Gehirnschmalz bei der Einrichtung der Steuerung gefordert. Es gibt durchaus einige Parameter an denen man drehen kann, z.B. Linksabbiegephasen zusammen mit der Geradeausphase an der einen, aber zusammen mit der gegenüberliegenden Linksabbiegephase an der nächsten Kreuzung; Berücksichtigung von ÖPNV Schaltungen, Fußgängerphasen, unterschiedliche Höchstgeschwindigkeiten der Fahrtrichtungen etc. Kompliziert wird es in der Regel nur dann, wenn sich zwei Hauptstraßen an großen Kreuzungen treffen.


    Als absolut vorbidliche Grüne Welle ganztags in beide Richtungen fällt mir z.B. die B4 Nürnberg-Erlangen ein wo so etwas schon seit Jahrzehnten wunderbar funktioniert.


    Eine andere Möglichkeit sind "intelligente" Steuerungen, die mit Hilfe von Sensoren, Kontaktschleifen etc. arbeiten und dadurch bedarfsgerecht den Verkehr steuern. Das hat dann zur Folge, dass in den HVZ die Lastrichtungen bevorzugt werden und länger grün bekommen. Nachts bleiben die Hauptstraßen durchgehend grün, außer ein Auto aus einer Nebenstraße fordert "grün" an. Dann kann entweder sofort grün für die Nebenstraße geschalten werden, oder erst nachdem ein paar Autos vom letzen kontaktpunkt auf der Hauptstraße durch sind. und so weiter ... Das kommt in vielen mittelgroßen Städten ja bereits seit Jahren zum Einsatz.


    Für Frankfurt bringt das aber alles nichts, wenn hier weiter an den in der Vergangenheit durch irgendjemanden festgelegten 180-Sekunden Umläufen festhält. Außerdem bin ich der Meinung, dass man die Hälfte der Ampeln in der Stadt abbauen kann, ohne das sich das in irgendeiner Art und Weise negativ auswirkt. Im Gegenteil, man sieht es sehr oft, dass vorgelagerte Ampeln den Verkehr gut genug steuern, dass nachgelagert Autos aus den Nebenstraßen in die Hauptstraßen einfahren können, Fußgänger sicher queren können etc.

  • Kann es sein, daß die B4 keine andere stark befahrene Strasse kreuzt?!


    Kompliziert ist ein Netzwerk wie es jede Stadt im Kernbereich besitzt. Da lässt sich
    kaum ein perfekten Ablauf erzielen. Und einen festen Grundtakt sollte man schon nutzen,
    da zwei verschiedene Umlaufzeiten an nahliegenden Ampeln abwchselnd Grüne Welleund
    Rote Welle produziert (vergleichbar mit der Überlagerung von 7,5 und 10 Min Takt auf
    einer Tramstrecke in Bezug auf gleichmäßigen Ablauf/Zugabstand....)


    (180 Sekunden sind aber nicht sinnig, wenn der Grundtakt des ÖPNV nicht ein vielfaches dieser
    Zeit ist.....)

    In god (an invention by mankind) we trust - on earth we don't


    Sincerly yours, NSA
    powered by US government

  • Eine andere Möglichkeit sind "intelligente" Steuerungen, die mit Hilfe von Sensoren, Kontaktschleifen etc. arbeiten und dadurch bedarfsgerecht den Verkehr steuern. Das hat dann zur Folge, dass in den HVZ die Lastrichtungen bevorzugt werden und länger grün bekommen. Nachts bleiben die Hauptstraßen durchgehend grün, außer ein Auto aus einer Nebenstraße fordert "grün" an. Dann kann entweder sofort grün für die Nebenstraße geschalten werden, oder erst nachdem ein paar Autos vom letzen kontaktpunkt auf der Hauptstraße durch sind. und so weiter ... Das kommt in vielen mittelgroßen Städten ja bereits seit Jahren zum Einsatz.

    Ansätze für so etwas gibt es in Frankfurt - aber leider nicht zuende gedacht. Auf der Gerbermühlstraße, sowohl an der Kreuzung Speckweg/Mainwasenweg als auch Wehrstraße/Parkplatz Gerbermühle. Dämlich ist nur, wenn man als Radfahrer aus Oberrad die Unterführung Speckweg nutzt und dann die Gerbermühlstraße queren will. Induktionsschleifen reagieren prinzipbedingt schlecht auf Aluminium, und da die meisten Fahrräder heute aus diesem Metall sind, steht man sich da die Räder platt. Kommt nicht von gegenüber ein Auto, bleibt nur endlos warten oder irgendwann über rot fahren... 8) Andernorts gibt es an solchen Einmündungen Radfahrertaster, die ersatzweise funktionieren. (Leibbrandstraße / Hanauer Landstraße)


    Aber auch ohne solchen Firlefanz gehen grüne Wellen - zumindest wenn man sie tageszeitabhängig für die Haupt-Verkehrsrichtungen, die es zumindest tagsüber auf großen Straßen in der Regel gibt, einrichtet. (Aber Frankfurt und Ampelphasen... es gibt Kreuzungen, deren programmierte Hauptlastrichtung ist immer noch nord/süd, obwohl seit dem Lückenschluß der A661 (wann war das? Mitte der 90er?) die Hauptlast in dieser Richtung weg ist, und dafür heute in ost-west-Richtung läuft. Aber da kommen pro Umlauf nur drei Autos rüber. *augen roll*

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  • Grüne Welle die mich überrascht hat: Taunusring in Offenbach von der Autobahn bis zur S-Bahn mit durchschnittlich 45 km/h - zwischen manchen Kreuzungen ein bißchen weniger, an anderen ein bißchen mehr - aber es geht... - wohlgemerkt in beide Richtungen!


    Negativbeispiel andersrum der besagte Alleenring in Frankfurt - 30 funktioniert überhaupt nicht, weil die mal vorhandene grüne Welle des Allenrings auf 50 km/h (die man nachts wenn frei war sauber durchfahren konnte ab Eissporthalle bis BuPolPrä!!!) mit der erzwungenen 30er-Ampelschaltung kaputt macht und man dann an der Friedberger versauert... - Verkehrsplanung wie man sie nicht macht...

    "Der Mensch, der so ehrbar im Einzelnen, aber so miserabel im Ganzen ist."
    Johann Wolfgang von Goethe

    Einmal editiert, zuletzt von sethaphopes ()

  • Richtig, die B4 Nürnberg-Erlangen hat im Außenbereich keine Kreuzungen mit großen Hauptverkehrsadern. Und dort wo sie auf den Nordring trifft, steht man je nach Verkehrsaufkommen mitunter mal bei rot. Es ist ja auch nicht schlimm, wenn eine Ampel mal rot zeigt. Das ist ja deren Zweck. Aber wenn man auf einer Hauptstraße im Berufsverkehr an jeder Kreuzung mit einer Nebenstraße ous der dann 0-2 Autos kommen anhalten muss, dann stimmt etwas nicht. Oder eben die Tempo 30 Geschichte auf dem Alleenring. Dann muss man halt von 22-6 Uhr ein anderes Programm fahren.


    Offenbach Taunusring->Offenbach Ost ist mir auch schon wohlwollend aufgefallen. Ganz vergessen ;) Und da kreuzen sehr wohl einige Hauptstraßen. Ein paar hundert Meter weiter liefert Offenbach aber (gewollt) ein absolutes Negativbeispiel ab. In der Berliner Straße steht man grundsätzlich in beiden Richtungen zu jeder Zeit an jeder Ampel.

  • Gehts drum, die Autofahrer zu diszplinieren oder den Lärm zu senken? Tempo 50 heißt erfahrungsgemäß, dass 60 gefahren wird. Und 60 +/- ist halt deutlich lauter als 40 +/-. Wenn die Lärmreduzierung auf diese Weise erreicht werden kann, is es doch ok.


    Natürlich kann man Achter Löcher auch mit dem Kreuzschlitzschraubenzieher bohren. Eine Zeitlang.
    Aber wenn man will, dass die Autofahrer nicht schneller als Tempo 50 fahren, muss man ein Werkzeug einsetzen, dass für diesen Zwechk gedacht ist, sonst nutzt es sich ab und kann seinen Zweck nicht erfüllen.


    Und etwas anders als "Disziplinieren" will man mit den 30er-Schildern auch nicht - schließlich könnte da gelegentlich auch ein Blitzer rumstehen, und Tempo 60 ist dann halt viel teurer als Tempo 45. Denn auch die erreichte leichte Reduzierung resultiert aus nichts anderem als der Angst, irdendwann doch geblitzt zu werden.


    Da halte ich, statt einer vagen Angst, die Sicherheit, dass es passiert, dafür aber ohne Beschädigung des Werkzeugs (30) für richtiger.


    Noch schlimmer wäre es, wenn sicher nie geblitzt würde.

    Einmal editiert, zuletzt von Xalinai ()

  • Die Anpassung der Ampelschaltungen ist ein vergleichsweise aufwändiger Prozess durch die vielen Abhängigkeiten.
    Nachdem nun der Test (mit dem darauf konzentrierten Aufwand) den Nachweis der wirksamen Lärmreduktion gebracht hat, spricht nichts dagegen, dies nun dauerhaft einzurichten und in diesem Zuge auch die Ampelschaltungen an die neuen Gegebenheiten anzupassen.

  • Ich habe ja noch die Hoffnung daß der neue Verkehrsdezernent diesen Spuk wieder beendet. Aber vermutlich erst, wenn die Ampeln umprogrammiert sind.. ;)

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  • Abwarten. Die FAZ schreibt, Oesterling habe auf den Koalitionsvertrag verwiesen. Darin heiße es, die reguläre Höchstgeschwindigkeit in Wohngebieten betrage 30 km/h, auf Hauptverkehrsstraße 50 km/h; aus Gründen von Verkehrssicherheit und Lärmschutz seien im Einzelfall Abweichungen möglich. Bei dieser Regelung werde es wohl auch bleiben.
    Oesterling meint, die Untersuchung zeige das wenig überraschende Ergebnis, dass Autofahrer langsamer führen, wenn Tempo-30-Schilder aufgestellt würden. Bedeutender sei hingegen die Erkenntnis, das Autofahrer Tempo 30 nur schwer akzeptierten, während die Überschreitungen geringer ausfielen, wenn Tempo 50 gelte.
    Der Verkehrsminister Al-Wazir wird zitiert, die Zwischenergebnisse des Modellversuchs hätten gezeigt, dass sich der Lärm durch Tempobegrenzung reduzieren lasse; es sei richtig gewesen, den Modellversuch zu ermöglichen, der Ball liege aber jetzt bei der Stadt.


    Was das jetzt bedeutet? Es wird wohl wie immer, wenn die Verantwortlichen die politische Auseinandersetzung scheuen, darauf hinauslaufen, dass die Verwaltung nicht mehr initiativ wird, dass aber dort, wo die Anwohner wegen des Lärms rebellieren, gemessen und ggf. reguliert wird. Das ist dann die Abweichung im Einzelfall.


    Q: FAZ, RMZ 25.8.2019, S. 29

  • Zitat

    in Frankfurt geht grüne Welle nur bei 25 (fast überall) oder 70 (Platz der Republik - Messekreisel) ;-)

    Das wäre die absolute Pessimierung der Ampelschaltungen X( : Für Autos, die sich an die Regelgeschwindigkeit von 50 Km / h zu langsam (oder zu schnell), für Radfahrer zu schnell. 25 km / h sind bei guten Bedingungen für mich keim Problem, aber es gibt normalerweise das Anfahren bei der letzten Ampel, Ausweichmanöver (Gullideckel, Fußgänger oder Autos aus Seitenstraßen etc.) oder leichte Steigungen. Hat aber heute Nacht auf der Strecke Schmidtkreisel - Voltastraße wunderbar funktioniert. :D Warum wird nicht die Stufung 18 / 50 km / h gewählt ? Dann hätten Autos, die sich an die großenteils im Hauptverkehrsstraßennetz geltende Regel halten, grüne Welle und ein großer Teil der Radfahrer auch. :)

  • Unter uns - ich glaube nicht, daß die grüne Welle bei 70 gewollt ist. Aber sie funktioniert, und die meisten, die morgens dort fahren, wissen es. Für Radfahrer gibt es dort übrigens einen eigenen Streifen...

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  • Vielleicht hilft der Diskussion einfach mal ein Link auf die tatsächlichen Daten statt der Zusammenfassung der Frankfurter Qualitätspresse. Auf Seite 15 der Präsentation zu den Ergebnissen des Verkehrsversuches (andere Quellen auf der leicht bei google zu findenden Themaseite der Stadt) kann man nachsehen, dass diese Aussage:


    Der Effekt von weiterhin Tempo 50 und Blitzern hinter(!) den relevanten Kreuzungen wäre der gleiche gewesen

    so nicht stimmt; bei 2 von 4 Messstationen gab es deutlich mehr Reduzierung bei 30 ohne Blitzer als bei 50 mit, bei einer gab es keinen Unterschied und nur bei einer war 50 mit Blitzern erfolgreicher.